Nach dem eindrücklichen Gedenkgottesdienst in der Nikolaikirche am heutigen Dienstag, 5. Mai 2026, fand auf dem Nikolaikirchhof noch eine kurze Kundgebung „Leipzig trauert“ statt. Diese habe ich mit der folgenden Rede eröffnet:
Etlichen unter uns wird es am gestrigen Montagabend ähnlich ergangen sein wie mir: Verwandte, Freundinnen, Bekannte haben sich per SMS, WhatsApp oder Mail besorgt erkundigt, ob man von dem Amoklauf betroffen ist. Gott sei Dank konnte ich wie die meisten von uns rückmelden: Nein, mir persönlich ist nichts widerfahren. Und doch sitzt der Schrecken tief – nicht nur in den Knochen, auch in der Seele.
Während der Amokfahrer am sonnigen Montagnachmittag auf der Grimmaischen Straße zwei Menschen in den Tod riss, viele weitere Menschen zum Teil schwer verletzte und unter Bürgerinnen und Bürgern Leipzigs Angst, Entsetzen und Trauer auslöste, saß ich mit einem syrischen Geflüchteten, inzwischen deutscher Staatsbürger, auf dem Richard-Wagner-Platz – nicht ahnend, welchen Grund die vielen Einsatzwagen der Polizei und Feuerwehr auf dem Ring hatten. Unser Gesprächsthema war: Warum sind viele Menschen oft so wütend, aggressiv, abweisend? Mein Bekannter ist Omnibusfahrer und bekommt die Respektlosigkeit zu vieler Menschen täglich und unmittelbar zu spüren.
Ja, warum diese aggressive Wut, die gestern so viel Leid angerichtet hat? Vor dieser Frage sollen aber zwei Gedanken stehen:
- Die Solidarität und das Mitgefühl mit den Menschen, die unmittelbar von der Amokfahrt betroffen sind und voller Trauer und Nichtverstehen das Entsetzliche kaum begreifen können: die Angehörigen der beiden Todesopfer, die vielen Verletzten, die Augenzeug:innen der Schreckensfahrt; und dann die Helfer:innen, Polizist:innen und Rettungskräfte, die sofort zur Stelle waren. Sie alle müssen verarbeiten, was kaum zu fassen ist. Sie benötigen Begleitung auf dem Weg zurück in eine Welt, die zunächst zerbrochen ist. Lassen wir sie nicht allein und achten wir – nicht nur heute – ihre Arbeit.
- Verantwortlich für die schreckliche Tat ist zuerst und vor allem der Straftäter, also der Mann, der mit seiner Amokfahrt bewusst und gezielt zwei Menschen ermordet hat und offensichtlich weitere töten wollte – und nicht etwa fehlende Poller, versagende Politiker:innen oder sonst wer. Nichts kann und darf ein solches Verbrechen rechtfertigen oder entschuldigen.
Dennoch bleibt die Frage: Warum immer wieder diese Wut, diese Gewalt, dieser Hass unter uns Menschen? Warum mangelt es so vielen Menschen an einem inneren Krisenmanagement, um mit Niederlagen, Verwerfungen, Problemen umgehen zu können? Warum sehen sich derzeit Menschen in einem ständigen Kampfmodus? Warum so viel asozialer Egoismus? Warum investieren wir offensichtlich zu wenig in die Suche nach gemeinschaftlichen Lebensbedingungen, die jedem und jeder Freiraum bietet, aber auch für gerechte Lebensbedingungen sorgt und auf das verantwortliche Mitmachen eines jeden Menschen angewiesen ist? Darüber müssen wir nicht nur nachdenken. Wir müssen im Guten streiten und Wege suchen zu einem Miteinander, das Unterschiedlichkeit zulässt, Angstfreiheit fördert und Verantwortung herausfordert – bei Kindern genauso wie bei Greisen. Wir sind alle aufeinander angewiesen. Darum müssen wir vor allem eines: aufeinander Rücksicht nehmen.
Das sage ich vor allem im Blick darauf, dass derzeit und weltweit zu viele Verrückte unterwegs sind und durch ihre aggressive Wut und ihren panischen Vernichtungswillen jeden Tag so viel Unheil anrichten – nicht zuletzt auch deshalb, weil sie sich in ihrer herrischen Anmaßung über alles Recht, über Gesetze und Ordnungen erheben, und mit ihrer unbändigen Aggressivität alle Regeln der Menschlichkeit beiseiteschieben. Darin sind sich ein Donald Trump und ein 33-jähriger Amokfahrer in Leipzig auf schreckliche Weise einig. Wir aber dürfen uns von diesem Wut-Virus nicht anstecken lassen – auch nicht in der Trauer, die immer auch ein Wutpotential beinhaltet. Bitte bedenkt das – und lasst an diesem Abend auch diesen Gedanken zu: tiefe Dankbarkeit dafür, dass wir leben können im Angesicht des Todes – aber nicht mit Wut, sondern mit Respekt, Nächstenliebe, Ehrfurcht vor allem Lebendigen. Ich wünsche allen einen friedlichen Abend.
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38 Kommentare
Werter Herr Haspelmath; völlig richtig mahnen Sie – und nicht nur Sie – einen qualifizierten Diskurs an, und auch Sie wie wir allesamt, vertreten Haltungen und Überzeugungen, die jeweils eigener Lebenserfahrungen und politische Denkweisen als Fundament haben. Es ist auch gut, vor allem aber wichtig, für politische Überzeugungen zu streiten. Was nicht geht, und da widersprechen Sie sich per se in Ihren Kommentarreaktionen wider Christian Wolff, den Andersdenkenden zu diffamieren. Ich könnte mich jetzt über die Äußerungen von Laschet auslassen, ich tue es nicht. Damit ist wohl einiges gesagt. Die „Leipziger Erklärung“ respektiere auch ich und teile diese partiell. Irgendwie sollten wir aber von dieser ewigen Corona-Debatte abrücken; selbst Herr Spahn begreift nicht, dass er einst für Milliardenverluste (Steuergelder!!) Verantwortung zu tragen hat. Blicken wir in die gegenwärtige Realität – und da gebe es mannigfach zu tun. Allein das unaufhaltsame Emporsteigen der AfD muss nun wirklich JEDER, JEDEN zu denken geben, vor allem aber Jede, Jeder auf seine Weise und mit allen Möglichkeiten sich einmischen in die politische Debatte und konkret etwas zu tun. Was die amtierende Regierung liefert ist gelinde formuliert Chaos und liefert den rechtsextremen tagtäglich alles nur Erdenkliche auf dem Tablett – sie müssen nur zugreifen, und das tut die AfD mit Wollust! Der Katholische Kirchentag in Würzburg setzt gewisse Zeichen, vor allem aber eine klare Antwort auf die permanente Frage: Muss Kirche politisch sein? Na klar, was sonst in dieser unsrer Zeit!!! Vielleicht wacht unsere Evangelische Kirche auch bald auf, es wäre hohe Zeit!!! Auch dafür streitet Christian Wolff aufrecht und wahrhaftig – Gott sei Dank!!! Einen guten Sonntag uns allen.
