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Krieg ohne Ende?

Am 24. Februar 2026 jährt er sich zum vierten Mal, der kriegerische Angriff Russlands gegen die Ukraine. Seit diesem Tag wird der Angriffskrieg von Putin-Russland mit aller Unerbittlichkeit geführt. Für viele Ukrainer:innen begann dieser Angriffskrieg aber schon vor 12 Jahren mit der Annexion der Krim durch Russland. Inzwischen ist ziemlich klar, dass dieser Krieg den Zielen einer nationalistisch-imperialistischen Politik Russlands dient. Das Buch von Andrey Gorkov „Für Russland ist Europa der Feind. Warum meine Heimat mit dem Westen gebrochen hat“ (Köln 20252) hat mir in mancherlei Hinsicht die Augen geöffnet. In diesem Krieg geht es am allerwenigsten um die NATO. Treibender Motor ist die Putinsche Vorstellung eines Groß-Russlands, das seinen Herrschaftsbereich zumindest auf das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion ausweiten und das sich schützen will vor dem Einfluss eines freiheitlich-demokratischen Europas. Darum wird der Kriegsverbrecher Putin ideologisch kräftig unterstützt von der Russisch-Orthodoxen Kirche Russlands, insbesondere vom Moskauer Patriarchen Kyrill. Für ihn ist Russland „Das Dritte Rom“ und der Westen der „Inbegriff des kollektiven Antichristen“, gegen den nun ein „heiliger Krieg“ geführt wird, „der die Welt vor dem Ansturm des Globalismus und vor dem Sieg des dem Satanismus verfallenen Westen schützt.“ – so eine offizielle Resolution des 25. Weltkonzils des russischen Volkes. Dies ist eine skandalöse Verballhornung des christlichen Glaubens, die nur zu vergleichen ist mit der Nazi-Truppe „Deutsche Christen“ während des Dritten Reiches. Wo aber bleibt die klare Trennlinie des Vatikans, des Ökumenischen Rates der Kirchen und der Evangelischen Kirche gegen diese Kriegstheologie?

Inzwischen hat das diktatorische Putin-Russland in einem ebenso diktatorisch regierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump einen Verbündeten gefunden. Beide verfolgen das strategische Ziel, die Europäische Union zu zersetzen. Dass sie dabei von zwei Mitgliedsländern der EU (Ungarn und die Slowakei) unterstützt werden, ist ein Beleg für die langfristig angelegte Zerstörungsstrategie von Putin-Russland und Trump-Amerika. Nach seinem Amtsantritt vor einem Jahr hat Trump sog. Friedensverhandlungen über die (nicht mit der) Ukraine initiiert und an sich gezogen. Sein Ziel ist, sich mit Putin über ein Ende des Krieges zu verständigen. Dabei hat Trump versucht, die Europäischen Länder von Verhandlungen fernzuhalten. Die Folge: Der Angriffskrieg wird von Seiten Russlands mit sich steigernder Heftigkeit geführt – insbesondere durch die systematische Zerstörung der Energieversorgung und Bombenangriffe auf die Zivilbevölkerung. Womit allerdings weder Putin noch Trump gerechnet haben:

  • der ungebrochene Widerstand der Bevölkerung der Ukraine gegen den Versuch Russlands, die Ukraine als souveränes Land auszulöschen und gewaltsam in ein Groß-Russland zu integrieren.
  • die Bereitschaft der EU und Großbritanniens, die Ukraine militärisch, politisch und finanziell zu unterstützen und die eingestellten Lieferungen von Waffen aus den USA auszugleichen.

Derzeit ist aber noch nicht klar, ob die EU und insbesondere Deutschland sich der Tatsache bewusst sind, dass der Zangengriff von zwei imperialistischen Systemen, in den Europa geraten ist, die eigentliche Herausforderung für Europa darstellt. Hinzu kommt, dass die NATO als Machtfaktor zunehmend ausscheidet, da Trump-Amerika gemeinsame Sache mit Putin-Russland macht.

Auf diesem Hintergrund greift es viel zu kurz, die militärische Unterstützung der Ukraine dazu zu nutzen, ein gigantisches Aufrüstungsprogramm zu initiieren, das weit über die Notwendigkeiten hinausgeht, sich jeder Kontrolle und Nachvollziehbarkeit entzieht und mit sparsamer Haushaltsführung nichts zu tun hat. Ebenso fatal ist es, propagandistisch eine Kriegsstimmung (hierfür steht das völlig abwegige Wort „kriegstüchtig“) in der Bevölkerung zu erzeugen. Beides nämlich erweist sich als kontraproduktiv für die eigentliche Verteidigungsleistung, die Europa und Deutschland zu bewältigen hat: die Verteidigung und den Ausbau der freiheitlichen, rechtsstaatlichen, sozial ausgerichteten Demokratie. Um es auf den Alltag herunterzubrechen: Die dramatischen finanziellen Engpässe, in die derzeit Kommunen geraten sind, haben ihre Ursache auch darin, dass seit einigen Jahren Milliarden Euro in die Aufrüstung fließen (und niemand weiß, wo die Waffen eines Tages landen und wofür sie eingesetzt werden). Wenn aber nun marode Räumlichkeiten und versiffte Toiletten in Schulen zum sichtbaren Zeichen dafür werden, wie derzeit Politik gewichtet, dann darf sich niemand darüber wundern, dass sich Bürger:innen von der Demokratie ab- und rechtsnationalistischen Parteien zuwenden, die diese Diskrepanz schamlos ausnutzen. Wer also die Ukraine unterstützen und den militanten Autokratismus bekämpfen will, der muss sich vor allem für Lebens- und Bildungsbedingungen einsetzen, die Vertrauen in ein soziales, demokratisches Miteinander in der Ortschaft herstellen. Die Bereitschaft, die Ukraine in ihrem Kampf um ihre Souveränität und Freiheit zu unterstützen, wird eben nicht durch eine Strategie der Kriegsertüchtigung erzielt, sondern nur durch eine den Menschen zugewandte, überzeugende Politik vor Ort.

Dass zum Einsatz für die Ukraine auch die Modernisierung und der Ausbau der Bundeswehr gehört, will ich gerne konstatieren. Auch ist für mich die (Wieder-)Einführung der Wehrpflicht kein Knackpunkt – zumal ich strikt gegen ihre Aussetzung war. Denn eine Berufs- bzw. Freiwilligkeitsarmee ist immer der Gefahr ausgesetzt, zum Sammelbecken rechtsextrem gesinnter Menschen zu werden. Außerdem sollte sich jede:r 18-Jährige:r mit der Frage auseinandersetzen, ob er den Wehrdienst leistet oder sich für die Kriegsdienstverweigerung entscheidet. Doch die derzeit fast diskussionslose Ausgabe von Irrsinns-Beträgen für Rüstungsgüter ist eine gefährliche Sackgasse. Sie ist für mich der Beweis dafür, was passiert, wenn Politik nicht vom Prinzip der grundsätzlichen Gewaltlosigkeit ausgeht, sondern militärische Gewalt als naturgesetzlich gegeben ansieht. Die gesellschaftspolitischen Auswirkungen sind gefährlich.

Der traurig-dramatische 24. Februar sollte Anlass sein, dass wir in Europa und insbesondere in Deutschland die Überschriften ändern und alles dafür tun, dass rechtsnationalistische Autokraten in den Ländern der EU keine Chance haben, die Ukraine in ihrer Souveränität erhalten bleibt und Europa sich aus dem Zangengriff zwischen Putin-Russland und Trump-Amerika befreit. Auf dieser Grundlage müssten die Länder Europas eigenständig eine Friedensstrategie entwickeln, die den Angriffskrieg eher heute als morgen beendet – wohlwissend, dass dies eine Herkulesaufgabe ist.

52 Kommentare

  1. Ist das Debattenkultur?

    In einem Beitrag, der die Länge des Ursprungstextes von Christian Wolff erneut weit übertrifft, heisst es: „Ein Nachtrag, … den ich mir … zur Vermeidung von Überlänge verkniffen hatte“.

    Rüstungs-Anstrengungen in Deutschland werden mit dem (durchaus richtigen) Argument der Überlegenheit des konventionellen Waffenarsenals der NATO im Vergleich zu Russland diskreditiert. Dabei war immer klar, dass sich Europa, insbesondere auch Deutschland jahrzehntelang einen „schlanken Fuß“ gemacht, sich hinter der Militärmacht USA versteckt hatte (Friedensdividende), die unter Donald Trump nicht mehr als verlässlicher Partner angesehen werden kann.

    Angeblich gibt es keine Hinweise, dass sich Russland die Ukraine einverleiben will (warum ist dann noch nicht einmal eine Waffenruhe möglich?).

    Oder „Meine Emotionen richten sich gegen diejenigen im Westen, die die Ukraine in eine Konfrontation mit Russland getrieben … haben“.
    Haben wir am 24.2. den vierten Jahrestag des Überfalls der Ukraine auf Russland erlebt?

  2. Hier noch ein Nachtrag zum Text von letzter Woche, den ich mir aus Zeitgründen und zur Vermeidung von Überlänge verkniffen hatte: Beim Thema Hochrüstung im Westen von einer „spärlichen Variante der Nachrüstung“ zu sprechen, ist absurd. „Die Analyse der militärischen Kapazitäten der NATO und Russlands lässt keinen Zweifel an der allgemeinen militärischen Überlegenheit der NATO“ (Greenpeace-Studien von Steinmetz, Wulf und Lurz, Hamburg 2025). Lediglich bei den Atomwaffen herrscht ein strategisches Gleichgewicht zwischen Russland und den USA. Wenn General Christopher Donahue, Befehlshaber der US-Heeresverbände in Europa und Afrika, nicht von einer NATO-Überlegenheit überzeugt wäre, hätte er sich vor wenigen Monaten kaum zu der Äußerung hinreißen lassen, die USA und ihre Alliierten wären in der Lage, (Kaliningrad) „vom Boden aus in einer Zeitspanne auszuschalten, die beispiellos ist und schneller, als wir es je konnten“ (zitiert in Varwick, Stark für den Frieden). Auch die als Begründung für die ab diesem Jahr in Deutschland beginnende Stationierung weitreichender US-Mittelstreckenraketen postulierte NATO-Fähigkeitslücke existiert nicht, was bereits vor einiger Zeit hier anhand einer Arbeit von Oberst a. D. Wolfgang Richter thematisiert worden war.

    Dass es um diese Raketenstationierung in der öffentlichen Debatte so ruhig geworden ist, verwundert, repräsentieren diese militärischen Maßnahmen doch ein wesentliches Element eines strategischen Paradigmen-Wechsels in der US-amerikanischen Militärpolitik, in die die NATO-Partner selbstverständlich eingebunden sind. Die zu stationierenden Mittelstreckenraketen sind Bestandteil des Konzepts der „Multi Domain Operations“, mit dem im Prinzip eine Erstschlagfähigkeit erreicht werden soll. D. h., es sollen „Fähigkeiten geschaffen werden, die sich dafür eignen, strategische Ziele überraschend anzugreifen und so die Verteidigungsfähigkeit des Gegners nachhaltig zu schwächen“ (Wolfgang Richter, 2024, zitiert in Varwick). Der Begriff „Kriegstüchtigkeit“ erhält in diesem Zusammenhang einen besonderen Klang. Die anerkannten Militärexperten hier im Blog können das sicherlich ausführlicher erläutern als ich als schlichter Naturwissenschaftler.

    Warum also diese Aufrüstungshysterie, obwohl der verbreitete Alarmismus auf keiner seriösen Bedrohungsanalyse beruht und sich lediglich auf nicht nachvollziehbare Geheimdiensteinschätzungen stützt? Offenbar handelt es sich „um kalkulierte politische Botschaften, mit denen man vor allem ein Nachlassen der westlichen Unterstützung für die Ukraine verhindern will“ (Michael Rühle in Cicero, 16.05.2025, zitiert in Varwick).

    Auf die mir direkt gestellten Fragen und auf mich bezogenen Kommentare möchte ich natürlich kurz eingehen, auch wenn es dadurch etwas länglich wird:

    Gibt es eine Alternative zur fortgesetzten militärischen Unterstützung der Ukraine? Das ist die derzeit strittige Kernfrage, die nur Sinn ergibt, wenn mit Unterstützung eine solche gemeint ist, die sich auf die Durchsetzung der ukrainischen Maximalziele bezieht (seinerzeit als sog. Sieges- oder Friedensplan gepriesen). Klar, eine solche Alternative gibt es. Sie besteht in der Bereitschaft, auf die Sicherheitsinteressen Russlands einzugehen und auf dieser Basis eine Übereinkunft mit Russland über den zukünftigen Status der Ukraine in einem gesamteuropäischen Sicherheitssystem zu finden (betrifft z. B. NATO-Mitgliedschaft und Rüstungsbegrenzung). Bisher ist nur Trump dazu bereit. Die nach wie vor existierende Vorstellung, Russland die Friedensbedingungen oder die Konditionen eines Waffenstillstands diktieren zu können, ist eine Illusion und bedeutet ein Vabanquespiel, das für die Ukraine nur Nachteile bringt und schlimmstenfalls in einen gesamteuropäischen Krieg münden wird. Wenn sich jemand Gedanken über die Beendigung des Ukraine-Krieges macht, erwarte ich, dass er zu diesen gegensätzlichen Positionen Stellung bezieht. Deshalb meine Kritik am Wolff-Text.

