Zwei Dinge vorweg:
- Es ist nachvollziehbar, dass die Leitung des Bach-Archivs und des Bachfestes den skandalösen Auftritt von Sir John Eliot Gardiner nach dem Kantaten-Konzert am 16. Juni 2026 in der Thomaskirche erst am letzten Tag des Bachfestes an die Öffentlichkeit gebracht und sich eindeutig vor die von Gardiner bedrängte Mitarbeiterin gestellt hat. So konnte der immense Schaden, den Gardiner (und niemand sonst!) angerichtet hat, zunächst in Grenzen gehalten und die Eindeutigkeit seines Handelns belegt werden.
- John Eliot Gardiner ist ein begnadeter Musiker – keine Frage. Allerdings begegnet er allen, die ihm nicht huldigen, mit tiefer Verachtung und Gesten, die jeden Anstand und Respekt vermissen lassen.
Das ist sein Problem. Aber nicht nur seines. Mit seiner unwürdigen Attacke gegen eine Mitarbeiterin des Bach-Archivs hat er nicht nur eine Frau in ihrer Würde schwer verletzt, er hat das so erfolgreiche Bachfest Leipzig 2026 besudelt. Inzwischen liegt ein Video vor, das den Vorfall unmissverständlich dokumentiert. Es lässt keine zweifelhaften Interpretationen zu. Was ist zu sehen? Nach dem Schlussakkord des Kantaten-Konzertes am 16. Juni 2026 in der Thomaskirche brandet Beifall auf. Zunächst verneigt sich Gardiner an der Brüstung der Westempore vor dem Publikum. Dann ruft er die fünf Solisten an die Brüstung und stellt sich hinter sie. Von hinten kommt eine Mitarbeiterin des Bach-Archivs mit sechs zusammengerollten Zertifikaten über eine Baumpflanzung in der Hand. Diese erhalten alle Dirigenten und Solisten des Bachfestes statt Blumen. Sie tippt den halb mit dem Rücken vor ihr stehenden Gardiner an der Schulter. Dieser wendet sich ihr zu. Die Mitarbeiterin gibt Gardiner zu verstehen, er möge zu den Solisten an die Emporenbrüstung treten, damit sie die Zertifikate überreichen kann. Darauf nimmt Gardiner sich eine Papierrolle und versucht diese der Mitarbeiterin in den Ausschnitt zu stecken. Da sie aber ein T-Shirt trägt, gelingt dies nicht. Verächtlich gibt er ihr die Rolle zurück und wendet sich grinsend von der Mitarbeiterin ab. Ein mehr als übergriffiger Vorgang.
Noch einmal: Die Video-Aufnahme lässt keine zwei Interpretationen zu. Vor allem nicht die von Gardiner selbst: „Ich war verwirrt und versuchte einfach nur, die Rolle wieder loszuwerden. Da sie (die Mitarbeiterin) die Hände voll hatte, platzierte ich die Rolle unter ihrer Halskette.“ Das ist lächerlich. Gardiner ist keine Rolle übergeben worden. Er hat sie sich selbst genommen und dann versucht, diese der Mitarbeiterin von oben unter das T-Shirt zu schieben. Was diese Handlung zeigt: Die tiefe Verachtung, die Gardiner schon immer denen entgegenbringt, die ihn nicht anhimmeln. Natürlich grenzt es in seinen Augen an Majestätsbeleidigung mit einer „Papierrolle“ abgespeist zu werden. Seine Verachtung drückt Gardiner nicht nur verbal und durch Körperhaltung aus. Er lässt sie auch handgreiflich werden – und dies nun zum wiederholten Male. Für mich ist es schon seit vielen Jahren nicht nachvollziehbar, dass Gardiner weiter zu den jährlichen Bachfesten eingeladen wird. Spätestens nachdem er im August 2023 nach einer konzertanten Opernaufführung in Paris den Tenor William Thomas geohrfeigt hat, hätte man von Einladungen absehen können, ja müssen.
Schon seine Ernennung zum Präsidenten des Bach-Archivs 2014 war in meinen Augen ein schwerer Fehler. Denn es war vorhersehbar, dass die Bachstadt Leipzig davon nichts hat. Gardiner hatte nur seine eigenen, selbstsüchtigen Vorteile im Blick. Man erinnere sich an die Versuche, das Bachfest in ein konturloses „Musikfestival Leipzig“ aufgehen zu lassen. Unvergessen, wie er als Präsident des Bach-Archivs beim Eröffnungskonzert des Bachfestes 2017 seine Rede mit dem Hinweis beschloss, dass er das, was der Thomanerchor nun singen wird, schon kenne und er zur Probe müsse – sprachs und verließ die Thomaskirche. Auch das nichts anderes als pure Verachtung: Er, der große Gardiner, verplempert seine Zeit nicht damit, sich einen besseren Kinderchor anzuhören. Unvergessen auch sein peinlicher Auftritt in der Thomaskirche beim Bachfest 2016, als er zur Aufführung der Matthäus-Passion zunächst die Kinder der Nachwuchsklassen des Thomanerchors, die den Cantus firmus im Eingangschor singen sollten, dann die Choristen und Instrumentalisten, dann die Solisten von der Nordsakristei aus durch den Mittelgang der Thomaskirche auf die Westempore ziehen ließ – mit der einzigen Absicht, mit gehörigem Abstand wie ein Gladiator durch das Kirchenschiff zu stolzieren, in der Gangkreuzung stehenzubleiben und sich vom Publikum triumphal feiern zu lassen. So soll die Aufführung einer Matthäus-Passion beginnen? Eine solche Verachtung des Raums, des Werkes und der Menschen, auf die auch ein Sir John Eliot angewiesen ist, ist unerträglich!
Auf diesem Hintergrund kann es für das Bach-Archiv und das Bachfest Leipzig nur eine Entscheidung geben: Sir John Eliot Gardiner ist für das Bachfest 2027 auszuladen, völlig unabhängig davon, ob und wie Gardiner für seine unsägliche Übergriffigkeit um Entschuldigung bittet. Eine solch klare Entscheidung sind das Bach-Archiv und das Bachfest der betroffenen Mitarbeiterin, den Menschen, der Musik Bachs, sich selbst und seiner hervorragenden Arbeit schuldig.
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76 Kommentare
Herr Schwerdtfeger – bevor Sie wiederholt diesen Ihren verbalen-schrecklichen Schwachsinn offenbaren, lesen Sie doch einfach mal genauer!! Ich wiederhole: Warten wir die juristische und formale Aufklärung, Beurteilung ab. Versuchen Sie es doch nur einmal, auch wenn es Ihnen schwer fallen sollte. Mit Ihren massiven Aggressionen wider Chr. Wolff desavouieren Sie sich doch selbst. Einfach mal Ruhe bewahren und: ANSTAND!! Jo.Flade
An diesem Wochende spielt Till Lindemann von der Gruppe Rammstein am Völkerschlachtdenkmal. Seine Übergriffigkeit gegenüber jungen, weiblichen Fans ist hinreichend und zweifelsfrei bekannt, seine Texte (und Musik) sehr oft geschmacklos und, zumindest für mich, alles andere als künstlerisch wertvoll. Nie und nimmer würde ich da hingehen, würde es auch Niemandem sonst empfehlen.
Aber er tritt nicht auf Einladung einer Festival-Leitung bei einem international bedeutenden Kulturereignis auf, sondern weil sich ein privatwirtschaftliches Event-Unternehmen von seinem Auftritt enorme Profite verspricht.
Persönlicher Anstand und Benehmen von Sir Gardiner und Herrn Lindemann will ich natürlich nicht auf eine Stufe stellen; sie sind aber auch nicht ganz so weit voneinander entfernt, wie ihre jeweils künstlerischen Qualitäten!
Man stelle sich vor, die Leitung des Bachfests käme auf die Idee, Herrn Lindemann zu einem Auftritt in der Thomaskirche einzuladen…
Insgesamt scheint mir die Forderung von Christian Wolff, Sir Gardiner für 2027 auszuladen und auch danach (in Leipzig) im Rahmen eines Bachfests oder ähnlicher Anlässe nicht mehr einzuladen, absolut gerechtfertigt!
Es wird immer schriller hier. Jetzt wird sogar Till Lindemann ins Feld geführt, um Herrn Wolffs Obsession zu begründen, dass Sir John nächstes Jahr zum Bachfest nicht auftreten darf. Das haben glücklicherweise Andere zu entscheiden.
Obsession ?