Sie haben Recht, Herr Flade – man darf Andersdenkende nicht „diffamieren“. Deshalb schmerzt es mich auch so, wenn Christian Wolff mir vorwirft, „Unsinn“ oder „dummes Zeug“ zu verbreiten. Ich verstehe, dass man sich über andere ärgert, und man kann sich nicht zu allem äußern (die Zeit ist begrenzt). Aber ich finde, dass man immer sachlich bleiben sollte. Ich habe die Angriffe der Bürgerrechtler und Pfarrer auf die friedlichen Demonstranten oft scharf kritisiert, aber immer auf der sachlichen Ebene – dagegen musste ich immer wieder unsachliche Beschimpfungen erleben, ebenso wie die Querdenker, die ja in fast allem Recht hatten (und das kritisiert Armin Laschet nun zu Recht). Ja, das „das unaufhaltsame Emporsteigen der AfD“ gibt mir zu denken, und das schon seit 2021 – schon damals konnte man sehen, dass nur die AfD sich für die Querdenker und ihre Anliegen einsetzte. Das haben viele Menschen nicht vergessen. Trotz des Nationalismus und Militarismus der AfD haben sie doch mehr Vertrauen in die radikale Opposition als in die herrschenden Kreise. Solange diese sich nicht besinnen, wird das Emporsteigen wohl leider nicht aufzuhalten sein.
I.
Aus einer Amokfahrt eines psychisch offensichtlich Erkrankten seinen politischen Honig zusaugen, ist recht übel. Diesem Drama , welches wesentlich aus den persönlichen Beziehungen des Täters beruht , ein rechts / links Framing aufzusetzen ist unzulässig. Mit Trump, Autokraten und den üblichen rechten Verdächtigen hat das absolut nix zu tuen.
Der Leipziger OBM war da im ZDF sehr viel klüger: „Leipzigs Oberbürgermeister Jung sagte: „Wir sind fassungslos darüber, was geschehen ist.“ Es fehlten ihm „die richtigen Worte“ zu diesem Geschehen. “
II.
Unabhängig von diesem Fall wäre es schon wichtig das Thema „Warum diese Wut?“ ERGEBNISOFFEN zu diskutieren. – Das scheint aber gar nicht gewünscht – wenn Hr. Haspelmath einige Gedanken dazu äußert ,werden sie als „Unsinn“ abqualifiziert, weil sie nicht gefallen. Oder „das diskutieren wir hier nicht / gehört nicht zum Thema“.
(Vor einiger Zeit wurde hier auf dem Blog ein anderer Teilnehmer diskreditiert: “ seine Beiträge sind zu lang“ – gehts noch???)
Wenn Sie nicht einmal mit Hr. Haspelmath gesittet, auf Augenhöhe diskutieren können, wen wollen Sie denn dann von Ihren Argumenten überzeugen??? Da verbleibt Ihnen ja nur das Gebiet innerhalb Ihrer eigenen Blase mit gegenseitiger Selbstbestätigung und Huldigung – Die Spaltung der Gesellschaft wird so vorangetrieben.
So wie Haspelmath geht es hier aus den unterschiedlichsten Gründen auch Schwerdtfeger, Lerchner, Tesche….
alles nicht Ansatzweise extremistische Mitbürger.
III.
Die Coronazeit ist natürlich in keiner Weise aufgearbeitet.
Herr Wolff , Sie sind in dieser Zeit nicht als Verteidiger der Grundrechte aufgefallen, weshalb Sie auch nicht „reflexhaft als Covidiot “ etc. bezeichnet wurden. (Da können Sie sich über Ballweg, Füllmich, Wodarg und einige Wissenschaftler und ihre Schiksale informieren, wie das ging. – oder auch bei Ihnen in Leipzig der Mediziner Torsten Mahn.)
Die „Leipziger Erklärung“ hatte vor allem das Ergebnis, dass der Fokus von den Mißständen der Coronapolitik auf
einige Rechte / Rechtsextreme , die sich in geringer Zahl unter den Demonstranten befanden, gelenkt wurde, so dass man über die eigentlichen Probleme nicht mehr sprechen brauchte bzw. von diesen abgelenkt wurde.
1. Es geht nicht um „Honigsaugen“, sondern um die Frage, warum Menschen sich als Gott aufspielen und sich – krankhaft oder nicht – anmaßen, über Leben und Tod von Menschen zu entscheiden, die das gleiche Recht zu leben für sich beanspruchen wie der oder die Täter. Das übrigens ist keine Alternative zu dem, was OBM Jung unmittelbar nach der Tat und in der Nikolaikirche sehr angemessen zum Ausdruck gebracht hat.
2. Es gibt Diskutanten, die völlig unabhängig vom Thema des jeweiligen Blogs als „ceterum censeo“ ihr eigenes Dauerthema ansprechen mit der immer gleichen Forderung. Das erlaube ich mir „Unsinn“ zu nennen.
3. Welche Haltung ich in der Corona-Zeit eingenommen habe, kann jede:r hier auf dem Blog und unter „Veröffentlichungen“ nachvollziehen. Da muss ich nichts wiederholen. Allerdings verwahre ich mich dagegen, die Coronamaßnahmen-Kritik auf die Namen zu beschränken, die hier genannt werden. Außerdem war die „Leipziger Erklärung“ ein dringend notwendiger Einspruch gegen die Vereinnahmung der „Friedlichen Revolution“ durch die selbsternannten „Freiheitskämpfer“, die sich bekanntlich auch nicht scheuten, sich auf Sophie Scholl zu beziehen.
