Dass politische Parteien in eine Krise geraten, unter personeller Auszehrung leiden, abwirtschaften können, das ist weder verwunderlich noch eine Katastrophe. Denn dieses Schicksal kann allen Institutionen, Vereinen, Organisationen, Wirtschaftsunternehmen widerfahren. Vergänglichkeit ist ein Kontinuum im Leben auf dieser Erde: Alles hat seine Zeit … Insofern sind dramatische Veränderungen und Umbrüche, wie wir sie derzeit auf der politischen Bühne erleben, nichts Besonderes. Sie allein stellen für sich genommen keine Bedrohung der freiheitlichen Demokratie dar. Vielmehr sind sie Ausdruck der Veränderungen, die sich innerhalb einer Bevölkerung und unter Menschen vollziehen.
Was aber außergewöhnlich und historisch gesehen neu ist: Die Gesellschaften Mitteleuropas befinden sich in der an sich komfortablen Lage, diese Veränderungen nicht im Angesicht von Trümmerbergen mit einer durch Krieg dezimierten und demoralisierten Bevölkerung, sondern unter Friedensbedingungen erleben und vollziehen zu können. Zum einen verlangsamt dies die notwendigen Veränderungsprozesse; zum andern schwingt immer die Angst mit, Deutschland könnte durch die jetzt anstehenden Veränderungen den inneren und äußeren Frieden verlieren – dies umso mehr, als die bisher prägenden demokratischen Parteien wie die SPD ihre gestalterische Potenz eingebüßt haben. Sie erreichen die Menschen nicht mehr und kümmern sich vor allem um den Selbsterhalt. In dieses Vakuum konnte die rechtsextremistische AfD eindringen. Sie stellt sich gegen all das, was in den vergangenen fast 80 Jahren das Leben der deutschen Gesellschaft geprägt hat: die freiheitliche Demokratie, der Rechtsstaat, die kulturelle Vielfalt, das Zusammenleben mit Menschen, die hierher geflüchtet oder eingewandert sind, die Erfahrung, dass Menschen sich durch eine Friedliche Revolution von Diktatur und Bevormundung befreien und den Aufbruch zur Demokratie wagen können – und das Absurde: sie kann damit Identität stiften.
So ist in der deutschen Gesellschaft eine merkwürdige Stimmungslage entstanden. Viele Menschen sehen das eigene Land am Abgrund stehen und in Auflösung begriffen:
- Wir sind nicht froh darüber, dass ein Zug ein paar Hundert Menschen oder wichtige Transportgüter ohne Unfall von A nach B transportiert. Wir sehen die Bahn vor allem als marodes Unternehmen an, weil der Zug 30 Minuten Verspätung hat.
- Wir reden nicht darüber, dass Hunderttausende Geflüchtete in den vergangenen 10 Jahren wichtige Aufgaben im Dienstleistungsbereich unserer Gesellschaft übernommen haben, sondern lassen im öffentlichen Diskurs ein Klima entstehen, in dem jeder einzelne Syrer oder Afghane als potentieller Messertäter verdächtigt werden kann.
- Ostdeutsche verschließen die Augen vor der eigenen Leistung seit der Deutschen Einheit, sehen aber ihre Lebensleistung vor 1990 zu wenig gewürdigt.