Die gefilmte Szene: Gardiner nimmt der Frau eine der Papierrollen aus der Hand und steckt sie ihr „ans Revers“, um das Reizwort Ausschnitt zu vermeiden. Was nichts daran ändert, dass jeder seine Hände wie von seinen Händen geführte Gegenstände von dieser Körperstelle einer ihm fremden Frau zu lassen hat. Die Szene zeigt klar ein übergriffiges, zumal ein eines gebildeten Menschen unwürdiges Verhalten. Erst recht, wenn dieser Mensch bekannt ist für Übergriffigkeiten, ist es nicht Obsession sondern im Sinne sozialer Kontrolle zu erwarten (der strafrechtlichen Verfolgung weit vorgelagert), dass Verantwortliche alles tun, um sowohl eine Wiederholung zu vermeiden als auch dem Eindruck zu begegnen, dass sie einem Einzelnen Ausnahmen davon gewähren, sich anständig zu verhalten. Dass vernünftige Leute sich darüber streiten, wundert mich sehr.
„An diesem Wochenende spielt Till Lindemann von der Gruppe Rammstein am Völkerschlachtdenkmal. Seine Übergriffigkeit gegenüber jungen, weiblichen Fans ist hinreichend und zweifelsfrei bekannt, seine Texte (und Musik) sehr oft geschmacklos und, zumindest für mich, alles andere als künstlerisch wertvoll. Nie und nimmer würde ich da hingehen, würde es auch Niemandem sonst empfehlen.“
Lieber Michael Käfer, auch Walter Ulbricht hat sich abfällig über „dieses yeah, yeah, yeah“ echauffiert und die Beat-Gruppen in Leipzig und der DDR verboten. Irgendwann sind Rammstein daraus hervorgegangen.
Bezüglich der „Übergriffigkeit gegen jungen, weiblichen Fans“ liegt ein Gerichtsurteil vor. Till Lindemann, auch wenn „seine Texte (und Musik) sehr oft geschmacklos“ sind, geht ohne Schuld daraus hervor. Ich habe gegenüber Christian Wolff meine Position verdeutlicht, mit dem Vorwurf „sexuelle Übergriffe“ sehr vorsichtig zu sein. Sehr schnell schlagen solche Debatten in Hass um.
„…weil sich ein privatwirtschaftliches Event-Unternehmen von seinem Auftritt enorme Profite verspricht.“
Ich bitte Sie! Profit beruht auf gesellschaftlicher Einvernehmlichkeit.
Mönsch, kommt doch mal runter! Ich sage doch: die Deutschen befinden sich im Dauererregungszustand. Findet besser zur Gelassenheit zurück. Investiert Zeit und Kraft in wichtigere Dinge.
Ich habe mir das Video angeschaut. Superstars, die bejubelt werden, können nun mal abgehoben wirken, was bei manchen Menschen Missbilligung auslöst. Jede Geste wird bewertet und oft auch überbewertet. Über die langen Haare der Beatles wurde auch hergezogen. Und über Nina Hagen erst! Der Dirigent hat versucht, eine Papierrolle unter die Halskette einer Frau zu schieben. Sie hatte ein hochgeschlossenes Kleidungsstück an. Weiß der Teufel, was er damit wollte. Das klappte auch nicht. Aber er bekam auch keine Ohrfeige. Die umstehenden Musiker lachen, niemand ist empört. Das Leben ging weiter. Me too ist eine ganz andere Dimension!
Es ist NICHTS passiert!
Nein! Es ist sehr viel passiert. Ein Dirigent hat sich äußerst übergriffig gegenüber einer Mitarbeiterin des Bachfestes verhalten. Das ist alles andere als eine Bagatelle. Es ist ziemlich unerträglich, dass das, was der Mitarbeiterin angetan wurde, zur Marginalie erklärt wird, damit ein egomanisch-selbstherrlich auftretender Dirigent seine Haut retten kann. Leider ist am 16. Juni 2026 sehr viel passiert – und der einzige, der dafür verantwortlich ist, heißt: Sir John Eliot Gardiner.
Lieber Christian, auf dem Video ist nicht zu erkennen, dass die Betroffene betroffen reagiert hat. Sie hat freundlich und munter die Papierrollen weiterverteilt. Die Umstehenden haben gelacht, diesen Vorgang als Spaß angesehen. Oder irre ich mich?
Lieber Siegfried, leider irrst Du. Diese einzige Person, die zum besagten Zeitpunkt Haltung bewahrt hat, ist die Mitarbeiterin des Bachfestes. Sie ist ihrer Aufgabe nachgekommen – und hat erst danach den Vorgang gegenüber der Bachfestleitung angezeigt. Es ist doch mehr als auffällig und alles andere als spaßig, dass sich nun die Aggressionen gegen die Mitarbeiterin richten – vor allem durch diejenigen, die in erheblicher Abhängigkeit zum Verursacher des Skandals stehen. Beste Grüße, Christian
Lieber Christian, wenn die Betroffene den Übergriff zur Anzeige brachte, hat sie ihn als solchen empfunden. Das kann ihr niemand nehmen. Doch damit ist noch nicht geklärt, ob es sich um einen vorsätzlich sexuellen Übergriff handelt. Denn dieser Vorwurf ist schwer, und ich kann einen solchen auch nicht auf dem Video erkennen. Es wäre vermessen, hinter jedem Kontakt zwischen Mann und Frau einen Weinstein zu vermuten. Ein Hashtag ist schnell in der Welt.
Ich erinnere mich an den Vorfall mit Till Lindemann und habe mit mehreren Frauen darüber gesprochen, die die Handlungsweise und die Aussagen der vermeintlich Betroffenen in Frage stellten.
Ich kenne Sir John Eliot Gardiner nicht, und ergreife auch keine Partei. Auf der einen Seite wird er gebraucht und feiert somit Erfolge, auf der anderen Seite ist er eine Person mit wohl wesentlich negativen Eigenschaften.
Ich erinnere mich auch an einen Vorfall in Berlin. Den Namen kann ich nicht nennen, denn die Informationen, die ich aus dem unmittelbaren Umfeld erhielt, sind vertraulich. Ein leutseliger Mann, der Frauen während des Gesprächs gern berührte, aber nie sexuell, wurde von politischen Gegnern mit dem Vorwurf der sexuellen Übergriffigkeit aus seinem Amt gekegelt. Bewiesen war nichts. Sein Charakter war allgemein bekannt. Seine Angestellten konnten damit umgehen. Sie trugen diese Eigenschaft mit Humor und Gelassenheit, denn vor allem wurden seine Leistung und seine Motivationsfähigkeit geschätzt. Das Ergebnis: Sein Nachfolger ist für diese Leistung unfähig. Es wurde also nichts besser.
Die Musikerinnen und Musiker sind keine Sklaven und stehen auch nicht in erheblicher Abhängigkeit zu ihrem Vorgesetzten. Sie sind freie Menschen und können ihren Beruf und ihren Arbeitsplatz frei wählen.
Natürlich muss dieser Vorfall zwischen der Betroffenen und dem Verursacher geklärt werden, doch nicht Thema dieser Debatte sein, wenn die Kommentare nur auf subjektiven Wahrnehmungen beruhen. Deshalb meine ich: Kommt doch mal runter!
Lieber Siegfried,
wenn Du meine Einlassungen aufmerksam verfolgt hast, dann wird Dir nicht entgangen sein, dass ich an keiner Stelle von einem „sexuellen“ Übergriff gesprochen habe. Für mich ist in der Beurteilung des Vorgangs auch ziemlich irrelevant, ob der Übergriff strafrechtliche Folgen hat. Entscheidend ist, dass das Verhalten von Sir John Eliot Gardiner zum wiederholten Mal völlig unangemessen und übergriffig gegen eine Mitarbeiterin des Bachfestes war. Daraus muss mE die Leitung des Bachfestes entsprechende Konsequenzen ziehen. Darum drei Anmerkungen:
1. Alle, die sich hier äußern, sollten endlich die eigentlich Betroffene in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellen: die Mitarbeiterin des Bachfestes.
2. Das übergriffige Verhalten von Gardiner findet da seine Fortsetzung, wo die Betroffenheit der Mitarbeiterin der Lächerlichkeit preisgegeben wird, indem Gardiners Verhalten zum „Spaß“ oder „Lappalie“ erklärt wird.
3. Vielleicht sollten einmal alle, die keine Ahnung von den Vorgängen um Gardiner in den vergangenen Jahren haben (was wahrhaft kein Makel ist), sich einfach mal zurückhalten mit Bewertungen des Auftritts von Gardiner am 16. Juni 2026. Dann müsste ich mich nicht auch ständig wiederholen.
