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Friedliche Revolution: Erinnerung tut not!

Es gehört zu den politischen Unappetitlichkeiten, in welch schamloser Weise sich die Rechtsnationalisten von der AfD der Friedlichen Revolution von 1989/90 bemächtigen und sich als ihre Vollender aufspielen. „Vollende die Wende“ ist einer ihrer Pseudo-Slogans. Mit dieser Verbiegung der Geschichte bringen Rechtsextremisten und Demokratiefeinde es fertig, vor allem diejenigen, die vor 37 Jahren hinter den Gardinen standen, an sich zu binden, und suggerieren gleichzeitig den Jüngeren, sie seien die neuen Ermöglicher, die wirklichen Revolutionäre. Jedoch widersprechen alle, aber auch wirklich alle Ziele der Friedlichen Revolution diametral der Programmatik einer AfD. Das kann man vor allem an einem wesentlichen Ausgangspunkt der Friedlichen Revolution 1989/90 erkennen: dem konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, eine weltweite Initiative in den christlichen Kirchen. Dieser Prozess mündete in der damaligen DDR in drei Ökumenische Versammlungen: 1988 und 1989 in Dresden, Magdeburg und noch einmal Dresden, mit bemerkenswerten Ergebnissen.

Die Schlusserklärung der Ökumenischen Versammlung vom 30. April 1989 beginnt mit einem dreifachen Bekenntnis:

  • Wir bekennen uns zu unserer vorrangigen Verpflichtung, Gerechtigkeit für alle Benachteiligten und Unterdrückten zu schaffen;
  • Wir bekennen uns zu unserer vorrangigen Verpflichtung, dem Frieden mit gewaltfreien Mitteln zu dienen;
  • Wir bekennen uns zu unserer vorrangigen Verpflichtung, Leben auf dieser Erde zu schützen und zu fördern.

Dieses Bekenntnis wird dann in 12 Kapiteln breit entfaltet. Wer es heute liest, stellt zum einen fest, wie aktuell die Ergebnisse der Ökumenischen Versammlung von 1988/89 sind. Zum andern wird deutlich: Alle dort entwickelten Leitlinien sind unvereinbar mit den politischen Vorstellungen einer AfD. Als Beispiel mag das Kapitel 2.2 „Leben in Solidarität mit Ausländerinnen und Ausländern“ dienen. Dort heißt es: „Die Begegnung mit Fremden und Unbekannten löst Interesse und Neugier aber auch Abwehrreaktionen und Angst aus. Die biblische Botschaft fordert uns heraus, die Gottesebenbildlichkeit im Anderen zu entdecken. Das sollte unser Verhältnis zu Menschen aus anderen Ländern prägen. Deshalb begrüßen wir das Zusammenleben mit Ausländerinnen und Ausländern in unserem Land als uns alle bereichernde Öffnung unserer Gesellschaft. … Deshalb bitten wir die Christen unsres Landes:

  • offen zu werden für „fremde“ Lebens- und Glaubenserfahrung und sich auch der eigenen Tradition in kultureller und gesellschaftlicher Hinsicht bewußt zu werden
  • …
  • Bei Diskriminierung von Ausländerinnen und Ausländern sich offen auf ihre Seite zu stellen;
  • Ihr Hiersein im Kontext der Weltsituation verstehen zu lernen; …

Die Ökumenische Versammlung sprach sich auch für den Ausstieg aus der Atomenergie aus und plädierte für die Förderung der erneuerbaren Energien. Dies alles geschah unter den politischen Bedingungen des SED-Staates. Darum heißt es im Kapitel 3 „Mehr Gerechtigkeit in der DDR“: „Unsere Gesellschaft braucht mündige Bürger, die ihre Rechte und Pflichten, ihre Aufgaben und Möglichkeiten selbstverantwortlich wahrnehmen, die mitdenken und sagen, was sie denken, ohne zu nörgeln und die nicht warten, bis ihnen alle Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt sind. Dazu brauchen auch sie die ungehinderte Möglichkeit, sich zu versammeln und in selbständigen Vereinigungen zusammenzutun, um gemeinsam nachzudenken und zu handeln.“ Von diesem Geist der Erneuerung und der Bindung an biblische Grundwerte waren die Friedensgebete in den Kirchen der DDR 1989/90 getragen. In diesem Geist sind am 7., 8. und 9. Oktober 1989 Tausende Menschen in Plauen, Dresden und Leipzig auf die Straße gegangen. Dieser Geist drängt auf eine offene, vielfältige, solidarische, demokratische Gesellschaft, in der Menschen zusammenleben, ohne sich gegenseitig abzuwerten, ohne den Schwächeren gegen den noch Schwächeren auszuspielen, ohne Menschengruppen zu typisieren und aufgrund ideologisch geformter Vorurteile zu diskriminieren. In diesem Geist gilt es auch heute die Gesellschaft im vereinten Deutschland zu erneuern und all denen zu widerstehen, die das (z)ersetzen wollen mit Hass, Verachtung, Abwertung. Deswegen kann es nur nützlich sein, sich an das zu erinnern, was Ausgangspunkt der Friedlichen Revolution vor 37 Jahren war. Da mag dann doch manchem ein Licht aufgehen, der sich zu leicht von Bratwurst, Simson und Hüpfburg blenden lässt!