Ja, es stimmt: „Wir müssen im Guten streiten und Wege suchen zu einem Miteinander, das Unterschiedlichkeit zulässt“ – und eben nicht andere Menschen aus dem Diskurs (aus dem „Volk“) ausgrenzen, wie es die „Leipziger Erklärung“ vom Dezember 2021 getan hat („Ihr seid nicht das Volk“: https://www.l-iz.de/politik/engagement/2021/12/leipziger-initiative-veroeffentlicht-erklaerung-ihr-seid-nicht-das-volk-425578). Armin Laschet schreibt dazu heute völlig richtig in der WELT: „Wir sind dabei, eine Schwarz-Weiß-Republik zu werden. Wer eine andere Meinung vertritt, wird moralisch diskreditiert. Während der Pandemie habe ich es selbst erlebt. Wer damals Bedenken gegen einzelne Maßnahmen anmeldete, wer an Grundrechte und Verhältnismäßigkeit erinnerte oder an der Impfpolitik zweifelte, wurde reflexhaft als „Querdenker“, „Schwurbler“ oder „Covidiot“ abgestempelt und an den rechten Rand sortiert, selbst wenn er Esoteriker oder Linker war. Das hat das Vertrauen in den Staat zermürbt und zur Spaltung der Gesellschaft beigetragen.“ (https://www.welt.de/debatte/plus69fd7a62cd4a28c47002052b/armin-laschet-wer-anderer-meinung-ist-ist-kein-agent-einer-fremden-macht.html) – Leider haben die Unterzeichner der „Leipziger Erklärung“ selbst dazu beigetragen, dass so viele Menschen wütend sind, auch auf die früheren Bürgerrechtler:innen und auf die Kirche – denn die haben in der Corona-Panik die Menschenrechte und die Demokratie missachtet, und sie haben es bisher nicht geschafft, sich dafür zu entschuldigen. Uns wird also wohl eine AfD-Regierung ebenso wenig erspart bleiben, wie den USA (und der ganzen Welt) die Trump-Regierung. Leider können wir nicht sagen, dass wir demütig genug waren, um unsere eigene Verantwortung für diese Entwicklung anzuerkennen.
Unsinn wird auch dadurch nicht richtiger, dass ihn ein angesehener Politiker verbreitet. Auch ich selbst habe in der Covid-Zeit Beschränkungsmaßnahmen öffentlich kritisiert. Ich bin zu keiner Veranstaltungen gegangen, in der die 2-G-Regel angewandt wurde. Auch fand ich die innerkirchlichen Regelungen zum Teil absurd und habe dies öffentlich kritisiert. Ich kann mich nicht erinnern „reflexhaft als ‚Querdenker‘, ‚Schwurbler‘ oder ‚Covidiot‘ abgestempelt“ worden zu sein. Allerdings habe ich es für wichtig gehalten, dass wir kontrovers diskutieren und dass vor allem dem Versuch der Rechtsnationalisten, die Kritik an Corona-Maßnahmen für ihre Zwecke zu nutzen, entschieden entgegengetreten werden muss. Insofern war die „Leipziger Erklärung“ absolut richtig und notwendig. Allerdings scheint es müßig zu sein, Ihnen, lieber Herr Haspelmath, das vermitteln zu wollen.
Armin Laschet „ein angesehener Politiker“? Der hat im Jahr 2021 mit 24,1% das schlechteste Wahlergebnis aller Zeiten für die Union bei Bundestagswahlen eingefahren. Und da war sicher nicht sein Lacher im Flutgebiet schuld. Kritiker bezeichneten ihn als «Mann ohne Kompass». Ihm wurde eine fehlende klare Linie und mangelnde Eignung als Kanzler attestiert. Als NRW-MP war er im Jahr 2015 als ehrenamtlicher Dozent an der RWTH Aachen tätig und ließ im Zug Klausuren seiner Studenten liegen. Um das zu vertuschen, erteilte er freihändig Zensuren. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie wurde ihm ein «Zick-Zack-Kurs» zwischen Lockdown-Forderungen und Öffnungsbefürwortung vorgeworfen. Zudem gab es Kritik am Umgang mit dem Corona-Ausbruch beim Fleischbetrieb Tönnies. Sein Aachener Singsang und die pastorale Sprechweise kommen auch nicht überall gut an.
Ich glaube, Armin Laschet hat inzwischen verstanden, dass die Politik völlig machtlos war gegenüber dem Virus, und dass deshalb alle Vorwürfe an die Politik (Tönnies, Zick-Zack-Kurs, usw.) völig ins Leere laufen. Sein „Aachener Singsang“ ist Musik in meinen Ohren (ich habe enge Verwandte in Aachen), aber sein konservativer Katholizimus hat mich lange gestört. Doch inzwischen frage ich mich, ob es Zufall war, dass insbesondere konservative Christen dem Corona-Wahnsinn widerstanden haben. Ich weiß nicht, wer hinter dem Aufruf „Christen stehen auf“ (https://www.christenstehenauf.de/aufruf/kirche/) steht, aber ich finde es zutiefst deprimierend, dass gerade die protestantischen Mainstream-Kirchen bei der Panik mitgemacht haben und sogar behauptet haben, „Abstand“ sei Nächstenliebe. (Das war mit das grausamste, was ich in der schrecklichen Zeit gehört habe. So viele Menschen sind vereinsamt, und jetzt noch leiden viele Kinder an den Nachwirkungen.)
Schade, dass Sie meinen Kommentar wieder als „Unsinn“ bezeichnen – das reiht sich ein in eine lange Reihe von beleidigenden Ausdrücken. Aber ich kenne das aus der Corona-Zeit: Vielleicht wurde ich nicht oft *persönlich* beleidigt, aber allein die Tatsache, DASS die Kritiker der 2G-Ausgrenzungen immer wieder abqualifiziert wurden (und niemand die Verbote der Demonstrationen protestiert hat), war ein absoluter Tiefpunkt. Dass wir demnächst eine AfD-Regierung bekommen (zuerst in Sachsen-Anhalt, dann auch im Bund; ebenso wie Nigel Farage in Großbritannien usw.) hat auch damit zu tun, dass die schlimmen Fehler der Corona-Zeit (vielleicht verständlich aus der Panik der damaligen Zeit) nicht aufgearbeitet wurden. Es ist die Quittung für den Hochmut einer Gesellschaft, die die Fehler nur bei den Rechten sieht, aber eigene Fehler nicht wahrnehmen will.
Ach ja, da sitzt einer im Ohrensessel bzw. auf dem moralischen Hochsitz und weiß jetzt schon alles ganz genau: dass die AfD regieren wird, dass daran die Schuld haben, die die Corona-Politik der Regierung und der Kirchen im Nachhinein nicht kritisieren und es einen einzigen gibt, der das alles richtig sieht: er selbst. Ein wahrhaft überzeugendes Ergebnis diskursiven Denkens oder doch nur Ausfluss einer Verblendung?
