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Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

oder: Wenn Geschichte und biblische Botschaft aufeinandertreffen

Vor 232 Jahren, am 14. Juli 1789, der Sturm auf das Gefängnis, der Bastille, Symbol der Willkürherrschaft von König und Adel (Ancien Régime). Damals befreiten Bürger*innen von Paris die Gefangenen und läuteten mit dieser Aktion die Französische Revolution ein. Heute gedenkt Frankreich dieses Ereignisses mit dem Nationalfeiertag. Dazu passt die Losung des Tages – als sei sie für diesen Anlass ausgesucht: „Der Herr hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit.“ (Die Bibel: Jesaja 61,1) Dieses prophetische Trostwort ist sehr viel älter als 232 Jahre. Es war gerichtet an Menschen, die vor 2.500 Jahren nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil in Jerusalem Tritt zu fassen versuchten. Doch sie kamen vom Regen in die Traufe. Denn sie fanden ein zerstörtes Jerusalem vor und litten unter Korruption, Kriminalität und rücksichtslosem Gewinnstreben. Außerdem mangelte es ihnen an einer tragfähigen Hoffnungsperspektive.

Solche Situationen sind uns vertraut: Wir glauben, ein System von Entmündigung und Demütigung verlassen zu können, und müssen ernüchtert feststellen: die neuen Verhältnisse sind alles andere als ein versprochenes Paradies. Das gilt im persönlichen wie im gesellschaftlichen Leben. Auch die Franzosen mussten die Erfahrung machen, dass die Revolution ihre Kinder frisst. Eine Gefangenenbefreiung bedeutet noch lange nicht, dass auf Dauer Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit gesichert sind. Wie da nicht den Mut, die Zuversicht verlieren? Es geht wohl nur über den Weg, dass wir uns durch Figuren wie die biblischen Propheten erinnern lassen an die Grundbotschaft des Glaubens, an unseren Auftrag und an die göttliche Bestimmung: Menschen aufzurichten und den Rücken zu stärken, sie in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken, aus selbst verschuldeter Unmündigkeit herauszuführen und in diesem Sinn die Freiheit zu nutzen, die Gott uns geschenkt hat. Wenn wir dem folgen, dann kann und darf Kirche niemals an der Seite von Willkürherrschaft stehen. Ihr Platz ist an der Seite derer, die auf dem Weg zu Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit den Zuspruch suchen. So hat Jesus von Nazareth gewirkt. So hat er versucht, uns vor dem zu bewahren, was leider dem Dreiklang der Französischen Revolution und nicht nur ihm im Wege stand: die eigenen Ziele der Herrschsucht, Rache und Gewalt zu opfern. All dies zeigt: Auch wenn die Französische Revolution auch sehr nachvollziehbaren Gründen von Anfang an einen antiklerikalen Touch hatte – ihre Zielsetzung ist ohne die Grundwerte des Glaubens kaum denkbar.

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Auch die SPD nahm bei ihrer Gründung 1863 in Leipzig den Dreiklang der französischen Revolution auf. Schade nur, dass die Wurzeln dieses Dreiklangs in der biblischen Botschaft weder in der Sozialdemokratie noch in der Kirche präsent sind. Dabei ist es heute wichtiger denn je, dass wir als Kirche immer wieder darauf hinweisen: Wir Menschen werden nur dann auf egoistische, nationalistische, rassistische Herrschaftsansprüche verzichten können, wenn wir uns als Geschöpfe des einen Gottes begreifen und uns in diesem Sinn als Gleiche verstehen.

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