15 Kommentare

  1. Im Punkt „Empathie“ erinnere ich an den Kommentar von Herrn Wittenburg, der ganz zu Recht Mitgefühl mit den Ukrainern reklamiert, und Unterstützung, die sie als Kämpfer für Freiheit und Demokratie verdienen, und zu der Deutschland auch aufgrund der Verbrechen verpflichtet ist, die es im II. Weltkrieg in der Ukraine begangen hat.

    Empathie bedeutet bekanntlich nicht nur „Mitgefühl“, sondern Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Lage des anderen zu versetzen. Das geht nicht ohne Kenntnis und Berücksichtigung aller, auch historischer Fakten. In diesbezüglichen Unzulänglichkeiten haben viele – eigentlich überflüssige – Auseinandersetzungen ihren Grund.

  2. „Vollende die Wende“.
    Dieser Wahlkampfslogan der unsäglichen AfD bekommt durch die 48 Stimmen bei der Wahl des Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt – vielleicht noch schlimmer durch die 44 Stimmen für den Rechtsradikalen Tillschneider zum Vize-Landtagspräsidenten – eine ganz neue Bedeutung!
    Eine Mehrheit der Bürger:innen in Sachsen-Anhalt hat eine gesichert rechtsextreme Regierung gewählt, wendet sich vom Grundgesetz und der Demokratie ab.
    Herr Siegmund scheint überzeugt, dass sich diese Stimmverhältnisse auch bei seiner Wahl zum MP so ergeben werden.

    Herr Schulze hat die ultimative Demütigung (er glaubte fest an die Stimmenthaltung seiner CDU-Fraktion) hinter sich; Herr Merz hat seinen Autoritätsverlust weiter vor Augen (Frau Kramp-Karrenbauer hatte in Thüringen noch versucht zu intervenieren; Frau Merkel eine „Korrektur“ der Wahl von Herrn Kemmerich erfolgreich durchgesetzt).

    Im Spiegel der Friedlichen Revolution von 1989 sind die aktuellen Vorgänge in Sachsen-Anhalt nur noch als Trauerspiel zu bezeichnen!

    1. Keine Petitesse: Herr Prof. Dr. jur Armin Willingmann, der von der SPD für das Amt eines Vizepräsidenten des s-a Landtags nominiert worden war, wurde nicht gewählt. 33 Abgeordnete stimmten für ihn, 48 votierten mit Nein. Es gab keine Enthaltungen, eine abgegebene Stimme war ungültig. CDU-Kandidat Carsten Borchert wurde mit 64 Stimmen gewählt. Es gibt Gerüchte, dass CDU-Abgeordnete im Vorfeld der Wahl der AfD Zusicherungen gemacht haben, wenn ihr Vizepräsidenten-Kandidat von AfD-Abgeordneten gewählt wird. SPD, CDU, Linke, Grüne und BSW haben 44 Abgeordnete, also 5 mehr als die AfD. Es ist anzunehmen, dass zuminest SPD und Grüne für Willingmann gestimmt haben. Skandalös, dass es Gegenstimmen von den anderen Parteien gab – abgesehen von der AfD.

  3. Also ich habe mir einfach mal die letzten Kommentare, auch unter den anderen Blogs angeschaut und bin ruhig und gelassen geblieben.