    Dass Sicherheitsgarantien insbesondere für die Ukraine wesentlich für die Beendigung des Krieges sind, ist richtig. Dass bisher kein westliches Land bereit war, wegen der Ukraine gegen Russland in den offenen Krieg zu ziehen und das auch weiterhin nicht sein wird, schränkt mögliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine ein. Eine militärische Mindeststärke der Ukraine („Stachelschweinmodell“) würde allerdings den Preis für Russland bei einer abermaligen Aggression anheben. Letztendlich kann Sicherheit nur politisch erzielt werden durch Lösungen, die die Interessen aller Seiten berücksichtigen und militärische Unternehmungen unattraktiv machen. In diesem Sinne verstehe ich Varwick.

    Weshalb meint Varwick, es sei „nicht plausibel, dass Russland die Ukraine gänzlich von der Landkarte tilgen . . . will“? Da müssen Sie ihn selber fragen, Herr Hoellger. Ich denke aber, er hat recht, weil es keine belastbaren Hinweise für die Absicht Russlands gibt, sich die Ukraine einzuverleiben. Bei den seit jeher dezidiert nationalistischen und antirussischen Stimmungen in der Westukraine hätte das auch wenig Sinn. Auch die schwache militärische Dimensionierung des russischen Einmarsches 2022 spricht gegen diese Absicht (Mearsheimer).

    Wenn es um eventuelle territoriale Zugeständnisse der Ukraine geht, wird oft Bezug genommen auf die Zustände in den russisch besetzten Gebieten der Ukraine („entweder sie kämpfen jetzt und nehmen den Tod in Kauf, oder sie ergeben sich und nehmen anschließend den Tod in Kauf“, Wittenburg). Es gibt allerdings nur wenige halbwegs vertrauenswürdige Berichte darüber, wie die Verhältnisse in diesen Gebieten tatsächlich sind. Ich verweise auf eine ZDF-Reportage über Mariupol, die seinerzeit skandalisiert wurde, weil angeblich zu positiv, und auf detaillierte Analysen auf der ukrainischen Webseite strana.news.

    Habe ich ein Feindbild? Nein. Und schon gar nicht ist es die Ukraine. Bereits in meinen ersten Beiträgen zum Ukrainekrieg vor vier Jahren habe ich deutlich gemacht, wie sehr ich die Ukraine als Opfer in einem geopolitischen Spiel sehe. Meine Emotionen richten sich gegen diejenigen im Westen, die die Ukraine in eine Konfrontation mit Russland getrieben und dann nichts getan haben, um den Krieg zu verhindern. Mit weniger Arroganz und Überheblichkeit (bei manchen wahrscheinlich auch weniger Dummheit) hätte er verhindert werden können.

    Zur Bedeutung der NATO-Einladung an die Ukraine für den Ausbruch des Krieges, der Sabotage der Istanbuler Verhandlungen und auch der zwielichtigen Rolle der westlichen Signatar-Staaten von Minsk II ist hier von mir schon ausgiebig argumentiert worden. Zudem gibt es mittlerweile eine sehr umfangreiche Literatur dazu, weshalb ich mir diesbezüglich weitere Kommentare ersparen möchte.

    Grüße aus dem tropischen Rio de Janeiro ins frühlingshafte Deutschland!

    1. „Sie besteht in der Bereitschaft, auf die Sicherheitsinteressen Russlands einzugehen und auf dieser Basis eine Übereinkunft mit Russland über den zukünftigen Status der Ukraine in einem gesamteuropäischen Sicherheitssystem zu finden (betrifft z. B. NATO-Mitgliedschaft und Rüstungsbegrenzung). Bisher ist nur Trump dazu bereit.“
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      Ach nee, nur der gute Mr. Trump ist also bereit, die Sicherheitsinteressen Russlands zu brücksichtigen. Dabei sind diese durch Putin nur vorgeschoben. Was dieser in Wahrheit fürchtet, sind demokratische Verhältnisse – ein Abfärben auf sein Land, falls sich die Ukraine weiter in diese Richtung entwickeln wird.

    2. „Die Analyse der militärischen Kapazitäten der NATO und Russlands lässt keinen Zweifel an der allgemeinen militärischen Überlegenheit der NATO.“

      Danke, dass klingt beruhigend. War mir unbekannt.

      „Russland ist von Beginn an, also seit Jahrhunderten, ein imperial-kolonialistisches Projekt und ohne diesen Wesenszug überhaupt nicht zu erklären und zu verstehen. Russland als die zaristische und später sowjetische und nun postsowjetische Großmacht war ja nur möglich durch die stetige imperialistische und kolonialistische Unterwerfung der Nachbarstaaten.“

      Diese Einschätzung von Rolf Fersterra überzeugt mich aus eigenen Erfahrungen heraus mehr als alle Einschätzungen westlicher Weissager, vor allem deshalb, weil weder ein Pole noch ein Litauer, auch kein Lette, kein Finne, kein Norweger und kein Georgier zitiert wird. Noch schlimmer: Kaja Kallas wird die Fähigkeit abgesprochen, die Lage einzuschätzen.

      Und genau das ist der Fehler: Auf diejenigen, die mit Russen – ob sowjetisch oder bolschewistisch – Erfahrungen gemacht haben, hat der westliche Teil der EU nicht gehört. Ich erinnere an Gerhard Schröder: „Putin ist ein lupenreiner Demokrat.“ Es folgten die Pipelines, die an die Ukraine und an Polen vorbei gebaut wurden usw.

      Und was Trump betrifft: Es ist offensichtlich, dass Putin ihn um den Finger wickelt. Putin hat seinen Job an einer Hochschule studiert, er verfügt über Praxis. Über Trump brauchen wir nicht reden.

    3. PS: Ich sitze zwar nicht an der Copacabana, doch eben in der Badewanne kamen mir noch passende Gedanken. Herr Lerchner, bitte bringen Sie zunächst die Begriffe „Aufrüstungshysterie“, „Sicherheitsinteressen Russlands“ und „NATO-Einladung an die Ukraine“ in den Keller Ihrer Argumente. Kein Staat aus dem ehemaligen Machtbereich des kommunistisch geprägten Kreml bis hin zu Gorbatschow wurde von der NATO eingeladen. Sie haben von ganz allein den Antrag gestellt. Aus gutem Grund.

      Bis zum Fall des Eisernen Vorhangs waren die NATO-Staaten Westeuropas einschließlich den USA und auch der Türkei hoch gerüstet – ein Gleichgewicht des Schreckens. Die Scorpions sangen in Moskau „Wind of Change“, lagen mit KGB-Offizieren in den Armen und der Westen meinte, in Russland wie in China und in der DDR einen gewaltigen und lukrativen Absatzmarkt gefunden zu haben. Ich habe das mit eigenen Augen gesehen und unmittelbar erlebt. Wie in der DDR prallten zwei extrem verschiedene Systeme aufeinander – und der Westen dachte, die Russen sind jetzt überglücklich mit Coca Cola, Mercedes Benz und Louis Vuitton.

      Weit gefehlt! „Der Zusammenbruch der Sowjetunion ist die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ ist von Putin überliefert. Putin ist Bolschewist. Seine Überzeugung, mit der Ideologie des Marxismus-Leninismus die Welt zu beherrschen, war gescheitert. Wie müssen sich heute die Ukrainer ärgern, weil sie als drittgrößte Atommacht der Welt ihr Arsenal abrüsteten! Putin wird sich diebisch die Hände gerieben und seine Macht erkannt haben.

      Lassen wir mal den Donbass aus dem Spiel. Putin schickte 2014 seine Männchen ohne Kennung auf die Krim. Warum? Die Russen lieben Krimsekt und außerdem befindet sich die geballte Macht der russischen Schwarzmeerflotte auf der Halbinsel. Die Pipelines durch die Ostsee wurden trotzdem gebaut. „Wir sind doch keine kalten Krieger mehr“, sagte mir Edmund Stoiber. Mit billigen russischen Bodenschätzen kann man gut seinen Wohlstand vermehren, wenn Freiheit und Demokratie nicht mehr bedeuten, als voll auf das Gaspedal treten zu können.

      Die „Spezialoperation“ ab dem 24. Februar 2022 hatte das Ziel, auf Kyjiw vorzurücken und innerhalb weniger Tage die Ukraine „heim ins Reich“ zu holen. Mit dem heftigem Widerstand der freiheitsliebenden Ukrainer hat der Kreml nicht gerechnet. Das überstieg Putins Vorstellungskraft, eine solche Haltung ist ihm als KGB-Offizier fremd. Danach wurde es brutal: Butschta, Mariupol, Charkiw… Was daraufhin passierte, ist nichts anderes als Blutrache.

      Jetzt trifft das Wort Demütigung zu. Den tapferen Ukrainern gelang es, ihr Land zu verteidigen und eine „Weltmacht“ – die meisten Russen glauben das von sich – in die Schranken zu weisen.

      Was meinen Sie, Herr Lerchner, wie Putin sich fühlen mag? Die Ukrainer haben einer „Weltmacht“ gezeigt, dass sie gar keine ist! Ein ukrainisches Kind gab von sich: „Aber der Kaiser ist ja nackt!“ Wie steht Putin jetzt vor der NATO da, wenn ihn niemand fürchtet, außer seinen Atomwaffen, seinen Öltankern und den modernen Drohnen, die nur mit westlicher Technik einsatzfähig sind?

      Nun muss er kämpfen, Verbrecher aus den Gefängnissen rekrutieren, Nordkoreaner anlocken, Afrikaner versklaven, diese in den Tod schicken… Er hat keinen Plan. Null. Trump allerdings auch nicht. Und die hochdotierten Weissager aus Deutschland tun sich nur wichtig.

      Das ist die Situation.

      1. Wenn man das alles so liest, was uns der Vielschwätzer Wittenburg so anbietet an Belletristik zu eigentlich seriösen Themen, dann erkennt man sein Niveau dessen, was Käfer zu recht Debattenkultur nennt (freilich selbst früher auch nicht beachtet hat). W lässt uns seine ganze Erfahrung aus allen möglichen Geographiestunden und Stoiber-Gesprächen wissen, wo er sich doch vielleicht besser auf die weitere Produktion von Photobüchern konzentrieren sollte. Hauptsache aber: er weiß immer ganz genau, was Putin denkt und will, und ergießt sich im übrigen in Überlegungen zum Thema „Kommunikation“ (siehe ganz unten).
        Ich stimme mit vielem nicht überein, was Lerchner schreibt. Aber im Gegensatz zu den Äußerungen W’s muss man seine Ansichten ernst nehmen und sachlich widerlegen. W’s Märchenstunde dagegen glänzt nur durch die Vielzahl – er hat das zu Recht „kapern“ genannt – unbedeutender Beiträge.
        Dass der Westen in Sachen UKR erhebliche Fehler gemacht hat und noch macht, kann kaum jemand bestreiten. Dass Trump – leider – die Lage realistischer einschätzt als viele in Europa, ist offensichtlich (jedenfalls wenn man den Krieg nicht weiter ausdehnen will zu Lasten der Menschen dort: „Krieg ohne Ende“?). Dass es legitim ist, Pipelines an Polen oder der UKR „vorbei“ zu bauen (zumal ja immer diesen Ländern Anbindung von DEU aus angeboten wurde und die UKR die Durchleitung von Öl durch das Land schon mehrfach zur Erpressung genutzt hatte) ist in Ordnung. Dass ein Friede in Europa besser MIT Russland (in Form von Wirtschaft und Handel vor allem) und nicht gegen Russland dauerhaft sein kann, ist klar, dass es keine glaubwürdigen „Sicherheitsgarantien“ in der jetzigen Lage für die UKR geben wird außer im Felde der Wirtschaft und dass schließlich Demokratie in RUS in seiner jetzigen geographischen Form kaum möglich ist, sondern ein solcher Versuch im Chaos zahlreicher Bürgerkriege enden würde (ich erläutere dies in Beiträgen weiter unten) ist einfach realistisch.
        Bei W wäre weniger deutlich mehr.
        Andreas Schwerdtfeger

        1. Gratulation, lieber Herr Schwerdtfeger, für diese großartige Anrede „Vielschwätzer“ desjenigen, mit dem Sie in eine Diskussion treten möchte! Das unterlegt Ihre Argumentation mit einer besonderen Glaubwürdigkeit, vor allem die Reduzierung eines Namens auf „W“! Weiter so!

          1. Wenn Sie, lieber Herr Wolff, etwas gegen die Bezeichnung „Vielschwätzer“ haben, dann lesen Sie doch mal in Ihrem folgenden Blogbeitrag über „Rechtlosigkeit“ die ganzen Bezeichnungen nach, die SIE über andere Menschen finden (nach dem Motto „egal was ein Mensch getan hat, er bleibt ein Mensch“) – es könnte Sie etwas demütiger machen. Und was die Namensabkürzung auf „W“ angeht – das ist Ihnen aber nicht aufgefallen, als Sie „Donald S“ oder „AS“ anstandslos und unkommentiert durchgehen ließen. Sie sind doch ein aufrechter Kirchenmann, da muss Ihnen doch die Doppelzüngigkeit Ihrer eigenen Maßstäbe – man nennt das gemeinhin Heuchelei – auffallen.
            Ich grüße Sie in gemeinsamer Kumpanei!
            Andreas Schwerdtfeger

        2. Vielleicht haben Sie bemerkt, sehr geehrter Herr Schwerdtfeger, dass dieser Blog in den letzten Wochen einige neue Leser bekommen hat. Ihre Kommentare werden u. a. auch in Berlin, Stuttgart, London und Los Angeles gelesen, meine Vielschwätzerei allerdings auch. Ein Professor für politische Kommunikation an einer Universität in Baden-Württemberg, langjähriger Leser meiner Märchen- und Photobücher, schrieb mir Folgendes:

          „Die Debatte im Blog von Christian Wolff habe ich verfolgt bzw. einige Auszüge gelesen. Es ist gut, so viel Zivilcourage an den Tag zu legen und sich am Diskurs zu beteiligen. Bei der Lektüre habe ich mich allerdings gefragt, ob es wirklich ein Diskurs ist. Jürgen Habermas soll einmal gesagt haben, er vertraue auf den zwanglosen Zwang des besseren Arguments. Findet in solchen Foren wirklich ein ernster Austausch statt? Manche Passagen erinnern mich an ein argumentatives Pingpongspiel, bei dem der eine oder andere `Spieler´ nicht gewillt ist, seine eigene Position zu hinterfragen. Und wenn dann Diskutanten frei nach Leon Festinger bei sich eine kognitive Dissonanz feststellen – so sie denn eine solche überhaupt bemerken – , wird diese flugs umgedeutet und `neutralisiert´´.“

          Ich bin sicher, das trifft auf Sie keinesfalls zu, k e i n e s f a l l s ! Bitte machen Sie weiter so!
          Ihr Vielschwätzer

      2. „Kein Staat aus dem ehemaligen Machtbereich des kommunistisch geprägten Kreml bis hin zu Gorbatschow wurde von der NATO eingeladen. Sie haben von ganz allein den Antrag gestellt. Aus gutem Grund. “

        Das ist widereinmal nicht richtig: Die „Einladung“ des Bewerbers ist fester Bestandteil des Aufnahmeverfahrens, so dass alle von Ihnen genannten Länder eingeladen wurden.