Da ist etwas mental in eine Schieflage geraten, was sich in den sog. sozialen Netzwerken in einem mit Hass und Verachtung gefütterten destruktivem Diskurs widerspiegelt. Verschärfend kommt hinzu, dass die demokratischen Parteien weder inhaltlich noch personell mit einer positiven Erzählung aufwarten können, an der ablesbar ist, wie sich das Zusammenleben von über 80 Millionen Menschen im Verbund mit den europäischen Ländern entwickeln soll. Dafür wärmt eine rechtsextremistische, rechtsnationalistische Partei wie die AfD das gefährliche Märchen auf, allen Deutschen wird es bessergehen, wenn die Menschen, denen die gesellschaftlichen Probleme wie einem Sündenbock aufgeladen werden, ganz schnell aus dem öffentlichen Raum verschwinden, außer Landes gebracht werden und sich alle Deutschen auf einen völkischen Nationalismus einschwören lassen. Diese menschenverachtenden Absichten werden mit blau gespritzter Simson und Gratis-Bratwurst garniert. Da wird unerträgliche Hitze als heiß ersehnter Sommertag begrüßt, um anzukündigen, dass alles, was dem Klimaschutz dient, in die Tonne getreten werden wird. Das Fatale: Eine Partei wie die AfD befindet sich in ihrem Hype im Schlepptau mit den weltweit agierenden Mächten und Machthabern, die sich provokant von allen menschlichen und sozialen Werten abkoppeln. Es ist kein Zufall, dass einer dieser Machthaber, der Milliardär Peter Thiel, vor einer Woche in Berlin mit dem „Axel Springer Award“ ausgezeichnet worden ist – ein Schulterschluss derer, die seit über einem Jahrzehnt das politische Klima in Deutschland und den USA befeuern, in dem ein Donald Trump und eine AfD reifen können!
Wenn sich die demokratischen Parteien ihrem Niedergang nicht einfach hingeben wollen, dann stehen sie und mit ihnen all diejenigen, die die freiheitliche, solidarische, weltoffene und kulturell vielfältige Gesellschaft nicht aufgeben wollen, vor der Herausforderung, das Bedürfnis vieler Menschen nach einer hoffnungsvollen Zukunftsperspektive zu bedienen. Das wird nicht gelingen durch eine Abgrenzung zur AfD (so wichtig diese auch ist!); auch nicht durch eine Politik, die nur noch clientelbezogen auf das Jetzt reagiert und schon gar nicht durch eine Politik, die in einem Bereich unkontrollierte Ausgabenexpansion zulässt: die Aufrüstung, und damit die Friedenspolitik vernachlässigt.
Was jetzt dringend erforderlich ist: Auch politische Einzelmaßnamen müssen eingebettet werden in ein Gesamtprogramm, d.h. das, was heute entschieden werden soll, muss eingebettet sein in und muss sich herleitet von dem, wie wir morgen leben wollen. Jede anstehende Veränderung muss sich als eine Verbesserung der Lebensverhältnisse für die Menschen erweisen, die nicht die Möglichkeit haben, Einschränkungen öffentlicher Aufgaben durch private Eigenmittel zu kompensieren. Es kommt auf eines entscheidend an: Möglichst alle Bürgerinnen und Bürger sollen sich als unverzichtbarer Teil der Gesellschaft erleben, damit auch auf diesem Weg die weit vorangeschrittene soziale Spreizung der Gesellschaft zurückgeführt wird. Damit werden die gerechte Teilhabe an Arbeit, Einkommen, Wohnen, Bildung sowie die dafür notwendigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zum entscheidenden Kriterium. Das alles wird nur gelingen, wenn wir den Menschen und das Menschliche sowie die Werte, die dies ermöglichen, in den Mittelpunkt aller Politik und aller Kommunikation stellen. So können sich demokratische Parteien in der Krise bewähren.
