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So schwer ist das nicht: Trump zu durchschauen und die AfD zu stellen

Nach den ersten Tagen des neuen Jahres zeichnet sich deutlich ab: Der Präsident der USA Donald Trump tritt nach innen und außen als skrupelloser Diktator und raffsüchtiger Despot auf. Mit herrischer Attitüde hat er in den USA wie darüber hinaus eine Zerstörungsschneise durch die freiheitliche Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit geschlagen. In bizarr anmutender Selbstherrlichkeit setzt er sich über alle Regeln des Rechts und internationale Vereinbarungen hinweg. Auch wenn er sich damit brüstet, durch seine tatsächlichen und angekündigten militärischen Aktivitäten in Venezuela und im Iran die Menschen von Diktatur und Unterdrückung zu befreien – tatsächlich hat er null Interesse, dort das aufzubauen oder zu ermöglichen, was er im eigenen Land derzeit zertrümmert: freiheitliche Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, soziale Gerechtigkeit, Meinungs- und Glaubensfreiheit, gesellschaftliche Vielfalt. Darum kollaboriert er mit denen, von denen sich die Bürger:innen in Venezuela und Iran endlich befreit sehen wollen.

Auf diesem Hintergrund ist es konsequent, dass Donald Trump nur mit Wladimir Putin, nicht aber mit Europa und der Ukraine über einen möglichen Waffenstillstand und ein Friedensabkommen ernsthaft verhandelt. Er hat genauso wenig wie Putin ein Interesse an einer souveränen, freiheitlichen, demokratischen Ukraine als Teil des vereinten Europa. Schließlich ist die gesamte Politik der Trump-Administration darauf ausgerichtet, die EU zu schwächen und ihren Zerfall zu fördern – nicht zuletzt durch die ideologische und materielle Unterstützung der rechtsnationalistischen, europafeindlichen Parteien seit weit über 10 Jahren. Darüber hinaus verfolgt Trump wie in allen internationalen Konflikten auch in der Ukraine ein egoistisch-wirtschaftliches Ziel: Wie lassen sich die vermuteten Bodenschätze in der Ukraine gewinnbringend ausbeuten?

Was das bedeutet? Deutschland und die Europäische Union (EU) werden nur dann mit den USA auf Augenhöhe zusammenwirken können, wenn sie erkennen: Die Vereinigten Staaten von Amerika sind kein Bündnispartner mehr im Blick auf eine regelbasierte und an der Charta der Vereinten Nationen ausgerichteten internationalen Politik – jedenfalls solange die Trump-Vance-Bande im Weißen Haus sitzt und mit ihrer Politik alle demokratischen Grundwerte entwertet. Das ist traurig und bitter. Aber wenn Deutschland und die EU weiter so tun, als könne man mit einem gewissenlosen, enthemmten Kriminellen in Regierungsverantwortung und Kollaborateur Putins in der Ukraine gemeinsame Sache machen, werden sie, werden wir alles verlieren: Glaubwürdigkeit, den Frieden, die eigene Identität als ein auf Menschenwürde, Demokratie und soziale Gerechtigkeit gegründetes Staatenbündnis. Denn wenn wir weiter vor denen Bücklinge machen, die seit Jahren ideologisch und materiell dafür sorgen, dass die Rechtsnationalisten und Demokratiefeinde der AfD immer stärker werden und möglichst bald an die Macht kommen, dann wird die politische Auseinandersetzung mit der AfD immer groteskere Züge annehmen. Denn dann können sich Parteien wie die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich, die PiS in Polen, das Rassemblement National in Frankreich, die Reform UK in England von denen, nämlich Trump und seiner MAGA-Bewegung, geschützt und gefördert sehen. Und die, die noch vorgeben, die Demokratie zu verteidigen, die demokratischen Regierungen in Deutschland, der EU, in Großbritannien und Kanada, wollen Trump noch willfährig zu Diensten stehen? Wo soll das hinführen?

Wir haben jetzt die Aufgabe, ja, die demokratische Pflicht und die Chance, die AfD politisch klar und unmissverständlich zu stellen: als diejenige Partei, die ideologisch und politisch in Deutschland das verfolgt, was die Trump-Vance-Bande derzeit in den USA veranstaltet: eine nationalistisch-diktatorische Politik mit imperialem Anspruch, die die Bürgerrechte aushebelt und die EU zerstört. Da die AfD zusätzlich nicht müde wird, an Putins Narrative anzuknüpfen, und offensichtlich in Trump auch ihren Heilsbringer erkennt, sollte es nicht so schwer sein, sie mit dem zu konfrontieren, was Ziel und Mitte(l) der Trump-Putin-Politik ist: kriegerische Gewaltherrschaft nach innen und außen. Trump lässt sich von der AfD für das feiern, was er derzeit nicht nur in Minnesota inszeniert: der brachiale Einsatz der bewaffneten Eingriffskräfte der ICE Behörde, die sich zur amerikanischen Variante der SA entwickeln, gegen die eigene Bevölkerung. Damit zeigt die AfD, was sie vorhat, sollte sie jemals Regierungsverantwortung erlangen: abseits von Recht, Menschenwürde, Demokratie und Freiheit ein autoritäres System zu installieren, das die Justiz unter Druck setzt, die Meinungsfreiheit in allen gesellschaftlichen Bereichen massiv einschränkt und kulturelle Homogenität verordnet. Dass dies Menschen verwildern lässt und den wirtschaftlichen Ruin bedeutet, lehrt die Geschichte. So weit aber sollten wir es nicht kommen lassen.

70 Kommentare

  1. Warum lieber Herr Flade,
    Warum lieber Herr Käfer,
    beginnen sie beide gleichzeitig so wie gehabt mit persönlichen Anspielungen nachdem wir doch mit dem Austausch am 22./23.1. ein Reset versucht und gefunden haben und uns einig waren das zu unterlassen.
    Ich weiss nicht genau, lieber Herr Flade, auf was sich Ihr Hinweis zu meiner Zustimmung bezieht. Ich habe gestern noch über Herrn Wolff, eine 2. Antwort auf Ihre freundlichenMail geschickt. Wenn Sie die mit einbeziehen ( weiss noch nicht, ob sie zugestellt wurde ), würde mich diese sehr wundern. Darin habe ich keinen Rückzieher formuliert.

  2. Absolut d`accord mit Ihrem Zwischenruf, lieber Michale Käfer! Inzwischen erhielt ich von Dr. Tesche seine Zustimmung auf meinen Zwischenruf nach diesen schon sehr grenzwertigen Beschimpfungen kontra Christian, Käfer, Flade – von wem, muss nicht betont werden…
    Es ist schon kaum noch erträglich, was sich bereits vor Davos, danach anschließend verbal und zunehmend in katastrophaler Weise gewalttätig in den USA Bah bricht, unter einem Psychopathen, der die Demokratie ungehemmt zu beseitigen droht und Bürger in Bundesstaaten einfach erschießen lässt. Dass der Bundeskanzler Deutschlands, Mitgliedsstaat der EU diesem Trump liebedienernd anbietet, er möge doch wenigstens Deutschland annehmen, wenn er schon die EU ablehne (Zitat: „Wenn nicht Europa, dann macht wenigstens Deutschland zu eurem Partner“.) ist innen- wie außenpolitisch nicht zu fassen. Wenn dies die Politik der derzeit amtierenden Bundesrepublik, einer demokratischen Zivilgesellschaft mit dem scheinbaren Ziel einer dringenden Stärkung dieser europäischen Staatengemeinschaft sein soll – na dann gute Nacht. Chr. Wolff mit Trump zu vergleichen, das interpretiere ich als Würdelosigkeit, und Herr Schwerdtfeger sollte sich dafür öffentlich entschuldigen!!

    1. Schwerdtfeger als Trump zu bezeichnen, wie hier zig mal passiert – und nicht kritisiert, ist dagegen selbstverständlich
      vollkommen in Ordnung. Das ist halt das Balken /Splitter Problem oder wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus, wobei ich jetzt nicht Henne – Ei bewerten will.
      Versucht Euch doch alle etwas besser zu benehmen!

    2. Ich sehe das Merz-Zitat nicht so negativ. Der ehemalige US-Außenminister Kissinger hatte auch gefragt, wo das Telefon sei, auf dem man Europa erreichen könne. Merz machte Trump ein Angebot, hatte aber nicht im Sinn, die anderen Europäer zurückzusetzen.

  3. Mir scheint, der Diskurs in diesem Blog wird zunehmend dominiert (flood the zone…) von Argumenten, die dem Denken z.B. eines Donald Trump, Peter Hahne, oder einer Sahra Wagenknecht ähneln.
    Sinnvoller erschiene mir, sich aufrichtig mit den Texten Christian Wolffs auseinanderzusetzen, sie kritisch und mit eigenen Gedanken weiterzuentwickeln.

