Widerlich und brandgefährlich: die „christ-soziale“ Männergesellschaft

Seit Wochen schwirrt er herum: der sog. „Masterplan Migration“ des Bundesinnenministers. Doch niemand kennt ihn. Dauergrinsend gefällt sich Horst Seehofer darin, das bis jetzt geheime Machwerk als „großen Wurf“ zu verkaufen. Weiterlesen

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Ein bisschen Nachhilfe für Michael Weickert (CDU) in Sachen biblisches Menschenbild

Seit dem 22. Mai 2018 wurde sie vermisst, die 14-jährige Susanna F. aus Mainz. Aufgrund von Hinweisen fand die Polizei am vergangenen Mittwoch die Leiche des Mädchens. Sie wurde vergewaltigt, ermordet und dann in Wiesbaden verscharrt. Ein 13-jähriger Flüchtling hat der Polizei die entscheidenden Hinweise auf den Fundort der Leiche und den Täter gegeben. Er kannte den 20-jährigen Iraker Ali B., der das Verbrechen begangen haben soll. Ali B. war abgelehnter Asylbewerber und der Polizei wegen verschiedener Straftaten bekannt. Er hatte sich u.a. an einem 11-jährigen Flüchtlingskind in der Asylunterkunft vergangen. Doch das blieb ungeahndet. Soweit einige nüchterne Fakten eines horrenden Verbrechens.

Kein Wunder, dass in den sog. „sozialen“ Netzwerken sich der Pöbel seit Tagen in wüsteten Beschimpfungen ergeht – ganz im Ungeist von Pegida/AfD. Grundtenor: Angela Merkel ist die eigentliche Mörderin von Susanna F.. Am Tatort in Wiesbaden wird ein Kreuz mit der Aufschrift errichtet „Susanna 14 Jahre – Opfer der Toleranz“ – so als ob Toleranz Menschen umbringen würde. Aber das ist die bekannte Masche der rechtradikalen Szene. Sie wartet geradezu lechzend auf die nächste Gewalttat eines Geflüchteten, um dann die „Volksseele“ kochen zu lassen und die Grundwerte umzuwerten.

Gestern nun hat sich via Facebook der Leipziger CDU-Stadtrat Michael Weickert zu Wort gemeldet – ein Vertreter des konservativen Flügels seiner Partei (http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Attacken-auf-Merkel-und-Altmaier). Unter der Überschrift „Die Asylpolitik seit 2015 ist endgültig gescheitert“ verdammt er die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel – in Reaktion auf die Ermordung von Susanna F.: „Der Fall der 14-jährigen Susanna zeigt, dass nichts gut ist in der Asyl-und Flüchtlingspolitik. … Ich erwarte … eine Entschuldigung der Bundesregierung gegenüber der Familie des Mädchens und gegenüber allen Familien, die Opfer von Ausländerkriminalität geworden sind.“ Nun kann man sich fragen, welche Ahnung der Stadtrat Weickert eigentlich von der Asyl- und Flüchtlingspolitik in der Stadt hat, in der er lebt und in deren Stadtrat er Mitglied ist, um zu der Aussage zu gelangen „nichts ist gut“. Als Akteur in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit ist er jedenfalls genauso wenig aufgefallen wie die Partei, der er angehört. Aber das ist ja nichts Neues, dass diejenigen, die am lautesten vom „Scheitern der Integration“ etc. schwadronieren, sich kaum mit den tatsächlichen Begebenheiten vor Ort beschäftigen.

Aber an Herrn Weickert sind noch andere Fragen zu richten: Wenn er von „Ausländerkriminalität“ spricht, muss es ja auch eine „Inländerkriminalität“ geben. Was aber ist der Unterschied? Soll sich die Bundesregierung auch für Straftaten entschuldigen, die von deutschen Staatsbürger/innen begangen werden? Oder geht das eine Regierung oder einen Stadtrat nichts an? Ist Herrn Weickert nicht bekannt, dass im Rechtsstaat derjenige für die Straftat verantwortlich ist, der sie begeht? Hat der Christdemokrat Weickert schon einmal vernommen, dass das biblische Menschenbild eines auszeichnet: Jeder Mensch ist für das verantwortlich, was er tut; er kann die Schuld nicht auf andere abwälzen. Vielleicht sollte er noch einmal (oder erstmals) die Geschichte vom Sündenfall nachlesen (Die Bibel: 1. Mose 3).

Aber das mit der Bibel ist so eine Sache. Denn Weickert stellt forsch fest: „Wir brauchen kein Gerede mehr von christlicher Nächstenliebe.“ Ach so, ich dachte, die christliche Nächstenliebe gehört zur DNA eines jeden CDU-Mitglieds. Oder will Weickert nicht mehr an die Maßstäbe erinnert werden, die ihn ins Grübeln bringen könnten und müssten? Aber was wird dann aus dem „Christlich“ seiner Partei? Und wie sieht es mit der „deutschen Leitkultur“ aus, die doch nach Überzeugung vieler CDU-Mitglieder christlich geprägt ist? Vom Kreuz möchte ich in diesem Zusammenhang gar nicht reden. So kann es nicht weiter überraschen, dass Weickert jedes aus der Nächstenliebe erwachsende Engagement der Beliebigkeit des Konjunktivs anheimstellt: „Hilfe vor Ort zu leisten mag unser Auftrag und auch unsere Verantwortung sein.“ Mag? Offensichtlich kann Herr Weickert auch mit der alltäglichen Nächstenliebe, in Leipzig bis heute von Tausenden Bürgerinnen und Bürgern gegenüber Geflüchteten praktiziert, wenig anfangen.

Was deutlich wird: Weickert bedient sich in seiner Abrechnung mit seiner Parteivorsitzenden der AfD-Sprech pur. Damit bereitet er denen den Boden, die sich einen Dreck um Integration kümmern, Verfeindung zwischen Bevölkerungsgruppen schüren und im Zweifelsfall Toleranz opfern. Jedenfalls haben die Einlassungen des Herrn Weickert wenig zu tun mit Anteilnahme am Tod einer 14-jährigen Jugendlichen, die Opfer eines unvorstellbaren Verbrechens wurde. Doch für diese Tat sind weder Angela Merkel, noch der Islam, noch die Familie des Täters verantwortlich – sondern allein der Mörder. Aber auch er ist und bleibt ein Mensch. Auch diese Perspektive gehört zum christlichen Menschenbild und zum Rechtsstaat. Wenn Herr Weickert dem nicht folgen kann, sollte er sowohl vom christlichen Glauben wie von der Politik die Finger lassen.

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Gauland und seine „Brückenfiguren“ – jetzt ist Klarheit gefordert

Wieder Alexander Gauland, Bundesvorsitzender der AfD und Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion. Wieder ein Schritt in die rechtsnationalistische Richtung. Weiterlesen

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