        Laut BM der Verteidigung: Wie ein Nato Beitritt abläuft:

        „Die NATONorth Atlantic Treaty Organization verfolgt eine „Politik der offenen Tür“. In Artikel 10 des Nordatlantikvertrages von 1949 ist geregelt, dass sie weitere Staaten E I N L A D E N kann – wenn alle Mitgliedstaaten dem zustimmen. „

        1. Ich stimme Ihnen zu: Polen wurde 1997 zusammen mit Tschechien und Ungarn von der NATO eingeladen. Im Jahr 2002 wurden auch Estland, Lettland, Litauen, Bulgarien, Rumänien, die Slowakei und Slowenien eingeladen. Alle Staaten waren Beitrittskandidaten der EU. Sie orientierten sich als unabhängige Staaten sowohl wirtschaftlich als auch sicherheitspolitisch nach Westen.

          Ich meine, das geschah aus gutem Grund, denn alle Staaten gerieten als Ergebnis des Zweiten Weltkriegs unter der Kontrolle Stalins und der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, die außer in Slowenien brutale kommunistische Führungen etablierten und diese Länder aussaugten. Gorbatschow hat sie freigegeben, als nichts mehr zu holen war.

          Danke für den Hinweis.

        2. PS, Einladungen der NATO: Das Procedere wird sicher nicht so gelaufen sein, dass der Generalsekretär die Kandidaten ins Hauptquartier eingeladen und unter Druck gesetzt hat mit dem Ziel, die Russen zu ärgern. Im Vorfeld liefen zahlreiche Gespräche, die sicher auch von den Beitrittskandidaten ausgingen oder von diesen initiiert wurden. Die offizielle Einladung entspricht letztlich dem Protokoll.

          Ich erinnere mich an das Jahr 1996. In Rostock und Warnemünde fand die HanseSail statt, am Kai lag ein U-Bootjäger sowjetischer Bauart aus den 1950er Jahren. In der DDR waren diese Objekte bereits seit 25 Jahren verschrottet. Dieses Schiffchen kam aus Estland. Eine Bedrohung ging von diesem keinesfalls aus, schon gar nicht, wenn man sich an die Schiffe der Rotbannerflotte erinnern kann, die in Baltisk in der Oblast Kaliningrad stationiert sind. In den Jahrzehnten zuvor waren einige davon zum Flottenbesuch im Rahmen des Warschauer Pakts erschienen. Sie hinterließen eine nachhaltige Wirkung auf mich.

          Ich sprach mit dem Kommandanten des U-Bootjägers. Er sagte mir klipp und klar, dass Estland die Mitgliedschaft der NATO anstrebt. Zehn Jahre später schaute ich mir u. a. Tallinn und Riga an und knüpfte Kontakte. Diese Städte waren während der kommunistischen Periode so heruntergekommen, die Einwohner so arm, dass der Bürgermeister von Tallinn im kalten Winter den Bedürftigen eine extra Fuhre Holz zum Heizen spendete.

          Im Gegensatz zum Osten Deutschlands erlebte ich eine ungemeine Aufbruchstimmung. Heute sind die baltischen Länder sehr wohlhabend, auch wenn noch tiefe Spuren von der Besatzung existieren. In Russland, in der Oblast Kaliningrad und in Belarus werden die Einwohner Vergleiche ziehen.

  3. Meine Frau, Putin und die Welt

    Nun ist er verrückt, werden Sie sagen. Passt nicht zum Thema. Doch tut es. Und zwar vor folgendem Hintergrund.

    Ich bin seit 56 Jahren mit meiner Frau verheiratet, habe Kinder und Enkelkinder. Führen ein normales Eheleben, ohne 2 Schlafzimmer.
    Konflikte sind uns nicht fremd. Es wäre leicht gewesen, von beiden Seiten es zum Bruch kommen zu lassen. Wodurch?
    Ich spreche jetzt von mir (und meine meine Frau vice versa). Ich habe mich stets versucht in die Rolle des Anderen zu versetzen und habe mein eigenes Verhalten hinterfragt.
    Auf dieser Sicht heraus gelang alle Probleme zu und hoffentlich- bis der Tod uns scheidet- zusammen zu bleiben. Ich folgte also dem Prinzip des Perspektiv-Wechsels.
    Dieses Prinzip wende ich auf alles an, auch im Verhältnis zu Ihnen Herr Wolff und früher im Beruf.

    Wenden wir dieses Prinzip auf die Probleme dieser Welt an, die ja aus unserer Sichtweise wahrgenommen und beurteilt werden, heißt das:
    Wir müssen versuchen in die Sicht eines Putin zu versetzen , um ahnen zu können, wie es dazu kam, was heute „abgeht“ und warum er das Völkerrecht gebrochen hat etc.
    Wenn Sie mich fragen würden, ich gebe zu, all dass ist und bleibt eine Hypothese, dann würde ich eine andere Story erzählen und belegen können aufgrund der Faktenlage. Dies würde völlig anders aussehen, was Mainstream ist. Ich würde u.a. darauf hinweisen, dass sich Putin bis zum Schluss um eine vertragliche Lösung bemüht, die die USA und NATO aber ablehnten zum Zustand von Verhandlungen zu machen…
    Ich kann dass nur aus langjähriger Lektüre des Problems herleiten und ich weiß auch nicht und kann es nicht einschätzen, wie heute Putin denkt. Aber der Ansatz muss doch unternommen werden.
    Vor diesem Hintergrund sehen Sie bitte meine barsche Reaktion gestern ,Herr Wittenbruch, es galt nicht Ihrer Person. Ich verstehe vollkommen, warum Sie so argumentieren wie Sie es tun. Gleichwohl empfehle ich eine etwas weitere Sicht auf Basis unbestreitbarer Fakten. Ich will Ihnen dazu gerne behilflich sein und biete es jedem an.

    Dieses Prinzip des Perspektiv-Wechsels zur Lösung von Problemen zieht sich durch alle Bereiche , die wir hier diskutieren, wie wir miteinander umgehen und wie wir handeln.
    Das gilt für den Umgang mit der AfD, mit Trump und vielem mehr. Wenn Herr Schwerdtfeger Kontra gibt, dann empfehle ich das als Perspektivwechsel zu interpretieren. Gleiches gilt für andere im Blog , die die Fähigkeit haben, das geschmeidiger zu formulieren.

    Ganz wichtig ist mir zu betonen , dass das auch für das Thema Rechtsradikal und AfD bedeutet. Fragen Sie/wir uns einfach mal, was die Wähler bedrückt und warum die AfD sich so verhält, wie sie sich verhält und was wir daraus für unsere demokratische Sicht der Dinge lernen und demokratisch umsetzen können. Offenbar ist doch das Marketing der AfD erfolgreich beim Verkauf der Ware, von Meinungsfreiheit gedeck.

    Ich meine, diese Sicht ist nicht nur erfolgreich, wenn man alle mitnehmen und man weiterkommen will. Sie ist aber auch ethisch geboten: Den anderen ernst nehmen, seine Sicht übernehmen und ihm zum Glück verhelfen auf Basis gemeinsamer Werte. Es geht nicht darum, bei der Nächstenliebe und Feindesliebe, dass wir glücklich sind und den anderen dazu bringen, wie ich zu denken. Jede Jeck is anders….

    (nicht mit Duden geprüft)

      1. ………wir wissen doch, wie Putin denkt…… 26.2. 10:22

        …….Was hinter den geschlossenen Kreml-Türen gedacht und beschlossen wird, kann niemand analysieren, geschweige denn, nachvollziehbare Gedanken und seriös mögliche Wege aufzuzeichnen….. 25.02. 18:31

        Das liest man nicht ohne stutzen….. in ca. 16 h vollkommen gegensätzliche Aussagen.

        1. Ich freue mich, dass Sie die Kommentare aufmerksam lesen. Im ersten Fall handelt es sich darum, „wie Putin denkt“, im zweiten Fall, was hinter den „geschlossenen Kreml-Türen gedacht und beschlossen wird“ und im dritten Fall um „nachvollziehbare Gedanken und seriös mögliche Wege“, die von Christian Wolff erwartet werden. Das sind keine gegensätzlichen Aussagen. „Kreml-Astrologie“ gab es bereits im Kalten Krieg, als Putin Oberstleutnant des KGB war. Sein Denken wird sich kaum geändert haben.

  4. Mir haben insbesondere die Ausführungen über die kopflose und überstürzte Rüstungspolitik zugesagt. Eine Politik, die sich ausschließlich auf das Anhäufen von Waffen stützt, verfehlt meines Erachtens ausgewogenes Handeln. Die Bundeswehr aus ihrer Schwäche in eine kraftvolle Armee führen, halte ich für unerlässlich. Tief bedauerlich finde ich, dass von einer bleibenden und unveränderlichen Feindschaft mit Russland ausgegangen wird. Wo bleiben die Bemühungen, auf lange lange Sicht mit Russland in ein Verhältnis zukommen, in dem eine kriegerische Auseinandersetzung überflüssig wird. Wenn die Russen wirklich so gefährlich sind warum gibt es keine Bemühungen, diese Gefährlichkeit zu minderjn? Oder gibt es die und ich erkenne sie nur nicht? Die Nachrüstungspolitik von Helmut Schmidt war von den Elementen Rüstung und Verhandlung geprägt. Insbesondere angesichts der Entwicklungen in der Trump-Administration entspricht es doch gesundem Menschenverstand, wenigstens den Versuch zu starten, irgendwie mit den Russen zurechtzukommen. Die Aufrüstungmentalität hierzulande macht es Putin leicht, seinem Volk eine Bedrohungslage weiszumachen. In Jahrhunderten hat es gute und schlechte Zeiten für Deutschland und Russland gegeben. Aber eben auch gute – warum das für die Zukunft nicht wieder möglich halten. An einer ewigen Feindschaft wäre nicht nur eine Seite schuld.

    1. “ Die Nachrüstungspolitik von Helmut Schmidt war von den Elementen Rüstung und Verhandlung geprägt.“
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      Die Sowjetunion zu Schmidts Zeiten war eine Status-Quo-Macht. Oberstes Machtorgan war ein Kollektiv, das Politbüro der KPdSU, dessen Generalsekretär durchaus absetzbar war (Chrustschow). Rußland heute ist ein expansiver Staat, der allein von einem (vom Volk gewählten) Präsidenten regiert wird, der z. B. echte Verhandlungen über einen Waffenstillstand in der Ukraine so lange sabotiert, so lange er glaubt, seine Ziele militärisch durchsetzen zu können. Wie lange Putin noch an der Macht bleiben wird, ist unbekannt – ebenso wer ihm folgen wird. Selbstverständlich muss der Westen (wer ist das heute noch?) gegenüber Rußland im Sinne das damaligen NATO-Doppelbeschlusses immer verhandlungsbereit sein. Doch gegenwärtig ist eine Phase der (maßvollen) Aufrüstung angezeigt.

      1. Woher wissen Sie/ wirb eigentlich was Putin will, wenn man nicht einmal den Versuch macht , über welche Wege auch immer, mit ihm in Kontakt zu kommen und nur auf seiner Maximalforderung besteht und die Politik der Ukraine blind unterstützt? Wenn man einfach einen Moment die empfunde Demütigung Putins / Russlands über Jahrzehnte als mögliche Ursache des Krieges mit einbezieht und nicht erst die Geschichte mit März 2014 beginnen lässt, dann ist es doch das Falscheste, die Demütigung weiter fortzusetzen. (Ich weiss, dass ich nun zum Putin- Versteher werde).Übernehmen Sie doch einfach mal die Sicht Putins, damit wir weiter kommen.
        Jede „Verhandlung „läuft so.
        Beides muss man machen. Aufrüstung ist notwendig, so dass es der Preis für Putin deutlich durch das Risiko steig UND einen Draht zu Putin aufbauen. Nach Lage der Dinge führt jetzt kein Weg mehr an den USA vorbei. Etwas anderes ist es, wenn man Angst hat, dass der Krieg zu schnell zum Ende kommt.

        1. „Wenn man einfach einen Moment die empfunde Demütigung Putins / Russlands über Jahrzehnte als mögliche Ursache des Krieges mit einbezieht und nicht erst die Geschichte mit März 2014 beginnen lässt, dann ist es doch das Falscheste, die Demütigung weiter fortzusetzen.“

          Es ist also eine Demüitung, wenn man einen ehemaligen KGB-Offizier in den Bundestag einlädt und dort sprechen lässt, eine Pipeline zwischen Russland an der Ukraine vorbei nach Deutschland baut, in den schweren Jahren Russlands Aufbauhilfe geleistet hat?