Danke für diese Antwort, Herr Wolff! Ja, es kann sein, dass ich verblendet bin, und deshalb freue ich mich immer wieder über sachliche Argumente, in alle Richtungen. Aber ich habe die Wahl Trumps bereits im Sommer 2024 vorhergesagt (hier in diesem Blog), weil man damals schon gut erkennen konnte, dass die Biden/Harris-Demokraten nicht von ihrem Hochmut abrücken wollten. Und jetzt ist es natürlich einfach, vorherzusagen, dass Nigel Farage bald UK-Premierminister wird, dass Bardella bald französischer Präsident wird, und dass auch die Kanzlerschaft von Alice Weidel immer näher rückt. Aber ich frage mich, ebenso wie Sie: Was könnte man tun? Man könnte demütig werden und die Fehler der Vergangenheit eingestehen, und man könnte zur Friedenspolitik zurückkehren. Das wäre zumindest ein Ansatz, denke ich.
Vor solch prophetischen Gaben kann man nur demütig den Kopf senken …
„Es ist die Quittung für den Hochmut einer Gesellschaft, die die Fehler nur bei den Rechten sieht, aber eigene Fehler nicht wahrnehmen will.“
Wer sind diejenigen in einer Gesellschaft, die sich nicht zu den Rechten zählen?
Herr Haspelmath, ich möchte mich nicht in die Debatte zwischen Ihnen und Christian Wolff einmischen. Ich habe einen Ihrer Sätze hervorgehoben und eine Frage gestellt. Mich hat der Ausdruck „Hochmut einer Gesellschaft“ gestört.
Nach dem Lesen Ihrer Beiträge fiel mir auf, dass die Corona-Pandemie noch nicht aufgearbeitet wurde. Ich habe mich mehrmals unter die Demonstranten begeben, um ihre Beweggründe zu erfahren. Es handelte sich vor allem um Leugner der Pandemie, die mir sogar Gewalt androhten, als ich Fragen stellte, worauf ihre Behauptungen beruhen. Genau diese Art, mit dem Schicksal Betroffener umzugehen, empfinde ich als Hochmut. Doch das betrifft nur einen Teil der Gesellschaft.
Ein anderer Teil befand sich in Regierungsverantwortung und hatte im Umgang mit einer solchen Gefahr keine Erfahrung. Es war wie im Krieg. Erst musste eine Strategie und dann eine „Waffe“ entwickelt werden, um sich vor solchen Gefahren zu schützen. Wie wir alle wissen, ist dazu eine gewisse Zeit notwendig. Inzwischen wissen wir auch, dass diese „Waffen“, ich meine die Impfstoffe und die 2G-Regel, auch Nebenwirkungen haben und Schäden angerichtet haben. Doch das ist ein oft grausamer Lernprozess, auch für die nächste Pandemie, die mit Sicherheit über die Menschen kommen wird, ebenso wie Kriege.
Ich habe Erfahrungen mit der Seefahrt. Was meinen Sie, was mit der Freiheit geschieht, wenn sich an Bord eine Seuche ausbreitet? Die Freiheit besteht einzig und allein darin, in den Ozean zu springen oder den Anordnungen des Kapitäns zu folgen.
Allerdings verstehe ich nicht, aus welchen Gründen Sie in diesem Zusammenhang die AfD, Nigel Farage und auch die Trump-Regierung erwähnen. Populisten suchen keine Lösungen in solchen Situationen, im Gegenteil: Sie nutzen diese aus, um weiter Verwirrung zu stiften, die ihre Chancen erhöht, um an die Macht zu gelangen – oder zu bleiben.
Was den Umgang mit Armin Laschet betrifft, so berufe ich mich auf das Zitat von Oriel FeldmannHall (siehe unten): „Man urteilt heute nicht in erster Linie über politische Ansichten, sondern über die gesamte Person. Man verdammt einander, statt sich auseinanderzusetzen. Wenn man negativ über andere urteilt, wird das millionenfach gelikt. Wer sich empört, wird belohnt. Das treibt die Menschen dazu, immer weiter zu moralisieren.“
Armin Laschet war ein demokratisch gewählter Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens. Natürlich ist er ein Mensch, nicht perfekt und fehlbar wie auch der Papst.
Die Gesellschaft sieht nur die Fehler bei den Rechten, meinen Sie. Das verstehe ich nicht. Deshalb frage ich: Wo beginnt rechts und wo hört es auf? Und wie blickt der rechte Teil auf den anderen Teil der Gesellschaft? Sind dann alle links?
Ja, Sie haben recht: „Es war wie im Krieg. Erst musste eine Strategie und dann eine „Waffe“ entwickelt werden, um sich vor solchen Gefahren zu schützen.“ – Aber auch damals hätte man eine aktive „Friedenspolitik“ betreiben müssen, statt Regierungskritiker auszuschließen (ein Jahr lang durfte man nicht öffentlich sagen, was die Regierung wusste: dass das Virus wohl aus einem chinesisch-amerikanischen Labor stammte). Man hätte das Grundgesetz beachten sollen und immer wieder im Bundestag debattieren sollen – stattdessen hat der Souverän abgedankt und es wurde eine Quasi-Diktatur der MPKs eingerichtet. Das haben die Querdenker (und später auch die AfD und Sahra Wagenknecht) völlig zu Recht kritisiert. Letztlich haben sich praktisch alle „waffen“ als völlig wertlos erwiesen, und wir alle haben diesen „Krieg“ in dramatischer Weise verloren. Nach 1945 gab es einen Aufarbeitungsprozess (und Schuldbekenntnisse), und dann konnte zumindest im Westen die Demokratie gedeihen. Heute wird der „Krieg“ einfach verdrängt, oder es werden Dolchstoßlegenden verbreitet (als wären immer noch die Querdenker schuld). Das kann zu nichts Gutem führen.
Ich habe von „Querdenkern“ noch nie seriöse Inforrmationen erhalten, im Gegenteil: Als ich nachfragte, wurde ich bedoht – und von der Polizei geschützt. Meine persönlichen Erlebnisse können Sie mir nicht nehmen.
Thema des aktuellen Beitrags im Blog von Christian Wolff ist die Wut vieler Mitbürger:innen, die vermutlich mit-verursachend war für die schreckliche Amokfahrt durch eine Leipziger Fußgängerzone am 4.5.26.
Das nutzt Herr Haspelmath nun zum wiederholten mal, um seine Wut über Regeln während der Corona-Pandemie zu äussern. Mit dem Thema „Amokfahrt“ hat das zwar nichts zu tun, aber Herrn Haspelmath’s Wut auf empfohlene Verhaltensweisen und (zeitlich befristete) Erlasse seitens der damals Regierungsverantwortlichen und Fachexpert:innen sitzt wohl sehr tief!