    Mein Eindruck ist, wir haben grundlegende Probleme mit:

    A) Dem Finden einer neuen Weltordnung jenseits  bisher verlässlicher Allianzen
    B) Dem immer  weniger gültigen Gerechtigkeits- und Aufstiegsversprechen der vergangenen Jahrzehnte
    C) Dem sich offensichtlich immer weiter verschärfenden Klimawandel; wir rasen immer schneller auf Kipppunkte zu, die unsere Erde für uns unbewohnbar machen können
    D) Dem Erstarken populistischer und nationalistischer Strömungen, bzw. der Erosion der Demokratie

    Natürlich bin auch ich weit davon entfernt, für diese Themen fertige Lösungen anbieten zu können. Als fatal empfinde ich aber, sich statt dessen lieber mit Schein-Problemen zu befassen, sich gegenseitig zu diffamieren, oder sich gar dem Nihilismus hinzugeben.
    Es lohnt, sich für unser Grundgesetz, für christliche Werte, für die SOZIALE Marktwirtschaft, für Klimaneutralität, Generationengerechtigkeit und gute Bildung einzusetzen, ja auch dafür zu kämpfen.
    Weniger lohnend erscheint mir, wenn in diesem Blog ad nauseam behauptet wird, Christian Wolff werfe Nebelbomben, betreibe Manipulation und Zensur, oder „Wolff ist der Trump seines eigenen Blogs – selbstverliebt (siehe Paulskirchen-Rede oder Offene Briefe), intolerant, rachsüchtig, alleinig wissend…“

    1. Darf ich Sie mal fragen, Herr Käfer, wer mit Trump-Vergleichen angefangen hat (Donald S.)? Muss man sich nicht fragen, wie der unsägliche Flade dazu kommt, plötzlich jetzt erst an Entschuldigungen zu denken? Ihrer beider Heucheleien sind unerträglich und ich wäre nur allzu dankbar, wenn Wolff endlich anfangen würde, Sie (und sich selbst) zu bremsen. Mich brauchte er danach nicht mehr zur Sachlichkeit zu ermahnen.
      Im übrigen stimme ich Ihren Punkten zur Lageerkenntnis durchaus zu. Und ich verstehe auch, dass Sie bescheiden formulieren, Sie hätten keine Lösungen parat. Wer hat das schon? Ich bemühe mich, Richtungen anzudeuten und andere Meinungen zu berücksichtigen – mehr ist wohl auf unserer Ebene nicht drin, wenngleich es ja mal interessant wäre, sich über die Vokabel „Scheinprobleme“ zu unterhalten – im Gegensatz wohl zu „tatsächlichen Problemen“, die es gibt, und dem „Ausweichen in Vokabeldiskussionen“ („Stadtbild“), obwohl sie pars pro toto für tatsächliche Probleme stehen. Aber wenn Sie schon Ihre eigene Unzulänglichkeit eingestehen und anerkennen, warum eigentlich dann nicht auch unseren Politikern der Mitte – SPD und Union – diesen „Spielraum“ zugestehen, die in ihrer schwierigen Lage nicht wie Sie (und ich) einfach diese Unzulänglichkeit in Anspruch nehmen können?
      Andreas Schwerdtfeger

  4. Ausdrücklich danke ich Ihnen, sehr geehrter Dr. Tesche, für Ihren fundamentierten Diskurs-Kommentar! Wie Chr. Wolff kann ich dem nur zustimmen. Und erneut verweise ich in diesem Zusammenhang auf den Grundsatzartikel 1, der eben für eine würdevolle Debatte unter unterschiedlich wahrnehmenden Menschen auch zu politischen Sachthemen im Kleinen wie im Großen dieser zunehmend aus den Rudern laufenden Welt wünschenswert sein sollte. An die Adresse Herrn Schwerdtfegers nur der gelinde Hinweis, dass ich kein „lobhudelnder Anstandspriester“ bin (nebenbei: ich bin protestantischer Christ), sondern ein zu respektierender Bürger dieser unserer Zivilgesellschaft. Nehmen wir allesamt das begonnene Jahr 2026 in die debattenfreundlichen und uns gegenseitig respektierenden Sinne und Hände. Auch dieser Wunsch schwingt in Ihrem Kommentar deutlich mit. Mit besten Grüßen – Jo.Flade

  5. Jeder Jeck ist anders … trotzdem müssen wir miteinander klarkommen.
    A) Wie so oft sind es die Kleinigkeiten, die das Fass zum Überlaufen bringen. Dass sich dann eine „kleine“ Sache so aufschaukelte, bedaure ich, lenkte es doch vom eigentlichen Thema ab. In meinem Beitrag vom 20.1, 13.22h. habe ich dann aber einen Eindruck formuliert, der uns alle angeht. Es geht also nicht um „Kinderkram“, Herr Käfer, es geht um mehr, die aus der Doppelfunktion „Exekutive und Judikative“ des Herrn Wolff folgt.
    Mein Versuch, Herrn Wolff zu einer sachlichen Antwort zu meinen konkreten Fragen zu bewegen, ist mir nicht geglückt. Das hatte ich nicht erwartet, argumentieren wir doch von der gleichen Wertebasis aus. Eine persönliche Enttäuschung, die ich bekenne.
    Aber: Der Mensch hat einen freien Willen. Deshalb kann Herr Wolff antworten und handeln, wie er mag. Er ist MIR nichts schuldig. Das akzeptiere ich.
    Diese Sicht ist wohl die Brücke zum Theodizee-Thema von Herrn Plätzsch.
    Es ist nicht an mir /uns darüber zu richten. Das steht nur Gott zu. Auf sein faires Urteil müssen wir hoffen. Ich bin sicher, dabei wird er das berücksichtigen, was wir im Rheinland mit „Jede Jeck is anders.“ beschreiben. Manche können einfach bestimmtes nicht oder wollen nicht, warum auch immer. Gott weiß alles und alle Aspekte anrechnen, sagt die Lehre. (Das gilt natürlich für uns alle, daher mein WIR am 20.1.17.26h). Das gilt konsequenterweise auch für Putin und andere dieser „Art“ und wie wir damit umgehen.
    Vor diesem Hintergrund bleibe ich im Blog, und werde mich wie bisher kritisch einbringen, und vermeintliches Unrecht benennen, ohne persönlich zu richten. Ich werde mich auf das Erlebte einstellen, heißt: Tit for tat mit der Variante die kooperative Variante gelegentlich anzubieten.
    Ich hoffe und appelliere, dass alle hier im Blog ebenso verfahren und das moralische Richten der Person oder von Beitrage zu unterlassen. Es ist schädlich für das gute Argument, insbesondre für diejenigen, die mit ihrer Meinung gegen den Strom schwimmen.
    Ich habe an diesem eigentlich läppischen Fall erkannt, wie unterschiedlich doch Sachverhalte unter Bezug auf christliche Prinzipien interpretiert und umgesetzt werden und was daraus folgte. Leider habe ich zum biblischen Hintergrund dazu im Schriftverkehr nichts lernen können. So bleibe ich theologisch ratlos zurück.

    B) Für diejenigen, die um ein vernünftiges Miteinander bemüht bleiben -also an uns alle- und/oder den Weg zur Mitte suchen, sollte sich an folgendem orientieren, was ich von Udo Hombach las (ehemals Kanzleramtsminister unter Schöder) (The Pioneer, 5.1.26):
    .. die wahre Mitte ..ist..kein bequemes Sofa, sondern ein unbequemes Labor: Hier wird geprüft, gezweifelt, korrigiert. Und wer dort steht, läuft Gefahr, von allen Seiten beschimpft zu werden – von denen, die sich sicher sind, dass sie schon wissen, wohin die Geschichte zu marschieren hat. Eigentlich braucht die Mitte kein Etikett. Sie ist der Punkt, an dem die Vernunft innehält.
    Bevor der Algorithmus uns sagt, wo die Mitte verordnet ist, will ich ein kleines Alphabet der Mitte festhalten:
    Sie ist Haltung gegen den Rausch der Ideologien. Die Mitte ist nicht lau, sie ist das Feld, auf dem Argumente aneinanderstoßen dürfen, ohne dass Menschen dafür dran glauben müssen. Sie ersetzt den heldenhaften Untergang durch den prosaischen Kompromiss – und rettet damit mehr Leben als jedes „große Ziel“.
    Ideologien liebten „das Reine“ bis zur Guillotine, die Mitte liebt das Revidierbare. Dort, wo die „Reinheit einer Haltung“ zählt, wird aussortiert. Wo Irrtum einkalkuliert ist, wird verbessert. Die Mitte vertraut nicht einer Gesinnung sondern der Korrekturmöglichkeit.
    Wer nur noch Freunde und Feinde kennt, verliert zuerst die Wahrheit und dann die Freiheit. Wo das Lager wichtiger wird als das Argument, schrumpft die Welt auf Parolen. Die Mitte besteht darauf, dass ein Gegner recht haben kann. Das macht sie verdächtig aber realitätstauglich und kooperationsfähig.
    Abwägung ist nicht Schwäche, sondern Weigerung, Menschen für Theorien zu opfern. Die Ideologin fragt: „Ist die Haltung und Sprache korrekt?“ – die Mitte fragt: „Was richtet es an?“ In diesem Hinterfragen einer Idee hin zur Folge liegt ihre Anständigkeit.
    Die offene Gesellschaft ist die einzige Ordnung, in der man Irrtum folgenlos zugeben darf – und gerade deshalb korrigieren muss. Wer unfehlbar sein will, kann sich keinen Fehler leisten und zerstört lieber die Zeugen. Die Mitte besteht darauf, dass Irren erlaubt ist, damit Lernen möglich bleibt.
    Die Mitte ist der Ort, an dem man die eigenen Überzeugungen zuerst der Wirklichkeitsprüfung aussetzt, bevor man andere dazu zwingt, nach ihnen zu leben. Ideologen fixieren „die Anderen“. Die sollen anders sein. Die Mitte betrachtet auch sich. Das macht weniger Opfer.