    Ich glaube ich bin hier mit 34 noch der jüngste. Mir kommt das hier manchmal wie Kindergarten vor. Wir sollten glaube ich alle wieder einmal ein paar Gänge runterschalten. Das Leben ist zu kurz.
    Dieses ganze streiten führt doch zu nix. Auch Sie Herr Wolff sollten es doch besser wissen. Seien Sie doch bitte ein Verbinder und Friedensmacher. Mahner und Weltuntergangs-Puristen gibts ja schon wie Sand am Meer. Ich verstehe das alles nicht mehr. Jeder hat das recht auf seine Meinung. Aber anstatt andere zu respektieren, geht hier jeder (auch Sie Herr Wolff) nur davon aus, das er selbst recht hat.
    Ich glaube das ist das große Problem heutzutage. So lange wir jede andere Meinung (die im Rahmen der Gesetze ist) sofort diskreditieren, laufen wir Gefahr Freiheit nicht mehr ernst zu nehmen. Nur „ich, ich, ich hab recht“ kann nicht funktionieren. Dieses Unversöhnliche ist wirklich schlimm. Wir müssen als Gesellschaft wieder zusammenkommen und das funktioniert in erster Linie über zuhören. Man muss doch nicht immer jeden Punkt teilen und kann trotzdem respektvoll und freundlich miteinander umgehen. Das muss wieder mehr gelebt werden.

    Wir unterstellen dem Kanzler zu recht empathielos zu sein. Aber ich finde wir werden immer mehr genauso. Wo ist die Empathie für Menschen auf dem Land, wo der Bäcker und das Krankenhaus zugemacht hat? Für die Alten oder Jungen Menschen? Für die die Angst haben vor Krieg, Entfremdung oder Kriminalität? Wo für die denen die Mieten, Sprit oder die Lebensmittelpreise zu hoch sind? Wo für Arbeiter/innen, Handwerker/innen oder Sanitäter/innen?

    Wir kümmern uns nicht mehr um uns selbst, um die Gesellschaft. Jeder guckt nur noch auf sein Handy oder Social Media.
    Wir brauchen mehr Zusammenhalt und Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Mehr miteinander reden und zuhören, nicht streiten. Mehr über das was uns eint und nicht voneinander trennt.
    Deswegen bitte ich hier auch mal alle Damen und Herren, mal in sich zu gehen. Ich glaube tief und fest ein anderer Diskurs, ein anderes Miteinander wäre möglich und auch besser.

    1. „Wir unterstellen dem Kanzler zu recht empathielos zu sein.“
      ‐———————————————————————-
      Wer ist „wir“, ich jedenfalls nicht. Ich erinnere nur an Merz‘ Rede zur Wiedereröffnung der Münchner Synagoge im
      September 2025: https://youtu.be/v2FRNKcOpN8?is=IO2sRNcAIIeUx3jl oder seine Rede anläßlich des Selenski-Besuchs im Dezember 2025: https://youtu.be/kVAOxuUpNs0?is=Dhj0iSV-IPwG9kOD

      1. Sie haben völlig Recht, Herr Plätzsch: Merz ist alles andere als empathielos – er sagt nur, was ist. Und das können die meisten Menschen in DEU nicht mehr vertragen, weil es sie in die Pflicht nehmen würde – also weichen sie auf ihre Anstandsvorstellungen, ihre überlegene Moral, ihre Bequemlichkeit als Fürsorgeempfänger und Verantwortungsverweigerer aus. Schlegels Appell ist schön (genauso wie vorhergehend Viertmann), aber es fehlt eben die Ergänzung, dass Tatsachen zu akzeptieren sind – zB das Merz’sche Mantra Demographie und Mathematik – und man dann respektvoll über Lösungen reden und streiten kann. Aber nicht mal mein friedlicher Hinweis, wie stritten kaum über Ziele, sondern überwiegend über Wege scheint ja für die Pharisäer hier im Blog zustimmungsfähig zu sein.
        Andreas Schwerdtfeger

      2. Sie wissen doch was ich meine Herr Plätzsch. Natürlich hat auch er sehr seine Momente. Nur halt leider nicht oft in der Öffentlichkeit und zu den Menschen hier im Land.
        Das sage ja nicht nur ich, sondern das zeigen die Umfragen.
        Ich finde da ist noch sehr viel Luft nach oben. Ein Kanzler muss schon besser kommunizieren. Er wollte dieses Amt immer haben, aber es ist wohl etwas zu viel für ihn. Was nicht schlimm ist. Aber ein Talent wie Adenauer, Brandt, Schmidt, Kohl, Schröder oder Merkel hat er einfach nicht.
        Und ich habe ihn auch gewählt bzw. CDU. Habe aber damals schon gesagt das Wüst wohl die bessere Wahl gewesen wäre.