Es scheint mir müßig, dieses Fass erneut zu öffnen; überzogene Einschränkungen und Verbote wurden in der Zwischenzeit ausführlich diskutiert… Frau Professorin Buyx (damals Leiterin der Ethik-Kommission) hat im Rahmen eines Leipziger Gesprächs geäussert, ihre größte Befürchtung sei, dass eine nächste Pandemie (und die wird sicher kommen) weitgehend unreguliert „durchrauscht“!
Und wenn Herr Haspelmath jetzt die Unterzeichner:innen der „Leipziger Erklärung“ gar für zukünftige AfD-Regierungen verantwortlich macht, ist das in meinen Augen abstrus!!!
Gott sei Dank ist die Stimmung in Leipzig und die Diskussion nach der schrecklichen Amokfahrt vom 4. Mai nach meiner Wahrnehmung weitgehend ruhig und besonnen geblieben. Das hatte ich mir in meinem Beitrag vom 6.5., 11:47 Uhr auch so erhofft.
Leider wurde in einem anderen Beitrag vom 6.5., 17:32 Uhr neben Aussagen zur Amokfahrt anderen Blogger:innen auch „Heuchelei“ und politische Instrumentalisierung der Tat unterstellt; dies haben Herr Wittenburg und ich (zugegeben mit einer gewissen Polemik) kritisiert. Dazu Herr Schwerdtfeger: „Ich gehe inhaltlich nicht darauf ein, weil das Thema dieses Beitrags … durch eben genau diese Polemik entwürdigt wird“.
Allerdings bezog sich mein Text vom 6.5., 21:28 Uhr ausschließlich und erkennbar auf seinen Beitrag um 17:32 Uhr!
Auch ich gehe auf die seit Ewigkeiten, zumindest seit Existenz dieses Wolff-Blogs, unaufhörlich zersetzenden und auch dieses Mal erneut Christian Wolff desavouierenden Kommentare auf sachliche Fakten von Ihnen, Herr Schwerdtfeger, nicht ein – der Vorfall in Leipzig mit Tod und inneren wie äußeren Verletzungen verlangt doch ganz klar und im Sinne menschlichen Anstandes Innehalten und Gefasstheit und Zurückhaltung. Das, was Sie betreffs dieser Leipziger Katastrophe Chr. Wolff aktuell vorwerfen, praktizieren Sie selbstherrlich erneut und unvermindert mit verbaler Verächtlichmachung, und das immer und immer wieder öffentlich. Schade, aber eben auch absolut abzulehnen! Kurt Tucholsky sagte einst: „Das Leben ist gar nicht so. Es ist ganz anders.“ – denken Sie doch darüber einmal etwas intensiv unaggressiv nach. Guten Tag; Jo.Flade
Wie sehr beweisen doch leider die Reaktionen Wittenbergs und Käfers die ganze Heuchelei gerade der Rechthaberischsten in diesem Blog: Ich habe eine andere Meinung geäußert, als sie sie haben – der eine nutzt dies zur Rechtfertigung früherer Beleidigungen, der andere hält Ignorieren für angemessen. Das also ist gemeint, wenn man schreibt, dass mehr Toleranz und mehr Zuhören angemahnt wird. Ich gehe inhaltlich nicht darauf ein, weil das Thema dieses Beitrags – ein tragischer Anschlag in Leipzig – durch eben genau diese Polemik entwürdigt wird.
Andreas Schwerdtfeger
„Man urteilt heute nicht in erster Linie über politische Ansichten, sondern über die gesamte Person. Man verdammt einander, statt sich auseinanderzusetzen. Wenn man negativ über andere urteilt, wird das millionenfach gelikt. Wer sich empört, wird belohnt. Das treibt die Menschen dazu, immer weiter zu moralisieren.“
Zitat: Oriel FeldmannHall
Es ist nicht nicht einfach und vor allem schmerzhaft, aus diesem Teufelskreis wieder herauzukommen. Wir haben heftig diskutiert. Ich entschuldige mich ausdrücklich, wenn ich Sie beleidigt habe, Herr Schwerdtfeger. Das wollte ich nicht.
Ich danke Ihnen, Herr Wittenburg – Sie haben ein Beispiel gesetzt, wie ich es auch vor einiger Zeit mal getan habe. Wir werden in Zukunft uns heftig in der Sache streiten und vielleicht – hoffentlich – weniger im belehrerischen Stil vermeintlicher Pazifisten! Prima.
Wenn Wolff und Co das auch könnten, wären wir einen großen Schritt weiter und es gäbe mehr Glaubwürdigkeit in ihren Beiträgen.
Andreas Schwerdtfeger
Danke, Herr Schwerdtfeger. Meine Entschuldigung betrifft nur uns beide. Die freie Meinungsäußerung anderer bleibt davon unberührt.
Ein Beitrag zum Nachdenken, lieber Herr Wolff, und wer wollte der guten Absicht widersprechen?
Leider – und leider wie immer – verbinden Sie selbst dieses tragische Ereignis mit einer politischen Botschaft und instrumentalisieren es also über die hier eigentlich nur angemessene menschliche Dimension hinaus. Hier ist in Wirklichkeit offensichtlich ein gestörter Einzeltäter unterwegs gewesen – wie es leider in DEU in diesen Zeiten öfter passiert – und es wäre wohl besser gewesen, Ihre richtigen und wichtigen Gedanken zu dieser sinnlosen Gewalttat ohne politischen Bezug – Ausländer, Trump, etc – mitzuteilen. Denn was nützt es (und wie ehrlich ist es?), die Trauer wegen dieser Tat sofort in Politik umzumünzen. Was nützt es, uns zu ermahnen: „Wir müssen wir im Guten streiten und Wege suchen zu einem Miteinander“, wenn Sie hier selbst vor wenigen Jahren geschrieben haben: „Wer so … redet, … der geht – wenn’s drauf ankommt – über Leichen und will dabei nicht gestört werden“ und bis heute nicht in der Lage sind, diese Aussage als in Ihrem eigenen Sinne falsch zu bedauern; wenn diese Ihre Aussage von einigen Ihrer Unterstützer auch noch verteidigt wird. Was nützt es, wenn die besonders Klugen hier einen so schönen Satz wie „Menschen müssen wieder lernen, Gespräche zu führen, in denen eine Meinungsverschiedenheit normal ist und als selbstverständlich akzeptiert wird“ schreiben, in Wirklichkeit und gleichzeitig aber andere Meinungen mit bewusst herabsetzender Fußballtorzählerei abtun. Man ist versucht, Ihren Beitrag und einige der Reaktionen auf Ihre Rede als inhaltlich richtig anzunehmen – bis man dann eine gewisse Heuchelei erkennen muss, zu der dieser schreckliche Vorfall missbraucht wird.