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21 Kommentare
Immerhin gibt es jetzt ein Schuldeingeständnis von Dröge und Haßelmann (Grüne): „Einen zentralen Grund für den geschwächten Glauben vieler Menschen an das politische System der Bundesrepublik sehen die Autorinnen in der mangelhaften Aufarbeitung der Corona-Pandemie. Zwar sei durch die Pandemiepolitik viel Leben gerettet worden, „aber unzweifelhaft wurden auch Fehler gemacht“, schreiben sie.“ (Allerdings konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Corona-Verbote irgendeinen Nutzen hatten – aber es ist gut, dass die Grünen immerhin beginnen, ihre Verantwortung für die Katastrophe einzusehen und sich zum Besseren zu bekehren.) https://www.tagesspiegel.de/politik/bisherige-versuche-haben-nicht-gereicht-grune-fordern-neue-strategie-gegen-afd–und-gestehen-mitschuld-ein-16121527.html
Demotivation oder Aggression entstehen vor allem, wenn es keine spürbare , belastbare, vertraute, gerechte Verbindung gibt zwischen uns Menschen, gerade wenn Neid oder eigenes Minderwertigkeitsgefühl überwiegen . Wenn persönliche Vorbehalte oder Clichés vorherrschen, sind kaum haltbare oder belastbare Kompromisse möglich oder konstruktive Zusammenarbeit .Wir werden einander immer fremder, wir nehmen einander uns mit immer mehr Vorbehalten wahr, trotz aller Kommunikationsmittel, die uns heute zur Verfügung steht. Auch ein Blog hat diesbezüglich Schwächen gegenüber einer persönlichen Auseinandersetzung, weil er zwar enthemmt, aber leider eher stereotype clichées enthemmt und nicht differenzieren kann. Belastbarer Austausch von konträren Empfindungen ist auf sicher gefühlte , vertraute , konflikt-bewährte Bindungen zwischen uns Menschen angewiesen. Sichere , also belastbare Bindungen zwischen uns Menschen entstehen nur , wenn strittige Auseinandersetzungen gelingen, d.h. , wenn die Andersartigkeit des Gegenübers als Ergänzung zu einem komplexen Sachverhalt verstanden , ausgehalten und akzeptiert werden kann. Im Blog bleiben wir aber meist fremd miteinander. Da ist die Bühne freier und enthemmter für gemeine Unterstellungen, Vorurteile, Machtkämpfe, hemmungslose Entwertungen und dienen scheinbar der eigenen Bestätigung. Das öffnet oft alle Tore , auch für mögliche bösartige Unterstellungen .Gerade, wenn Zumutungen anstehen, Frustrationen uns vereinnahmen oder die Angst davor und uns prüfen. Abstrakte Erklärungen berühren nicht, stellen eher eigenmächtige Willkür dar und mangelnde Frustrationstoleranz, Anerkennungs- Geschenk-versprechen auch nicht. Sichere Bindungen kenne ich eigentlich nur in Beziehungen zwischen uns Menschen, die es immer wieder schaffen, scheinbar unversöhnliche Gegensätze aushalten zu können , um Bedenkzeit bitten zu können, ohne die Beziehung (als Druckmittel ) in Frage stellen zu müssen. Sichere belastbare , bewährte , erweiternde Bindungen entstehen nur, wenn unmittelbare Beziehungen bestehen. Nur so kann Frustrationstoleranz wachsen und Entschleunigung von strittigen Auseinandersetzungen: Bedenkzeit in sicherer Bindung. Statt sich Argumente rücksichtslos an den Kopf zu werfen, um sich für kurze Momente mächtiger fühlen können In der eigenen Illusion: jetzt hab ich‘s ihm/ Ihr aber gegeben. Ich habe blamiert und mich auch blamiert. Bei der Beschleunigung , konkreten Beziehungslosigkeit und der Zunehmenderen Bindungslosigkeit unter einander können keine Wurzeln wachsen, die wir so dringend brauchen, um Lebenssaft und belastbaren Halt zum Leben und Zusammenhalt brauchen. Im Lateinischen heißt Wurzel : Radix. Ohne Wurzel gibt es auf Erden keinen Rückhalt, eher ist die Radikalisierung wahrscheinlich, die nur kurzzeitig Scheinbare Genugtuung verschafft und Motivation.