  4. Ein schöner Beitrag – wenn man ihn als Beispiel üblicher Heuchelei anführen will:
    Da wird uns mit einem Papier aus dem Jahre 1989, das angeblich heute noch ganz aktuell sei – ja, was eigentlich mitgeteilt? Inzwischen hat sich in fast vier Jahrzehnten die Welt so drastisch verändert, dass nichts außer dem ganz Grundsätzlichen mehr zutreffend ist:
    Es gibt nicht mehr die große Freude über die Wiedervereinigung, sondern nur noch Jammern, Meckern und Aufrechnen – die Blühenden Landschaften im Osten, zweifelsohne vorhanden, gehen unter in der Logik einer dortigen geringeren Erbmasse.
    Es gibt nicht mehr den in der Stabilität des Gleichgewichts von militärischen Fähigkeiten, Abschreckung und verifizierter Rüstungskontrolle gesicherten Frieden.
    Es gibt nicht mehr das große ökonomische und finanzielle Polster Westdeutschlands, das die so außerordentlich weiche Landung der neuen Länder und ihrer Menschen ermöglichte.
    Es gibt nicht mehr die Bereitschaft der gesellschaftlichen Gruppen in DEU (auch im Westen), ihre eigene Verantwortung zu erkennen und sich aufzuraffen; stattdessen ist es heutzutage gang und gäbe, jede Problemlösung bei „der Politik“ abzuladen und in alte „DDR“-Muster zurückzufallen, den Wohlfühlstaat herbeizuwünschen. Nur war eben dieses die „DDR“ gerade nicht; sie war ein Entmündigungsstaat – und auf dem Weg dorthin sind wir wieder.
    Das hier angeführte Kirchenpapier zeigt nur eines: Dass nämlich ein funktionierender Staat mehr braucht als ein paar Bibelzitate, so schön diese auch sind. Nehmen wir EINEN Satz aus diesem Sammelsurium (und ich nehme ihn halt aus dem Kapitel, von dem ich was verstehe und die Kirche bis heute nichts): „Alle Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften halten heute Krieg für kein geeignetes und zulässiges Mittel der Konfliktlösung“. Dieser Satz ist richtig, sicherlich, aber er ist zugleich unvollständig, denn fast alle Menschen, egal ob innerhalb oder außerhalb der Kirchen, stimmen ihm zu. Die Frage ist ja nicht, OB Krieg, sondern WIE seine Vermeidung in der realen Welt, die auf Bibelzitate keine Rücksicht nimmt. „Diplomatie, Stärke, Vertrauen“ – das sagte der Kanzler in seiner Münsteraner-Rede und der Dreiklang ist richtig und notwendig und eben nicht die eher feige Halbwahrheit der Kirche, die in die Kapitulation zeigt.
    Und ein Weiteres: In seinem bemerkenswerten Interview am Tag der Deutschen Einheit im DLF sagte Wolfgang Thierse unter anderem (teilweise sinngemäß):
    Gründe für Ost-West Gegensatz in DEU seien zumeist nicht sozial-ökonomischer sondern kultureller Natur;
    Es gebe in den neuen Bundesländern eine Art „Entheimatung“, die er definierte als Angst vor Identitätsverlust, Angst davor, das Fremde näher zu rücken, das Vertraute selbstverständlich infrage zu stellen;
    Die „DDR“-Welt sei geordnet und von größerer sozialer Homogenität gewesen, es gebe dort also jetzt eine gewisse „Furcht vor einer konfliktreichen, pluralistischen Gesellschaft;
    Und schließlich: Die Mehrheit der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt, eigentlich im gesamten Osten sei doch der Meinung „mir geht’s gut“, die allgemeine Sorge sei eher „medial erzeugt“.
    Fazit: Der Mensch braucht eine gewisse Harmonie – vielleicht sogar mehr als intellektuelles Multikulti.
    Ich stimme ihm zu. Seine Beschreibung der Natur der Menschen – Heimatsuche, Homogenität, gemeinsame Identität, Konfliktscheu (bei den meisten) einerseits und Gewaltbereitschaft (bei der Minderheit, die aber unauslöschbar ist) andererseits – das ist ein realistisches Menschenbild. Was schon dadurch bewiesen ist, dass sich der Mensch trotz der vielen schönen Bibelzitate und Kirchenpapiere über Millennia nicht wirklich geändert hat.
    Es wird Zeit, der AfD mit Realismus und nicht mit Bauchgefühl zu begegnen. „Gewaltfreiheit“ ist nicht Freiheit. Verantwortung (für sich selbst und andere), Eigeninitiative, Unterstützung und nicht Ausbeutung des Staates, gesellschaftliches Mitdenken und -Handeln – das ist Freiheit! Und für alles das – in der Tat – steht die AfD nicht.
    Andreas Schwerdtfeger