        2. „Nach Lage der Dinge führt jetzt kein Weg mehr an den USA vorbei.“
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          Nach meiner Auffassung wird Mr. Trump das Interesse an der Lösung des Ukraine-Kriegs verlieren, da er zunehmend merkt, dass nur ein Druck auf Putin und die weitere massive Unterstützung der Ukraine dahin führen werden. Beides will Trump nicht, und so wendet er sich anderen Spielplätzen zu (Iran), um von seiner innenpolitischen Unfähigkeit abzulenken.

    2. „Die Aufrüstungmentalität hierzulande macht es Putin leicht, seinem Volk eine Bedrohungslage weiszumachen.“

      Es findet hierzulande doch keine Aufrüstung statt, sondern eine spärliche Variante der Nachrüstung: Drohnen für David gegen die Atomwaffen Goliaths. Dem russischen Volk wird schon seit vier Jahren eine Bedrohungslage vorgegaukelt. Geht in Russland ganz einfach, es gibt viel Knowhow,

    3. Von kopfloser und überstürzter Rüstungspolitik war eigentlich nicht die Rede. Sondern von einem Ausbau der Bundeswehr, der nur nicht in unkontrollierten Gigantismus und Verschleuderung in allerlei Kanäle ausarten dürfe. Die Sorge erscheint berechtigt angesichts abwegiger Einzelkosten für Waffensysteme, deren Nutzen (von außen abschaltbare Flugzeuge) in Frage steht. Die Einbindung in NATO-Strukturen verhindert, dass die Bundeswehr in falsche Hände gerät, und gegen eine extremistische Soldateska hilft die allgemeine Wehrpflicht, zudem nötig für eine „kraftvolle Armee“. Warum es dann den heute 18-Jährigen nicht zugemutet wird, sich der Frage Wehrdienst oder Kriegsdienstverweigerung zu stellen, ist mir ein Rätsel – diese von Christian Wolff zu Recht bezeichnete Frage gilt jetzt seit 70 Jahren.

      Wer geht denn aus „von einer bleibenden und unveränderlichen Feindschaft mit Russland“? Allerdings ist das gegenwärtige russische Regime feindlich gesinnt, und die mehrheitliche Teilnahmslosigkeit der russischen Bevölkerung in Bezug auf Leid und Entbehrungen ihrer Nachbarn lässt augenblicklich wenig hoffen, „irgendwie mit den Russen zurechtzukommen“. Aufrüstungsmentalität, gäbe sie es denn hierzulande wirklich, ist die Folge der russischen Aggression. Dass es sich um einen „Konflikt“ mit Nationen handele, die Russland vernichten wollten, ist Kreml-Sprecher-Propaganda.

  5. Bei einem Aufsatz mit der einleitenden Frage „Krieg ohne Ende?“ hätte ich ausführlichere Gedanken zu möglichen Wegen zur Beendigung des Russland-Ukraine-Krieges erwartet. Außer der nicht sehr inhaltsreichen Äußerung „Auf dieser Grundlage müssten die Länder Europas eigenständig eine Friedensstrategie entwickeln, die den Angriffskrieg eher heute als morgen beendet“ kommt dazu jedoch nichts. So richtig überrascht mich das nicht, passt es doch zu der Misere der europäischen Ukraine-Politik, die nach wie vor ohne ersichtliches strategisches Konzept agiert. Zu hören sind Durchhalteparolen. Frau Kallas, die für Außenpolitik zuständige EU-Kommissarin, „brilliert“ mit dem tumben „Zwei-Punkte-Plan“ (die Ukraine unterstützen und Russland schädigen), Friedrich Merz fällt nichts Besseres ein, als zu sagen, „Der Krieg endet erst, wenn Russland wenigstens wirtschaftlich, wenn nicht auch militärisch erschöpft ist, und darauf bewegen wir uns hin“ (ist er eventuell von Russlands aktueller Gurken-Krise beeindruckt?). Und überhaupt scheint es einflussreiche Kräfte in der EU zu geben, die in einer Weiterführung des Krieges in der Ukraine Vorteile für den Westen sehen, ungeachtet der Opfer, die dafür die Ukraine erbringt muss (ich hatte vor Wochen diesbezüglich den ehemaligen BND-Chef zitiert, jüngst hat sich auch W. Ischinger in dieser Richtung geäußert). Das ist aber nicht wirklich neu, wurden doch schon seinerzeit die aussichtsreich verlaufenden Istanbuler Verhandlungen vom Westen abgewürgt.

    Es sollte deshalb niemanden verwundern, wenn bei den derzeitigen USA-Russland-Ukraine-Verhandlungen die NATO/EU-Europäer ob ihrer Obstruktionshaltung außen vor gelassen werden. Und von Leuten, die ständig bemüht sind, ein möglichst krasses Russland-Feindbild zu kultivieren, können selbstverständlich keine konstruktiven Ideen für die Schaffung von Frieden in der Ukraine erwartet werden. Die Trump-Regierung geht bei den Verhandlungen davon aus, dass die Einladung der Ukraine zum NATO-Beitritt die Sicherheitsinteressen Russlands stark berührt hat. Wesentliche Voraussetzung für eine Friedenslösung wäre deshalb der offizielle, in der ukrainischen Verfassung verankerte und von den Europäern mitgetragene dauerhafte Verzicht der Ukraine auf eine NATO-Mitgliedschaft. Wenn, wie auch im Wolff-Artikel, immer wieder versucht wird, die NATO-Frage zu bagatellisieren, zeugt das entweder von Unkenntnis oder dem Versuch, die öffentliche Meinung zu manipulieren. Schließlich gibt es immer wieder neue Belege dafür, welche enorme Bedeutung ein NATO-Betritt der Ukraine für Russland schon immer hatte. Zum Beispiel die im Dezember 2025 von den National Security Archives (NSA) veröffentlichen Gesprächsprotokolle Putin-G.W. Bush jr. (Zeitraum 2001 bis 2008) oder das Eingeständnis der Europaabteilungsleiterin im Weißen Haus unter Biden, Amanda Sloat, mit der NATO-Offerte an die Ukraine eventuell doch wesentlich zum Ukraine-Krieg beigetragen zu haben, https://petraerler.substack.com/p/wir-mussen-uber-putin-reden?utm_source=post-email-title&publication_id=580267&post_id=184016087&utm_campaign=email-post-title&isFreemail=true&r=25sftg&triedRedirect=true&utm_medium=email.

    Wenn der eine oder andere meinen sollte, hier wieder Russen-Propaganda entdecken zu können, dem kann ich nur sagen, ich befinde mich in guter Gesellschaft. Dieser Tage wurde das neue Buch von Johannes Varwick, „Stark für den Frieden, was jetzt für eine rationale Sicherheitspolitik zu tun ist“ der Öffentlichkeit präsentiert. Varwick ist Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Beziehungen und europäische Politik an der Universität Halle-Wittenberg und war unter anderem Präsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik. In seinem Buch plädiert er für eine „bewaffnete Neutralität“ der Ukraine („Stachelschweinmodell) und kritisiert die These, Russland wolle die Ukraine von der Landkarte tilgen und danach weiter Richtung Polen und Baltikum ziehen, als Fehlanalyse. Das Buch liest sich gut, in einem im Nachdenkseiten-Magazin veröffentlichten Interview mit ihm sind wesentliche Gedanken angesprochen (https://www.nachdenkseiten.de/?p=146566 , https://www.nachdenkseiten.de/?p=146574).

    PS: Nicht über die ungewöhnliche Posting-Zeit wundern! So sehr raubt mir das Thema nicht mehr den Schlaf. Es ist der Zeitunterschied zwischen MEZ und der Hauptzeitzone Brasilia.

    1. Einen NATO-Beitritt der Ukraine auszuschliessen, erfordert eine Verfassungsänderung. Ob eine solche durch das ukrainische Parlament zustande käme, ist offen, aber nicht gänzlich ausgeschlossen. Dass die Ukraine Gebiete an Rußland abtreten soll, die dieses noch nicht einmal besetzt hält, ist unzumutbar. Hinzu kommt, dass dort ukrainische Verteidigungsstellungen aufgebaut wurden, deren Aufgabe einen schnellen weiteren Vormarsch der Russen ermöglichte. Völlig unklar ist, wer Sicherheitsgarantien für die Ukraine übernehmen soll, da die Russen NATO-Soldaten auf ukrainischem Territorium kategorisch ablehnen. So bleibt zur fortgesetzten militärischen Unterstützung der Ukraine durch die Europäer keine Alternative.

    2. „Von Leuten, die ständig bemüht sind, ein möglichst krasses Russland-Feindbild zu kultivieren, können selbstverständlich keine konstruktiven Ideen für die Schaffung von Frieden in der Ukraine erwartet werden.“

      Vorausgesetzt, die Nachrichten über die landesweite Zerstörung ukrainischer Infrastruktur und über das russische Besatzungsregime stimmen – bis hin zur Rekrutierung von Ukrainern zur russischen Armee im Donbass, habe ich keine Feindbilder nötig. Immer, wenn die Thematisierung von Kriegs- und Menschenrechtsverletzungen zum „Israel-Hass“ oder eben zum Russland-Feindbild gemacht wird, höre ich inzwischen weg, Herr Lerchner. Denken Sie daran, dass es Russen gibt, die nicht auf Putins Seite stehen, die in den Demokratiebestrebungen in der Ukraine keine Bedrohung ihres Landes sehen, und dafür ins Lager gehen? Welches ist denn Ihr Feindbild? Eine Nazi- und NATO-verliebte Ukraine und deren tumbe westeuropäischen Unterstützer? Oder halten Sie Russen, Ukrainer, Krimtataren für möglich, die sich als Einwohner eines demokratischen Europa verstehen und nicht als postsowjetische Untertanen?

      Zu den konstruktiven Ideen: Das Péli-Varwick-Interview, Teil 1 und Teil 2, habe ich gelesen, vielen Dank – aber nichts gefunden, das mich überzeugt: die alte Geschichte von der angeblich hintertriebenen Friedenschance Istanbul 2022 und die wirklich blöde Behauptung, die EU würde Kiew jetzt zu Maximalforderungen ermuntern (welche?). Gegen Johannes Varwick spricht, dass er frühere Positionen räumen musste („Ukraine sowieso verloren“, „Stellvertreterkrieg“), und dass er zur Gretchenfrage, die von ihm selbst einst für erforderlich gehaltenen westlichen Sicherheitsgarantien für eine unabhängige Ukraine, in dem Interview keine Perspektive entwickelt. Nur der Ukraine konzediert er eine bewaffnete Neutralität im Stachelschweinmodell, max. 400.000 Mann, glaubt aber ausdrücklich nicht, „dass die Ukraine sich militärisch verteidigen könnte, wenn Russland tatsächlich das Ziel verfolgte, das gesamte Land zu annektieren.“ Aus dem Dilemma behilft er sich einfach damit, es sei „nicht plausibel, dass Russland die Ukraine gänzlich von der Landkarte tilgen . . . will“. Wieso eigentlich nicht, Herr Lerchner?

    3. Herr Lerchner, ich wünschte mir, Sie hätten Ihren Kommentar nicht aus dem warmen Brasilia gepostet, sondern aus dem kalten Wladiwostok. Mit Sicherheit wäre er anders ausgefallen.

      Es ist nicht möglich, von Christian Wolff „ausführlichere Gedanken zu möglichen Wegen zur Beendigung des Russland-Ukraine-Krieges“ zu erwarten. Was hinter den geschlossenen Kreml-Türen gedacht und beschlossen wird, kann niemand analysieren, geschweige denn, nachvollziehbare Gedanken und seriös mögliche Wege aufzuzeichnen. Vieles, was ich hier lese, ist reine, aus der Luft gegriffene Theorie, teilweise gespickt mit russischer Propaganda.
      Christian Wolff hat aus freien Stücken an den Tag des Beginns der „Spezialoperation“ erinnert. Die deutschen Schulen haben geflaggt, allerdings keine Ukraine-Flaggen. Die wehen solidarisch in den Ländern an der „Ostflanke“ der EU, aus gutem Grund.

      Mir stieß unangenehm auf, dass Sie Kaja Kallas mit Häme überzogen haben. Sie war Ministerpräsidentin Estlands, eines kleinen Landes, das während Jahrzehnte als „Sowjetrepublik“ gewaltsam unterdrückt wurde, wie Lettland und Litauen ebenfalls. Zigtausende oder mehr Oppositionelle wurden in die Gefängnisse geworfen, in die Lager Sibiriens deportiert, viele sind zu Tode gekommen. Daran tragen die Deutschen eine Mitverantwortung. Im Baltikum existiert seit der Singenden Revolution von 1989 ein Symbol: Im roten, fünfzackigen Sowjetstern befindet sich ein Hakenkreuz! Jugendliche tragen es an ihren Jacken. Warum wohl?

      Für die Menschen in der Ukraine steht die Frage, entweder sie kämpfen jetzt und nehmen den Tod in Kauf, oder sie ergeben sich und nehmen anschließend den Tod in Kauf. Westeuropäer haben kein Recht, nicht das geringste, über die Köpfe der Ukrainer hinweg zu entscheiden und auch nicht den Anflug von „Besserwessirei“ durchscheinen zu lassen.

      Die EU-Länder, und auch die USA, würden allerdings ihre eigenen freiheitlich-demokratischen Werte verraten und der Lächerlichkeit preisgeben, wenn sie den Ukrainern in der Not und auf ihre Bitte hin nicht helfen würden. Drei der genannten Staaten nehmen diese bittere Lächerlichkeit bereits in Kauf. Ich kann mir die sarkastische Heiterkeit im Kreml sehr gut vorstellen.