Zu den Spiegelpunkten oben
Die ersten Verhaltenspsychologen: (Skinner/ Watson) prägten den Satz
„Catch him at being good“
Lieber Christian,
vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich stimme dem 100% zu, möchte aber noch einen Gedanken hinzufügen: die politische Führung muss klarmachen, dass Veränderungen nicht nur bedrohlich sind, sondern auch Chancen bieten. Die müssen wir als Gesellschaft beherzt nutzen, d.h. die Politik muss die Menschen befähigen, diese Veränderungen aktiv zu gestalten, anstatt das Bestehende bequem zu subventionieren (Tankrabatt!). Natürlich wird es dabei Verlierer geben, das war schon immer so und ist leider nicht zu vermeiden. Denen muss unsere Solidarität gelten. Aber den Verweigerern eben nicht. Und insbesondere denen nicht, die den Bürgerinnen und Bürgern einreden, Strukturwandel sei unnötig. Historisch haben industrielle Revolutionen noch immer Wohlstandsschübe hervorgebracht. Die genießen wir gerade. Nur, das Ziel muss klar sein, und das bedeutet auch, dass die Politik den Mut haben muss, zusammen mit den Stakeholdern diese zu benennen und zu verargumentieren. Das schließt eine aktive Industrie- und Technologiepolitik ausdrücklich ein. Technologie-Offenheit ist schön und gut zu Beginn einer Entwicklung, aber nicht mehr wenn klar ist wo die Reise hingehen wird. Merke: wer nach allen Seiten offen ist kann ja wohl nicht ganz dicht sein.
Dass das von den Bürgerinnen und Bürgern Anstrengungen erfordert, ist klar und sollte auch klar benannt werden. Aber aus meinen persönlichen Erfahrungen mit jungen Menschen (Studenten) kann ich sagen, dass die sehr wohl zu Anstrengungen bereit und fähig sind, wenn das Ziel attraktiv erscheint. Und das denen auch klar ist, dass die Politik nicht dazu da ist, allen ein rundum-sorglos-und-glücklich-Paket zu schnüren, sondern dass man sich schon selber auf den Hosenboden setzen und einen guten Job machen muss.
Herzliche Grüße
Wolfram
Lieber Wolfram, vielen Dank für Deine Ergänzungen. Vor knapp 50 Jahren hatte ich kurz nach meinem Antritt als Gemeindepfarrer in Mannheim auf einer Elternversammlung die Erhöhung des Kindergartenbeitrags anzukündigen. Ich sah mich massiver Kritik ausgesetzt, der ich nur bedingt etwas entgegensetzen konnte. Nach dem Elternabend wurde mir klar, was mein Fehler war: Ich hatte die Ankündigung der Erhöhung nicht mit einer Botschaft verbunden, was es demnächst an Verbesserungen in der Kita geben wird. D.h. Veränderungen, auch Mehrbeanspruchungen, müssen immer verbunden sein mit der verlässlichen Ankündigung einer Verbesserung der Lage. Dafür können dann auch Aktivitäten der Betroffenen mobilisiert werden. Das fehlt heute total. Darum verbinden derzeit die meisten Bürger:innen die sog. Reformen mit der Vorstellung, dass sich ihre sozialen Lage voraussichtlich verschlechtert. Demotivation entsteht als Kollateralschaden. Beste Grüße, Christian
Die AFD hat mit den Problemen, welche wir heute in der BRD ererben dürfen, nichts bis noch weniger zu tun! Man muss diese Partei nicht mögen, wer die 90 er Jahre erlebt hat, der kann aber nicht leugnen, dass die Kanalisierung rechten Denkens immer noch besser ist als brutale Strassengewalt und Anschläge auf Wohnhäuser, welche wir damals hatten!
Die AfD ist vor allem ein Problem! Und als solches hat die AfD sehr viel zu tun mit dem, was uns derzeit beschäftigt. Dass die AfD zur Lösung von Problemen nichts beitragen kann, das allerdings stimmt. Und was die 90er Jahre angeht: In dieser Zeit konnte sich der Rechtsextremismus gerade in Ostdeutschland ausbreiten: zum einen gab es schon in der DDR eine Neonazi-Szene, zum andern wurde nach 1990 von den westdeutschen Neonazis Ostdeutschland zum neuen Aufmarschgebiet erkoren. Davor haben gerade hier in Sachsen die Regierungspolitiker die Augen verschlossen. Was die Gewalt angeht, so möchte ich nur erinnern an die Gewaltexzesse der Rechtsextremisten in Rostock-Lichtenhage.