„Darauf nimmt Gardiner sich eine Papierrolle und versucht diese der Mitarbeiterin in den Ausschnitt zu stecken.“
Richtig, lieber Christian, von sexueller Übergriffigkeit kein Wort. Doch es ist vom Ausschnitt einer Frau die Rede, der gar nicht vorhanden war, wie im Folgesatz relativiert wird. Doch dieser Satz suggeriert wegen der Schwere des Vorwurfs einen sexuellen Übergriff: Frau – Ausschnitt… Wenn man kein Augenzeuge ist, sondern nur diese Schilderung liest, baut sich ein entsprechendes Bild auf.
Bis dahin habe ich mich nicht an der Debatte beteiligt – zu weit weg, betrifft mich nicht. Doch bald tauchte diese Aussage auf: „Im Übrigen zitiere ich gerne aus einer Zuschrift einer älteren Dame: `Ich finde, dass auf diesem Blog von einigen Herren so diskutiert wird, als hätte es `Me too´ nie gegeben.´“
Und schwupps, landete die Debatte bei der sexuellen Übergriffigkeit. Daraufhin habe ich gepostet: Mönsch, kommt doch mal runter!
Es geht mir weder um Gardiner noch um die Betroffene, die sich bereits gewehrt hat. Es geht mir um das emotionale Hochschaukeln einer Debatte zu einem Problem, dass andere zu lösen haben und dieses auch tun. Wie kommen wir aus dieser Nummer wieder heraus?
Indem man nüchtern bei den Tatsachen bleibt und sich nicht irgendwelche Geschichten zusammenstrickt. Es gibt einen und nur einen Verantwortlichen für die übergriffige Handlung und das ist Sir John Eliot Gardiner und es gibt eine, die die Betroffene dieser Handlung ist – und das ist die Mitarbeiterin des Bachfestes.
Vor einiger Zeit erklärte Wolff hier im Blog auf eine meiner Einlassungen hin, dass er weitere nicht mehr zulassen wolle, weil sie wiederholend und daher langweilig seien. Und nun schauen wir uns mal Wolff an: Ewig dieselbe Leier zu Gardiner ohne jeglichen neuen Erkenntniswert, keine andere Meinung ohne neue Empörung Wolffs – man könnte auf die Idee kommen zu sagen, es ist genug!
Immer mehr Beitragende hier, sofern sie überhaupt zum Thema schreiben und nicht, wie der Belehrer aus Dresden, nur zu Personen, kommen zu dem Schluss, dass Gardiner ungeschickt war, dass die Anzeige gegen ihn ins Leere laufen könnte, dass die Aufregung übertrieben ist. Das wird sich zeigen und unbenommen bleibt dem Bach-Archiv, sich gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Gardiner zu entscheiden.
Die insistente Hetze Wolffs gegen ihn ist jedoch langsam mehr als peinlich unter zwei Gesichtspunkten:
Erstens (siehe oben) ewig die gleiche Leier, die Wolff sonst hier nicht zulässt (doppelte Moral und Standards),
zweitens: Was Paul über Peter sagt, sagt mehr über Paul als Peter aus und Paul Wolff offenbart sich etwas zu deutlich.
Und in der Tat: mit „Me Too“ hat die ganze Sache wirklich gar nichts zu tun.
Andreas Schwerdtfeger
Oh je, was für eine schrille Macho-Stimme im vielstimmigen Männerchor, der sich hier spontan zusammengefunden hat, um eine in Trump-Manier testosterongesteuerte Gallionsfigur zu retten.
„Alle, die sich hier äußern, sollten endlich die eigentlich Betroffene in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellen: die Mitarbeiterin des Bachfestes.“
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Richtig, und in diesem Zusammenhang taucht die Frage auf, von wem sie sich hat manipulieren lassen, eine Strafanzeige gegen Gardiner zu stellen.
Eigentlich dachte ich, dass so etwas im Jahr 2026 nicht mehr möglich ist. Aber ich habe mich getäuscht und wurde nun noch einmal darin bestätigt, auf welch machohaften Niveau sich in dieser Debatte einige Herren bewegen. Herr Plätzsch meint also: Wenn eine Frau Strafanzeige erstattet gegen einen Mann, von dem sie sich übergriffig behandelt sah, dann kann dahinter nur eine „Manipulation“ stecken. Geht’s vielleicht noch eine Schublade tiefer, Herr Plätzsch? Ich bin gespannt.
Herr Plätzsch; ein Letztes zu Ihnen und IHREM Wirbel: Ich wiederhole gern: Warten wir doch einfach mal ab. Jo. Flade
„Geht’s vielleicht noch eine Schublade tiefer, Herr Plätzsch? Ich bin gespannt.“
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Gern: Lt. BILD vom 23. 6. 26 hat sich die Dame nach dem Vorfall krankschreiben lassen. Das passt gut zusammen, möglichst viel Wirbel zu veranstalten. In dem Beitrag sind noch Bilder aus einem Videomitschnitt eines philippinischen Festivalbesuchers aus anderer Perspektive zu sehen. https://ogy.de/2zrj
In der Tat: Es geht noch tiefer. Krankschreiben lassen = „Wirbel veranstalten“ (Bundeskanzler Merz lässt grüßen …) Da wird sogar noch die BILD-Zeitung getoppt!
Herr Klaus Plätzsch; ich verstehe nicht, welche Gründe Sie veranlasst, solch ein weniger als dürftiges Interviews als offensichtlichen Relativierungsversuch auch, aber nicht nur der lfd. Debatte zu E. Gardiners Vorfall in diesem Blog zusetzen. Denn nicht nur ich kann nur noch mit dem Kopf schütteln über diese medialen LVZ-Belanglosigkeiten, die auf fatale Weise versuchen wollen, den Vorgang zu bagatellisieren. Der Fall fand de facto statt, und er wird sachlich geklärt, und zwar juristisch, denn es liegt definitiv eine Anzeige der Beschädigten des Bach-Archivs Leipzigs vor. Warten wir doch einfach mal ab! Jo. Flade
Ich bin davon überzeugt, dass die Strafanzeige der Mitarbeiterin des Bacharchivs zurückgewiesen wird. Sowohl das Video als auch die Aussagen der unmittelbaren Augenzeugen geben nichts Anderes her. Was für ein Wirbel!
Gerne können Sie davon überzeugt sein, dass die Strafanzeige der von Gardiners Übergriffigkeit betroffenen Mitarbeiterin zurückgewiesen wird. Das ändert nichts an der Tatsache, dass Gardiner und nur er verantwortlich ist für sein anmaßendes Verhalten und jede Autorität verwirkt hat, die h-Moll-Messe in der Thomaskirche zu dirigieren. Im Übrigen zitiere ich gerne aus einer Zuschrift einer älteren Dame: „Ich finde, dass auf diesem Blog von einigen Herren so diskutiert wird, als hätte es „Me too“ nie gegeben.“
Das träfe dann aber auch auf die Musikerinnen Anne Schumann, Catherine Rime und Mari Giske zu, die sich für Gardiner einsetzen – ebenso wie Michael Niesmann, Solo-Oboist bei The Constellation.
Genau! Es ist nur peinlich und äußerst durchsichtg, was diese Musiker:innen äußern.
In der LVZ vom 1. 7. 26 berichtet die Geigerin Anne Schumann über ihre Arbeit mit Gardiner. Sie hat den Vorfall aus nächster Nähe beobachtet und keinerlei sexuellen Angriff darin sehen können.
https://ogy.de/dvai
Ein weiteres Mosaiksteinchen der Korfmacher-LVZ-Rechtfertigungskampagne für Gardiner, dieses Interview mit Geigerin Anne Schumann. Das macht nichts besser und trägt auch nichts zur Klärung bei – zumal die Geigerin Anne Schumann in der LVZ vom 28.06.2026 mit einer mehr als irritierenden fragwürdigen Täter-Opfer-Umkehr zitiert wird. Danach ist das „zu legere Outfit“ der „Helferin“ die Ursache für Gardiners Übergriffigkeit. Gardiner hätte in ihr nicht eine „Mitarbeiterin des Bachfestes“ erkennen können. Es ist schon beachtlich, zu welch merkwürdiger Verteidigungsstrategie sich Peter Korfmacher hinreißen lässt. Frau Schumann mag weiter mit Gardiner musizieren. Das bedeutet aber nicht, dass deswegen das Abschlusskonzert des Bachfestes 2027 von Gardiner geleitet werden muss. Denn es bleibt dabei: Der Einzige, der für das, was am Dienstagabend auf der Westempore geschehen ist, und für die Folgen verantwortlich ist, ist Sir John Eliot Gardiner – und niemand sonst!