      Johannes Varwick hat also ein neues Buch herausgegeben. Das ist sein gutes Recht. Mir standen aber die Haare zu Berge, als ich erfuhr, dass er Erstunterzeichner der von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer initiierten Petition „Manifest für Frieden im Ukraine-Russland-Krieg“ an Olaf Scholz war, ein Aufruf gegen „die Eskalation der Waffenlieferungen“. Dahinter steht die verkappte „SED-PDS-Fraktion der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“. Ihr Tenor: „Mit Putin muss man nur ein Bier trinken gehen. Trinken für den Frieden für alle, die reinen Herzens sind.“ Sie könnten auch Wodka mit ihm trinken, doch das tun sie nicht, sie labern nur, und zwar in seinem Sinne.

      Ich lebe in einer Region, wo oft die Alarmrotte der deutschen Luftwaffe über die Gemeinde hinweg donnert, weil russische Flugzeuge ohne Transponder über der Ostsee unterwegs sind. In Sichtweite zieht die russische Schattenflotte am Horizont entlang. Es besteht die Gefahr einer Ölpest. Vor Schleswig-Holstein kreuzte ein russischer Zerstörer. Im Kalten Krieg befand sich dort der Vorposten des Warschauer Pakts. Schweden und Polen fühlen sich von der Oblast Kaliningrad bedroht und in Norwegen melden sich die jungen Leute freiwillig beim Militär. „Was an der Grenze zu Russland passiert, ist enorm besorgniserregend. Wir lassen uns ausbilden, wir wollen unser Land schützen.“

      Wer hat bloß dieses Märchen in die Welt gesetzt, dass ein möglicher NATO-Beitritt der Ukraine diese „Spezialoperation“ ausgelöst hat? Haben manche Deutsche ein Problem damit, einem bis vor kurzem starken Verteidigungsbündnis anzugehören? Die NATO hat Russland und keinem weiteren Land nie etwas zu Leide getan. Das gleiche wäre, eine historische Stadtmauer als Bedrohung anzusehen.

      Der Grund, dass die Machthaber im Kreml täglich unschuldige Frauen, Kinder und Männer töten, ist ein Rachefeldzug, ähnlich, als wenn jemand einen Mafia-Clan verlässt und fortan ein anständiges Leben führen will. Slawische Völker sind viel emotionaler als die unterkühlten Deutschen, die sich wie hier im Blog hochgeistig die Meinungen um die Ohren hauen und trotzdem nicht zum Kern vorstoßen.

      Ein großer Teil der Ukrainer sprach Russisch, jetzt sprechen sie Ukrainisch. Das ist eine enorme kulturelle Verwandlung! Die orthodoxe Kirche orientiert sich nicht mehr nach Moskau, wo Kyrill I. als ehemaliger KGB-Agent den Mördern die Absolution erteilt, sondern nach Konstantinopel. Zwei „Brüder“ haben sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion – die Ukraine war 1922 Gründungsmitglied – entzweit. In Polen wird aus eigenen Erfahrungen über die russische Mentalität wie folgt gesprochen: „Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein.“

      Lieber Christian, es tut mir leid wegen der Länge, aber es hätte länger sein können.

      1. Hallo Herr Wittenburg,
        Ich habe Ihnen bei diversem privatem Mailaustausch schon vieles geschrieben, was die Hintergründe der Entwicklung der Entwicklung hier im Westen betrifft, auch was der Hintergrund der AfD Gründung war, der Wirkung der Euro- Einführung etc. Gerne führe ich das fort.
        Wenn Sie nun hier beginnen uns zu erklären, wie es zum Krieg in der Ukraine kam, dann schicke ich gerne Bücher das erst einmal zu studieren.
        Meinen können Sie natürlich etwas. Wäre nur toll, auf welchem Background Sie das tun. Eindrücke, die Sie hatten können das Bild abrunden, aber das Studium der Sache nicht ersetzen.
        Der „Liebe Christian „ hat auch bestätigt , dass er sich mit der Geschichte des Krieges wenig befasst hat. Holen Sie das doch bitte nach, damit wir zum Kern des Problems vorstossen und zu Lösungen kommen.
        Im übrigen:Wieviel Verhandlungen/Konflikte grösseren Stils haben Sie eigentlich gelöst?

        1. Hallo Herr Dr. Tesche,

          beziehen Sie ihre Sicht auf die Dinge ausschließlich aus Büchern? Waren Sie schon einmal in der Sowjetunion, in Belarus, in Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Norwegen, Schweden, in der DDR und im heutigen Russland? Haben Sie mit den Menschen gesprochen, vor allem über ihre Lebenserfahrungen im Kalten Krieg und heute? Ich publiziere selbst und veröffentliche Bücher, doch das ist nicht meine einzige Tätigkeit. Von Christian Wolff erwarte ich jetzt nicht, dass er die Geschichte des russischen Zarenreichs studiert und nach Moskau reist, um mit Putin und Kyrill I. Wodka zu trinken. Und was soll die letzte Frage, die Sie gestellt haben?

  6. Hallo Herr Wolff,
    Ich erkenne in Ihrem Beitrag den Spagat und das Dilemma, in dem Sie sich befinden müssen, wenn man versucht, alle Themen, die Ihnen wichtig sind, zu verbinden.
    1. Ich greife zunächst einen Hinweis von Ferda Ataman , unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung und Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Deutschland auf. Von ihr lese ich im Interview: „Über Soziale Medien und Algorithmen verbreiten sich krude Erzählungen: Tech-Milliardär Elon Musk verwendet auf seiner Plattform „X“ den Code, rote Pille´, bekannt aus dem aus dem Film Matrik. Wer diese Pille schluckt, erkennt angeblich die harte Realität.
    Verfahre ich wie Sie, komme ich hinsichtlich Ihres Beitrags zu dem, was folgt.

    2. Thema Kriegstüchtigkeit, Pazifismus, gerechter Frieden lt. EKD, Kyrill und meine Sicht dazu

    Wie durch einen Zufall erhalte ich aus Kirchenkreisen am selben Tag, als Ihr Blog erschien eine Einladung zu einer Teilnahme an einer Einladung zur Teilnahme an einem Friedensforum im März, wo es um die neue EKD-Denkschrift geht. Der Titel: Die EKD-Friedensdenkschrift – (k)eine Perspektive für die rheinische Friedensethik!?“ . Offenbar ist diese neue Denkschrift aus 2025 innerhalb der EKD auf viel Widerstand in der Gesamtkirche gestoßen, auch bei Ihnen vermutlich. Ich lese Sätze wie diese im Umkreis: „Die solidarische Kirche im Rheinland erwartet von den Kirchenleitungen eine deutliche Positionierung gegen die Hochrüstungsspirale in Richtung sozialer Verteidigung.“
    Welch ein Skandal, dass die Kirchen in Deutschland militärische Gewalt als „rechtserhaltende Gewalt“ rechtfertigen in einer Zeit, in der Krieg als Mittel der Politik ernsthaft diskutiert und vorbereitet wird.“
    Ich selbst habe selbst erlebt, wie eine ranghohe Persönlichkeit auf EKD-Level den Tränen nahe darauf reagiert hat, als der Entwurf vorlag. Was sie zu mir sagte, bleibt unser Geheimnis.
    Dieses Problem scheint Sie auch erfasst zu haben. Daher wohl die butterweiche Formulierung, so empfinde ich sie.

    Für mich als einfachem Menschen ist das alles übertrieben und zu abgehoben:
    Die alte Position der EKD aus der Schrift 2007 stammt aus meiner Sicht konzeptionell aus der Ideenwelt von Martin Huber und ist im Kern eine Ethik zur Wiederherstellung des Völkerrechts. (Dies ist leicht verständlich bei dem familiären Hintergrund.) Waffengewalt war nicht legitimiert. Danach war aber bis jetzt gehandelt und kirchlich legitimiert, was politisch folgte.

    Beides war falsch vor folgendem Hintergrund der Veränderung der Verhältnisse.

    Wahrheit ist: Das Völkerrecht ist schwammig und das Recht kann nicht durch UN umgesetzt werden, weil die Friedenspflicht durch die Konstruktion nicht funktioniert. Über allem steht aber die Friedenspflicht.

    Das Recht auf Selbstverteidigung, was sich auch als Recht aus dem Völkerrecht ergibt, kann dann aber nicht so umgesetzt werden, dass man auf das Recht pocht, aber die Pflicht vergisst.

    Es langt nicht zu behaupten, „Putin will ja nicht reden etc. (Solche Menschen gibt es wirklich im Leben, ich habe Sie selbst erlebt). Es langt auch nicht zu meinen, was Putin denkt, auch nicht, das als Putins- Meinung zu nehmen, was propagandistisch in der Zeitung steht. Man muss mehr tun.
    Nur bevor ich (der Westen, Europa) das nicht einmal versucht und ein bindungsloses Gesprächsangebot wie auch immer gemacht habe, ist es nicht gerechtfertigt, weder rechtlich noch ethisch, politisch schon gar nicht, die Pflicht zu vergessen. (Siehe 5.c)

    Wenn ich von einer Gleichheit im Sinne der Gleichwertigkeit aller Menschen vor Gott ausgehe, kann daraus auch nicht folgen, dass ich das Schwert nicht ziehen darf. Das heißt: Ich darf Waffengewalt als letztes Mittel anwenden. Pazifismus steht nicht in der Bibel. Ich muss alles tun, um das Schwert zu meiden, aber ich darf es ziehen.
    Nach der neuen EKD-Ethik aus 2025 auch mit Genehmigung der Kirche. Das bezieht sich auf den Schutz unseres Staates. Ob es vor diesem Hintergrund gerechtfertigt ist, andere zum Kämpfen zu animieren, ist eine andere Frage, die ethisch offen ist. Nach meinem Verständnis gibt es nach der EKD-Denkschrift aus 2025 keine ethische Beistandsplicht für andere Staaten.

    Sie scheinen da noch zu schwanken und verweisen auf das viele, viele Geld und wollen beides.

    Was Sie zum Thema Kyrill schreiben, ist Ihre Meinung. Ich weise nur für die Leser nochmals darauf hin, dass die Weltkirchen mit der Russisch-Orthodoxen Kirche Russlands nicht gebrochen haben, sondern nach wie vor verbunden bleiben. Wir sehen also, wie selbst auf kirchlicher Ebene international mit dem Thema umgegangen wird.

    3. Thema Kriegstüchtigkeit und Geld, was Sie umtreibt.

    Ich sage erst mal, was es nicht meinen kann. Es kann nicht meinen, dass wir in einem Zustand verharren, wo lt. RP 10 kriegserprobte Ukrainer 1 oder 2 NATO-Bataillone allein aufreiben. Das verbesserte sich nicht, wenn die Soldaten noch besser in Demokratieverständnis und was Sie sonst als wesentlich beschreiben, geschult wären oder gewesen wären. Das passt schon zeitlich nicht zusammen hier mit mehr Bildung in der rechten Weise zu argumentieren.

    Was notwendig ist, damit das eintritt, was nicht gemeint sein kann, vertraue ich auf Fachleute. Was bleibt mir anderes übrig. Damit die Fachleute nicht träumen, ist es gut, sie mit wenig Geld auszustatten, aber genug, damit die Politik das schnell umsetzen kann, was gemeint ist und dabei nicht dafür vorgesehene Budgets zu Umbuchungen zu benutzen, um mehr für den Konsum verfügbar zu haben.

    Kriegstüchtig machen bedeutet für mich, einen Zustand herzustellen, den man früher als verteidigungsfähig bezeichnete, der aber angesichts der unmittelbar bestehenden (nicht auszuschließenden) Kriegsgefahr auch Drecksarbeit bedeuten wird, wenn ein Krieg nicht vermeidbar ist.

    Zweifellos ist es richtig darauf hinzuweisen, was ja auch Die Linke tut, dass -ich meine, die Aussage sei – es nicht sein kann, dass Westeuropa mehr Geld in die Rüstung steckt als Putin. Das leuchtet mir ein.
    Ich vertraue darauf, dass die verantwortlichen Politiker dieser Spur folgen.

    Der optimale Ansatz wäre diese Vereinigung auf dem Level EU zu erreichen, um Kosten zu senken
    , nicht notwendigerweise mit allen EU-Mitgliedern. Ich unterstütze den Ansatz von Werner Sinn zur Bildung eines Europäischen Bundes wie hier im Blog von Herr Schwerdtfeger bejaht, wie ich mich erinnere, von Ihnen aber nie aufgegriffen wurde.

    4. Thema Ukraine, Putin und Trump

    a) Wenn man die Ursachen, Hintergründe des Ukrainekonflikts richtig einordnen will, reicht es nicht nur 1 Buch zu lesen, was Sie beindruckt hat. Dazu muss man mehrere lesen. Man muss auch die Vorgeschichte zu verstehen versuchen, die dem vorausgegangen ist, incl. der unbestreitbar lang angelegten Strategie der USA, Russland und Europa zu trennen, insbesondere Deutschland betreffend (Wolfowitz-Doktrin). Die NATO war dazu Mittel und Zweck, aber nicht das einzige Mittel. Aber es war der formale Auslöser.
    Daraus ergibt sich ein anderer, möglicher Strategieansatz als den, den Sie beschreiben. Zum Thema Recht wieder herstellen, sagte ich genug unter 3. „Wer ist Henne, wer ist Hahn“ ist dann nicht mehr so einfach zu beurteilen.

    b) Realität ist, dass Russland bestehen bleibt, auch nach Putin. Wir wissen nicht, was danach kommt. Atomwaffen gibt es genügend. Bei Trump wissen wir das auch nicht, aber wir können sehr stark davon ausgehen, dass die USA auf absehbare Zeit finanziell nicht in einer besseren Situation kommen werden als heute und die USA bessere Freunde in der Welt finden wird als uns, auch nicht.
    Wir selbst sind nicht kriegsfähig, müssen es aber werden, Ukraine-Krieg hin oder her, um selbstständig und erwachsen zu werden als Europa.