  6. Es ist ein guter Appell von Dr Tesche. „Bitte kehren Sie um, Herr Wolff. Antworten Sie in der Sache, nicht persönlich“. Ich unterstütze das ausdrücklich. Leider aber wird er wohl erfolglos bleiben – ich versuche es ja seit Jahren, Wolff und seine Schmeichler, die „Wolff-Bande“ eben, zur Sachlichkeit und zum Dialog zu bewegen. Wolff ist der Trump seines eigenen Blogs – selbstverliebt (siehe Paulskirchen-Rede oder Offene Briefe), intolerant, rachsüchtig, alleinig wissend und kein einziges Argument auch nur annähernd auf wenigstens kleine Übereinstimmungen prüfend. Auch meine doch schließlich friedliebenden Hinweise, dass wir im Ziel häufig übereinstimmen und nur im Wege Differenzen haben – so zB in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik -, werden arrogant und rechthaberisch, meist dafür ohne erkennbare Sachkenntnis, zurückgewiesen. Wolff ist zur Demokratie unfähig und verletzt seine eigenen Grundsätze. Stößt er auf andere Meinungen, empfiehlt er die Unterlassung solcher Kommentare; werden seine Gegner beleidigt, so findet das seine Zustimmung – umgekehrt freilich nicht. Das macht es so schwer, hier im Blog der Vernunft einen Weg zu bahnen. Und wir werden jetzt sehen, wie es weitergeht: Vergleiche von Mitdiskutanten mit Trump hat er bisher zugelassen (offensichtlich also keine Beleidigung!) – nochmal: Er ist der Trump seines eigenen Blogs, wenn ihn sogar Wohlwollende zur Umkehr auffordern müssen.
    Und der Anstandspriester lobhudelt noch mit Kindergartenhinweisen hinterher – anstatt zB sich um die Grüne Jugend zu kümmern (immerhin seine bevorzugte Partei), deren Beleidigungspotential ihm wahrscheinlich gerade recht ist.
    Zur Sache: Wir haben ein AfD-Problem, ja. Allerdings ist es keineswegs unser einziges Problem und überdies allen hier bekannt. Es bedarf also kaum der ewigen Wiederholungsschleife. Wo sind Wolffs Worte zum Linksterrorismus – Stromstillegungen, Connewitzer Chaostruppen, antisemitischen und gewaltbefürwortenden LINKEN-Bürgermeisterkandidat in Neukölln, verbrecherische Kinderbanden in Leipzig? Wir haben ein Problem mit unserem wichtigsten Verbündeten, ja – ein Problem, das übrigens eine große Zahl von US-Bürgern auch hat und mit Scham sieht (was man unterstützen sollte, anstatt blindlings drauf loszuschlagen). Auch hier bedarf es keiner Wiederholungsschleife, sondern eher vielleicht des Versuches, Lösungen anzubieten, wie man Amerika unterstützen kann gegen die Selbstzerstörung. Aber Wolff hat uns ja klargemacht, dass er dies als seine Aufgabe nicht ansieht – und es auch nicht könne. Na toll, so eine „Beratung für Politik“.
    „So schwer ist das nicht, Trump zu durchschauen und die AfD zu stellen“, schreibt uns Wolff – und rennt damit durch weit offene Türen. Warum? Weil er das Offensichtliche sagt und uns als große Einsicht verkaufen will – und am eigentlich Wichtigen schamvoll vorbeiredet, bzw es sicherheitshalber gar nicht anpackt. Nämlich uns zu sagen, welche Aufgabe uns nach dieser so einfachen Erkenntnis GEMEINSAM bevorsteht, zB die Konsequenzen aus „durchschauen“ und „stellen“ zu ziehen – also zu handeln und wie zu handeln. Dafür fehlt ihm nach eigener Aussage die Zuständigkeit.
    Es gilt, lieber Herr Tesche, den Blick für das Gesamtbild sich zu erhalten, wie Sie es tun: Die Gefahr von Links ebenso wie die Gefahr von Rechts zu sehen; Ideologie zurückzudrängen und praktikable Lösungen anzubieten; bei klarer Ansprache der Defizite den Konsens zu suchen (wie ich es in der Unterscheidung der Frage von Ziel und Weg tue); sich nicht mit doppelten Standards unglaubwürdig zu machen; rechthaberische und besserwisserische Moral als Heuchelei zu erkennen; und die Argumente der Gegenseite mindestens zu prüfen, bevor man empfiehlt, sie zu unterlassen.
    Andreas Schwerdtfeger
    PS. Lieber Herr Wolff, Sie werden uns doch sicher teilhaben lassen an der Antwort des Bundespräsidialamtes auf Ihren Offenen Brief. Gibt es die schon? Sollten Sie uns nicht weiter informieren in dieser Sache, bestätigen Sie doch allzu sehr meine Befürchtung, dass der Brief doch vielleicht mehr der Selbsterhöhung diente?

      1. Auch das wissen wir schon, lieber Herr Wolff. Besser wäre es, mal drüber nachzudenken!
        Und wie steht es mit der Antwort des Bundespräsidenten?
        Andreas Schwerdtfeger

        1. In der Süddeutschen Zeitung vom 23.1. befasst sich ein Artikel von Tobias Matern (Seite 4) mit den Afghanistan-Flüchtlingen, die ursprünglich eine Aufnahmezusage hatten, die die jetzige Regierung wideruft; Herr Matern nennt das „schäbig“. Seltsamerweise ist der Artikel mit „Anstand war gestern“ überschrieben.
          Warum nur ist mir das aufgefallen?

          PS: Ich bin froh, dass Christian Wolff einen Brief an BP Steinmeier geschrieben hat, dem sich viele Freunde/Bekannte, Verwandte von mir angeschlossen haben!
          Ob Herr Steinmeier darauf antworten mag oder nicht, halte ich für wenig relevant.

        2. „Die täglich zu Hunderten eingehenden Schreiben der Bürger geben dem Bundespräsidenten einen Überblick über die Sorgen und Probleme der Menschen.“ © https://ogy.de/nwmm
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          Da ist Geduld angebracht.

  7. Wenn Sie wieder mal als „Chef im Ring“ Nebelbomben werfen und die Möglichkeit darauf zu antworten, ( siehe IhrenAntwort von heute) abschneiden, wie ich das hier bei Ihnen schon einmal erlebt habe ( Thema Werte und Judentum) dann ist das Manipulation und Zensur. Dagegen verwahre ich mich. Jeder sollte das dann wissen.

    Sie berufen sich auf einen Link vom 19.1. Ihre Antwort an mich stammt vom 18. 1. und Ihr Beitrag stammt vom 16.1. Damals lagen die von Ihnen konkret behaupteten Zusammenhänge offenbar nicht vor oder Sie schickten an mich den falschen Link ( wie ich Ihnen als Brücke anbot). Diese Brücke betraten Sie nicht.
    Was bitte kann man tun, Sie zur sauberen Argumentation zu veranlassen? Helfen Sie mir bitte.

    1. Ganz einfach: Indem Sie einen solchen Kommentar möglichst vermeiden. Sie verirren sich leider in ziemlich absurde Spekulationen. Das können Sie gerne machen, nur sollten Sie vermeiden, diese dann auf andere zu projizieren.

      1. 1)Bitte kehren Sie um, lieber Herr Wolff. Antworten Sie in der Sache, nicht persönlich. Ich werde Ihnen privat noch einmal die Fakten chronologisch schicken. Dann können Sie das gerne nochmal in Ruhe prüfen.
        2) Bedenken wir: Gott weiß alles!

        1. „Bedenken wir: Gott weiß alles!“
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          Bedenken Sie die Theodizee-Frage.

          1. Lieber Herr Plätzsch. Bitte helfen Sie mir. Was meinen Sie mit diesem Hinweis in diesem Zusammenhang?

        2. „Was meinen Sie mit diesem Hinweis in diesem Zusammenhang?“
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          Ihr Hiweis, dass Gott alles weiss, ist für die Gegenwart irrelevant, weil er nicht eingreift. Entweder ist er machtlos, kann es nicht oder er hat den Menschen mit einem freien Willen geschaffen und lehnt es ab einzugreifen. Es bleibt Ihnen nur die Hoffnung, dass er die Missetaten der Menschen dann bestraft, wenn ihre Seelen im Jenseits sind.

  8. Aber Herr Dr. Tesche – über das Internet den Plog zur Sendung Kontrovers vom Montag, 18.01.26, aufzurufen sollte doch auch für Sie kein Problem sein; Chr. Wolff wies ebenfalls darauf hin. Mit den lautstarken, unendlich insistierenden Reaktionen von v. Storch während dieser Sendung genau zu diesem Thema, wie es hier in diesem Blog debattiert und kommentiert wird, hatte es selbst der DLF-Moderator nicht ganz leicht, diese unbeherrschte AfD-Dame zur Debattierkunst zu bringen, erst recht nicht zu einer sachlichen Diskurskultur. Und noch eins: Warten wir doch mal ab, was ab morgen in Davos so geschieht, oder auch nicht. In den USA wächst übrigens die sichtbare Kontrahaltung zu diesem kranken „Präsidenten“, es dauert offensichtlich erschreckend lange, bis die Demokratie erwacht. Die sog. Rechtsbasiertheit wird durch DT ignoriert, zerstört. Und da er den Friedensnobelpreis nicht erhielt, will er jetzt Krieg – vom Frieden hält er nichts. Seine jüngste Nachricht an Norwegens Staatschef demonstriert seinen Narzissmus par exzellence. Eigentlich ist alles gesagt zur Psyche dieses „Präsidenten“, jetzt muss ENDLICH die Welt erwachen und stark und deutlich werden!!!

  9. Trump dreht völlig frei:

    „Lieber Jonas: Da dein Land beschlossen hat, mir den Friedensnobelpreis für die Beendigung von acht Kriegen NICHT zu verleihen, fühle ich mich nicht mehr verpflichtet, ausschließlich an den Frieden zu denken“, schrieb Donald Trump am Sonntag an den norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre.

    Dazu wiederholt er seine Behauptung, der dänische Besitz (Grönlands – K. P.) liege nur daran, dass vor Hunderten von Jahren ein Boot dort gelandet sei, „aber wir hatten auch Boote, die dort gelandet sind“. Er, Trump, habe seit der Gründung mehr für die NATO getan als jede andere Person – „und jetzt sollte die NATO etwas für die USA tun“.

    © F.A.Z. https://ogy.de/73te

    1. Es ist das Wesen des Nationalismus: nach innen wird eine rassistische, Bevölkerungsgruppen ausgrenzende, gewalttätige Politik betrieben, nach außen Imperialismus pur, der beghründet wird mit abenteuerlichen nationalistischen Gebietsansprüchen. Trump praktiziert dasselbe wie die Nazis vor 90 Jahren – und genau das wird auch die AfD tun. Um das zu erkennen, muss ich kein Politologe sein. Es reicht, wenn ich aufmerksam als Demokrat meine Verantwortung wahrnehme.

  10. Lieber Dr. Tesche – auf folgend zitierte Feststellung Ihrerseits in Ihrem ausführlichen Kommentar auf Chr. Wolffs Beitrag: „In diesem Zusammenhang halte ich auch Ihre Darstellung für problematisch. Sie suggerieren in Ihrem Blog eine positive Zustimmung der AfD zum Vorgang in Minnesota, ohne hierfür einen belastbaren Nachweis zu liefern.“ empfehle ich Ihnen sehr die heutige Kontrovers-Sendung des DLF nachträglich über Internet anzuhören. Frau v. Storch (AFD) als Mit-Diskutantin beantwortet auf konkrete Frage genau diese Ihre Frage nach Nachweis. Sie plädiert eindeutig dafür, das solcherart Praktiken des ICE zur Bekämpfung der Migration in unserem Land nötig seien. Die Empörung zu den Redeschwallen dieser Dame durch Hörerstimmen waren höchst deutlich und nötig!! Jo.Flade

        1. So geht es nicht, lieber Herr Wolff, bleiben wir bei den Fakten:
          Ich habe auf Ihren Beitrag geantwortet. Da muss ich mich auf das beziehen, was Sie schreiben und behaupten.
          Wenn Sie mir dann auf meine konkrete, spezifische Frage zur Thematik „AFD und Minnesota“ um einen entsprechenden Link vor meinem Beitrag so antworten, wie Sie es getan haben, nämlich nur mit „ AFD und Maga-Bewegung“ dann ist Ihre jetzige Antwort unredlich. Hinter dem Link steckte nichts, was Ihre Anschuldigung belegt hätte.
          Wenn zwischenzeitlich neue Quellen aufgetaucht sind, haben Sie diese entweder nicht gekannt als Sie Ihren Beitrag verfassten, oder Ihre Antwort an mich war ein Schnellschuss, der auf Ihre Kappe geht.

