Aktuelle
Themen

Aktuelle
Themen

Am Abgrund

Bitterer, katastrophaler konnte es für die SPD nicht kommen: Mit 5,5 Prozent landete sie bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg knapp über der Fünfprozenthürde. Dieses Ergebnis wird auch dadurch nicht besser, dass man davon ausgehen kann, dass etliche Wähler:innen, die vorhatten, der SPD ihre Stimme zu geben, dann doch Bündnis 90/Die Grünen gewählt haben, nachdem sich die realistische Aussicht abzeichnete, dass die Grünen stärkste Partei werden und damit den Ministerpräsidenten stellen können. Denn selbst unter Berücksichtigung dieses Faktors wäre die SPD im einstelligen Bereich gelandet – ein Trauerspiel.

Zwei Faktoren haben wohl eine entscheidende Rolle gespielt:

  • Faktor eins: Derzeit verfügt die SPD über kein sozialdemokratisches Profil, weder innen- noch außenpolitisch. Sie kann auch in der Bundesregierung keine Themen setzen. Sie dringt mit dem, was ihr durchaus gelingt, nicht mehr durch. Die SPD ist schlicht zu einer langweiligen, mut- und perspektivlosen Partei geworden. Leider spiegeln die derzeitigen Führungspersonen genau diesen Zustand wider. Wer auch vor der Kamera steht – es springt kein Funke über. Das, was die SPD einstmals groß gemacht hat, findet nicht mehr statt: die Partei, die die Bedürfnisse und Interessen der Arbeitnehmer:innen aufgreift und politisch so umsetzt; die Partei, die in der Bildungs- und Kulturpolitik für Vielfalt und Fortschritt steht und gleichzeitig dafür sorgt, dass dadurch soziale Gegensätze überwunden werden; die Partei, für die die europäische Einigung ein Muss und Ausgangspunkt für friedenspolitische Initiative ist.
  • Faktor zwei: Wie jetzt in Baden-Württemberg droht die SPD zunehmend nicht mehr für die Mehrheitsbildung im Parlament gebraucht zu werden. Sie kann auch selbst keine Koalitionsoption aussprechen. Das ist mehr als bitter.

Nun wird in vielen Wahlanalysen darauf hingewiesen, dass die SPD nur noch von fünf Prozent der Arbeitnehmer:innen gewählt wird, während die AfD in dieser Wähler:innengruppe stärkste Partei ist. Ich lasse jetzt einmal die Frage beiseite, was heute unter Arbeitnehmer:innen verstanden wird. Auch halte ich das Argument, die SPD kümmere sich mehr um Bürgergeldempfänger:innen als um die arbeitende Bevölkerung, für höchst zweifelhaft bis demagogisch. Tatsache ist aber, dass die SPD mit ihrem programmatischen Hauptthema kaum noch durchdringt: gerechte Teilhabe an Arbeit, Einkommen, Bildung, Wohnen politisch umzusetzen, auch weil sie es selbst nicht mehr erkennbar vertritt. Dabei ist es genau das, was eine große Mehrheit der Bürger:innen will und fordert – auch angesichts der täglichen Erfahrung, dass die Schere zwischen Vermögenden und Menschen, die um ihren Arbeitsplatz bangen müssen oder von ihrer Rente kaum leben können, zwischen denen, die sich aus der Gesellschaft ausgegrenzt und nicht beachtet sehen, und denen, für die politische und gesellschaftliche Teilhabe problemlos möglich ist, immer weiter auseinandergeht. Gleichzeitig sind immer mehr Bürger:innen von den tiefgreifenden Veränderungen in der Arbeitswelt und im Wirtschaftsleben betroffen: immer weniger Arbeitnehmer:innen werden benötigt, um Industriegüter herzustellen und höheres Wachstum zu erwirtschaften; immer mehr Arbeitsplätze werden durch KI ersetzt; weltweite Krisen (Pandemien, Kriege, Katastrophen durch Klimawandel) heizen die Inflation an, die wiederum Menschen von gerechter Teilhabe ausschließt. Diese Erfahrungen erweisen sich als Gift für die Demokratie.