Pardon, Herr Heise, aber Ihre anklagende Analogie wider der Haltung Chr. Wolffs zum Vorfall E. Gardiners zum Johannes-Evangelium-Zitat (Joh. 19, 15) ist wahrlich völlig daneben! Wolff stellt, wie viele andere ebenso, den Fall de facto dar und reflektiert aus seiner – und nicht nur seiner Sicht, wie längst bekannt! – die zulässige Konsequenz. Jede, jeder, auch in diesem Blog, hat das Recht der subjektiven Haltungsdarstellung zu konkreten Sachverhalten. Ihre Kommentierung derer (von Schwerdtfeger ganz zu schweigen) demonstriert partiell bedenkliche Intoleranz. Ich betone ausdrücklich, dass es hier um individuelle Sichtweisen geht und diese auch so zu bewerten, zu beurteilen sind. Pilatus ist da etwas generöser, ja fast weitsichtiger und vor allem klüger, wofür er ja bekanntlich nach seiner Beharrung auf: „Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben“ (INRI) – auch aus dem Johannes-Evangelium 19,22 – auf Betreiben der Pharisäer rasch aus dem Judäischen Land entfernt wurde. Und Pilatus geht noch weiter – daran hätten auch Sie bei Ihrem höchst gewagten Kommentar denken sollen, als Sie das Joh.-Ev. zitieren. Denn er, Pilatus, fragt während seines Verhörs den angeklagten Jesus: „Was ist Wahrheit?“ Herr Heise – mehr ist nicht zu fragen! Der Fall Gardiner wird sachlich und sicher auch formaljuristisch aufgeklärt und bewertet! Jo.Flade
Sehr geehrter Herr Wolff,
gerade las ich Ihren Text und die verschiedenen Kommentare zum Gardiner-Eklat. Das Verhalten von Gardiner war ohne Frage unangemessen und Ihre Interpretation des Geschehens bleibt Ihnen unbenommen. Die Gebote der Fairness hätten aber verlangt, nicht nur den isolierten Übergriff, sondern den gesamten Kontext darzustellen: Ich sehe im Video eine Mitarbeiterin des Bach-Festes, die zu einem viel zu frühen Zeitpunkt die Bühne betritt, die zumindest zu diesem „ersten Vorhang“ allein den Musikern gehören sollte! Statt abzuwarten, berührt sie dann Gardiner an der Schulter (was mancher als distanzlos und übergriffig empfindet) und bedeutet ihm (das ist Interpretation, denn wir hören sie ja nicht), sich umzudrehen und bei den Solisten einzureihen, damit sie ihre Rollen verteilen kann. Offensichtlich überrascht, womöglich verärgert, daß seine „Vorhangordnung“ gestört wird, mindestens irritiert, kommt es dann zu seinem irritierenden Verhalten – es ist also re-actio, nicht actio. Auch danach ist erkennbar, daß er im Kontakt mit seinen Musikern seinem Unverständnis und seiner Irritation Ausdruck verleiht. Und daß die Musiker lächeln und nicht bestürzt reagieren, muß man ihnen nicht zwingend negativ auslegen: offenbar haben sie (die dem Geschehen alle näher waren als wir, die nur das Video aus einem Blickwinkel kennen) dem Vorgang nicht die jetzt entstandene Bedeutung beigemessen.
Damit will ich Gardiners Verhalten nicht entschuldigen; es ist aber erklärlicher, wenn man den gesamten Kontext kennt. Und es ist jedenfalls gut, daß der Vorgang untersucht und bewertet und beurteilt werden wird.
Was mich aber irritiert ist, mit welcher Vehemenz Sie immer wieder allen Einwänden und möglichen anderen Sichtweisen in den Kommentaren widersprechen, wie Sie sich aufschwingen zum Ankläger UND Richter, der auch gleich das Urteil verkündet (2027 Ausladen!!!). Dieser „Belastungseifer“ erinnert mich unangenehm an die Zeile aus der von mir geliebten Johannes-Passion: …“weg, weg mit dem, kreuzige ihn!“
Mit freundlichen Grüßen Bernd Heise
Sehr geehrter Herr Heise, es steht selbstverständlich jedem frei, das übergriffige Verhalten Gardiners zu bewerten. Nur lege ich auf eines Wert: Ich bin weder Ankläger noch Richter. Vielmehr habe ich mich zu einem Vorgang geäußert und diesen in einen Kontext gestellt. Daraus ergibt sich für mich – völlig unabhängig von möglichen rechtlichen Bewertungen – die Konsequenz, das Bach-Archiv und die Verantwortlichen für das Bachfest aufzufordern, die Einladung Gardiners für die Aufführung der h-Moll-Messe beim Bachfest 2027 zurückzuziehen. Gardiner und seine Ensembles bleibt es unbenommen, wo und wann auch immer Konzerte zu geben.
Mit freundlichen Grüßen, Christian Wolff
PS Vielleicht geht Ihnen in einer ruhigen Minute auf, dass Ihr Vergleich Gardiners mit Jesus in jeder Hinsicht ziemlich verwegen und unangemssen ist.
“ Und es ist jedenfalls gut, daß der Vorgang untersucht und bewertet und beurteilt werden wird.“
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Aber nicht von Kriminalisten und Staatsanwälten.
Musiker stellen sich vor Gardiner – LVZ vom 29. 6. 26 https://ogy.de/v7w4
Ich kann mich nur wiederholen: Es wird nichts besser – vor allem nicht dadurch, dass nun die Mitarbeiterin des Bach-Archivs zur „Schuldigen“ gemacht wird.
Ja, besser wäre es eben, sich nicht jedesmal ad ultimo rechthaberisch zu widerholen, insbesondere wenn man vorher ja (heuchlerisch?) gnädig zugesteht, dass es jedermann freistehe, eine andere Meinung zu haben.
Die Vorwürfe gegen Gardiner hier im Blog sind offensichtlicher Unsinn – er war im Zweifelsfall ungeschickt und sonst gar nichts. Aber das wird ja dann vor Gericht entschieden. Die Heiligkeit seiner Kritiker jedenfalls – ich erwähnte es schon – grenzt an ebensolche Peinlichkeit.
Andreas Schwerdtfeger
Großartig! Hier spricht der allwissende Fachmann für Alles!
Es ist nur noch erschütternd, wie Sie um sich schlagen, wenn Ihre Meinung bezweifelt wird.
???
„Aber das wird ja dann vor Gericht entschieden.“
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Sir John wird niemals angeklagt werden.
Das ist auch völlig unerheblich für die Frage, ob die Einladung Gardiners für das Abschlusskonzert des Bachfestes 2027 aufrechterhalten wird oder nicht.
Wieso „niemals“?
Die Abgrenzung zwischen bloßer Taktlosigkeit und objektiv als Missachtung i.S.d. § 185 StGB (Beleidigung) zu bewertendem Verhalten ist nicht leicht. Nur sofern ihm die Staatsanwaltschaft abnimmt, dass er die Frau nicht kränken wollte, fehlte es am Vorsatz.
Anstelle einer anständigen Antwort, Herr Schwerdtfeger, oder sogar eines Dankeschöns bezüglich der Ihnen erteilten Ratschläge zu Ihrer CD der h-moll Messe, schaden Sie mit ihrem erneuten Beitrag der Qualität dieses Blogs wesentlich. Gardiner soll nach Ihnen also einfach ungeschickt gewesen sein, das glauben Sie ja wohl selbst nicht! Ich habe persönlich an einem der Konzerte in diesem Bachfest mitgewirkt. Bereits in den Proben bekamen wir Kenntnis davon, dass Baum-Zertifikate statt Blumen an die Künstlerlinnen und Künstler verteilt werden. Zusätzlich hat die Leitung des Bachfestes unter jedem einzelnen Programm (in den einzelnen Programmheften) gut sichtbar den Satz angebracht «Wir verschenken Baum-Zertifikate statt Blumen an unsere Künstlerinnen und Künstler». Der Maestro konnte also nur dann irritiert gewesen sein, wenn er alles, aber auch wirklich alles, ignoriert hat, was ihm im Vorfeld zur Kenntnis gebracht wurde. Die Veranstalter haben alles, aber auch wirklich alles, richtig gemacht. Es zeugt von bodenloser Arroganz, was Gardiner hier an den Tag legte. Er hat mit seiner Aktion bewiesen, dass er aus dem Vorfall mit der Ohrfeige vor rund 3 Jahren nicht das Geringste gelernt hat. Die English Baroque Soloists und der Monteverdi Choir hatten allen Grund, sich von ihm zu trennen und haben damit richtig gehandelt. Seine jetzigen MusikerInnen befürchten nun natürlich zu Recht, dass sie ihren so prestigeträchtigen Job endgültig verlieren, entsprechend fadenscheinig und lächerlich kommen ihre Kommentare heute daher. Ihnen, Herr Schwerdtfeger, rate ich, mehr Objektivität an den Tag zu legen und dem in diesem Blog vorhandenen Niveau künftig besser gerecht zu werden. Das Motto des Bachfestes hiess «Im Dialog». Auch in diesem Blog sind alle Grundlagen gegeben, einen konstruktiven Dialog zu verschiedensten Themen zu führen, darin hätten auch Sie Platz, aber es ist Objektivität, statt Subjektivität oder Igonoranz gefragt.