Anfang der 90 er Jahre kam es zu einer rechten Angriffswelle mit Toten und Verletzten! Dies mit dem Wahlergebnissen der AFD vergleichen zu wollen, erscheint mit schwierig!
Es geht nicht um Vergleichen. Vielmehr gilt es zu verdeutlichen, auf welchem „Humus“ die AfD wachsen konnte.
So bewähren sich die demokratischen Parteien gerade in der (Klima-) Krise:
Für 16 % der Kosten des Tankrabatts in diesem Jahr hätten sie die Preiserhöhung fürs Deutschlandticket im nächsten Jahr vermeiden können, tun sie aber nicht.
Erst mal Nachdenken, bevor man polemisch -naiv einen raushaut:
1. Der Tankrabatt wurde nicht wegen Klimakrise, sondern wegen zu hoher Belastung der Bürger im Individuelle Verkehr erlassen.
2.Mit dem Deutschlandticket werden auch gaaaanz viele Pakete, Wirtschaftsgüter oder Handwerker transportiert.
Ihr nächster Elektriker / Dachdecker….soll wohl mit Deutschlandticket kommen???? – Ich nehme lieber den , der mit KFZ kommt. Er ist also im gewissen Maße auch Wirtschaftsförderung.
3.Außerdem muß man die Relationen betrachten:
Während bei Benzin / Diesel lt. ADAC im juli 2026 der Steuer- und Abgabenanteil bei ungefähr 57 % für Benzin und 47 % für Diesel lag,
Fallen beim 63€ Deutschlandticket 7% (4,12€) an. Zusätzlich gleicht der Staat die aktuellen Defizite in Höhe von ca. 16€ aus.
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Das Eine (Benzin / Diesel) wird also durch den Tankrabatt etwas weniger ÜBERBESTEUERT – das Andere
wird durch VERMINDERTEN Steuersatz und staatlichen Zuschuß ohnehin und weiterhin ordentlich subventioniert.
Sinn und Unsinn des Deutschlandtickets soll damit nicht bewertet werden.
Zur Klarstellung: Durch den Tankrabatt sinkt der Steueranteil auf ca. 40 % bzw. 50%.
Hier wird auch diei scheinheilige Diskussion (Haltet den Dieb!) bezüglich der Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne klar. Diese machen die Arbeit und haben am Kraftstoffpreis einen Nettogewinnanteil zwichen 7% und 10% – im Gegensatz zum Staat ca. 50%.
Die aus meiner Sicht etwas verschobene Sichtweise kommt vielleicht durch die eigenen Lebensumstände und die unterschiedliche Möglichkeit bzw. Notwendigkeiten der Nutzung der beiden Mobilitätssystemezustande.
Lustig ist es dann schon, wenn Herr Wellßow zwar bemerkt „Natürlich wird es dabei Verlierer geben, das war schon immer so und ist leider nicht zu vermeiden. Denen muss unsere Solidarität gelten.“
Bei der Solidarität dann aber ganz offensichtlich nur an warme Worte denkt.
E.Breuer
Vielleicht sollten sich Bürger:innen und politische Parteien endlich auf das konzentrieren, was nottut: sich von der fossilen Energie verabschieden und sich dadurch auch von Abhängigkeiten befreien und entschlossen auf den Ausbau erneuerbarer Energien und der e-Mobilität/ÖPNV konzentrieren. Es ist schon irre, dass sich in Deutschland noch immer so viele Interessensgruppen an das Vergangene klammern.
„entschlossen auf den Ausbau erneuerbarer Energien und der e-Mobilität/ÖPNV konzentrieren“
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Wie soll ein Bewohner einer Großstadt sein Elektroauto laden? Selbst wenn er einen der raren Ladepunkte abends ergattert hat, muss er mitten in der Nacht das Auto wegfahren, um eine Strafe zu vermeiden.