    Nach meiner Vorstellung auf Basis eines Grundsatzpapiers, das ich hier im Blog anregte und versuche publik zu machen, in dem wir auch alles unterbringen können, was uns wichtig ist, u. a. Abrüstung West und Ost, basierend auf klaren Prinzipien, zur Schwächung der Position Trumps aber auch zur Einbindung Trumps und der Bindung Amerikas und Europas.

    Ob Trump oder Putin uns spalten will? Putin sicher. Bei Trump? Offenbar will Trump raus aus dem Krieg, weil er das Verhältnis zu Putin auf eine langfristige Basis stellen will. Das sollten wir auch wollen. (Siehe d)

    c) Ich bin mir unklar, wie die Rolle der Ukraine, speziell der politischen Eliten zu beurteilen ist in der Ukraine. Ich lasse mich da nicht von TV-Auftritten blenden, denn das sind nur Ausschnitte.

    Die Bedauerlichen sind die Menschen der Ukraine. Ich bin mir nicht sicher, in wessen Interesse Sie ihr Leben hergeben. Ich habe sehr wohl den Hinweis des ehemaligen Präsidenten des Verfassungsschutzes im Auge, der im Umkehrschluss folgendes sagte: DEUTSCHLAND (und Europa ergänze ich) KANN KEIN INTERESSE DARAN HABEN, DASS DER KRIEG IN DER UKRAINE BALD ENDET. Das verstehe ich, denn wir sind nicht verteidigungsfähig und gefühlt noch weit weg davon. Deshalb habe ich einen sehr faden Geschmack im Mund, wenn ich an die Verteidigung nur mit militärischen Mitteln reagiere. WENN ABER EUROPA DIESE POLITIK WEITERBETREIBT UND DAMIT TRUMP AUSBREMST, macht Europa einen riesengroßen Fehler.
    Sehr skeptisch und gar ablehnend sehe ich eine EU-Mitgliedschaft aus vielerlei Gründen.

    d) Es nützt überhaupt nichts, wenn die Politik uns Bürger im Glauben lassen will, dass die USA innerhalb der NATO für uns eine wirkliche und unbedingte Sicherheit bringen. Art .5 des NATO-Vertrages, löst keine Automatik militärischen Handelns aus.
    Anders kann es sein, wenn dort konkrete Verabredungen getroffen werden als Zusagen an die Ukraine. Aber was bitte, wenn Sie einfach nicht eingehalten werden, wie beim Budapester Memorandum erlebt?

    Verträge nützen nichts, wenn Sie nicht durchgesetzt werden können.
    Deswegen muss man militärisch stark sein und politisch flexibel und nicht auf Prinzipien beharren (siehe 3)
    Verträge haben im Hintergrund das Verständnis von „sich vertrauen“, nicht das Festhalten am Text.

    5. Thema AfD und Rechtsradikale in Europa
    Hier kann ich mich sehr kurz fassen. Natürlich hängt alles mit allem zusammen. Das Problem daher: Wie können Sie belegen, was Sie schreiben und was Sie suggerieren, nämlich das es wesentlich an der Lage vor Ort durch mangelndes Geld liegt? …Natürlich hängt es auch daran. Ich denke aber, aber es gibt viele andere wichtige Punkte, die jeder auch benennen könnte, wo es aber sich nicht am Geld liegt. Irgendwie ist funktioniert alles nicht mehr an allen Ecken und Enden.

    Letztlich können wir Ursache und Wirkung nicht zuordnen, nur Eindrücke gegen Eindrücke stellen.

    Das gilt auch im täglichen Leben so. Am besten macht man sich klar, (und hier hilft die rote Pille auch) , dass die zugelassenen Parteien eine Ware anbieten. Der Käufer vor dem Regal kauft was ihm am meisten zusagt. Kauft er diese Ware und stellt dann nach mehrfachem Kauf fest, dass sie nichts taugt, wechselt er zu einem andren Produkt. Warum es im Einzelnen gelegen hat, weiß man in der Regel nicht. (Marktforschung als Tipp). Und er fühlt sich verschaukelt, wenn er nach dem Kauf feststellt, dass es sich um eine Mogelpackung handelt. Beim nicht gekauften Produkt weiß er es noch nicht.

    Der Versuch, eine Monopolstellung zu erhalten, damit keine Konkurrenz aufkommt, ist ein legitimes Mittel, aber das ist in einem Rechtsstaat an sehr hohe Hürden gebunden und ist in der Umsetzung in der Politik problematisch, denn Menschen, die wählen, sind keine Ware, die unter diesem Versuch leiden wollen. Sie sind verstimmt.

    Vor diesem Hintergrund muss man auch das Problem sehen. Auf Konkretisierung verzichte ich, liefere gerne nach, warum es nicht am Geld liegt und warum man nicht das Eine gegen das Andere aufrechnen darf.
    6. Verfügbares Geld
    Zum Thema verfügbares Geld muss man sich klar machen, dass die verfügbare Geldmenge nicht vor dem Hintergrund einer – so würde man wohl in Bayern sagen- sich selbst säugenden Wollmilchsau zu verstehen ist. Es gibt deutliche Grenzen. Also müssen wir priorisieren.
    Bedenken wir ferner, was wir schon an die Ukraine tatsächlich gezahlt haben (direkt und indirekt, dass wir selbst ein Budgetdefizit haben, dass in den kommenden Jahren deutlich über 50 Mrd. jährlich liegt und dass der Wiederaufbau der Ukraine auch noch ansteht. Größe unbekannt. Vielleicht erleben wir ja auch noch Überraschungen: Das Scheunentor EU an den Außengrenzen sind weit offen und was sonst noch als Bedrohung auf uns zukommen könnte, kann sich jeder selbst ausdenken.

    Für den Umfang der Replik entschuldige ich. Ich konnte es aber dem Umfang der Themen nicht bei Stichworten belassen.

    1. Aus gegebenen Anlass möchte nur darauf hinweisen, dass Kommentare, die mehr als doppelt so lang sind wie der Blog-Beitrag, auf den sie sich beziehen, von mir nur in Ausnahmefällen freigeschaltet werden. Außerdem korrigiere ich die Beiträge weder orthographisch noch grammatikalisch und schon gar nicht inhaltlich. Jede:r möge also selbst dafür sorgen, dass Fehler vor Absenden des Kommentars korrigiert werden.

      1. Dieser Text ist „per Duden geprüft“. Würde ich Ihre Texte mit Gendersternchen eingeben, würde Duden wahrscheinlich passen. Aber das sind doch Spielchen die Sie nicht nötig haben.
        Zum Thema Länge hatte ich geschrieben und Ihre Vorprüfung von Gestern gab keinen Hinweis.
        Äussern Sie sich doch einfach mal zur Sache, wenn Sie mögen. Wenn Sie nicht mögen, auch gut, aber schade.

  7. Die neuerliche Zeitansagen möchte ich ein wenig ergänzen. Wer das Buch von André Gorkow aus dem Jahr 2025 braucht, um sich über das Wesen des russischen Projekts klar zu werden, ist recht spät dran. Ich habe seit vier Jahren viele Bücher zur Geschichte Russlands und der Sowjetunion gelesen und dabei immer wieder neu gelernt: Russland ist von Beginn an, also seit Jahrhunderten, ein imperial-kolonialistisches Projekt und ohne diesen Wesenszug überhaupt nicht zu erklären und zu verstehen. Russland als die zaristische und später sowjetische und nun postsowjetische Großmacht war ja nur möglich durch die stetige imperialistische und kolonialistische Unterwerfung der Nachbarstaaten. Ohne diesen Imperialismus würde Russland zusammenschrumpfen auf ein kleines, bedeutungsloses Gebiet rund um Moskau. Der Rede von „Putin-Russland“ oder von putinschen Imperialismus vernebelt und verharmlost diesen Grundzug der russischen Geschichte eher. Putin als gegenwärtige Verkörperung ist in Wirklichkeit vollständig austauschbar. Sein Nachfolger wird diese Politik fortsetzen. Anders als zum Beispiel Großbritannien, das seine imperialistische und kolonialistische Vergangenheit weitgehend überwunden hat, hält Russland bis heute daran fest, was die russische Propaganda enthüllt und deutlich erkennen lässt. Und es kann eigentlich auch gar nicht anders sein, denn ohne Kolonien ist Russland nichts. Daraus ergibt sich der traurige Schluss, dass ein derartig aggressives Staatsgebilde nur mit militärischer Gegenmacht einzuhegen ist. Und da Russland ja jetzt schon hybrid Krieg gegen Europa führt, der Krieg also schon längst Wirklichkeit ist, ist auch die Forderung der „Kriegstauglichkeit“ Europas meines Erachtens folgerichtig.
    Das „gigantische Aufrüstungsprogramm“ Europas kann ich bis dato nicht erkennen, eher einen recht unkoordinierten widersprüchlichen Versuch der N a c h r ü s t u n g, dessen Erfolg noch keinesfalls sicher ist. Meine größte Sorge ist, dass hier sehr viel Geld durch die disparaten europäischen Entscheidungswege und Markteffekte verschleudert wird und gar nicht erst in wirksamer Nachrüstung ankommen wird.
    Die „dramatischen finanziellen Engpässe“ der Kommunen und die marode Infrastruktur sind deutlich erkennbar. Man sollte sie aber meiner Meinung nach nicht allein durch Aufrüstung erklären. Die hat es ja in den letzten Jahrzehnten ja gar nicht mehr gegeben und dennoch ist die Infrastruktur immer mehr verfallen. Vielmehr müssen hier die Prioritäten grundsätzlich noch einmal angeschaut werden, nach denen in den letzten Jahren Steuergelder verausgabt wurden. Ich bin überzeugt, das wird den Blick keinesfalls in erster Linie auf die Rüstung lenken. Da wird sehr viel anderes Verfehltes und Verschleudertes deutlich werden, wie die jährlichen Berichte des Bundesrechnungshofes ja immer neu belegen. Als die Kassen noch voll waren, ist bei uns recht verantwortungslos mit dem Geld umgegangen worden. Ausbaden müssen das jetzt die Bürger/innen mit der teilweise desolaten Infrastruktur.
    Widersprechen möchte ich auch der Behauptung, in Deutschland würde propagandistisch eine „Kriegsstimmung“ erzeugt, eine Behauptung, die ich auch bei meinen pazifistischen Freunden immer wieder höre und lese und selber nicht verifizieren kann. Es mag sein, dass in einigen Medien solche Töne anklingeln. Und sicher gibt es auch einige völlig haltlose und wohl auch verfehlte Prognosen über einen angeblichen Kriegsbeginn von Seiten Russlands. Ich bewundere unsere Regierenden aber wirklich dafür, wie überaus maßvoll und rational sie sich gegenüber der russischen Bedrohung äußern. Wenn man das mit der hemmungslosen antiwestlichen und Deutschland-feindlichen russischen Propaganda vergleicht, kann von einer propagandistischen Übertreibung in Deutschland überhaupt keine Rede sein. Ich würde mir hier gerade auch im Blick auf die hybriden Angriffe Russlands wirklich manchmal eine deutlichere Sprache der Politik wünschen, welche die damit verbundenen Gefahren deutlicher beim Namen nennt. Die Politik lässt es meiner Meinung nach zu, dass immer noch viel zu viele Deutsche als Schlafwandler unterwegs sind.
    Schließlich bin ich leider nicht davon überzeugt, dass die Bemühungen um bessere Bildungs- und Lebensbildungsbedingungen, die ich selbstverständlich unterstütze, unsere Bürgerinnen und Bürger zur besseren Demokraten machen. Die innere Distanzierung zu vieler Bürger von unsere Demokratie hat vielfältige Ursachen, die noch einmal genauer untersucht werden müssten. Wie ich hier schon öfter geschrieben habe, bin ich der Überzeugung, dass „Demokratie 1.0“ bei uns dem Ende entgegenstrebt. Mit der Vorbereitung einer resilienteren „Demokratie 2.0“ kann in der Tat nicht früh genug begonnen werden.