          1. Es geht um die Sendung Kontrovers im DLF, gestern 19.01.2026 um 10:05 Uhr. Im Übrtigen bleibt es dabei: Wer wissen will, was die AfD vorhat, der muss sich die Trumpsche Zerstörungspolitik ansehen. Um das zu erkennen, benötige ich keinen einzigen Link, sondern nur waches und geistesgegenwärtiges Wahrnehmen dessen, was Trump Tag für Tag anrichtet.

      1. Wer mit wortgewaltigen Beiträgen das Wohlwollen des Universal-Wissenden dieses Blogs erworben hat und damit vermutich auch das Recht, Christian Wolff „So geht es nicht, lieber Herr Wolff, bleiben wir bei den Fakten“ und Unredlichkeit vorzuhalten, bewegt sich damit mE zumindest noch in der Nähe von Anstand, im Vergleich zu sonstigen Attributierungen des Blog-Betreibers als Gutmensch, hat keine Ahnung vom Thema, Wolff-Bande…

        Und das alles wegen der enorm wichtigen Frage, ob Christian Wolff per Link belegen kann, dass sich die unsägliche AfD schon VOR dem DLF-Beitrag positiv zum bürgerkriegs-ähnlichen Vorgehen der ICE in Minneapolis geäußert habe, oder nicht?

        1. Herr Wolff packt seine Beiträge halt manchmal in ein Prokrustesbett (volkstümlich: was nicht passt , wird passend gemacht) und spitzt gerne zu.
          Dass, das bei denen , die genauer hinschauen mitunter Ärger erzeugt, ist nicht verwunderlich.
          Empfehlenswert ist es, wie bei vielen anderen Medien auch, sich soweit möglich, die Originalquellen anzuschauen und eine eigene Meinung zu bilden.
          Zu Ihrem letzten Absatz: Natürlich ist der zeitliche Ablauf interessant, den die angebotene Quelle ist dadurch eben kein Nachweis für die aufgestellte Behauptung. – Kann natürlich mal passieren zu Mal, wenn man den Anspruch hat neben den Eingangsartikeln auch noch die Diskussion zu beherrschen.

          1. Da möchte ich doch aus vollem Herzen zustimmen: „Empfehlenswert ist es, wie bei vielen anderen Medien auch, sich soweit möglich, die Originalquellen anzuschauen und eine eigene Meinung zu bilden.“ Und das gilt vor allem auch für das eigentliche Problem: Wer wissen will, was uns blüht, wenn die AfD jemals in die Regierungsverantwortung kommt, der sollte die „Originalquelle“ Trump genau studieren. Dann wird er schnell erkennen, welche Zerstörungsschneise der Nationalismus nach innen mit imperialem Anspruch nach außen weltweit schlägt.

  11. Trump ist ein bösartiger Mensch mit narzisstischer und soziopathischer Auslenkung.
    Trump war pleite und wurde von Typen gerettet, die durch seinen Bankrott noch mehr verloren hätten. Der kennt und akzeptiert kein Maß und Ziel.
    Was soll man von diesem Mann erwarten? Mit seiner Getriebenheit, Geldungssucht und Macht- und Geldgier beschäftigt er die Medien. Sein Kriegsminister läuft auf Hochtouren.
    Trump wird noch riesige Schäden verursachen, der deutschen Wirtschaft sind schon mehrere Hundert Milliarden entstanden… Die deutsche und die europäische Politik haben es versäumt, sich von den USA abzulösen. Warnungen gab es genug. Die amerikanischen Positionen standen seit Jahrzehnten europäischem Interessen entgegen. Wir wollten das nicht kapieren. Die gleiche Fehleinschätzung hatten wir gegenüber Russland und China, als wir in dem Globalisierungstaumel keine Abhängigkeiten mehr hinterfragten.
    Jetzt ist guter Rat teuer. Wenn wir wieder einknicken und gegen Trump keinen Widerstand leisten, haben wir endgültig den Glauben an die westliche Demokratie aufgeben!

    1. Lieber Herr Dresel, diese sehr einseitige Sicht teile ich bezüglich China und Ru so nicht. Was war Ursache, was Wirkung? Bei RU jedenfalls sehe ich die USA mit der Wolfowitz- Doktrin im DRIVER SEAT.

  12. Lieber Herr Wolff,
    ich möchte auf Ihren Beitrag zu einem Zeitpunkt reagieren, zudem ich noch nicht weiß, wie die klugen Köpfe in Brx. reagieren werden und was in Davos passiert. Insofern bin ich noch unbeeinflusst und mag wichtiges übersehen.
    1. Über die Art und Weise, wie Donald Trump politisch agiert, kann es keinen ernsthaften Dissens geben, da müssen wir nicht raten. Sein Vorgehen ist öffentlich, kontinuierlich und gut dokumentiert. Es ist geprägt von Willkür, Eskalation und der Missachtung etablierter Regeln. Dieses Verhalten ist nicht akzeptabel und nicht hinnehmbar. Hinzu kommt, dass er fortlaufend neue Eskalationsformen entwickelt und damit jede Form politischer Verlässlichkeit systematisch untergräbt.
    2. Der inhaltliche Kern der neuen Sicherheitsstrategie der Trump-Regierung stellt für Europa einen Schock dar. Gleichwohl sind einzelne sicherheitspolitische Annahmen nicht per se undiskutabel. Gerade deshalb ist eine klare Trennung zwischen legitimer Interessenanalyse und einer inakzeptablen politischen Vorgehensweise erforderlich. Spätestens dort, wo offen die europäische Souveränität infrage gestellt wird – zuletzt durch Aussagen zur territorialen Integrität Grönlands, notfalls auch mit Gewalt oder durch Strafzölle gegen einzelne Staaten –, wird eine Grenze überschritten, die weder ein einzelner europäischer Staat noch Europa insgesamt hinnehmen darf, ohne als souveräner Akteur jeden politischen Respekt zu verlieren.
    3. Die Funktionsfähigkeit unserer Demokratien ist nicht erst seit Trump Gegenstand harter politischer Auseinandersetzungen in Europa, auch in Deutschland. Vor diesem Hintergrund können politisch Verantwortliche einen direkten Angriff der US-Regierung auf demokratische Strukturen und europäische Selbstbestimmung weder schweigend hinnehmen noch relativieren. Schweigen oder Verharmlosung stärkt politische Kräfte, die systematisch auf die behauptete Handlungsunfähigkeit demokratischer Institutionen und die angebliche Unreformierbarkeit der Europäischen Union verweisen – in Deutschland insbesondere die AfD.
    4. Ich habe lange die Auffassung vertreten, dass politische Differenzen primär diplomatisch und nicht öffentlich zu klären sind. Diese Schwelle ist nun überschritten. Auch wenn Appelle Donald Trump nicht nachhaltig von seinem Kurs abbringen, bleibt es notwendig, ihm politisch die Bedingungen zu erschweren, diesen Kurs fortzusetzen. Entscheidend ist dabei, nicht auf jede Provokation reflexhaft zu reagieren, sondern eine konsistente europäische Grundsatzposition zu formulieren, statt auf einzelne Provokationen und Unverschämtheiten. Diese müssen kurzfristig notfalls hingenommen und nach dem Prinzip Tit for Tat beantwortet werden.
    Diese sollte auch als Antwort auf die Sicherheitsstrategie der USA aus dem November 2025 , aber auch als Antwort auf das aggressive Verhalten gegenüber europäischen Staaten verstanden werden.

    Eine solche Position müsste an die historische Dankbarkeit Europas gegenüber den USA während und nach dem Zweiten Weltkrieg anknüpfen, die jahrzehntelange bewährte Partnerschaft würdigen, die Bereitschaft zur Anpassung an veränderte Interessenlagen betonen und die Prinzipien benennen, unter denen diese Zusammenarbeit künftig fortgeführt werden soll.
    Ebenso sollte sie das Ziel internationaler Rüstungskontrolle und einer erneuerten Sicherheitsarchitektur in Europa klar benennen und an den Teil im 28 Punkte-Plan der Trump Regierung abknüpfen, wo es um die Zusammenarbeit mit Russland und die Normalisierung geht.
    5. Ob Europa zu einer solchen Erklärung fähig ist, ist der Lackmustest für den politischen Zustand der Europäischen Union. Aus meiner Sicht müsste eine derartige Erklärung vom Präsidenten des Europäischen Rates abgegeben und von den Mitgliedstaaten ausdrücklich mitgetragen werden.
    5. Parallel dazu ist auch die deutsche Bundesregierung gefordert, klar Position zu beziehen und politische Prioritäten neu zu ordnen. In einer sicherheitspolitischen Lage dieser Tragweite müssen Fragen der Verteidigungsfähigkeit Europas und der Wiederherstellung wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit Vorrang haben. Andere, so wichtig sie im Einzelnen vom Koalitionspartner empfunden werden, sind diesem Ziel unterzuordnen. Man muss klar machen, wohin die Reise gehen soll und dass Deutschland einen politischen Bund vorschlägt, offen für alle Willigen, zunächst limitiert auf Verteidigung (Vorschlag Sinn). Der Ball
    muss endlich gespielt werden! Daher:
    Deutschland sollte von sich aus den Vorschlag unterbreiten, die nationale Verteidigung schrittweise in einen gemeinsamen europäischen Verteidigungsverbund einzubringen, offen für alle dazu bereiten Staaten.
    Das ist dann auch eine klare Position gegenüber den USA.
    6. Eine solche klare und konsequente Positionierung würde auch jene erreichen, die derzeit politischen Kräften wie der AfD zuneigen. Das allein genügt jedoch nicht. Solange mit zweierlei Maß gemessen wird und sich diese Partei leicht als Opfer unfairer Behandlung darstellen kann, wird sich daran wenig ändern. In diesem Zusammenhang halte ich auch Ihre Darstellung für problematisch. Sie suggerieren in Ihrem Blog eine positive Zustimmung der AfD zum Vorgang in Minnesota, ohne hierfür einen belastbaren Nachweis zu liefern. Der pauschale Verweis auf „AfD und MAGA-Bewegung“ ersetzt keine konkrete Quelle. Mehr als 47 Unterbrechungen im Vortrag eines AfD Vorstandsmitglieds von verschiedener Seite geht in dieselbe Richtung. Die AfD erhält dadurch Zulauf. Das wird als unfair angesehen.