Wie machen das die Chinesen in ihren Riesenstädten?
Was für eine Frage! Seit 15 Jahren steht die e-Mobilität auf der Tagesordnung. Seit 15 Jahren versucht insbesondere die CDU dem Thema auszuweichen, und unsere grandiose Wirtschaftsministerin Katharina Reiche sieht ihre Aufgabe vor allem darin, den Klimaschutz auf breiter Front zu verhindern. Diese Probleme sind hausgemacht, und die Verantwortlichen sind klar zu benennen.
Es war Frau Dr. Merkel, die den Ausstieg aus der Atomenergie wegen der Fukushima-Hysterie angeordnet hat. Deshalb müssen jetzt weitere Gaskraftwerke gebaut werden, was (neben der Herstellung der Akkumulatoren) auch die Ökobilanz von Elektrofahrzeugen negativ beeinflusst.
Es war vor allem Frau Dr. Merkel, die nach 2009 (CDU/CSU/FDP-Koalition) den Ausstieg vom Ausstieg vollzogen hat, um ihn dann 2011 nach der Fukushima-Katastrophe (nicht Hysterie!) wieder zurückzunehmen. Dieser Zick-Zack-Kurs hat den Steeuerzahler schlappe 5 Milliarden Euro (Entschädigung für die Atom-Industrie) gekostet. Gleichzeitig hat die Merkel-Regierung dafür gesorgt, dass die Solarinduistrie nach China gewandert ist, wodurch zwischen 2010 und 2014 80.000 Arbeitsplätze in Ostdeutschland verlorengingen. So viel zur ach so tollen Klimapolitik der vergangenen 20 Jahre – ein teures Trauerspiel!
Ja, Fukushima war eine Katastrophe. Ursache war, dass beim Bau des Kernkraftwerks die Gefahr von Tsunamis nicht berücksichtigt wurde. Dieses Szenario besteht bei uns eher nicht.
Erst mal Nachdenken, bevor man anderen Polemik und Naivität um die Ohren haut:
„Auch politische Einzelmaßnamen müssen eingebettet werden in ein Gesamtprogramm“ schreibt Christian Wolff. Ist das falsch? In welches politische Konzept ist wohl der Tankrabatt eingebettet? Entlastung der Bürger, der Handwerker, der Pflegeambulanzen? Zu einem Teil – „gerechte Teilhabe“. Zu einem anderen Teil nützt der Tankrabatt Leuten, denen es auf ein paar Liter mehr pro hundert Kilometer nicht ankommt, in dem Übermaß, in dem es ihnen darauf nicht ankommt. Zu einem Teil, in dreistelliger Millionenhöhe, wird er dank undurchsichtiger Preiskalkulation bei der Mineralölwirtschaft bleiben. Nicht für deren Arbeit, sondern als Gewinnmitnahme. Zusätzlich zu den „7 % und 10 %“ – von denen andere auch bloß träumen. Die Belastung durch teuren Sprit kam nicht überraschend. Dass dann der Staat zu keiner gezielteren Unterstützung der wirklich Belasteten in der Lage ist, ist einfach schlechte Arbeit. Sagen welche, die nicht naiv sind.
Dass vielen aufgrund ihrer Lebensumstände der Tankrabatt zu gönnen ist – da haben Sie Recht. Ändert nichts daran, dass denen effektiver und billiger zu helfen gewesen wäre.
Dass Herr Wellßow bei der Solidarität, die er für die als unvermeidlich zu prognostizierenden Verlierer fordert, „offensichtlich nur an warme Worte denkt“, ist eine unfreundliche Unterstellung, wohl hervorgerufen durch die Praxis, Verlierer erst zu ignorieren, um sie dann wirklich nur abzuspeisen mit warmen Worten.