Leipzig ist eine wunderbare Stadt. Sie leidet unter einer tragischen menschlichen Verirrung und Verwirrung, die in ähnlicher Form schon andere Städte heimgesucht hat – und weitere Städte heimsuchen wird. Wir sind uns einig, lieber Herr Wolff, dass dieses Unglück nicht „zeitgemäß“ werden darf, uns immer wieder neu aufrütteln und zu mehr Miteinander führen sollte. Aber die erste Voraussetzung für Miteinander ist, dass man Dinge klar anspricht, ohne Hintergedanken und „fake aims“.
Andreas Schwerdtfeger
„Was nützt es, wenn die besonders Klugen hier einen so schönen Satz wie `Menschen müssen wieder lernen, Gespräche zu führen, in denen eine Meinungsverschiedenheit normal ist und als selbstverständlich akzeptiert wird´ schreiben, in Wirklichkeit und gleichzeitig aber andere Meinungen mit bewusst herabsetzender Fußballtorzählerei abtun.“
Danke Herr Schwerdtfeger, die Fußballtorzählerei hat also ihre Wirkung nicht verfehlt. Ihre Darlegungen kann ich jetzt viel besser verfolgen. Ihre zuvor aggressive Polemik haben Sie in den Griff bekommen. Das wirkt wohltuend und wir können auf dieser Basis gern unsere Meinungen austauschen.
„Leider – und leider wie immer – verbinden Sie selbst dieses tragische Ereignis mit einer politischen Botschaft und instrumentalisieren es also über die hier eigentlich nur angemessene menschliche Dimension hinaus. Hier ist in Wirklichkeit offensichtlich ein gestörter Einzeltäter unterwegs gewesen – wie es leider in DEU in diesen Zeiten öfter passiert – und es wäre wohl besser gewesen, Ihre richtigen und wichtigen Gedanken zu dieser sinnlosen Gewalttat ohne politischen Bezug – Ausländer, Trump, etc – mitzuteilen.“
Das ist ein streitbarer Ansatz, Herr Schwerdtfeger. Ein gestörter Einzeltäter: Wo fangen diese an und wo hören sie auf? Unsere Welt wird von gestörten Einzeltätern massiv gestört. Der Amokfahrer wurde als geheilt aus einer Psychiatrie entlassen. Also war er nicht gestört. Als Genesener raste er mit Absicht durch eine Fußgängerzone.
Was hat ihn dazu bewogen?
Ein anderer Mann schickt täglich Drohnen und Raketen in ein Land und tötet unschuldige Kinder, Frauen und Männer. Mit dem Unterschied, dass er als gesund gilt, verehrt und hofiert wird, auch von Deutschen. Wiederum ein anderer geht brutal mit Menschen um, die nicht in seine Weltanschauung passen. Auch dieser gilt als gesund, wird verehrt und hofiert, auch von Deutschen.
Wie gehen wir damit um? Christian Wolff hat seine Gedanken geschildert, mehr nicht.
Es ist mir bewusst, dass Ignorieren eigentlich die beste Reaktion auf unanständige, inhaltlich nichtssagende und von jahrelangen Wiederholungen geprägte Beiträge ist.
Trotzdem juckt es von Zeit zu Zeit in den Fingern.
Wenn der POTUS sich vor Monaten als den einzig würdigen Friedensnobelpreisträger, als „stabiles Genie“, letztens gar als Jesus oder zumindest König auf seiner eigenen Kommunikationsplattform „Truth Social“ darstellte, dann kann man ja wohl mal (wieder) Christians Blog zur Diffamierung/Verhöhnung des Blog-Betreibers und einiger Blog-Autor:innen nutzen! Da kann man dann behaupten, Christian würde ein tragisches Ereignis für „seine“ politische Botschaft instrumentalisieren (ich selbst habe Christians Rede eher als Aufruf zu „Respekt, Nächstenliebe, Ehrfurcht vor allem Lebendigen“ verstanden).
Und wenn Siegfried Wittenburg vor einigen Wochen sich anmaßte, aufgrund eigener Erfahrung/eigenen Wissens aus seiner Sicht falsche Aussagen als „Eigentore“ zu zählen, dann ist das natürlich eine „bewusst herabsetzende Fußballtorzählerei“.
Heute ist die aktuelle Bundesregierung und Bundeskanzler Merz genau ein Jahr im Amt. Ich verstehe durchaus, dass einer seiner wenigen verbliebenen, bedingungslosen Verehrer, aus Frust über seine Akzeptanz in der Bevölkerung, nicht immer objektiv in einem auch von einzelnen rot/grünen Sympahisanten geprägten Blog schreiben kann…
Aber der Täter hatte sich am 12. April in psychiatrische Behandlung begeben und sie offenbar als „geheilt“ wieder verlassen. In der kurzen Zeit können die notwendigen, vielleicht verschiedenen Pharmazeutika doch gar nicht getestet werden. Kann ein guter Psychiater ein solches Gefahrenpotenzial bei einem Menschen vielleicht vorhersehen?
Jeffrey Kloß hat sich freiwillig in stationäre psychiatrische Behandlung begeben und hätte dort auch nicht ohne weiteres festgehalten werden können. Im Gegenteil, wegen aggressiven Verhaltens gegenüber Mitpatienten wurde er aus der Klinik rausgeschmissen. Er war ehrenamtlicher Kinderboxtrainer beim Boxring Atlas Leipzig, der sich von ihm distanziert: https://www.boxring-atlas.de/ Als psychologischer Laie denkt man, dass das ein idealer Ort zum Abreagieren von Aggressionen sein müsste und er als Trainer auch über eine gute Impulskontrolle verfügen musste.