    Gerade wenn wir überzeugt sind, dass wir politisch und rechtlich auf der richtigen Seite stehen, sollten wir konsequent nach den Regeln des Rechtsstaats und der demokratischen Auseinandersetzung handeln. Dazu gehört Fairness ebenso wie Klarheit. Angst vor Donald Trump ist dabei kein politisches Konzept.

    1. Zur Klarstellung: Mir geht es nicht darum, ein weiteres Papier zu produzieren, um eas getan zu haben, sondern darum, ein Gesamtpaket zu schnüren und zu verhandeln, wo das Paket insgesamt stimmen muss und nicht der Salami Taktik Trumps zu folgen.

    2. Dr Tesches Kommentar ist vollinhaltlich zuzustimmen. Eine Ergänzung sei mir erlaubt: Im Punkt 5 schreiben Sie zu Recht, dass Deutschland „die nationale Verteidigung schrittweise in einen gemeinsamen europäischen Verteidigungsverbund … offen für alle dazu bereiten Staaten“ einbringen sollte. Das ist richtig, vor allem auch der Hinweis, dass dies wohl zunächst nur in einem Europa der zwei Geschwindigkeiten möglich sein wird. Aber wichtig ist eben auch der Hinweis, dass dies nur sinnvoll ist und erfolgreich sein kann, wenn es EINE gemeinsame Außenpolitik der beteiligten Staaten, also einen vorherigen POLITISCHEN Einigungsprozess gibt: Verteidigung ist ein außenpolitisches Thema, Streitkräfte sind ein Instrument der Außenpolitik – ohne einheitliche Politik also kann es keine gemeinsamen Streitkräfte geben. Frau Kallas ist gefordert – aber sie kann nur, was sie darf!
      Andreas Schwerdtfeger

    3. Nur eine Bemerkung: Es ist das Wesen des Rechtsnationalismus (wie der Nazis vor 1933), dass sie immer „Opfer“ sind. Noch heute spielt Trump auf dieser Leier: Siehe seine Lüge vom Wahlbetrug. Sinn und Zweck ist ausschließlich, ihre Aggressions- und Zerstörungspolitik als „Verteidigung“ hehrer Ziele zu verschleiern und zu verkaufen. Dass die AfD die Politik Trumps rückhaltlos unterstützt, ergibt sich allein daraus, dass Trump wie Putin ganz offiziell (siehe Sicherheitstsrategie) die AfD ideologisch und materiell fördert.

  13. Dieser Ihrer Aussage: „Das ist nur möglich, wenn Europa endlich seine Hausaufgaben macht, wie ich sie in meinem Kommentar beschrieben habe. Starke Worte auf offener Bühne ohne tatsächliche Stärke bringt gar nichts. Ich möchte keine deutliche Sprache auf offener Bühne hören, die die Uneinigkeit innerhalb Europas vernebelt, sondern starke gemeinsame Taten sehen.“, lieber R. Festerra, kann ich tatsächlich zustimmen, da gibt es zwischen uns beiden keinen Konflikt. Vor allem eines sagt mir zu: Ihre sachliche Kommentierung! Da heben Sie sich und andere Kommentatoren hier in diesem Blog wohltuend ab von unserem Dauer-Mobber AS. Derzeit ist nur zu hoffen, dass die politisch fähigen und die Gesamtsituation der realen Welt-Realität richtig einschätzen, jetzt genau das praktizieren: Klugheit, Stärke, Vernunft und Sachorientierung! Etwas ganz anderes wird ggf. interessant, ob BK Merz Spahn in sein Kabinett holt; er mag ihn nicht mehr und will ihn besser kontrollieren. Wenn das die Grund sein soll, einen Selbstdarsteller aus den reihen der CDU zum Minister zu erheben, dann stellt sich die Frage, wo politische Verantwortung bleibt…Uns allen eine gute Woche.

    1. Da schau doch einer: Kaum nutzt Käfer die Vokabel „mobbing“, schon fällt sie auch Flade ein – honi soit, wer dabei an Papageien denkt!
      Und Tesches und Fersterras sachliche Kommentierung gefällt mir auch!
      Andreas Schwerdtfeger

  14. Während der ersten Amtszeit des 45. US-amerikanischen Präsidenten von 2017 bis 2021 dachte ich, das Politbüro der DDR ist in das Weiße Haus nach Washington umgezogen. Inzwischen ist es offensichtlich geworden, dass dieses Weiße Haus eine „Irrenanstalt“ geworden ist. Der 47. Präsident der Vereinigten Staaten übt dort seine scheinbar uneingeschränkte Macht aus. Es gelten keine Regeln und Gesetze mehr, die zuvor zahlreiche Menschen mit ihren Erfahrungen, ihrer Vernunft und mit gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein installiert und danach gehandelt haben.

    Der Begriff „Irrenanstalt“ ist allerdings veraltet. Heute wird ein solches Haus „Psychiatrische Klinik“ oder „Fachklinik für Psychiatrie“ genannt. Doch in einer Klinik arbeiten Ärzte. Diese kümmern sich, soweit es möglich ist, um die Heilung ihrer Patienten oder suchen zumindest eine Lösung für den Umgang mit geistig Verwirrten. Im Weißen Haus praktizieren keine Ärzte. Also ist es keine Klinik. Ein treffender Begriff fehlt.

    Es hat den Anschein, dass ein geistig Verwirrter die Macht über den größten Teil der Menschheit gewonnen hat. Wie konnte das geschehen? Viele große Krisen in der Welt gingen mit neuen Medien einher. Kaum hatte Johannes Gutenberg den Buchdruck erfunden, folgte nicht nur die Reformation, sondern auch der Hexenhammer. Während der Zeit des Nationalsozialismus spielte das Radio als Propagandamedium eine bedeutende Rolle. Die Kommunisten verbreiteten ihre Lügen mittels ihrer billigen, staatlich subventionierten Zeitungen. Donald Trump ist mit dem Fernsehen populär geworden. Jetzt verbreiten die digitalen Medien den Hass der Welt. Dahinter stehen die Apologeten des digitalen Zeitalters mit ihrer auf maximalen Gewinn orientierten Vision, dass die Welt mit ihren Erzeugnissen besser wird. Die Verführung von Milliarden Erdenbewohnern mit dem digitalen Wunderspielzeug, dem Smartphone, ist gelungen.

    Im Jahr 2012 hatten sich das Smartphone, das ultraschnelle Internet und die Social-Media-Plattformen in voller Breite durchgesetzt. Die mittlere Generation hat diese Technik in ihr Leben nahezu vollkommen integriert. Davon kritiklos beseelt geben sie diese ihren Kindern in die Hände, die damit völlig überfordert sind. Algorithmen sorgen dafür, dass sich Hass, Menschenfeindlichkeit und schlechte Laune in Windeseile weltweit verbreiten können, nicht nur das, sondern auch für monetären Gewinn sorgen. Diese Technik mutierte schnell zu einem Instrument, den zivilen und demokratischen Dialog zu zertrümmern. Es ist kein Zufall, dass der globale Triumph des Rechtspopulismus – von Donald Trump bis zum Aufstieg der AfD in Deutschland – mit dem Aufstieg der „sozialen Medien“ zusammenfällt. Der große Irrtum in diesem Zusammenhang ist das Wörtchen „sozial“. Die so verbreiteten Lügen sind das Virus dieser geistigen Erkrankung.

    Donald Trump ist nur einer von vielen Menschen, die von diesem Virus befallen sind. Er wurde demokratisch von Infizierten gewählt! In einer Demokratie kann man nicht nur den Arzt, sondern auch den Henker wählen. Das Virus mutiert nicht biologisch, sondern digital. Es ist möglich, dass Trump selbst den Heilungsprozess in Gang setzt, wenn seine Strafzölle ausgereizt sind und er die digitale Welt des Hasses, die von den US-amerikanischen Tech-Giganten dominiert wird, in einem Wutausbruch einfach ausschalten lässt. Lügen und Propaganda können sich nicht mehr verbreiten, Drohnen verlieren ihre Orientierung. Seine Macht lässt das zu, doch damit würde er selbst seine Macht verlieren, und nicht nur er. Es gibt Kinder, die haben das Spiel der Erwachsenen längst durchschaut: „Aber der Kaiser ist doch nackt!“

    Doch damit sind die betroffenen Menschen noch nicht gesund. Erst wenn das Virus erfolgreich bekämpft ist, tritt der Genesungsprozess ein und fast die ganze Welt wird zur Fachklinik für Psychiatrie.

  15. Die hier dominierende Beurteilung der Trump-Politik halte ich nach wie vor für unterkomplex. Besonders dann, wenn sie die Ukraine betrifft. Eine rationale Sichtweise und weniger Schaum vorm Mund haben den Vorteil, Widersprüche klarer erkennen und zukünftige Entwicklungen zuverlässiger voraussehen zu können.

    Dass Trump kein Friedensengel ist, wird von ihm tagtäglich demonstriert. Fakt ist jedoch, dass er die Aussichten auf ein Ende des Krieges in der Ukraine im Verlaufe des vergangenen Jahres wesentlich verbessert hat. Sein entscheidendes Verdienst war zu erkennen, dass die damalige Selenskyj-„Friedensformel“ keine Aussicht auf Erfolg hatte und er deshalb nicht nur beschloss, mit Russland zu reden, sondern auch dessen Sicherheitsinteressen bei der Suche nach Modalitäten eines Kriegsendes Rechnung zu tragen (J. Varwick, Uni Halle, Freitag 23.12.2025). Dazu war die Vorgängerregierung nicht in der Lage. Die Europäer sind es bis heute nicht. Das hängt sicherlich auch mit der Mittelmäßigkeit des derzeitigen europäischen Führungspersonals zusammen. Prof. Michael Staack, Bundeswehr-Uni Hamburg, spricht treffend von der „Herrschaft der mutlosen Mittelmäßigkeit“ (7. WIFIS Webtalk, eine von der Uni Halle organisierte, sehr interessante Veranstaltung, https://www.youtube.com/watch?v=1-WV57D3zTo).

