So bitte nicht! Zum Statement von Landesbischof Rentzing zur Bundestagswahl

Am 26. September 2017 hat der Landesbischof der Ev.-Luth.Landeskirche Sachsens Dr. Carsten Rentzing ein „Statement zur Bundestagswahl“ abgegeben(http://www.evlks.de/aktuelles/nachrichten/34304.html). Dieses hat mich gestern Abend zu folgender Mail an den Landesbischof veranlasst:

Gerade lese ich Ihre Stellungnahme zum Ergebnis der Bundestagswahl. Ich bin entsetzt und möchte Ihnen in aller Offenheit sagen: Ich schäme mich für dieses Votum und möchte mich davon als ordinierter Pfarrer der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens in aller Form distanzieren. Wäre es für Sie als Landesbischof mehr als angemessen gewesen, vor der Bundestagswahl klar und unmissverständlich deutlich zu machen, dass Christen keine Parteien wählen können, die rassistische und nationalistische Positionen vertreten, weil diese unvereinbar sind mit dem Evangelium von Jesus Christus, so ist es völlig inakzeptabel, wenn Sie nunmehr in ihrer Stellungnahme die AfD als eine ganz normale Partei behandeln. Ja, man hat den Eindruck, als ginge es Ihnen in der Erklärung nur darum, die AfD „demokratisch“ rein zu waschen. Denn die anderen Parteien erwähnen Sie gar nicht. Darum halten Sie es auch für angebracht, vor der „Stigmatisierung politisch konträrer Auffassungen“ zu warnen und sich „Gesprächsbereitschaft von allen gewählten Abgeordneten des neuen Bundestages“ sowie „einen angstfreien und vernünftigen Umgang aller Bundestagsparteien miteinander“ zu erhoffen. Schließlich sehen Sie es als Herausforderung an, „für Begegnungen offen zu sein“.

Ist das alles, was Sie zu der Katastrophe zu sagen haben, dass eine offen rassistische, rechtsradikale Partei wie die AfD in den Bundestag eingezogen ist und dass diese Partei in Sachsen zur stärksten Partei geworden ist? Haben Sie nicht einen Moment darüber nachgedacht, welches Desaster des Wirkens der Kirche sich dahinter verbirgt, dass eine Partei, die Menschen miteinander verfeinden will und Grundwerte des christlichen Glaubens mit Füßen tritt, gerade in Sachsen von so vielen Menschen gewählt wurde? Ich erspare mir jetzt, alle die auch Ihnen bekannten Zitate zu wiederholen, die auf das Konto von Dutzenden Bundestagsabgeordneten der AfD gehen und die alle in einem diametralen Widerspruch zu den Grundaussagen des christlichen Glaubens stehen. Aber ich erinnere Sie an den unwürdigen, hasserfüllten Auftritt der AfD am 3. Oktober 2016 in Dresden. Und Sie als Landesbischof haben nichts anderes im Sinn, als uns diese Partei als „Gesprächspartner“ anzuempfehlen? Damit fallen Sie nicht nur all den Christen in den Rücken, die sich in den vergangenen drei Jahren mutig und tapfer der rassistischen Hetze von Pegida, Legida, AfD in den Weg gestellt haben und dafür dem Hass dieser Rassisten ausgesetzt waren, die tatkräftig für eine menschenwürdige Aufnahme der Geflüchteten eingetreten sind, sie nehmen auch keine Rücksicht auf die Menschen, zumeist Geflüchtete, unter uns, die Tag für Tag Opfer von Hass, Hetze und Gewalt werden, obwohl sie in unserem Land Schutz vor Verfolgung suchen. Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass sich die übelsten Hetzer der AfD durch Ihre Worte nur bestätigt sehen? Und noch eine Frage möchte ich Ihnen stellen: Warum haben Sie in Ihrem Statement zur Bundestagswahl nicht die Pfarrer/innen, die Kirchvorsteher/innen, die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen unserer Landeskirche ermutigt, jetzt unerschrocken und offensiv für die Grundwerte des christlichen Glaubens und für  die freiheitliche Demokratie einzutreten und allen Rassisten und völkischen Nationalisten die Stirn zu bieten? Warum haben Sie nicht die Führungskräfte in unserer Gesellschaft aufgefordert, sich öffentlich wahrnehmbar gegen jede Form von Demokratieverachtung und rechtsradikalem Gedankengut zu stellen? Das wäre ein Zeichen für das prophetische Wächteramt der Kirche gewesen.

Schließlich zeigen Sie, dass Ihnen offensichtlich jedes historische Sensibilität abhandengekommen ist. Denn sonst hätten Sie erkennen müssen, dass wir derzeit genau das erleben, was in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts geschehen ist: die schleichende Zerstörung der Demokratie durch die, die völkischen Nationalismus als Allheilmittel predigen und dafür alle Grundwerte der Verfassung und des Glaubens zu opfern bereit sind.

Ist der Schaden, den Sie mit dieser Erklärung angerichtet haben, zu heilen? Ich kann es nur hoffen. Aber das setzt voraus, dass Sie, wenn Sie sich politisch äußern, dieses am Evangelium von Jesus Christus ausrichten und nicht daran, wie gerade die Stimmungslage um Sie herum ist. In diesem Sinn: ad fontes!

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