Lieber Herr Knöpfel,
mein Beitrag war offensichtlich ironisch gemeint und ich war insofern über Ihre Einlassung etwas erstaunt. Immerhin freut es mich, wenn Sie die angesprochene Aufnahme für schön halten – ich auch!
Und was die Qualität des Blogs angeht, lesen Sie doch nur die Beiträge einiger hier, die nicht über selbstgefällige Belehrung und liebedienerische Unterwürfigkeit (Flade), ewige selbstgerechte, mit eigenem Heiligenschein umgebene Rechthaberei (Wolff, Käfer) und allgemeine nachträgliche „ich habe es doch immer schon gewusst“ Haltung hinausgeht.
Es gibt unterschiedliche Meinungen zu dem Gardiner-Vorfall. Es wird möglicherweise ein Gerichtsurteil dazu geben. Solange gilt die Unschuldsvermutung. Es gibt auch hier im Blog unterschiedliche Bewertungen pro und contra und mich stört weder die eine noch die andere Richtung. Aber die doch recht widerliche Eigenschaft der Deutschen, immer nachträglich auf vermeintlich „Gefallene“ bei eigener Rechtschaffenheit nachtreten zu müssen und Urteile selbstsicher und unanfechtbar vorauszunehmen, ist hier zwingend anzusprechen – gerade auch, um die Qualität des Blogs zu erhöhen.
Sie werden das nun nicht als eine „anständige Antwort“ ansehen. Das tut mir natürlich sehr leid – ich dagegen halte sie für sehr aufrichtig und also auch sehr anständig. Was nicht heißt, dass Sie das teilen müssen – das ist Demokratie!
Andreas Schwerdtfeger
@Kurt Hoellger, für Herrn Wolff steht der Vorsatz Gardiners schon fest: „Verachtung als Prinzip“.
Das ist kein „Vorsatz“, sondern Erfahrung mit Sir John Eliot Gardiner aus den vergangenen 27 Jahren.
Danke, Herr Schwerdtfeger, für Ihre Antwort, die ich, ohne jede Ironie, sehr anständig finde. Mir tut es leid, dass ich aus Ihrem ersten Beitrag die Ironie nicht heraus gelesen habe, meine Reaktionen erklären sich hoffentlich dadurch. Jetzt befinden wir uns wieder auf der Basis, wo wir geteilte Meinungen, oder vielleicht noch besser formuliert, eine verschiedene Sicht auf die Geschehnisse, konstruktiv austauschen können, das finde ich richtig. Den heutigen Artikel in der LVZ habe ich mit gemischten Gefühlen gelesen. Selber hatte ich das grosse Glück, exakt 40 Jahre lang mit einem Dirigenten arbeiten zu dürfen, dessen Kompetenz auf höchstem Niveau lag, der immer klar ausdrückte, was er erwartet, aber nie die Beherrschung verlor, wenn etwas nicht ganz so erreicht werden konnte, wie er es sich vorstellte. In solchen Momenten beherrschte er die grosse Kunst, das bestmögliche mit den vorhandenen Mitteln zu machen, aber nicht das Unmögliche, so blieben die einzelnen Mitwirkenden immer als eigene Künstler akzeptiert und verstanden. Dadurch war das gemeinsame Proben und das Konzertieren immer stressfrei und verschaffte unvergessliche und ungetrübte Momente. Als dieser Dirigent in die Pensionsphase kam und spürte, dass die Energie nachlässt, hat er innert ca. 3 Jahren seine Verpflichtungen beendet und musiziert heute nur noch privat. Zurück bleiben für alle die allerbesten Erinnerungen an unvergessliche Konzerte. Es ist nun nicht möglich, in diesem Bereich feste Regelungen zu treffen, aber ich habe grösste Achtung davor, wenn sich Menschen selber kritisch auf ihre eigene Leistungsfähigkeit konzentrieren und ihre Grenzen selber erkennen. Es dient der Sache, sei es in Kunst, Religion oder Politik. Und wenn es dann ins „ganz grosse Business“ geht, also Weltpolitik, Religionsführung oder Konzertbetrieb in der Weltspitze, dann könnten Altersbegrenzungen sehr hilfreich sein (in den USA für die Politik bitte dringend eine Grenze bei 65 oder 70 Jahren). Im Konzert- und Kulturbetrieb könnte man sich vielleicht, ähnlich wie bei der Fahrtauglichkeit, mit einer periodischen Prüfung, bspw. ab 75 alle zwei Jahre, behelfen. Sie sehen, Herr Schwerdtfeger, Sie haben mich mit Ihrer letzten Antwort zu einigen Gedankenflügen angeregt. Vielen Dank.
Lieber Herr Knöpfel,
ich riskiere nicht erneut Ihren Zorn und antworte also sofort – verzeihen Sie diesen Humor-Versuch!
Ich freue mich über Ihre Reaktion. Sie haben Stil, den ich hier bei einigen so schmerzlich vermisse.
Sie beschreiben einen Dirigenten, der es offensichtlich vermocht hat, hohes Niveau bei gleichzeitiger Vielfalt und Anerkennung aller Leistungen und bei Achtung der unterschiedlichen Persönlichkeiten zu erzielen. Das genau ist es, was ich Herrn Wolff als dem Dirigenten dieses Blogs seit Jahren empfehle. Aber das geht eben nur, wenn man – so schwer es fällt – auf alle Teilnehmer (einschl des Dirigenten) die gleichen Maßstäbe anwendet, was er nicht tut. Und das ist dann in der Tat eine Frage des Niveaus.
Ihre Hinweise zu Altersgrenzen halte ich für problematisch – nicht unbedingt in messbaren Bereichen wie Führerschein -, aber generell ist das wohl nicht durchsetzbar, weil die Menschen auch in ihrer Leistungsfähigkeit und „Weisheit“ unterschiedliche Grenzen haben. Ich zB bin dankbar, dass wir in DEU nach dem Kriege einen Adenauer hatten. Das Problem – ich gebe es zu – ist, dass die Selbsterkenntnis nicht immer funktioniert.
Ich grüße Sie,
Andreas Schwerdtfeger
Ich finde es schade, dass es solche Dinge gibt. Ich finde es aber auch richtig, wenn man klare Konsequenzen zieht.
Hervorragend Ihr bewusst ausgewähltes Zitat aus einem Beitrag von Chr. Wolff, Herr Schwerdtfeger, absolut zutreffend – ja für wen denn nun??: „Was Paul über Peter sagt, sagt häufig mehr über Paul als über Peter aus – und ich (also Sie!) stimmte ihm (Wolff) durchaus zu.“ Denken Sie doch darüber nach. Übrigens bleiben Sie bei dieser h-moll-Messe unter dem Dirigat des Sir John Eliot Gardiner. Besorgen Sie sich vielleicht auch, so noch möglich, von Gardiner das gesamte Kantaten-Werk von J.S. Bach (Bach Cantatas / Gardiner); hörenswert. Das Eine hat mit dem Anderen (Gardiners Entgleisung zum Bach-Fest) nichts zu tun! Ich grüße Sie durchaus wohltemperiert. Michael Käfer sieht es nicht anders. Jo.Flade
Hallo Christian,
zunächst war ich geneigt, den wiederholten Kontrollverlust des greisen Conducteurs einer gerontopsychiatrischen Kuriosität zuzuschreiben. Frontalhirnatrophie im Alter kann so etwas ja machen. Dann sollte man Auftritten halt nur noch mit Psychiatriepfleger zustimmen. So war ja auch die kommunizierte Lesart nach der Pariser Ohrfeige. In Abwägung Deiner Argumente der (mir nicht bekannten) Historie muss ich Dir aber voll umfänglich Recht geben: eine weitere Verpflichtung ist bei aller Qualität der musikalischen Leistung nicht mehr vertretbar. Schon aufgrund der Fürsorgepflicht der Festivalleitung gegenüber ihren Angestellten. Hervorzuheben ist darüber hinaus, dass die Grenzüberschreitung von Gardiner ausging und dass es sich bei der jetzt allfälligen Aufarbeitung nicht um ein „Komplott“ oder ähnliches handelt. Danke für Deine klaren Worte hierzu. Ich hatte schon in Leipzig gehofft, das die geschädigte Mitarbeiterin einen guten Anwalt findet. Die belustigte Billigung des Vorfalls durch die Umstehenden ist natürlich auch unterirdisch. Wo bitte bin ich da nur hingeraten?