    Es ist sicherlich nicht Menschenliebe, die Trumps Bemühungen um eine schnelle Beendigung des Ukrainekrieges antreibt und Moskau weitreichende Zugeständnisse machen lässt. Sondern es ist die Sorge, dass durch einen länger anhaltenden Krieg US-Ressourcen aus wichtigeren Richtungen abgezogen werden und das Bündnis zwischen Russland und China weiter gestärkt wird. Es geht also um ureigenste amerikanische Großmachtinteressen. Dabei ist die amerikanische Interessenlage widersprüchlich, wird Russland doch Konkurrent der Vereinigten Staaten bleiben und somit aus amerikanischer Sicht maximal geschwächt werden sollte. Es kann somit nicht ausgeschlossen werden und würde nicht überraschen, dass Trump wieder auf maximalen Druck auf Moskau umschaltet, so z. B. weitere Schiffe beschlagnahmt, Sanktionen verschärft, die Unterstützung der Ukraine erhöht und versuchen wird, interne Unruhen in Russland zu provozieren. Bedeutende Kräfte seiner Entourage drängen bereits jetzt darauf (Außenminister Rubio, CIA-Chef Radcliffe). Affinität zwischen Autokraten beschreibt sicherlich nur sehr ungenügend das Verhältnis Trumps zu Putin (https://ctrana.one/news/498112-novyj-mirovoj-porjadok-trampa-i-vojna-v-ukraine.html).

    Verdiente ein Kriegsende, so wie es Trump akzeptabel scheint, die Bezeichnung „Frieden“? In dem EKD-Positionspapier „Welt in Unordnung“ steht sinngemäß, ein Waffenstillstand, der keine belastbaren Freiheits-, Sozial- und Pluralitätsperspektiven bietet, werde auf Dauer nur neue gewaltförmige Konflikte provozieren. Darum muss man ein sicherheitspolitisches Friedensverständnis ablehnen und also auch den Frieden, wenn er kein gerechter ist. Das widerspiegelt das derzeitige Mainstream-Denken in Deutschland und Europa. Eine fatale Sichtweise! Wäre überall Gewalt gerechtfertigt, um einen ungerechten in einen gerechten Frieden zu verwandeln? Sollen eher die Schrecken des Ukraine-Krieges fortgesetzt werden, als eventuelle Ungerechtigkeiten eines Friedens zu akzeptieren, der in großem Umfang russischen Vorstellungen folgt? Will die EKD einem Krieg ihren Segen geben, der nicht mehr nur zu unmittelbarer Gefahrenabwehr geführt wird, sondern aus politischen Gründen, aus Gründen des Rechtsprinzips oder der möglichen künftigen Gefahrenvermeidung? Und zugespitzt: Soll man heute mehr töten, damit man vielleicht morgen weniger töten muss? (J. Augstein, Freitag 11.12.2025). Letztendlich wird von den Kirchenoberen suggeriert, Frieden könne durch Krieg statt durch Diplomatie und Verhandlungen erreicht werden. In besagtem Papier werden sogar Präventivkriege gerechtfertigt (M. Klöckner, Nachdenkseiten 14.11.2025). Die Ablehnung eines Friedens à la Trump steht übrigens im Widerspruch zur Verurteilung Putins wegen dessen Verweigerung eines bedingungslosen Waffenstillstands und seiner Forderung einer umfassenden europäischen Friedenslösung als Voraussetzung für ein Schweigen der Waffen.

    1. Dass Sie, lieber Herr Lerchner, weiter bei Ihrer positiven Bewertung der Trumpschen Politik bleiben, kann mich nicht verwundern. Spielen doch in Ihrer ganzen Argumentation die demokratischen Freiheitsrechte, um die es um Ukraine-Krieg auch geht, nach wie vor keine Rolle. Sie bewegen sich – wie das BSW seit seinem Bestehen – ausschließlich auf der Ebene der Autokraten und ihrer Claqueure. Ihre Kritik an der neuen Friednes-Denkschrift der EKD teile ich – wenn auch aus völlig anderen Gründen. Sie stoßen sich daran, dass die EKD „… das Mainstream-Denken in Deutschland und Europa (widerspielgelt)“. Meine Kritik richtet sich dagegen, dass die EKD die Friedensdenkschrift rein tagespolitisch ausrichtet und eher die Regierungspolitik kommentiert, als dass die theologischen und biblischen Grundlagen der Friedensethik als Ausgangsbasis für politische Schritte zu beschreiben.

    2. „Will die EKD einem Krieg ihren Segen geben, der nicht mehr nur zu unmittelbarer Gefahrenabwehr geführt wird, sondern aus politischen Gründen, aus Gründen des Rechtsprinzips oder der möglichen künftigen Gefahrenvermeidung? “
      _______________________________________________________________________________________

      Für Sie als großen Russen-Lobbyisten ist es natürlich keine Gefahr, wenn Rußland die Energieversorgung der Ukraine im tiefsten Winter zerstört.

    3. „Fakt ist jedoch, dass er die Aussichten auf ein Ende des Krieges in der Ukraine im Verlaufe des vergangenen Jahres wesentlich verbessert hat.“ „…wird Russland doch Konkurrent der Vereinigten Staaten bleiben…“ „…versuchen wird, interne Unruhen in Russland zu provozieren.“

      Können Sie diese Aussagen bitte näher erläutern?

    4. Ich schliesse mich Ihrer Meinung an, lieber Herr Lerchner,
      auch was Ihre Kritik an der EKD betriff. Das was bisher in der alten Denkschrift aus 2017 stand , wird einseitig verstärkt in Richtung Mainstream.
      1) Wir brauchen mehr Realismus und weniger Prinzipienreiterei. Realität schlägt Theorie. Vermeintlich gleiche Wertebasis führt nicht zu gleicher Interpretation und Handlung. Es gibt und gab viel Heuchelei auch im Westen, wie Mark Carney in Davos überzeugend darlegte.
      2) Der gelegentlich kolportierter Satz: „Wir verteidigen unsere Freiheit bis auf den letzten ukrainischen Soldat „ sollte immer im Hinterkopf mitschwingen und zum Nachdenken führen bei den Hardlinern der bisherigen Politik.
      3) Die Interessenlage der USA ist widersprüchlich und es ist unklar, ob und wenn ja, welches Agreement zwischen Ru und USA schon besteht. Dto bezüglich der EU. Alles ist denkbar.
      Vor diesem Hintergrund ist es falsch, mit Trump auf ihn interessierende Punkte ( konkret Grönland) jetzt einzugehen und zu verhandeln. Ein Gesamtpaket ( EU UND USA) muss auf den Tisch.
      .Es zeigt sich als Nachteil, dass die EU den direkten Kontakt mit dem Kriegsverbrecher Putin nie gesucht hat.
      4) was jetzt zur Verhandlung zwischen USA , Ukraine und Ru diskutiert wird, weiss ich nicht. Hoffentlich weiss das die EU ( und nicht nur Herr Rütte). Das könnte der EU beim Nachdenken nicht gefallen. Die EU Aufnahme der Ukraine scheint mir dabei aus unserer Sicht im Moment nicht zu vertreten.
      Hoffentlich kommen darin noch Themen wie die Gestaltung und Wiederbelebung der Zusammenarbeit auch mit RU wieder vor, nicht nur das Festschreiben von „ Scheinsicherheiten „wie den Art 5 des NATO Vertrages.
      5) Die EU oder der Kreis der Willigen muss sich auf alle Eventualitäten einstellen und ins Handeln kommen, weg vom puren Reden. Mein Vorschlag: siehe oben. Auch Stärke ist ein Wert an sich (Carnay).

  16. Soll man versuchen, Donald T. und seine vielfältigen (oft wirren) Aussagen wirklich immer wieder und weiter zu interpretieren?
    Für mich ist er eigentlich bloß ein skrupelloser, selbstverliebter, aufmerksamkeitsheischender Politdarsteller, den man entweder in die  Psychiatrie oder die Geriatrie einweisen sollte, auf alle Fälle weit weg vom Weissen Haus!
    Dennoch: er ist der rechtmäßig gewählte POTUS, wir müssen mit ihm umgehen. Herumschleimen, ihn um Gottes Willen immer nur bei guter Laune halten – das kann aber nicht das Mittel der Wahl sein!
    BK Merz hat zwar das „Pech“, just in dieser schwierigen Zeit, als Unerfahrener Verantwortung übernehmen zu müssen; es wäre aber seine (verdammte) Pflicht, Europa – gemeinsam mit anderen (mindestens Frankreich, England, Polen) – Stärke und Durchschlagskraft (wirtschaftlich, wertebasiert, auch militärisch) zu verschaffen, um selbstbewusst gegenüber Trump, Putin und Xi auftreten und so der unsäglichen (und eigentlich apolitischen) AfD das Wasser abgraben zu können.
    Vermutlich müsste er dazu erst einmal seinen eigenen „Laden“ auf Vordermann bringen (Kabinettsreform), sich weniger um populistische Nebenkriegsschauplätze (Stadtbild, Technologie-Offenheit, Leistung muss sich wieder lohnen) kümmern, mit seinen europäischen Mitstreiter:innen  eine tragfähige, gemeinsame Strategie für die nächsten 5 Jahre erarbeiten und die „Willigen“  darauf einschwören.
    Leider kann ich derzeit keinerlei Ansätze/Anstrengungen erkennen; das macht mir Angst – primär für die nachfolgenden Generationen. Dies vor allem wegen der Überlegung, dass nach Trump der noch viel gefährlichere Vance kommen könnte (und bereits in den Startlöchern lauert)!

    1. Die AfD als „eigentlich apolitisch“ zu bezeichnen, ist abenteuerlich. Diese Partei weiß ganz genau was sie will: die Abschaffung der liberalen Demokratie.