In den westlichen Demokratien spüren die Menschen die Veränderung, die durch Krisen, Krieg, Globalisierung und Digitalisierung (A.I. und KI sind die mittlerweile 4.Stufe), ausgelöst wurden, und zweifeln an der Zukunft, woraus sich dann Ängste und ein Gefühle der Hilflosigkeit einstellen, die man sich mittlerweile an jeder Ecke auch erzählt.
Die AfD versteht immer besser die Zweifel, Angst, Gefühl der Hilflosigkeit in Wut und Emotionen zu transformieren und damit „Handlungsbereitschaft“ selbst bei einem Risiko sich selbst ins eigene Fleisch zu schneiden. Für Frustrierte genügt oft schon eine Bratwurst …
Die Union bestärkt mit dem Kanzler, der bekanntlich kein sehr empathischer Geselle ist (hat ja gegen Merkel, AKK u Laschet verloren), aus der obersten Etage mit dem Gerede von Stadtbildern etc. die völkischen Populisten, sodass die letzten Nichtwähler so auch noch der AfD zugetrieben werden.
Der SPD käme in dieser Situation eine besondere Bedeutung zu. Leider erreicht sie in der Regierung – fest an die Union gebunden – ihre Basis nicht mehr und gewinnt auch kaum jungen Menschen (Jusos, Falken, Vereine usw.) Die Führung wirkt einschläfernd und versprüht keine Zuversicht. Sie bekommt genauso viel vom Teller des Sondervermögens ab, wie es notwendig ist, um Merz im Kanzleramt zu halten, während sie in Kommissionen, von denen man kaum viel hört, über die Zukunft nachbrüten lässt.
Die SPD hat die Herausforderung anzunehmen und den Gegenentwurf offen ganz nah am Wähler darzustellen und zu vertreten. Vielen AfD Wählern ist beizukommen, wenn sie mit ihren Ängsten und Frust nicht allein gelassen werden, wenn man sie überzeugt, dass ihre Wut der Reflex auf Verunsicherung und Hilflosigkeit ist… UND dann vor Ort Empathie, Solidarität, Zusammenhalt und Visionen anbieten kann. Dazu wäre es vorrangig, durch die Entschuldung der Kommunen Spielräume für Engagement, Bildungs- und Unterstützungsinitiativen zu schaffen und bei den Bürgern vor Ort zu werben.
Lieber Christian! Dein Engagement wäre ein sehr gutes Beispiel für einen Neustart der SPD. Und die Zuversicht bestehen zu können darf nicht nachlassen in der Gewissheit, das auch in Zukunft der Gedanke der Gerechtigkeit, Chancengleichheit, des Zusammenhalts, das Streben nach Freiheit sich behaupten und ausbreiten wird. Liebe Grüße an das Forum!
„Das alles wird nur gelingen, wenn wir den Menschen und das Menschliche sowie die Werte, die dies ermöglichen, in den Mittelpunkt aller Politik und aller Kommunikation stellen.“
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Reiner Kunze „Ethik“:
Im Mittelpunkt steht
Der Mensch
Nicht
Der einzelne
„Damit hat Reiner Kunze kürzestmöglich die sogenannte „Ethik“ aller Diktaturen und Menschheitsbeglücker auf den Begriff gebracht. Ob es nun heißt „Du bist nichts, dein Volk ist alles“, oder ob das sogenannte „Kollektiv“ dazu dient, den sogenannten „neuen Menschen“ hervorzubringen: immer wird zugunsten eines abstrakten Ideals oder einer Utopie der Einzelne in seiner Individualität missachtet. Ja, die Individualität – und damit die persönliche Freiheit – soll letztlich ausgelöscht werden.“
© Laudatio von Bundespräsident Horst Köhler auf Reiner Kunze zur Verleihung des Memminger Freiheitspreises 1525 am 20. März 2009 in Memmingen https://ogy.de/g81v
Ich stimme dem zu und bin gespannt, wie das weiter geht. Herr Thiel sollte gebremst werden. Wie, weiß ich nicht.
Gottfried Biller