Lieber Herr Schwerdtfeger
Vorab: kaufen Sie sich ja keine andere Aufnahme, die Aufnahme, die Sie besitzen ist und bleibt gut. Was Gardiner und seine English Baroque Soloists und der Monteverdi Choir geleistet haben, wird, genauso wie es Herr Wolff treffend formulierte, «besudelt», aber die Qualität der Leistung, genau wie die Qualität des Bachfestes 2027, wird dadurch in keiner Weise vermindert. Ich werde keine einzige, meiner rund 150 CD’s mit Gardiner, und auch nicht sein Buch «Music in the Castle of Heaven» wegwerfen. Ich bin einzig tieftraurig, dass ich irgendwann feststellen musste, es mit einem zwar guten Musiker, aber auch mit einem sehr arroganten und überhaupt nicht teamfähigen Menschen zu tun zu haben. Aufgrund meiner persönlichen Nähe zu ehemaligen MusikerInnen der English Baroque Soloists konnte ich die Bach Cantata Pilgrimage des Jahres 2000 dokumentieren, und alle von Gardiner dazu gemachten Beschreibungen der Reise und der einzelnen Kantaten, den Ausführungen Albert Schweitzers und Alfred Dürrs zu den einzelnen Kantaten gegenüberstellen. Ich würde nun nie hingehen und aus diesem umfassenden Dokument die Texte Gardiners entfernen. Sie sind und bleiben äusserst interessant und lehrreich und stellen ihn in den Kontext eines ganzen Jahrhunderts (Albert Schweitzer Anfang 20. Jahrhunderts, Alfred Dürr Mitte 20. Jahrhunderts und John Eliot Gardiner ganz am Ende des 20. Jahrhunderts)
Wie ich in meinem Beitrag schon erwähnte, kam der Bruch für mich am Eröffnungskonzert des Bachfestes 2016. Von da an hätte ich es mit mir nicht mehr vereinbaren können, seine Konzerte zu besuchen, oder weitere Aufnahmen von ihm zu kaufen. Es wird vielen anderen ähnlich gehen wie mir, ich sehe darin aber keine Überheblichkeit oder Selbstherrlichkeit, oder gar die zur Schaustellung einer eigenen reinen Weste (die definitiv keiner hat). Ich finde es angebracht, weiterhin in Ehren zu halten, was Gardiner geleistet hat. Aber es darf nicht so weit kommen, dass ihm seine Leistung in der Musik nun zum Vorteil für sein eindeutiges Missverhalten im zwischenmenschlichen Bereich angerechnet würde. Im Bereich von Übergriffigkeiten muss es zum Schutz der Schwächeren eine absolute Nulltoleranz geben, bei der jeder Täter/jede Täterin, unabhängig ihrer Stellung oder Leistung gleichbehandelt wird. Dank der erstatteten Anzeige sollte dies möglich werden. Und es muss, auch zu Gardiners eigenem Schutz, verhindert werden, dass Wiederholungen möglich werden. Sollte es also, wider alles Erwarten, im Rahmen der erstatteten Anzeige zu einer Entlastung Gardiners kommen, müssen viele Festival- und Konzertveranstalter selbst abwägen, ob sie ihm tatsächlich noch eine weitere Chance geben. Hoffen wir nicht, dass es zu dieser Situation kommt.
Nachdem ich das Video mehrfach angesehen habe, kann ich sexuelle Übergriffigkeit nicht erkennen, meine aber, dass das letztendlich nur die betroffene Mitarbeiterin beurteilen kann. Sie hat wohl Strafanzeige erstattet – und wenn sie sich (sexuell) belästigt fühlte, dann ist das so; daran ändern dann auch Ausflüchte Gardiners nichts.
„Sir“ Gardiners Verhalten ist im Video für mich eher arrogant, unbeholfen, auf alle Fälle unangemessen (Gleiches gilt für mich bei der Frage, ob man sich eine neue CD mit der H-Moll-Messe kaufen müsse, wenn man bereits eine sehr gute unter dem Dirigat von Gardiner hat).
Der Mensch Gardiner, seine Selbstüberhöhung, Rüpelhaftigkeit, persönlicher Anstand usw. scheint in der einschlägigen Szene ja seit Jahren bekannt. Spätestens nach den aktuellen Ereignissen sollte man ihn zu einem international wichtigen Festival definitiv nicht mehr einladen!
Es ist gut und richtig, wenn Sie, Herr Wolff, das Thema aufgreifen, der betroffenen Person zu Hilfe kommen und Konsequenzen seitens des Veranstalters fordern. Wenn eine Anzeige erfolgt ist, dann wird ja auch unabhängig in der Sache entschieden werden und – bei entsprechendem Urteil – Gardiner wohl schon dadurch vom Bachfest künftig ausgegrenzt werden.
Eher lustig ist dann, wenn der öffentliche Aufruhr sich in eine Parade lustvoller Selbstgerechtigkeit, überheblicher Empörung, schon lange rückwirkender Erkenntnis zu einem offensichtlichen Sachverhalt und Zusammenrottung in Abscheu weiterentwickelt. Glückwunsch Allen, die schon immer auf der richtigen Seite standen, die mit Recht und Zuversicht den ersten Stein ergreifen, deren Erregung Ausdruck der stolz zur Schau zu stellenden eigenen weißen Weste ist. Ich freue mich mit ihnen allen.
Nun erbitte ich einen Rat: Muss/sollte ich mir eine andere H-Moll-Messe kaufen? Auf meiner CD dirigiert Gardiner – und ich finde die Aufnahme sehr gut und bewegend. Sicherlich, das ist (möglicherweise) mehr Bachs als Gardiners Verdienst, mehr English Baroque Soloists und Monteverdi Choir als Gardiner. Aber der Zweifel nagt halt nun an mir ob der doch so deutschen Erregung und Empörung und meinem möglichen Festhalten am Übel. Im schon angesprochenen bilateralen Austausch mit Wolff neulich schrieb mir Wolff mit schöner Überzeugung: Was Paul über Peter sagt, sagt häufig mehr über Paul als über Peter aus – und ich stimmte ihm durchaus zu. Also – ich bin überzeugt, ich bekomme jetzt Hilfe, vor allem von …
Andreas Schwerdtfeger
Weder kann man Geschichte korrigieren, noch kann man sie ausradieren. Man muss sich mit ihr auseinandersetzen. Das Gleiche gilt für Menschen. Viel Freude und Erkenntnis dabei, lieber Herr Schwerdtfeger.
Hier der Link zum Video. Die Mitarbeiterin des Bachfests trägt ein hochgeschlossenes Shirt. Schon von daher dumm und unverschämt, ihr die Rolle reinschieben zu wollen.
https://slippedisc.com/2026/06/breaking-leipzig-accuses-conductor-of-inappropriate-conduct/
Mich wundert, dass erst jetzt soviel berechtigte Empörung bezüglich Herrn Gardiner aufkommt und sich demonstriert. Auch mit der Konsequenz, ihn nicht mehr einzuladen, was ich hoffe .Man hat sich auch lange mit Herrn Gardiner , seinem Weltruhm in Leipzig und anderswo geschmückt. Er verkörperte ein Musikalisch unhinterfragbares Markenzeichen, überall wo er auftrat . Arrogant kam er mir immer schon vor, seine musikalischen Qualitäten erkenne ich gerne an. Schade, dass er sich nun selbst sein musikalisches Gesamtwerk zerstört. Gut, dass er sehr viele Menschen nun desillusioniert. Vielen Menschen, die gerne musizieren, gerne diese wunderbare Musik J.S. Bachs hören ,hat er weh getan mit seiner Arroganz. Er hat sich selbst nun demaskiert. Das war kein Ausrutscher. Es gibt keine Ausreden . Überheblichkeit kommt stets vor dem Fall und zeigt, das ein Mensch seine Demut vor Gott und den Mitmenschen aufgegeben hat. Ein allgemeines und häufig vorkommendes menschliches Phänomen. Jede Radikalisierung, ob konstlerisch, politisch, mitmenschlich verbirgt sich oft hinter Gefälligkeit. Die Maske ist gefallen. Gut so. Vielleicht hätte man ihn schon früher entlarven können? Warum hat das keiner gesehen?