  17. Trump lässt sich von der AfD für das feiern, was er derzeit nicht nur in Minnesota inszeniert: der brachiale Einsatz der bewaffneten Eingriffskräfte der ICE Behörde, die sich zur amerikanischen Variante der SA entwickeln, gegen die eigene Bevölkerung.
    Darf ich bitte um einen Link bitten, woraus sich diese Aussage der AfD konkret ableiten lässt? Das war mir nämlich nicht bekannt. Das wäre ungeheuerlich.

      1. Die Quelle stützt Ihre Behauptung, die von Dr. Tesche in Frage gestellt wird, sehr geehrter Herr Wolff, in keiner Weise: Im ganzen Artikel werden die Vorgänge in Minnesota bzw. „der brachiale Einsatz der bewaffneten Eingriffskräfte der ICE Behörde“ oder „SA“ kein einziges Mal erwähnt.
        Aus dem Artikel kann man realistisch auch nichts entsprechendes ableiten, weil es im Artikel nicht darum geht.
        Gerne können Sie weitere, stichhaltigere Quellen anbieten.
        Durch solche Unstimmigkeiten Schaden Sie dem Ziel „die AfD zu stellen“ und erzeugen einen Mitleids- bzw. Opfereffekt, der der AfD eher nützt.

        MfG E. Breuer

        1. Wer die AfD stellen will, sollte nicht leichtfertig auf die sattsam bekannte Verharmlosungs- und Opferstrategie der AfD hereinfallen. Wie die funktioniert, konnte man heute Vormittag im Deutschlandfunk (vor allem ab Minute 51) verfolgen. Dort stilisierte sich Beatrix von Storch (AfD) zum Opfer und verharmloste gleichzeitig die klare Unterstützung der Trumpschen ICE-Politik durch die AfD („hässliche Bilder“ seien eben nicht vermeidbar). Hier hilft nur eines: Klarheit. Um es kurz zu sagen: Wer erfahren will, was die AfD in Deutschland anrichten wird, sollte sie jemals in Regierungsverantwortung kommen, kann dies derzeit in den USA studieren: Zerstörung der Gewaltenteilung, Reduzierung der Meinungsfreiheit, kultureller Kampf gegen Vielfalt, eine gewalttätige Remigrationspolitik, Besitzansprüche auf Gebiete, die jetzt außerhalb Deutschlands liegen, Absicherung der Bereicherungspolitik der Superreichen.

  18. Man kann den Beiträgen von Herrn Fersterra nur zustimmen. Wolff verharrt in seiner üblichen Schwäche: Er schildert die Lage zutreffend, vergreift sich dabei leider allzu häufig im Stil – und sein wichtigster Lobhudler schreibt, soweit vom Deutsch her verständlich, nur noch in diesem Stil – und versagt dann völlig bei der auch nur ansatzweisen Andeutung von Lösungsvorschlägen. Und das alles beweist, wie Recht die außenpolitisch Verantwortlichen in unserer Regierung, der Kanzler und der Außenminister, haben, wenn sie mit dem Begriff einer „komplexen“ Lage zu umschreiben suchen, was in der Tat ein gewaltiges Dilemma der europäischen und deutschen Politik ist: Selbst nicht in der Lage zu sein, die für richtig gehaltene Politik durchzusetzen, und sich andererseits in Gefahr zu bringen, wenn man deren Garant ins Schienbein tritt – dies gerade gegenüber einem Machtmenschen, bei dem es egal ist, ob man ihn mehr als Paranoiker oder als Narzisst beschreiben will.
    Das von Wolff angesprochene Dilemma ist anzuerkennen: Wie verteidigt man Werte gegen einen Zerstörer derselben, wenn man gleichzeitig diese Werte ohne ihn nicht verteidigen kann und sich also der Gefahr der eigenen Zerstörung und damit des Verlustes dieser Werte aussetzt? Wolff selbst schildert (teilweise) die Komplexität des Problems: Arbeiten wir weiter zusammen mit einem „enthemmten Kriminellen“, so verlieren wir Glaubwürdigkeit, Frieden und Menschenwürde – richtig, aber nur die halbe Wahrheit. Arbeiten wir nicht zusammen mit diesem „Kriminellen“, so werden wir alsbald zwischen Putin und ihm zerrieben – und verlieren auch Selbstbestimmung, Freiheit und Menschenwürde. Wer wollte die Komplexität dieses politischen Problems nicht erkennen und zugeben!
    Da hilft auch nicht, wenn ein bekennender Verweigerer und Pazifist komplett im Trump’schen Stil und an der Realität vorbei hier Leute aggressiv belehren will über den eigenen Untergang. Besser schon die Taktik, rasch die eigene politische Selbständigkeit wieder herzustellen (soweit es geht), das gesamte politische Spektrum der amerikanischen Politik, insbesondere beide Häuser des Kongresses, einzubeziehen und diejenigen Möglichkeiten eigener Politik zu stärken, die es gibt: Wirtschaftliche Einkreisung der USA, Stärkung der Einheit der EU, Vermeidung/Reduzierung neuer und weiterer Abhängigkeiten von anderen Großmächten (insbesondere China), Aufbau der eigenen Kriegstüchtigkeit (vor allem auch gesellschaftlich) als Voraussetzung für den Erhalt unserer Werte durch glaubhafte Abschreckung (hier wäre auch die immer wieder beschworene „europäische Armee“ mal ein Thema, die allzu Vielen, zB den Grünen, nur als Ausrede dazu dient, andere vorangehen zu lassen). UND: Sachlichkeit in der Diskussion und nicht aufgeregtes und selbstgerechtes Geschwafel in Verbindung mit komplexen Problemen (ein Beispiel: Wer im Zusammenhang mit Israel die Vokabel „Apartheidsstaat“ verwendet, zeigt Hetze und Ideologie an Stelle von Faktenwissen und Lösungsbereitschaft).
    Herr Wolff: Ihre Lagebeschreibung ist wie so häufig nachvollziehbar; einen Beitrag zur Lösung leisten Sie nicht, weil Sie wie immer im Vagen und Theoretischen bleiben; und alle, die man nicht mag, mit Vokabeln zu überziehen, die man andererseits diesen Menschen vorwirft, beschädigt die eigene Glaubwürdigkeit. Die Lage ist eben komplex.
    Andreas Schwerdtfeger

    1. Natürlich kann ich kein „Regierungsprogramm“ vorlegen – das wäre mehr als vermessen! Also geht der Vorwurf, ich würde keine Lösungen vorlegen, an der Wirklichkeit vrobei. Was in einem solchen Blog möglich ist, Denkrichtungen aufzuzeigen und Ausgangspunkte zu bestimmen, von denen aus sich Politik entwickeln sollte. Was ich aber sehr klar und deutlich zum Ausdruck beringen möchte: Mit einem Trump ist keine „Zusammenarbeit“ möglich. Vielmehr muss sich deutsche und europäische Politik von ihrer Position einer wertebasierenden Politik aus mit Trump auseinandersetzen. Da reicht es nicht, ein klar zu beschreibenden Problem als „komplex“ in den Bereich des Ungefähren zu verfrachten.

      1. Und wieder weichen Sie aus: man muss sich also nach Ihrer Meinung „mit Trump auseinandersetzen“. Und genau das tun Sie eben nie – denn zu dieser Auseinandersetzung gehören neben der billigen Verbalattacke und der in Empörung gemeißelten Beschreibung einer Realität und der daraus erwachsenden Probleme dann eben auch die ansatzweise Andeutung realistischer Wege aus dem Dilemma, der Anerkennung der Komplexität desselben und dies alles auf der Basis eigener Möglichkeiten, Grenzen und Notwendigkeiten.
        Aber Sie folgen eher der oberflächlichen Rechthaberei eines K, der sich mit seinen Vorurteilen anstatt mit der Lage befasst: Der Kanzler ist ein international erfahrener Mann, was ihm ja selbst seine Gegner und auch sein Koalitionspartner bescheinigen (und allemal ja mehr als die Xantippen der Grünen, Haßelmann und Dröge!). Der Kanzler spricht die richtigen Probleme in unserem Lande an, Stadtbild (dh Kriminalität und Verwahrlosung), Leistung und Arbeit (dh Wirtschaft als Voraussetzung für ALLES), Technologieoffenheit (dh Innnovation, Freiheit des Denkens, Vorrang für Bildung), was ja selbst (in anderen Formulierungen) sein Koalitionspartner unterstützt und nur aus verzweifelter Wahltaktik nicht klar benennt – alles also, was dem Kritiker K fehlt, der lieber wesensgleiche Langweiler bevorzugt und glaubt, sich auf Anstand herausreden zu können.
        „Vielmehr muss sich deutsche und europäische Politik von ihrer Position einer wertebasierenden Politik aus mit Trump auseinandersetzen“ – es müsste sich doch auch nach Ihrer Ansicht, lieber Herr Wolff, irgendetwas Konkretes in diesen Satz hineininterpretieren lassen, das unsere Politik konkret und realistisch voranbringt, oder? Denn wer die Komplexität der Probleme nicht begreift oder sie als Ausrede für eigene Inkompetenz beim Ansatz zu Lösungen heranzieht, der degradiert sich zum billigen Kritiker und Besserwisser – und der sollte sich nicht als „Berater“ für Politik zu verkaufen suchen.
        Andreas Schwerdtfeger

        1. Vielen Dank, lieber Herr Schwerdtfeger, jetzt weiß ich, wie eine wahre Auseinandersetzung mit Trump aussieht: unserem Bundeskanzler als „Mann“ zu huldigen. Das hilft wahrlich, die „Komplexität“ der Probleme zu erkennen.

    2. Ok, mit diesem Mobbing gegen Jo.Flade musste man rechnen…
      Ein kleiner Lichtblick von gestern Nachmittag am Rande des Connewitzer Kreuzes in Leipzig (ca. 150 – 200 Personen versammelten sich, um ihre Solidarität mit Israel zu bekunden, angesichts einer drohenden Eskalation von Extremist:innen, die Pro-Palästina bzw. Pro-Israel Stimmung machen wollten):
      Alle relevanten demokratischen Parteien waren mit einem Sprecher/einer Sprecherin vertreten (CDU, SPD, B90/G, FDP) erhielten durchgängig Beifall, keine Häme, keine Beleidigungen, alle argumentierten sachlich, klug, deeskalierend.
      Dadurch ergaben sich zahlreiche neue Gespräche (friedlich, produktiv) unter den Zuhörer:innen.