    1. Tja, lieber Herr Schwerdtfeger, das kommt heraus, wenn man sich noch nicht einmal die Mühe macht, Papiere aus ihrem Kontext heraus zu verstehen. Offensichtlich haben Sie gar nicht begriffen, dass das Schlussdokument der Ökumenischen Versammlung noch zu DDR-Zeiten entstanden ist, als nur die allerwenigsten ahnten, dass die Mauer in 100 Jahren (so die Prognose von Honecker im Sommer 1989) nicht mehr stehen wird. Aber so etwas passiert, wenn man seiner Kirchenphobie freien Lauf lässt …

      1. Umgekehrt, lieber Herr Wolff: Gerade deswegen ist das Papier ja veraltet und hat heute eben keine wirkliche Relevanz mehr. Und das Wort „Kirchenphobie“ wird meiner Einstellung nicht gerecht – wie umgekehrt Sie ja auch keine Streitkräftephobie haben. Ich glaube nur, dass in POLITISCHER Hinsicht die evangelische Kirche in DEU irgendwann mal zur Realität finden muss – Bibelzitate als Ermahnung und Hoffnung sind gut; in der Politik aber brauchts halt daneben noch was anderes. Das Beispiel des Großwerdens der AfD zeigt es doch nur allzu deutlich.
        Andreas Schwerdtfeger

  5. In den 1980er Jahren war es auch selbstverständlich, Frieden und Versöhnung mit Russland und allen anderen osteuropäischen Ländern anzustreben. Das findet man jetzt eigentlich nur noch bei BSW und AfD. Die AfD ist leider eine Hochrüstungspartei, die die EU schwächen und das Trump- Amerika nachahmen möchte. Aber immerhin unterstützt sie nicht den schrecklichen Krieg in der Ukraine. (Die wahre Friedenspartei ist jetzt aber das BSW.)

    1. Herr Haspelmath, ich wollte mich eigentlich aus diesen Debatten heraushalten, doch Ihr mangelhaftes historisches Wissen schreit zum Himmel!

      Wer strebte in den 1980er Jahren Versöhnung mit Sowjetrussland und allen anderen osteuropäischen Staaten an? Die Bürger der DDR 1953 jedenfalls nicht, die Volksrepublik Ungarn 1956, die Tschechoslowakische Sozialistische Republik 1968 und die unter der PKP hungernde Bevölkerung der Volksrepublik Polen um 1980/81 ebenfalls nicht. Nicht zu vergessen die okkupierten baltischen Republiken, die unter dem „Frieden“ mit Sowjetrussland wirtschaftliche Ausbeutung und zigtausende Todesopfer zu beklagen haben.

      Und bitte vergessen Sie nicht, dass sowohl die Sowjetrussen als auch die Deutschen in der Ukraine mehr Menschen ermordet haben als die Deutschen in Russland, was natürlich ebenso schrecklich ist. Auch deshalb die Unterstützung der Ukraine. Die Deutschen haben dort etwas gutzumachen. Hitler und Stalin verfolgten bis 1941 gemeinsame Interessen. Der Hitler-Stalin-Pakt mit dem geheimen Zusatzprotokoll hatte die Grundlage geschaffen.

      In der Ukraine herrscht ein schrecklicher Krieg, richtig. Doch die Ukrainer verteidigen sich. Was würden Sie als Ukrainer tun, wenn Russen auf Sie schießen, Ihre Kinder und Ihre geliebte Ehefrau umbringen, Menschen versklaven, ohne irgendeinen Grund? Und bitte denken Sie auch an die jungen Russen, die zu Hunderttausenden sinnlos an der Front sterben müssen, weil Putin es will und die Mütter ihre toten Söhne als Helden feiern, dafür sogar Geld erhalten.

      Schicken Sie endlich Alice Weidel und Sahra Wagenknecht nach Moskau, damit sie „mit Putin ein Bier“ trinken, wie ein ehemaliger SED-Genosse mir gegenüber empfohlen hat.

      Ich bin entsetzt über so wenig menschliches Mitgefühl, über die fehlende Wertschätzung der 1989 erkämpften Freiheit und Demokratie in Ostmitteleuropa und über so viel Naivität – das Ergebnis russischer Propaganda.

    2. „Die wahre Friedenspartei ist jetzt aber das BSW“
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      Seit 1. 10. 26 heißt das BSW „Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft“.
      „Bündnis Sieg für Wladimir“ wäre passender.

    1. Nein, lieber Herr Plätzsch, er fehlt nicht. Zum einen taucht er in Komplex über „Frieden“ auf und zwar in der Kobination „Gewaltfreiheit“. Zum andern im Zusammenhang mit dem Begriff Bindung: Seite 35, 74, 79.

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