Die Maske war verführerisch … auch längere Zeit für mich. Seine Unnahbarkeit ist mir doch schon lange aufgefallen und so hatte ich mich schon instinktiv abgewandt von dem Musiker Gardiner, dem die musikalische Welt zu Füßen lag und teilweise noch liegt..
Herzlichen Dank, lieber Herr Pfarrer Wolff, dass Sie sich dieses Themas angenommen haben.
Als ich das Video sah, fiel mir gleich das zustimmend, belustigte Lächeln der umstehenden Sänger und sogar Sängerinnen auf. Wie mag sich da die Mitarbeiterin des Bachfestteams gefühlt haben? Erst die erniedrigende Geste des Sir J.E. Gardiner. Und dann diese Resonanz seiner Solisten und Chormitglieder. Ich versuchte mich, in die Situation der Dame einzufühlen. Freundlich gab sie die Zertifikate an die Solisten weiter. Und den Mut zu haben, eine Strafanzeige zu stellen. Meine Hochachtung! Ich wünsche ihr, dass ihr Arbeitgeber, das Leipziger Bach-Archiv, sie wirklich überzeugend unterstützt.
Christa Tönshoff
„Und den Mut zu haben, eine Strafanzeige zu stellen. Meine Hochachtung! Ich wünsche ihr, dass ihr Arbeitgeber, das Leipziger Bach-Archiv, sie wirklich überzeugend unterstützt.“
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Immerhin hat Sir John die Betreffende um Entschuldigung gebeten. Man sollte auch die psychische Anspannung des 83-jährigen Dirigenten unmittelbar nach dem Konzert berücksichtigen.
„Eine Sprecherin Gardiners dagegen teilte mit, Gardiner habe „zu keinem Zeitpunkt ein Schriftstück oder einen Gegenstand unter das T-Shirt der betreffenden Dame gelegt“. Er habe die Rolle kurzzeitig unter die Kette platziert, die die Dame um den Hals getragen habe. Das sei „in einem Moment aufrichtiger Verwirrung“ geschehen, da der Kontakt für ihn unerwartet erfolgt sei. Den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs wies der Musiker zurück.“
© MDR Kultur https://ogy.de/vdzq
Niemand zwingt einen 83-Jährigen, noch öffentlich aufzutreten. Wer es macht, sollte nicht sein Alter als Entschuldigungsgrund für irgendetwas angeben. tatsache ist, dass Gardiner (und nur er!) sich gegenüber einer Mitarbeiterin übrtrgriffig verhalten und dem Bachfest und Bach-Archiv schweren Schaden zugefügt hat. Für die Folgen seines Verhaltens ist ausschließlich Sir John Eliot Gardiner verantwortlich – und niemand sonst! Das sollte Grund genug sein, Gardiner für 2027 auszuladen – und das lieber heute als morgen!
Anbei ein Link zu einem Artikel des LVZ-Kulturchefs und dem von mir erwähnten Kommentar.
https://c.gmx.net/@327755440907619083/6q21EleVvZ9gZjRVT31T-g
Es wird nichts besser! Der Artikel von Peter Korfmacher wie der Kommentar von Janina Fischer sind vor allem ein Ablenkungsmanöver: „Die Aufregung um Sir Johan Eliot Gardiner kennt nur Verlierer. Und das hat weniger mit dem Vorfall selbst zu tun, als damit, was darauf folgt.“ Mit diesen zwei verräterischen Sätzen beginnt Fischer ihren Kommentar. Der „Vorfall“ also spielt keine Rolle mehr, die betroffene Frau sowieso nicht. Stattdessen wird im Artikel wie im Kommentar eine Verteidigungslinie für den alleinigen Verursacher des Skandals aufgebaut: Sir John Eliot Gardiner – mit dem einen Ziel, dass er auch im kommenden Jahr beim Bachfest Leipzig auftreten kann. Doch der Zug sollte abgefahren sein. Schließlich geht es auch um ein klares Zeichen der Solidarität mit der Mitarbeiterin, Opfer des übergriffigen Verhaltens von Gardiner, stellvertretend für alle Mitarbeiter:innen des Bachfestes. Dieser Solidarität muss alle Aufmerksamkeit gewidmet sein, und nicht der Frage, wie ein „Genie“ zum „Wiederholungstäter“ wird. Und schließlich sollten alle auch reflektieren, dass bei einem Bachfest nicht nur Musik gespielt wird, sondern diese Musik im Dienst einer Botschaft steht, die höchste Ansprüche an jeden Menschen stellt und die mit jeder Zeile und Note uns von den selbstfabrizierten Podesten holt.
Man kann über die Sinnfälligkeit solcher Baum-Zertifikate vermutlich geteilter Meinung sein. Gardiners Umgang damit erscheint mir jedenfalls als respektlos ‒ und noch viel mehr sein Verhalten gegenüber der Mitarbeiterin, die ihm jene Schriftrolle überreichen sollte. Im Zusammenhang mit den schönen Kantaten-Aufführungen stellt sich mir aber dennoch die Frage: Hätte das tägliche Gesprächsformat unter dem Titel „Bach bekloppt ‒ die Talkshow zur Kantaten-Hitparade“ offiziell nicht etwas respektvoller kommuniziert werden können? Für mich gehören alle diese Werke schon zum musikalischen Weltkulturerbe. Den Begriff „Hitparade“ finde ich unangemessen.
Ich stimme der Forderung von Herrn Wolff voll und ganz zu: Gardiner ist unbedingt von künftigen Auftritten am Bachfest auszuschliessen. Auch stimme ich zu, dass er durch sein unglaubliches Handeln das Bachfest besudelt hat, es aber in seiner gesamten Qualität nicht schmälern konnte. Ich habe hohe Achtung vor der betroffenen Mitarbeiterin, denn es braucht Mut, tatsächlich Anzeige zu erstatten, und nichts wurde nötiger, als dies.
Seit 2010 nehme ich alle zwei Jahre am Bachfest, immer in der ganzen Länge, teil. Nachdem ich die ganze Arroganz von Sir Gardiner bereits früher, ab 2005 (damals gab es am 8. März einen Eklat nach einer Aufführung der Matthäus Passion in Frankfurt, weil der Evangelist nicht so gepredigt/gesungen hat, wie der Diktator das haben wollte) bestens kennen lernte, war ich ebenfalls nicht glücklich mit der Entscheidung, ihn als Präsident des Bacharchivs (zu dessen Freundeskreis ich zähle) zu wählen. Ähnlich wie Herrn Wolff erging es mir 2016 bei der Rede, die er zur Eröffnung des Bachfestes hielt. Er würdigte den Thomanerchor und Gotthold Schwarz derart herab, dass mir die Haare zu Berge stunden. Das war auch eine Art von Übergriffigkeit die äusserst hässlich war. Von diesem Moment an entschloss ich mich, ihn vollständig zu boykottieren und habe seither konsequent nie mehr einen Anlass besucht, an dem er anwesend war, oder den er geleitet hat. So habe ich auch den aktuellen Vorfall in der Thomaskirche nur dank dem Video ansehen können. Auch mich hat entsetzt, dass es ihm sogar gelang, die umstehenden MusikerInnen zum Lächeln zu bringen. Eine unfassbare Dynamik spielt da mit, die zugleich unglaublich traurig ist. Und sein eigenes Statement zu diesem Vorfall ist geradezu lächerlich zu nennen.
Ich wünsche der betroffenen Mitarbeiterin viel Kraft für die bevorstehenden, unangenehmen Momente der Einvernahmen, ich bin aber überzeugt, dass die leitenden Personen des Bach Archivs, ihr weiterhin den nötigen Rückhalt gewähren. Es muss eine Nulltoleranz für solche Übergriffe geben. Und ich gehe davon aus, dass sich Michael Maul und die Leitung des Bach Archivs entscheiden werden, Sir Gardiner am Bachfest nicht mehr zuzulassen.