  19. Werter Herr Herr Rolf Fersterra; erklären Sie doch bitte auch mir die rhetorischen Eiertänze unserer Bundesregierung (hier speziell Merz + Wadephul), die den massiven Festnahme des Venezolanischen Diktators als ein „komplexes Thema“ interpretieren und als Mitglied der NATO zulassen, dass NATO_General Mark Rutte D. Trump geradezu schleimscheißerisch (pardon) hofiert und noch immer daran nostalgisch festhält, diesen politisch affektiv und unkontrolliert agierenden Narzissten als DEN USA-Präsidenten zu akzeptieren. Eindeutig, nach meiner Auffassung: Eine Zeichen unübersehbarer Schwäche. Trump bleibt bei seiner militärischen Übernahmefantasie, Grönland einzuverleiben, trotz div. Gespräche jüngst. Gott sei Dank bleiben die Grönländer selbstbewusst, im Verband mit Dänemark, hoffentlich auch zukünftig unbeugsam. Denn das zeigt doch Trumps Dauer-Praktiken deutlichst: wer ihm nacvh seinen Volten klar Paroli bietet (siehe Kanada!), erreicht eigene Standfestigkeit und dieser Paranoia knickt ein, zumindest temporär. Und allein bei dem schrecklichen Thema: Ukrainekrieg (seit 4 Jahren!), den Trump innerhalb 24 Std. beenden wollte (das war seine Aussage im Januar 2025!) mit seinen schizophrenen Ambitionen, darauf rasch den Friedensnobelpreis bekommen zu müssen, muss doch nun wirklich jedem klar werden – in den USA vollzieht sich ein erschreckender Politikwandel, ICE erschießen friedliche Demonstranten, Gewalt ist für Trump, im Hintergrund Vance (!!!), legitimes Mittel und FRIEDEN in den USA (und eben auch nach außen) wird mit monarchischen Methoden ausgeblendet, mit lautstarken Argumenten, die erschrecken.
    Lesen Sie doch die aktuelle DIE ZEIT, da wird mehr als bewusst, was da im Weißen Haus passiert und wer der zukünftige Präsident werden will; eine hochinteressante Lektüre.
    Ihnen eine gute Zeit, Jo.Flade – hoffen wir allesamt, dass DEU + die EU endlich wach wird!!! Und das in unserer Demokratie ebenfalls das Aufwachen Realität werde! (s.a. die bevorstehenden Wahlen, vor allem in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Meck.-Pom.. Die AfD, Dauergast bei Trump – Auch ich kann nur appellieren: „Wachet auf, ruft uns die Stimme…“!
    Lieber Christian: Auch dieser Dein aktueller Beitrag trifft die elendige Wunde unserer Demokratie. Wird diese endlich erkannt und wann setzt die Therapie ein? Gott sei DANK gibt es noch Aufrechte in diesem unseren Land.

    1. Lieber Herr Flade! Mit der Beurteilung der Trumpschen Politik durch Christian Wolff und Sie stimme ich voll überein. Ich finde auch, dass europäische Politiker es unterlassen sollten, diesen Gegensatz durch ihre öffentlichen Äußerungen zu verschleiern. Unterwürfigkeit und Schleimerei lehne ich genauso wie Sie ab. Klare Äußerungen sind wünschenswert, wobei der Ton klar und sachlich bleiben sollte. Die Reaktion von Friedrich Merz auf Venezuela (komplex) ließ diese Klarheit vermissen. Die Entsendung europäischer Soldaten (und wenn es nur 13 sind) nach Grönland gefällt mir da wesentlich besser.
      Und trotzdem bin ich gegen eine Konfrontation mit Trump auf offener Bühne, die als eine Konfrontation zwischen Europa u n d d e n U S A missverstanden werden könnte.
      Jeremy Shapiro, Forschungsdirektor beim European Council on Foreign Relations, heute auf Zeit-online: „Trump mag die Nato nicht, viele in Washington aber schon … der US-Kongress, die Militärführung und die Diplomatie. Viele Leute innerhalb der US-Regierung misstrauen Trumps Instinkt, Chaos zu stiften.“ Diese Leute wirken im Hintergrund und bremsen Trump mehr als es jeder Europäer könnte. Ohne sie hätte Trump die Ukraine und Europa längst fallen gelassen. Deswegen muss der Eindruck vermieden werden, Europa stünde gegen die USA. Shapiro schlägt vor, dass die Europäer mit den Transatlantikern in den USA Kontakt aufnehmen: „Mit ihnen könnte Europa reden und verstärkt Einfluss ausüben, um Trump zu stoppen.“
      Und ja: Europa muss Stärke demonstrieren. Shapiro: „Europa darf eines nicht vergessen: Trump verhält sich wie ein Mobber. Er sucht sich die Schwachen aus und drangsaliert sie. Sobald jemand glaubhaft Stärke zeigt, zieht er sich wie ein Feigling zurück. Die Lehre daraus ist eindeutig: Europa müsste dem Mobber Trump endlich die Stirn bieten. Dafür muss es sich größer machen und selbstbewusst auftreten.“ Diese Stärke muss sich aber unbedingt in mehr als in starken Worten ausdrücken. Das ist nur möglich, wenn Europa endlich seine Hausaufgaben macht, wie ich sie in meinem Kommentar beschrieben habe. Starke Worte auf offener Bühne ohne tatsächliche Stärke bringt gar nichts. Ich möchte keine deutliche Sprache auf offener Bühne hören, die die Uneinigkeit innerhalb Europas vernebelt, sondern starke gemeinsame Taten sehen.

    2. „und dieser Paranoia knickt ein“
      ____________________________________________________________________________
      Trump ist kein Paranoiker (Putin schon eher), sondern ein größenwahnsinniger Narzisst.

  20. Mit der Beurteilung der Trumpschen Politik stimme ich voll überein.
    Ich verstehe aber nicht so ganz, was ich dem Beitrag entnehmen soll.
    Sollen die europäischen Staaten von sich aus durch irgendeine Art der „Klarstellung“ mit den USA brechen? Ich bin davon überzeugt: Merz und Macron und alle liberalen europäischen Staatenführer wissen genau, wen sie in Trump vor sich haben und sind sich der Gefährdung der transatlantischen Beziehung voll bewusst. Ich glaube kaum, dass es da noch Illusionen gibt oder ein Erkenntnisgewinn nötig wäre. Ich hielte es aber für falsch, von Europas Seite aus mit den USA zu brechen. Noch spricht Trump nicht für die USA als Ganze. Noch sind Änderungen des politischen Szenarios in den USA möglich (Midterms). Noch gibt es in Amerika viele Politiker und Menschen, denen das transatlantische Verhältnis wichtig ist, trotz allem berechtigten (!) Ärger über Europa. Ich bin davon überzeugt, dass Trump die Ukraine schon längst aufgegeben und Putin in den Rachen geworfen hätte, wenn es nicht selbst bei den Republikanern (!) massive Kräfte gäbe, die ihn daran hindern. Diese Leute sind es, die ihn bis heute bändigen, nicht die europäischen Reaktionen. Diese Leute sollte man nicht schwächen. Gäbe es jetzt eine aggressive Rhetorik gegenüber den USA in Europa, so würden diese Leute ihre Einflussmöglichkeiten vermutlich verlieren. Deswegen, und natürlich auch wegen unserer selbstverschuldeten Schwäche, bleibt Europa m.E. zur Zeit nichts anderes übrig bleiben, als den Ball flach zu halten und in vielen Bereichen noch „gemeinsame Sache“ mit den USA zu machen.
    Anstatt nach außen zu den USA hin spektakuläre Klarstellungen oder sonstige Schritte zu vollziehen, sollten die europäischen Staatenlenker auf andere Art und Weise unsere Interesse wahrnehmen: Indem sie endlich die nationalen Egoismen überwinden und zu einer gemeinsamen europäischen Politik finden. In dem sie endlich alle Möglichkeiten der wirtschaftlichen und militärischen Kooperationen nützen und diese nicht ständig durch Egoismen konterkarieren. Und natürlich auch, indem sie – etwa in der digitalen Welt – europäisches Recht konsequent durchsetzen, dann gerne auch in klarer Abgrenzung zu den USA.
    Fazit: Es gibt sehr viel in Europa zu tun, was noch nicht ansatzweise getan ist, bevor man in eine Konfrontation mit den USA eintreten sollte.

    1. Ich stimme Rolf Fersterra in einem Punkt zu: Diplomatie gestaltet sich natürlich anders als ein politischer Kommentar. Die besondere Herausforderung für Regierungspolitiker:innen und -parteien liegt darin, beides miteinander zu verbinden: die eigene Überzeugung und Einschätzung auf der einen und die diplomatische Verhandlungsstrategie („den Ball flach halten“) auf der anderen Seite. Mein Anliegen geht aber darüberhinaus: Welche Auswirkungen hat das derzeitige Verhalten der verantwortlichen Poitiker:innen Deutschlands und der EU auf die von Trump massiv geförderten rechtsnationalistischen Parteien, wenn nach wie vor Merz und Wadepfuhl von „gemeinsamen Werten“ sprechen? Wie müssen wir innenpolitisch die Auseiandersetzung mit ihnen führen?

  21. Trump will in seinem Machtrausch das Territorium der USA um Grönland vergrößern. Sollte er dies tatsächlich ernsthaft verfolgen und damit das Ende der NATO wie sie heute besteht einläuten, müssten sich die Europäer strikt dagegen wehren, z. B. durch Sanktionen gegenüber den Vereinigten Staaten. Ich hoffe aber auf inneramerikanischen Widerstand. Was das für die Unterstützung der Ukraine durch die Trump-Administration bedeuten würde, ist offen.

  22. Es wird immer deutlicher, dass wir die vornehme Zurückhaltunng aufgeben und die Angst vor wirtschaftlichen Sanktionen durch Trump überwinden! .
    Wer in dieser globalen Situation nur auf wirtschaftlichen Erfolg schielt, gefähr-der alles, was als demokratische Grundwerte das bisherige Miteinander prägte.
    Auch BigTech macht die höchsten Gewinne in Europa auf die sie nicht verzichten wollen. Daher legen wir sie ohne Befürchtungen an die Kette, denn sie sind u.a. die größte Gefahr für eine demokratische Gesellschaft

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