    1. Ein sehr kluger und richtiger Kommentar, lieber Herr Fersterra, zu dem ich Sie beglückwünsche. Lassen Sie mich noch eine Ergänzung machen zu der von Ihnen zu Recht angeführten Verschwendung von Mitteln im Rüstungsbereich Europas, bzw der EU: Neben der nach wie vor vorhandenen Konkurrenz der Industrien der einzelnen EU-Länder, die sich in einem Staatenbund mit jeweils nationalen Interessen wohl kaum vermeiden lässt und neben der unterschiedlichen Moralpolitik in Sachen Rüstungsexport von transnational entwickelten Produkten – beides riesige Verschwendungsbereiche – ist natürlich die Aufrechterhaltung von jeweils nationalstaatlichen Streitkräften einer der Hauptgründe hierfür. Aber die Rufe nach einer „europäischen Armee“ als Möglichkeit der Konzentration von Mitteln und vollen Ausnutzung der Verteidigungshaushalte bleibt eben solange unerfüllbare Illusion, wie es keine einheitliche und einheitlich verantwortete Außenpolitik gibt. Streitkräfte sind ein Mittel der Außenpolitik – europäische Streitkräfte kann es also erst und nur geben, wenn es einen europäischen, allein verantwortlichen Chef der Exekutive (Präsident oder Kanzler) und einen europäischen und regierungsverantwortlichen (vom europäischen Parlament kontrollierten) Außenminister gibt. Die jetzige Verschwendung ist systemimmanent und gewollt.
      Andreas Schwerdtfeger

    2. Vielen Dank für die kritischen Anmerkungen, lieber Rolf Fersterra. Ich möchte auf ein paar Punkte eingehen:
      1. Ja, ich stehe nicht an zuzugeben, dass ich mich relativ wenig mit der russischen Geschichte beschäftigt habe. Insofern war für mich das Buch von Andrey Gorkov ein Augenöffner. Ja, ich bin damit später dran als andere.
      2. Allein die Zahlen legen nahe, von einem gigantischen Aufrüstungsprogramm zu sprechen. Niemand kann sich die Größe von 108 Milliarden Euro (Wehretat 2026) wirklich vorstellen. Auch wird in der Öffentlichkeit kaum debattiert, wie die 500 Milliarden Euro Sondervermögen (mit nach oben offener Erweiterung) tatsächlich ausgegeben werden. Was deutlich ist: eine Umsteuerung der Industrieproduktion auf Prduktion von Rüstungsgütern. Was davon wirklich notwendig ist und wirtschaftlich effektiv hergestellt wird – darüber wird auch kaum debattiert. Das halte ich angesichts der gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen für fahrlässig.
      3. Bei den öffentlichen Debatten über die militärischen Notwendigkeiten fällt mir zunehmend auf, dass kritische Einwände eher unterrepräsentiert sind. Ebenso sind derzeit Stadtverwaltungen bis hin zu den Kirchen sehr damit beschäftigt, Vorbereitungen für den Ernstfall zu treffen. Das bindet derzeit sehr viele Kräfte auf den unteren Ebenen. Die Grenze zwischen Notwendigkeit und zielgerichteter Übertreibung ist fließend. Nach wie vor halte ich den politischen Begriff der „Kriegstüchtigkeit“ für fatal.
      3. Ich habe nicht behauptet, dass die marode Infrastruktur entstanden ist, nachdem Deutschland mehr in die Aufrüstung und Unterstützung der Ukraine investiert. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass inzwischen ein großes und nicht ungefährliches Legitimationsdefizit entstanden ist. Dieses stelle ich aufgrund vieler Diskussionen mit Menschen fest.
      4. Ja, wenn ich den politischen Diskurs mit der russischen Propaganda vergleiche, dann komme ich natürlich zu einer positiven Einschätzung. Aber ein solcher Vergleich ist mE unzulässig, weil er der Verharmlsung dient: a) der russischen Propaganda und b) unserer Diskurslage. Mir kommt es darauf an, dass wir uns über die Überschriften und Ausgangspunkte der Debatten verständigen. Da hoffe ich auf Änderungen.

    3. Hallo Herr Fersterra,
      Zu Abs.1: Haben Sie die bedacht,,in welcher Situation sich Putin befand, als er von Jelzin übernahm? Sie werden feststellen: Eine total zerstörte Wirtschaft dank der Beratung der USA und dem Aufbau eines Systems, aus dem die Oligarchen entstanden sind. Galoppierende Inflation.( Das ist übrigens der Grund, warum China diesem Modell nach Studium nicht gefolgt ist). Die Oligarchen entwickelten sich zu Kapitalisten, der grösste dieser Art war Chardokowski. Er stand unmittelbar davor, wesentliche Teile seines Imperiums an den Westen zu verkaufen ( Yukos, 2003). Putin sagte NEIN ! Mit Recht , wie ich meine. Er schütze sein Land vor dem Verkauf der Assets durch Kapitalisten. Es entstand ein ähnliches Modell wie in China, in dem klar ist, jeder auch der mehrfache Milliardär ) hat dem Staatswohl zu dienen.

      Von da an ging die Freundschaft zwischen USA und Russland langsam in die Brüche. Es ging bergab. Die Politik der Entfremdung und des Bruches nahm seinen Lauf…Gut zu wissen, das die USA nahen Kräfte nach langem Streit 75 Mrd . In 2025 kassieren konnten..

      Ihr Schluss : ..denn ohne Kolonie ist Russland nichts „ ist erkennbar falsch. Es gibt immer Alternativen. die 1. Alternative und für Putin naheliegendste war die Zusammenarbeit mit Europa , speziell Deutschlands, aber nicht nur Deutschlands. Ich erinnere an die Aufbruchstimmung und war selbst involviert in Investments in Russland.
      ABER : Die Wolfowitz Doktrin, angelegt Russland von Europa wirkte stärker.
      Die beiden gegenläufigen Prozesse überlappten sich. DER ENTSCHEIDE Punkt.: Der Beschluss der NATO unter Busch, gegen den Rat Merkels und Steinmeiers die Ausdehnung der NATO zu erweitern. Es war eingepreist,,dass es zum Krieg kommen könnte.

      Zu Ihrem Ihrem letzten Satz in Ihrem Post:
      Ich bin einig, dass es so nicht weitergehen kann. Gerade lese…..
      Was schwebt Ihnen mit Demokratie 2.0 vor? Wie sehen Sie Deutschland als Teil der EU?

      1. Sehr geehrter Herr Dr. Tesche, ich finde es wirklich bedauerlich und auch beängstigend, dass es scheinbar nicht mehr gelingt, zu einer gemeinsamen Sicht auf die Wirklichkeit zu kommen. Ich nehme völlig widersprüchliche Erklärungsmuster wahr, die in keiner Weise zusammenzubringen sind. Ihre Art der Psychologisierung des Krieges aus der Person und den Erfahrungen Putins heraus kann ich nur aus tiefster Überzeugung zurückweisen. Wie gesagt bin ich der Meinung, dass die Person Putins austauschbar ist. Putin ist eine Verkörperung des langen russischen Imperialismus. Dieser Imperialismus hat die Politik des Zarenreiches bestimmt und auch die Geschichte der Sowjetunion. Es war eine Geschichte einer blutigen Unterwerfung der Nachbarstaaten, für die Millionen Menschen gelitten und ihr Leben verloren haben. Über Jahrhunderte sind die russischen Führer immer wieder in dieses Muster zurückgefallen. Nach dem Untergang der Sowjetunion gab es eine kleine Unterbrechung, die durch Schwäche bedingt war, aber schon mit Beginn des neuen Millenniums setzte der alte Imperialismus wieder ein. Denken Sie daran, dass Putin in Tschetschenien bereits blutigen Krieg führte, als er seine Rede im Deutschen Bundestag hielt. Diese Kriegspolitik Putins ist keine persönliche Verirrung, sie ergibt sich aus den immanenten Notwendigkeiten des russischen Imperialismus. Sie folgt auch genau der russischen imperialen Ideologie, wie sie zum Beispiel Timothy Snyder in seinem Buch „Der Weg in die Unfreiheit“ auf vielen Seiten durch zahllose Quellen belegt. Heute wird diese imperialistische Ideologie offen und höchst aggressiv in den russischen Medien vertreten. Besonders skandalös ist dabei die Rolle der russisch-orthodoxen Kirche. Tschetschenien und andere Staaten und schließlich die Ukraine mussten daran gehindert werden, sich aus dem russischen Einflussbereich zu befreien, so wie es vorher den osteuropäischen Staaten gelungen war, die ein kurzes Zeitfenster der russischen Schwäche für sich ausgenutzt haben. Der Loslösung weitere Staaten aus der GUS musste Russland unbedingt Einhalt gebieten und hat das auch mit brutaler Gewalt getan. Ein besonders fataler Fehler ihre Analyse besteht in ihre Deutung der NATO Osterweiterung. Diese geschah auf ausdrücklichen Wunsch (und entgegen teilweise starken Widerstandes innerhalb der NATO) der aufgenommenen Staaten, die nach der jahrzehntelangen Erfahrung der Unterdrückung nur in einer NATO Mitgliedschaft eine Zukunft in Freiheit erkennen konnten. Wie wenig aggressiv die Ausrichtung der NATO gegenüber Russland gewesen ist wird doch durch nichts besser belegt und bewiesen als durch die jetzige Schwäche insbesondere auch der europäischen NATO-Staaten. Offenbar hat hier niemand an eine aggressive Militärpolitik gegenüber Russland gedacht. Selbst die eigene Verteidigungsfähigkeit wurde vernachlässigt. Wovor also musste Putin in Gottes Namen Angst haben, außer vor dem Freiheitswillen der Menschen und Völker in seinem Einflussbereich?
        Aber wie gesagt, das alles ist von klügeren Leuten als von mir schon mehrfach eindrucksvoll beschrieben und belegt worden. Ich glaube deswegen auch in keiner Weise, Sie überzeugen zu können.

        1. Man muss mal diesem Märchen vom russischen Imperialismus als Alleinstellungsmerkmal entgegentreten, lieber Herr Fersterra, dem Sie auch zum Opfer fallen. Sie leiten das aus der Zeit des Zarenreiches ab und vergessen dabei, dass im 17. bis 20. Jahrhundert der gesamte europäische Kontinent – Großbritannien, Frankreich, (später) Deutschland, Italien, ausgehend vielleicht auch noch Spanien und Portugal – in aller Welt imperialistisch agierte (durch Ausbeutung verleitet, durch religiöse Missionierung verschleiert). Ich verweise – weil es Russland direkt betrifft – nur auf die polnischen Teilungen, aber Afrika, die Südsee, das Auftreten auch der USA gegenüber China und Japan, Hawaii, den Philippinen, etc – alles imperialistisch. Dies deswegen, weil „Imperialismus“ damals das akzeptierte und „zeitgemäße“ Handeln großer Mächte war. Geschichte kann man nur im Maßstab der jeweiligen Zeit objektiv beurteilen.
          Und was Sie uns so gerne als das „Heute“ – seit Tschetschenien – verkaufen wollen, ist wohl auch mehr das „Normale“ in Zeiten der Auflösung eines großen Reiches; dass nämlich ein solches Reich sich gegen die Auflösung wehrt und die Randgebiete bei sich zu halten sucht – als Pufferzonen, als Wirtschaftsgebiete, als Ressourcendepots oder um dortige in der „imperialen Zeit“ gemachte Investitionen zu schützen. Sie selbst deuten das an.
          Und schließlich verweisen Sie auf den „fatalen Fehler der Analyse“ bzgl der Nato-Osterweiterung. Auch hier sei angemerkt, dass diese Bezeichnung fehlerhaft ist: Der Hinweis auf die Wünsche möglicher Beitrittsstaaten ist richtig – sie wollten es. Aber ein Bündnisbeitritt ist ja keine einseitige Sache; das Bündnis entscheidet ebenso souverän über die Aufnahme wie ein Antragssteller über seinen Beitrittswillen und dabei handelt jeder in seinem (!) Interesse (insofern sind Postulate der ukr Verfassung für die Nato völlig bedeutungslos). Bezogen auf die bisherigen Beitrittsstaaten hatte die Nato dieses Interesse und nutzte in der Tat ein Schwächefenster in der Entwicklung Russlands. Im Falle der Ukraine ist ein Beitritt nicht im Nato-Interesse – und dies gilt eigentlich auch für die EU.
          Es erstaunt mich immer wieder, wie wir unsere eigene strategische Sicht der Dinge als offensichtlich richtig und die des Gegners als offensichtlich falsch ansehen. Wenn wir die Nato (zu Recht) als ein Defensivbündnis mit friedlicher Absicht an seinen Außengrenzen verstehen, so ist doch – aus russischer Sicht – eine andere Interpretation möglich und auch als politischer Faktor (und als Basis für das Handeln des Gegners) im gegenseitigen Verhältnis anzuerkennen.
          „Kenne deinen Gegner“ – das ist die Maxime, auf der eigenes Handeln beruhen muss. Und zum Kennen gehört, dass man des Gegners Lageanalyse, seine Möglichkeiten, seine Argumente zwar nicht teilen, sie aber eben als strategisches Faktum in die eigene Entscheidungsfindung einfließen lassen muss: Putin begründet sein Handeln defensiv und, egal wie richtig oder falsch das ist, es ist eben Teil der Lage. Insofern taugt auch der Begriff „Putin-Versteher“ nicht als Ausdruck überlegener Kenntnis, sondern zeigt eigene Dummheit: Nur wer Putin versteht, dh SEIN Denken, seine Analyse, seine Beweggründe in die eigenen Überlegungen mit einbezieht, kann glaubwürdige und effektive Gegenstrategien entwickeln. Putin handelt nach seiner Logik – Augenhöhe bedeutet, dies zu sehen, und nicht, es als Quatsch abzutun.
          Und dies alles wiederum heißt nicht, dass ich mehr „Verständnis“ für RUS/Putin fordere, sondern dass ich eine nüchterne Lagebewertung ohne Eigenlob und Feindeskritik und ohne subjektive Vorausannahmen auf der Basis nüchterner Analyse der gegebenen Fakten für geboten halte.
          Andreas Schwerdtfeger

  8. Am meisten bereitet mir Sorgen, dass die Europäische Union nicht geschlossen auftritt, auftreten kann. Geburtsfehler. In Finnland, Estland, Lettland, Litauen und Polen, auch in Norwegen, Schweden und in Mecklenburg-Vorpommern ebenfalls wissen die Menschen, was geschehen kann, wenn den Machtgelüsten Moskaus nichts entgegengesetzt wird.