Zustimmung zu Ihrer Ergänzung, lieber Herr Rolf Fersterra. Wir Dresdner haben dieses BACH-Fest zwei Tage in Leipzig erlebt, auch im „Paulinum“ den musikalischen und streitschrifttextlichen Bach-Dialog mit seinem Hamburger Widersacher Scheibe. Maul las in bester Weise die verbalen Kontras zwischen den einzelnen Konzerten, BachStage auf dem Marktplatz, nicht nur zufällig eine Kantatenprobe in St. Nikolai mit dem Experten und sympathischen Ton Coopmann – großartig und faszinierend! Und Leipzig war herrlich bachisch. Hier hat M. Maul einiges auf die Beine gebracht, DANKE!! Der hier kommentierend erwähnte LVZ-Kommentator von Janina Fleischer – peinlich und eben LVZ…
„und eben LVZ…“
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Haben Sie was gegen die LVZ, Herr Flade? Ich finde sie nicht schlecht, wenn ich auch kaum den Politikteil lese – doch lieber große überregionale Blätter. Den früheren Berlin-Chef Dieter Wonka las ich gern. Er war für seine Hartnäckigkeit und die zahlreichen Fragen an Politiker berühmt, mit denen er in der Hauptstadt unter anderem Helmut Kohl begleitete und löcherte. Antonie Rietzschel macht sehr gute Analysen über die AfD.
LVZ-Kommentatorin Janina Fleischer gibt zu bedenken, dass Erregung und Vorverurteilung unangebracht sind.
„Die Dramaturgie der Öffentlichkeit folgt nicht den Fakten, kennt weder ein Abwägen noch Aufklären. Vielmehr verstärkt sie, woraus sie sich speist: Erregung. Dabei schneidet die Vorverurteilung einem wohlüberlegten Urteil den Weg ab.“
https://www.lvz.de/kultur/regional/was-der-fall-gardiner-ueber-die-empoerungskultur-verraet-und-wer-verliert-ELJTRCUHKZDBHN2EV3TYRBHNWM.html
Hier scheint die LVZ-Kommentatorin den Fakten nicht folgen zu wollen – ihr gutes Recht, aber wenig hilfreich. Denn die „Öffentlichkeit“ verschließt seit Jahren die Augen vor Gardiners Ausfällen und bestärkt ihn in seinem anmaßenden Narzismus.
Lieber Christian,
auch wenn man ein noch so toller Dirigent (der Musiker, Chor und Solisten anleitet ) ist, berechtigt das nicht zu einen solchen Eklat. Diesem Menschen gehört die Meinung gesagt – und zwar in einer Art, die ihn ‚einnordet‘ und die ihm die Verwerflichkeit seines Handelns vor Augen führt. Einladen zum nächsten Bachfest sollte man diesen Rüpel auf jeden Fall nicht. Es gibt gewiss zahllose Dirigenten, die auch Musiker sind, die diese ‚Lücke‘ mühelos und sogar bestens ausfüllen könnten. Danke für deine ehrlichen Worte. Frank
Dass Musikerkollegen das lustig fanden, ist zusätzlich eine Schande.
Sehr geehrter Thomas Fritzsch – Sie legen Ihren Kommentator-Finger in eine vielsagende Wunde: Die Instrumentalisten und Sänger finden diesen unsäglichen Vorfall belustigend, von offensichtlicher, demonstrativ aufgezeigter Distanz, ja ein deutliches Zeichen von: DAS GEHT GAR NICHT ist nicht zu spüren, nichts zu sehen. Absolut zu kritisieren. Hier wird nicht Dienst am Werk Bachs vollbracht, hier werden Eitelkeiten zelebriert, Sensibilität verweigert und einem sich selbst Höchstgestellten gehuldigt – zu einem Konzert in einer Kirche! Das Thema des diesjährigen BACH-Festes: IM DIALOG. Gardener und seine Adlaten demonstrierten im konkreten Fall den eitlen Monolog. Auch ich hoffe jetzt sehr, dass zum Bach-Fest 2027 nicht prioritär Prominenz, sondern empathische, allein dem Musikwerk und der Würde zugetane Musikerinnen, Musiker zu „Wort“ kommen, ganz im Sinne Bachs! Ich empfehle Michael Maul, dem hochmotivierten Festivalleiter und dem Bach-Archiv Leipzigs den Titel der Trauerkantate BWV 82 sehr wörtlich zu nehmen: „Ich habe genung“!
Große Zustimmung – kleiner Widerspruch: So unmöglich die Geste Gardiners auch gewesen ist, das Bachfest 2026 zu „besudeln“, das ist ihm NICHT gelungen! Es war eine Kette großartiger Veranstaltungen und Konzerte – von der Kantaten-Hitparade, über BachStage auf dem Marktplatz bis zu BachBekloppt – die zahllose Menschen begeistert und gerührt haben. Das kann ein Gardiner nicht kaputt machen! Vielen Dank allen Mitwirkenden und Organisatoren für dieses großartige und rundherum gelungene Ereignis!
Lieber Christian,
Deiner Einschätzung stimme ich zu und möchte Sie ergänzen.
Eine Feststellung: Gardiners Dirigat ist stumm; es klingt nicht. Was klingt, sind die Stimmen und Instrumente der Sänger und Instrumentalisten. Ihnen sollte die Bewunderung für eine musikalische Leistung zuerst gelten.
Nicht weniger als Gardiners rüpelhaftes Verhalten aber erschüttert mich – und das fand ich bislang nirgends thematisiert – daß die umstehenden Sänger und Instrumentalisten (und keineswegs nur die Männer) diese Grenzverletzung und Demütigung sichtbar sehr lustig finden und keinerlei Empathie mit der Bachfest-Mitarbeiterin zeigen, die sich aus Höflichkeit des Übergriffs nicht erwehren kann. Sowohl das Video als auch Pressebilder führen uns dies vor Augen.
Diese Belustigung erinnert mich an üble Übergriffe auf einem Schulhof unter Gelächter umstehender Schüler. Oder, wie es ein israelischer Kollege nach dem Anschauen des Videos mir gegenüber aussprach: So wurden wir Juden ausgelacht, wenn wir gedemütigt wurden.
Dies ist ebenfalls ein Skandal, der benannt werden muß, damit er uns bewußt wird.
Lieber Herr Fritzsch! Lieber Christian!
Genau mein Eindruck, als ich das Foto sah, als es kurze Zeit im Netz stand. Ich war erschüttert über die Unerschüttertheit, ja Belustigung aller Umstehenden! Im Zusammenhang mit Missbrauch in der Kirche gibt es ja die schlimme und wahre Feststellung, dass es dafür nicht allein den Täter braucht, sondern eine ganze Gemeinde.
Das kann man sogar noch weiter denken: Ich hege (sicher berechtigte) Zweifel, ob bei Nichtausladung 2027 das Konzert mit Gardiner nicht trotzdem wieder ausverkauft wäre. So wie es ja seine Konzerte nach wie vor sind. Dabei geht es natürlich nicht mit einem „Ja, aber…“ darum, ob er ein großer Musiker ist — sonst würden wir diese Debatte eh nicht führen, weil schon kein Hahn mehr nach ihm krähte.
Diese Form des „Mitmachens“ gehört zum Skandal dazu. Genauso wie die fatale Tatsache, dass es ja offensichtlich Mut und nicht schlicht Anstand kostet, sich da gegen den Strom zu stellen.
Lieber Thomas, vielen Dank für diese wichtige Ergänzung!
Sehr geehrter Herr Fritzsch,
Das Schweigen und Weglächeln der anderen Anwesenden ist in der Tat gruselig. Der Mobbingvergleich mag leider wohl gar nicht so fern sein: keine*r der Anwesenden scheint sich auch nur sinnbildlich schützend vor die Mitarbeiterin und damit in Gardiners Reichweite begeben zu wollen.
Immerhin: Christina Rietz thematisierte dies aber dankenswerterweise in ihrem Artikel in bei ZeitOnline.
Danke für diese Klarheit! Wenn von offizieller Seite „rüpelhaftes Verhalten“ konstatiert wird, greift das meines Erachtens viel zu kurz. Es ist ein gesellschaftliches Problem, wenn Übergriffige kurz gerügt werden, aus dem öffentlichen Raum verschwinden, nur um kurze Zeit später wieder eingeladen zu werden – neues Ensemble, neuer Name – mehr vom Gleichen. Es reicht!
Danke, lieber Christian!
Hoffe daß Deine Worte etwas ausrichten und nicht wie schon so oft ‚versanden‘
Sir John Gardiner hat sich schon sehr oft völlig respektlos benommen. Habe nicht verstanden, wie man ihn noch einladen konnte. Hoffentlich hat man es auch in Leipzig endlich erkannt.