Vom Keim des Guten in schwierigen Zeiten *

Vor ein paar Jahren wurde ich in einem Interview gefragt: „Was ist für Sie Glück?“. Damals habe ich mit einem Zitat von Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) geantwortet: Glück bedeutet für mich, dass „Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.“ Nach wie vor empfinde ich es als Segen, dass der Glaube mir den Blick dafür öffnet, in jeder Katastrophe, in jedem Unglück, in jeder Krankheit und so auch in der Corona-Epidemie den Keim des Guten zu entdecken: das, was uns Menschen aufrichtet, tröstet, rücksichtsvoller, menschlicher macht. Wer so auf Ereignisse schaut, die uns Menschen aus der Bahn zu werfen drohen, der beschönigt nichts an den Problemen, Existenzängsten und Verunsicherungen, die damit verbunden sind. Aber er verliert sich nicht darin. Er sieht die Gefahren von Epidemien, Klimawandel, sozialen Verwerfungen, aber er geht darin nicht unter. Darum ist gerade in Krisenzeiten wie diesen das, was wir Gottvertrauen nennen, so hilfreich. Dieses Vertrauen kann uns vor Haltlosigkeit, vor panischen Ängsten, vor ideologischen Viren wie Verschwörungstheorien, Rechtsnationalismus oder Ego-Kälte bewahren. Denn das Gottvertrauen lässt uns aufmerksam werden für die Berufung, die Dietrich Bonhoeffer im Anschluss an den oben zitierten Satz ausspricht: „Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.“ Gott benötigt solche Menschen nicht für sich. Er braucht sie, damit jeden Tag neu und mitten in Leiderfahrung Gutes zwischen uns Menschen entstehen kann; damit wir nicht die Nerven verlieren; damit wir Haltung bewahren, um anderen Halt zu geben. In diesem Sinn wünsche ich allen glückliche Momente in schwierigen Zeiten.

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* zuerst veröffentlicht auf der Facebookseite der Thomaskirche Leipzig

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