    1. Geburtsfehler, Herr Wittenburg. Keiner bietet eine Lösung an, obwohl EIN Konzept auf dem Tisch liegt. Man muss nur mal lesen, bei Sinn nachlesen. Sicherlich bei anderen auch. Mal Zeit zum Denken finden. Hier veweise ich auf Lanz+Precht Nr. 232. . Ob Ihr Weg, den ich erahne, richtig ist. muss man diskutieren

  9. Wir wollen uns also (Wolff, 22. Feb 2025, 15:11h)
    – auf den Beitrag beziehen, dessen Themen Trump/Putin, russische Kriegsziele und imperiale Ansprüche, das Versagen der oder einiger Kirchen, der UKR-Krieg, die relative Wertigkeit von Sozial- und Verteidigungspolitik einschl der Finanzlage der Kommunen, die deutschen und europäischen Rüstungsausgaben und die Frage der Wehrpflicht in DEU sowie die Bekämpfung rechtsnationalistischer Autokraten sind. Man sieht die Verflechtung der Themen, die Wolff hier im Blog nur bei sich selbst anerkennt;
    – auf die Anregung der Debatte „vor allem durch andere Meinungen“ konzentrieren (wie immer biete ich hier eine);
    – auf eine „gewisse Länge“ beschränken, was natürlich angesichts der Fülle der angesprochenen Themen nur bei gleichzeitiger gewohnter Oberflächlichkeit möglich ist. Allerdings ist ja der ganze Beitrag auch nur Wiederholung von Wolffs sattsam bekannten Positionen und bringt uns nichts Neues.
    Also:
    – Die Kirchenkritik am Anfang ist berechtigt. Aber einen gewissen Charme hat es ja vielleicht doch, wenn die Kirche nicht immer nur substanzlos meckert, moralisch widerspricht und sich aus konkreter Realverantwortung abmeldet, sondern den Soldaten, die die Entscheidungen der Politik ausbaden müssen, auch etwas Halt gibt; und gerne auch den Politikern konkret mit besseren Vorschlägen, nicht aber mit rechthaberischem Salbadern, zur Seite springt.
    – Es ist etwas zu einfach, die Putin-Trump-Politik zur Spaltung der EU oder Europas NUR auf deren autokratische Kumpanei alleine zurückzuführen: Richtiger ist wohl, dass Putin die politische und militärische Schwäche der EU richtig diagnostiziert (und also für seine Ziele ausnutzt) und Trump (wie seine Vorgänger, nur weniger höflich) genug davon hat, dass Europa sich seit gut 30 Jahren wie ein sicherheitspolitischer Parasit verhält („Friedensdividende“) – das aber ist der Vorschlag Wolffs unter dem Stichwort „Friedensstrategie“ – eine „Herkulesaufgabe“, die Wolff mal glaubwürdig mit Inhalt füllen sollte.
    – Und die Thesen von der „Überrüstung“ und der „Abwegigkeit“ von Kriegstüchtigkeit als Voraussetzung erfolgreicher Abschreckung, die kennen wir ja schon zur Genüge. Wolff steht hier im Lager der LINKEN/BSW und ignoriert die Vernunft der SPD im Gefolge der Union. Ich habe schon oft die Kriterien für solche Fragen (Bedrohungsanalyse, Flexibilität der militärischen Mittel als De-/Eskalationsfähigkeit, Glaubwürdigkeit der Abschreckung, Alternativenreichtum der Außen- und RüKopolitik, etc) dargestellt, die Wolff scheinbar nicht versteht und jedenfalls nicht auf sie eingeht.
    Wolffs Strategieansatz „Wer also die Ukraine unterstützen und den militanten Autokratismus bekämpfen will, der muss sich vor allem für Lebens- und Bildungsbedingungen einsetzen, die Vertrauen in ein soziales, demokratisches Miteinander in der Ortschaft herstellen. Die Bereitschaft, die Ukraine in ihrem Kampf um ihre Souveränität und Freiheit zu unterstützen, wird eben nicht durch eine Strategie der Kriegsertüchtigung erzielt, sondern nur durch eine den Menschen zugewandte, überzeugende Politik vor Ort“ – das ist in der Tat wahre Abschreckung und Friedensherstellung! Merkwürdig, dass Putin noch gar keine Angst zu haben scheint (vor unserer hier von Wolff geforderten Ablehnung der „Strategie der Kriegsertüchtigung“), Selensky dauernd Waffen fordert (anstatt „Bildungsbedingungen“), die Grünen und die SPD mehr Rüstung wollen (anstelle von „demokratischem Miteinander in der Ortschaft“) – und merkwürdig auch, dass die Deutschen augenblicks recht viel Angst vor Krieg und Putin’schen Bedrohungen (Drohnen, Spionage, Atom, etc) haben, wo sie doch nur „eine den Menschen zugewandte Politik vor Ort“ zu ihrer Sicherheit brauchen – gerne auch mit ein bisschen Bundeswehr und, von mir aus, Wehrpflicht.
    Also: Meinung ist gut und ich achte sie gerne – aber auch Meinung braucht inhaltliche Substanz!
    Andreas Schwerdtfeger
    PS: Ein Treffen zum Kennenlernen und Diskutieren wurde als „mir kommt die spontane Idee“ angeregt und für gut befunden. Toll: Genau das habe ich (nicht spontan, sondern mit Überlegung) vor Längerem angeboten; es wurde aber erregt und nicht ohne Angst zurückgewiesen. Spontaneität oder eher Plagiat?

    1. Schade, dass Herr Schwerdtfeger vor lauter Vorurteilen nicht zu erkennen vermag, dass ich in meinem Blogbeitrag nicht in den Alternativen denke, wie er unterstellt. Vielmehr geht es mir darum, dass wir nicht die Aufgaben aus den Augen verlieren, die sich uns hier stellen. Und da sollte sich Herr Schwerdtfeger keine Illusionen machen: Vielen Bürger:innen leuchtet eben überhaupt nicht ein, dass es in den Kommunen am Notwendigsten mangelt, während gerade im Bereich der Hochrüstung der Euro eben nicht drei Mal umgedreht wird. Damit müssen wir uns auseinandersetzen – und da reicht es eben nicht, militärisches Denken zu deklarieren.

      1. Eine interessante Reaktion, lieber Herr Wolff, macht sie doch deutlich, dass Sie die POLITISCHE Komponente von Verteidigung überhaupt nicht erkennen. Sie machen denselben Fehler wie viele sogenannte Experten, die von der NATO als einem “Militärbündnis“ sprechen, wo doch in Wirklichkeit es kaum eine politischere Vereinbarung geben kann als die Verpflichtung, einen Angriff auf einen als einen Angriff auf alle anzusehen – mit allen Folgen. Der Begriff „Bedrohung“ ist hochpolitisch, wie uns die Gegenwart zeigt, die längst über Militärfragen hinausgeht; die Frage von „Abstufung“ von Reaktionen und „Eskalations- oder De-Eskalationsspielräumen“ ist natürlich politisch; die Vorsorge zur Verteidigung eines Staates zur Erhaltung der eigenen Freiheit ist natürlich eine politische Verantwortung, ebenso wie ihre Kombination mit Fragen der Rüstungskontrolle und deren Verifikation; selbst die Dimensionierung der Streitkräfte ist – alleine schon durch die Finanzhoheit der Legislative – eine politische Frage (auch wenn der Sachverstand der Soldaten da hilfreich sein kann).
        Und besser könnte Wolff das Problem der „Kriegstüchtigkeit“ gar nicht darstellen: Genau so ist – die Bürger müssen „kriegstüchtig“ erkennen, dass ohne glaubhafte Abschreckung, also wirksame Verteidigungsmittel, die Frage nach Mangellagen in den Kommunen sich möglicherweise nicht mehr stellen wird, wenn ein Aggressor diese Frage in seinem Sinne löst (siehe Ukraine).
        Ich denke hochpolitisch, lieber Herr Wolff, sie denken ideologisch, auch wenn – ich erkenne es an – bei Ihnen jeweils das Christliche gerne mitschwingen will.
        Andreas Schwerdtfeger

        1. Hallo Herr Schwerdtfeger,
          heute schießen wir mal keine Tore, dafür möchte ich mir eine Anmerkung erlauben, wie wir kommunizieren. Ich vermute, Sie kommen aus dem militärischen Bereich. Entweder Sie erteilen Kommandos an vermeintlich Untergebene, oder Sie haben ein Feindbild vor Augen. Doch in einer Demokratie ist die Kommunikation auf Augenhöhe mit gegenseitigem Respekt vor dem Gegenüber üblich.

          Ihr Feindbild scheint Christian Wolff zu sein, der aus freien Stücken seine Freizeit aufwendet und Beiträge erstellt, die wiederum aus freien Stücken auf Augenhöhe diskutiert werden können. Dabei handelt es sich um freie Meinungsäußerung, ein hohes Gut in unserer Demokratie. Sie scheinen zu vergessen, dass auch weitere Leser daran teilhaben, die nicht aus dem akademischen militärischen Bereich kommen.

          Ihre Ausführungen sind durchaus nachdenkenswert, die Gedanken von Christian Wolff ebenfalls, jedenfalls bei diesem Thema. Sie stellen Ihre Meinung aus militärischer Hinsicht dar, Christian Wolff aus humanitärer Sicht. Beides ist von Bedeutung.

          Denn: Was soll verteidigt werden? Christian Wolff weist auf die sozialen und moralischen Werte hin, die ggf. militärisch verteidigt werden müssen, was wiederum die Rolle des Militärs ist. Gäbe es diese Werte nicht zu verteidigen, wäre das Militär sinnlos. Eine Demokratie ohne Werte ist ohne Substanz. Sie wäre praktisch nicht existent.

          Die aktuelle Aufgabe besteht darin, beides miteinander auszubalancieren.

          1. Herr Wittenburg,
            Ihre Fußballarithmetik ohne sonstigen Inhalt, auf die Sie jetzt großzügig verzichten wollen, sollte wahrscheinlich Ausdruck des Respekts sein, den Sie von Mitdiskutanten anmahnen (aber ich erkenne den Humor-Versuch an). Herr Wolffs Bezeichnung von ernsthaften Argumenten als „Vorurteile“ ist wahrscheinlich auch Ausdruck solchen Respekts (und da gibt es weniger anzuerkennen).
            Mein Respekt gegenüber Wolff und anderen zeigt sich darin, dass ich ihre Argumente ernst nehme, sie zitiere und eine begründete Gegenposition aufbaue, die ich inhaltlich zu diskutieren bereit bin. Dass ich dabei auf die Widersprüche Wolffs und seiner Unterstützer hinweise, gehört zur Diskussion (zB habe ich deutlich gemacht, dass Wolff sich ja selbst nur sehr selektiv an seine eigenen Vorgaben für diesen Blog hält). Und es ist eben Heuchelei, wenn man dauernd Schlagworte in die Debatte wirft – Friedenstrategie, Gigantismus – oder wenn man nicht erkennt, dass Beschimpfung alleine eben eine Strategie der Stärkung der Beschimpften ist.
            Ich habe Wolff gegenüber immer wieder betont, dass wir in vielen Zielen übereinstimmen. Ein Beispiel: Das Wort Friedenstrategie bezeichnet ein gemeinsames Ziel: Der Weg zum Frieden allerdings ist eben mE nicht der, Verteidigung schleifen zu lassen und also im Ernstfall der Unterwerfung das Tor zu öffnen und damit Freiheit aufzugeben, sondern eine starke Verteidigung als glaubwürdige Abschreckung in Verbindung mit diplomatischen Mitteln wie der Rüstungskontrolle. Und zur Feststellung des Umfangs einer solchen Verteidigung biete ich Wolff immer wieder Kriterien und Maßstäbe an, an denen dieser zu messen ist (und die man gerne unterschiedlich ansetzen kann, wenn dies inhaltlich begründet sind). Wolff geht nicht darauf ein – und dann ist der Vorwurf der Unkenntnis und Ideologie eben durchaus sachlich!
            Nehmen wir das aktuelle Beispiel: Fersterra hat zu Recht darauf hingewiesen, dass unsere Regierung Merz/Klingbeil NACHrüstet, also Fehler der Vergangenheit aufarbeitet, was natürlich teuer ist, aber eben nur die falschen Einsparungen der Vergangenheit ausgleicht. Was tut Wolff? Er geht nicht darauf ein (Punkt 2), sondern verliert sich in rechthaberischer Wiederholung. Und dazu noch erscheinen ihm 108 Mrd für Freiheit und Sicherheit unvorstellbar – aber 170 Mrd für Soziales sind für ihn kein Thema; dies in einem Land, das Freiheit in Frieden dringend braucht, seinen Menschen aber ein Umfeld der Aus- und Weiterbildung, von Arbeitsmöglichkeiten und eigener Basis, von Selbstverantwortung und eigener Innovation im Übermaß anbietet. Unsere Politik (aller Parteien außer den Linken/BSW, die halt im sozialistischen Sinne für den Versorgungsstaat sind, ohne seine Finanzierung glaubwürdig darstellen zu können) ist nicht dafür verantwortlich, dass ein hoher Prozentsatz der Jugend die Schule ohne Abschluss verlässt und das begehrteste Berufsziel „Influencer“ ist. Wo sind da die Eltern und die Gesellschaft (auch im Bereich der Migration)?
            Also, Herr Wittenburg, „eine Demokratie ohne Werte ist ohne Substanz“, schreiben Sie, und ich stimme Ihnen mit dem Zusatz zu, dass diese Werte GLEICHRANGIG sind und nicht ideologisch gestaffelt – und fordere dies von Wolff, wenn er über Friede, Freiheit, Verteidigung, Realpolitik (anstelle von Wünschenswertem), Kompromiss in Koalitionen, Bekämpfung von Radikalismus (BEIDER Seiten) spricht. Humanität (Wolffs Position nach Ihrer Auffassung) ist ebenfalls substanzlos, wenn sie nur eingefordert, anstatt selbst erarbeitet wird.
            Andreas Schwerdtfeger

  10. „Treibender Motor ist die Putinsche Vorstellung eines Groß-Russlands“
    _________________________________________________________________________________
    Trump dagegen betrachtet Kriege als Ressourcen-, und Talentverschwendung, die seine Big-Deals der Geldmacherei erschweren. Es wird schwer werden, Putin zu einer Kosten-, Nutzenanalyse zu bewegen.

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