Lieber Christian – nicht nur, aber auch uns als Großeltern traf diese „ego-psychotherapeutisch“ und damit kanalisierte Aggression sehr, auch, weil einer unserer Enkel seit zwei Jahren an der Uni Leipzig studiert. Der Schmerz der Betroffenen, die Fassungslosigkeit, ja auch Ohnmacht gegenüber solcher Wahnsinnstaten – all dies wurde auch uns sofort bewusst und beschäftigte uns genau in diesem von Dir analysierten Konsens: Die zunehmende Gewalt in dieser zunehmend auch dadurch stark gefährdeten Zivilgesellschaft. Wir als Außenstehende können en detail den Zustand des Amokfahrers nicht beurteilen, die ihn temporär behandelnde und dann offensichtlich vorzeitig entlassende Klinik wird sich freilich Fragen stellen lassen müssen…Dieser erneute, schreckliche Fall, dieses Mal in Leipzig, ist eben leider längst kein Einzelfall mehr – LEIDER! Die Aggressionen häufen sich, gegen was und gegen wen auch immer; ein Ausweg aus einer subjektiven Ausweglosigkeit wird in personifizierter Gewalt gegen andere fast demonstrativ in aller Öffentlichkeit ausgetobt – mit tödlichen Folgen und verheerenden Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Wir erleben nahe einer Schule täglich verbale und auch körperliche Gewalt unter den Schülern, die sogernannten „Sozial(?)“-Medien verstreuen unglaubliche Anfeindungen und seelische Zerstörungen, grenzenloses, hasserfülltes Mobbing. Wir erfuhren kürzlich von einer Lehrerin einer Dresdner Schule, dass sich eine 14-jähriges Mädchen das Leben nahm – warum nur? Was trieb sie zu diesem Suizid? Ein solcher Fall dürfte ganz sicher auch für die Lehrkräfte ein riesiges Problem sein, im Schulklassenverband. Für die Familie des Mädchens eine Katastrophe! Woher nur kommt diese unaufhaltsame Gewaltbereitschaft bereits auch schon im pubertären Kindesalter? Fragen über Fragen, und auch wir spüren bei solchen Situationen eine gewisse Ohnmacht und Hilfslosigkeit. Danke für Deine Rede vor der Nicolaikirche – auch zu diesem Problem-Thema hat Kirche Verantwortung, aber auch wir allesamt. Allein mit installierten Pollern, Kameraüberwachungen im öffentlichen Raum und betonierten Straßensperrungen ist dieses „komplexe Thema“ (so würde es Herr Mertz artikulieren) wohl kaum zu regulieren! Aufklärung, Bildung in den Schulen, Stärkung der Sozialen Einrichtungen, um gestrauchelte, isolierte Menschen auffangen, annehmen zu können, diese aufzunehmen und Hilfsangebote anzubieten – das wären ansatzweise Möglichkeiten der notwendigen Hilfsleistungen. Die Aggressionen durch weltweit zunehmende Egomanie und Narzissmus im politischen Bereich sind ebenfalls Fundament für solche Situationen wie eben in Leipzig geschehen, in unserem Land sieht es nicht besser aus. Die derzeitig destruktive Parteienpolitik mit gegenseitiger Verächtlichmachung befördert Gewalt, in welcher Form auch immer. Es geht nicht nur um Stil-Fragen, es geht a priori um Anstand und gegenseitigem Respekt und Akzeptanz des Andersdenkenden! Die Würde des Menschen ist unantastbar!!! Unsere Gedanken sind in Leipzig! Jo.Flade
Verläßliche, vertraute, tragfähige Menschliche Bindung, Respekt vor der Andersartigkeit des Gegenübers , des Freundes , des Andersdenkenden, Andersempfindenden, Anderslebenden wird nur unterhalten und genährt durch sehr konkrete , zwischenmenschliche Erfahrungen, offenen Austausch bei zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen im gegenseitigen Respekt und in Anerkennung des Anderen als Anderen. Das, was dann wachsen kann nennen wir „ sichere zwischenmenschliche Bindung“ oder Vertrauen. Diese ist weitgehend verantwortlich und wirksam, sie trägt Konflikte zu Kompromissen, schenkt konkrete Vorstellungen von der Andersartigkeit des anderen Fremden, andersartigen Gegenübers, zu Erträglichkeit von existierenden Konflikten und zur Bereitschaft, fair und beharrlich um tieferen Sinn und Kompromisse zu ringen. Toleranz ist nur so , durch gewonnene Einsicht erfahrbar und tragfähig. Die kann man zwar beschreiben, aber wirksam und spürbar wird sie nur durch konkrete verbindliche Erfahrung diesbezüglich mit Menschen. Wir, die älteren Menschen könnten aufgrund unserer Lebens- und Beziehungserfahrung , wenn sie denn geglückt ist, die Vorbilder , Vermittler und Motoren sein für die Vermittlung dieses Erlebnisses: das kann konkret Sinn stiften und somit friedensstiftend wirken, jedenfalls führt es eher weg von extremen ,einseitigen , radikalen , überwältigenden Hirngespinsten, die immer dazu neigen, sie rücksichtslos und unbesonnen , spektakulär einzusetzen . Also: durch Verführung, durch Überwältigung. Dazu braucht es auch persönliche Vertrautheit zwischen Menschen, ein permanentes Ringen und Mühen um sichere Bindungen, eben nicht nur mit Gleichgesinnten sondern gerade auch mit Menschen, die anders geprägt sind als ich. Die Frage, die ich mir stelle in diesem Zusammenhang: wie weit kann das in einem so unverbindlichen Setting , wie ein Blog das versucht?Vergessen wir bitte nicht, dass die Möglichkeiten zu vertrauten , konfliktbelastbaren , toleranten und selbstbewussten ,abgrenzungsfähigeren, zwischenmenschlichen , verbindlichen Beziehungen in unserer schnelllebigen und unverbindlicheren Lebenswirklichkeit sehr viel schwieriger möglich und zu erreichen sind, auch, weil die eigenen Besinnungsmöglicheiten und Austausch darüber durch die Unverbindlichkeit dieses Austauschinstrumentes , Blog‘schwieriger zu erreichen sind bei diesem weltweit herrschenden und sich rasant ausbreitenden, hemmungslosen Aktionismus. Das gebe ich zu bedenken und frage auch mich selbst: jede sinnvoll gestellte Frage verlangsamt mich jedenfalls zum Bedenken und Abwägen….
Eine Amokfahrt – mitten durch das Herz Leipzigs!
Natürlich macht das etwas mit einem selbst, muss überdacht, abgewogen, müssen, wenn nötig, Konsequenzen gezogen werden
Immer wieder (auch hier im Blog) lautet ja ein Argument: über das Ziel – (hier) sichere Innenstädte – herrsche Einigkeit, nur die Wege dahin seien strittig.
Der mutmaßliche Amokfahrer hat nach derzeitigem Wissensstand psychische Probleme.
Nicht auszudenken, wäre er nicht „deutscher“ Herkunft, entspräche sein Äusseres nicht dem „allgemeinen Stadtbild“. Man kann sich leicht ausmalen, was die unsägliche AfD und andere daraus sonst ableiten würden.
So wird „nur“ über ein verschärftes Sicherheitskonzept, mehr Poller, mehr Überwachung diskutiert.
Mir persönlich ginge dabei aber ein Stück des Gefühls „Mein Leipzig lob ich mir“ verloren, würde die welt-offene, von bürgerlichem Engagement geprägte, kulturell vielschichtige Stadt ärmer!
Egal, wieviele Poller, Barrieren, oder gar Schutzwälle Fußgängerzonen schützen – Amok-Ereignisse lassen sich damit nicht wirklich vermeiden. Unmittelbar in der Nähe des Tatortes Grimmaische Straße befinden sich in Leipzig z.B. diverse Kneipen-Viertel mit Freisitzen auf Bürgersteigen neben Durchgangsstraßen.
Mich beschäftigt seit der Amokfahrt vom Montag primär: wie können Bürger:innen bei einer derartigen Gefahrenlage schnell und gesichert informiert werden, um aus der Gefahrenzone herauszukommen, bzw. nicht unwissend hineinzugeraten.
Dazu möchte ich kurz das persönliche Erleben von meiner Frau und mir schildern.
Nach einem Spaziergang im Leipziger Süden stiegen wir gegen 16:45 Uhr (Beginn der Amokfahrt am Augustusplatz) in die Straßenbahn Richtung Innenstadt. Als wir kurz nach 17 Uhr ausstiegen, bemerkten wir zwei tieffliegende Hubschrauber (ungewöhnlich) und diverse Sirenen (normal).
Eine Passantin sprach uns an, wir sollten nicht ins Zentrum gehen, dort gäbe es lt. Polizei eine Schießerei. Wir entschieden uns, noch ein Glas Wein in einem Bistro an der Thomaskirche zu trinken. Der Wirt wusste nichts von einer Schießerei oder anderen Gefahrenlagen (das Bistro ist ca. 150 m von der Stelle entfernt, an der die Amokfahrt mit einem zweiten Todesopfer endete; dazwischen liegt lediglich die Thomaskirche). Kurz nach 18 Uhr haben wir aus Gesprächen an Nebentischen dann erstmals von einer Amokfahrt erfahren.
Weder in der Straßenbahn (die auch geplant über den Augustusplatz fuhr), noch über irgendeine App, oder offizielle Informant:innen haben wir von dem Geschehen in unmittelbarer Nähe Kenntnis oder gar Verhaltensempfehlungen erhalten.
Diesen Ausführungen kann ich nur zustimmen. Wir leben in einer verrückten Welt.
Wir sollten Ruhe bewahren und Gottes Nähe spüren. Dieses kann man im Friedensgebet oder beim Gottesdienst hervorragend.
Wünsche allen eine gesegnete Zeit.
Die Literaturbiennale in Wuppertal, die diesen Monat läuft, stellt dieselbe Frage. Hier zur Anregung das Programm z.K.
https://wlbiennale.de
Die Psychologin Prof. Oriel FeldmannHall (Brown University im US-Bundesstaat Rhode Island) hat zu diesem Thema geforscht. Hier auszugsweise Ergebnisse:
– In der Politikwissenschaft existiert seit 70 Jahren die These, dass unflexible Personen eher zu autoritären, extremistischen Positionen neigen. Das unflexible Gemüt hält Unsicherheit schlecht aus und will, dass Dinge klar definiert sind. Grautöne sind nicht vorgesehen. So entsteht das Schwarz-Weiß-Bild „Wir gegen die anderen“. Das ist gesellschaftlich zersetzend. Extreme Positionen sind sowohl bei Menschen mit rechten als auch mit linken Ansichten zu finden.
– Über die sozialen Medien können wir uns in einer Welt einrichten, in der wir nur Nachrichten bekommen, die mit unseren Überzeugungen übereinstimmen. Nachrichtenmoderatoren für die ganze Familie, die politisch in der Mitte stehen, dringen nicht mehr durch.
– Die Wechselwirkung zwischen einer starken Persönlichkeitseigenschaft und einer Medienwelt, die wir nach unseren Vorlieben formen können, ist eine der wesentlichen Triebkräfte der Polarisierung.
– Man urteilt heute nicht in erster Linie über politische Ansichten, sondern über die gesamte Person. Man verdammt einander, statt sich auseinanderzusetzen. Wenn man negativ über andere urteilt, wird das millionenfach gelikt. Wer sich empört, wird belohnt. Das treibt die Menschen dazu, immer weiter zu moralisieren.
– Wenn man die digitale Welt verlässt und auf echte Menschen trifft, fällt man auf dieses eintrainierte Belohnungsmuster zurück: Empörung bringt Aufmerksamkeit, und jeder, der nicht für mich ist, ist gegen mich. Dabei verlangt das menschliche Miteinander genau das Gegenteil: den anderen als vielschichtige Person zu sehen.
Viele Menschen müssen wieder lernen, Gespräche zu führen, in denen eine Meinungsverschiedenheit normal ist und als selbstverständlich akzeptiert wird.
Social Media und grosse gesellschaftliche Verwerfungen erzeugen die Wut – ich meine damit das ständige Hass-posten, die Einwanderung letztlich von schwer oder nie zu integrierenden Menschen, aber auch die Inflation, enge staatliche Vorgaben etwa was Energiewende, Baurecht, Schulzugang, etcetc angeht. Der Mensch fühlt sich gegaengelt und reagiert.
„Der Mensch fühlt sich gegaengelt…“ Von wem?
Das Auto hat sich als Waffe für geistig erkrankte Menschen entwickelt. Solche Ereignisse in den Fußgängerzonen sind natürlich sofort top Thema in der Presse. Doch zahlreiche weitere tägliche „Unfälle“, ebenfalls mit Todesopfern und Schwerverletzten, finden kaum Beachtung.
Als ich neulich mit dem Auto auf einer Straße nahe einer Großstadt fuhr, wurde ich mehrmals von anderen Autos extrem verkehrswidrig und mit gefährlich hoher Geschwindigkeit überholt. Mir stockte der Atem. Auch am letzten Frühlingswochenende traten wieder rasende Biker in Erscheinung – mit Todesfolge für Radfahrer.
Seit geraumer Zeit beobachte ich in dieser Hinsicht eine Zunahme unvernünftiger und zunehmend aggressiver Verkehrsteilnehmer. Die Blitzer werden passgenau im Radio gemeldet. Es gibt sogar eine App zur Warnung. Anschließend können die Raser wieder Vollgas geben. Das tun sie auch.
Sind das Anzeichen einer zunehmenden Erkrankung des geistigen Zustands der „modernen“ Menschen? Der Erregungspegel befindet sich infolge des digitalen Medienkonsums ständig am Anschlag.