Nach der baden-württembergischen Landtagswahl 2016, damals mit einem AfD-Stimmenanteil von 15,1 %, wurde in einem kleinen Ort im Speckgürtel von Stuttgart (Spiegelberg: 2.500 Einwohner:innen, kaum Kriminalität, keine Geflüchteten) in einer Tagesthemen-Ausgabe ein Mann Anfang 40 interviewt. Er stand vor seinem schmucken Eigenheim, im Hintergrund waren zwei SUVs zu sehen. Er wurde gefragt, warum er AfD gewählt habe. Seine kurze Antwort: Weil ich Angst habe, das zu verlieren. Offensichtlich sind es die tatsächlichen und eingebildeten Verlustängste, die Menschen umtreiben. Da immer mehr Menschen über kein inneres Krisenmanagement mehr verfügen (nicht zuletzt eine Folge des Zerfalls der Kirchen) und größte Probleme haben im Umgang mit eigenen Ängsten, bietet sich hier eine Einflugschneise für eine Partei wie die AfD. Sie kann mit einem einfachen Versprechen um die Wähler:innengunst werben: Wir kehren zurück in die Zeit, in der uns niemand einen Klimawandel eingeredet hat, keine Geflüchtete Unsicherheit in den Alltag einbrechen ließen, Kernenergie, Kohle und Gas für ausreichend Energie sorgten, das Auto mit Verbrennermotor für Wachstum und Wohlstand sorgten und Deutschland in keine Kriege verwickelt war. Dieses Versprechen nehmen die für bare Münze, die jetzt um ihren Arbeitsplatz bangen, den „Altparteien“ nichts mehr zutrauen – u.a. auch deswegen, weil sie für das verantwortlich gemacht werden, was angeblich verlorengegangen ist. Das ist die „Schokoladensauce“, mit der die AfD derzeit erfolgreich ihr tief-braunes nationalistisches Programm überzieht. Doch braun bleibt es dennoch. Nur: Derzeit meinen konservative Parteien dieser Politik dadurch entgegenwirken zu können, dass sie gerade in der Industrie- und Klimapolitik eine Art Rückabwicklungsprogramm aktivieren: Ja zum Verbrennermotor, Ja zu Öl und Gas, Zurück zur Kernenergie, restriktive Migrationspolitik. Damit bedienen sie aber eine äußerst fragwürdige Stimmung, ohne eine Zukunftsperspektive für eine solidarische Gesellschaft zu eröffnen.

Die Folge: Die Frage nach gerechter Teilhabe bleibt auf der Strecke. Die muss die SPD offensiv stellen, ohne Vergangenes zu reaktivieren bzw. sich daran abzuarbeiten. Gleichzeitig muss sie vor Ort dafür eintreten, dass die sozialen Verwerfungen eingeebnet werden, um ein einigermaßen friedliches und gedeihliches Zusammenleben in der Stadt zu gewährleisten. Wenn schon sehr viel Geld für Verteidigung und Rüstung ausgegeben werden soll, dann muss umso mehr in Bildung und Kultur investiert werden. Wenn schon die Grundsicherung an bestimmte Kriterien gebunden sein soll, dann muss umso mehr investiert werden in eine menschennahe, analoge Sozialpolitik. Es darf eben in keiner Ortschaft mehr ein öffentliches Gebäude wie Kita, Schule, Bahnhof verrotten, und gleichzeitig steigen Privatvermögen ins Unermessliche. Es muss durch personale Sozialpolitik dafür gesorgt werden, dass kein Kind durch das familiäre Umfeld der Schulbildung entzogen wird oder sich dieser selbst entzieht. Hier muss die SPD die politische Meinungsführerschaft übernehmen: Bildungs-, Sozial- Kulturpolitik ist eben kein Verwaltungsakt einer Behörde, sondern eine Gestaltungsaufgabe, die den Menschen gleichermaßen dient wie sie beansprucht. Und dann gehört es zur sozialdemokratischen DNA, diese ortsbezogene und menschennahe Politik zu verbinden mit der klaren Option für ein geeintes Europa und einer dem Frieden und dem Völkerrecht verpflichteten Außenpolitik.

Bleibt die Frage: Wer kann in der SPD eine solche Politik verkörpern? Wer vermag es, die Vision gerechter Teilhabe zu zeichnen und durch beherztes Handeln mit der Lebenswirklichkeit zu verbinden? Wer spricht die Menschen so an, dass deren Gestaltungskräfte mobilisiert, Ängste überwunden und neue Hoffnung geweckt werden? Mir fallen derzeit leider keine Namen ein. Aber ich bin sicher, dass es diese Sozialdemokrat:innen gibt – nur kenne ich sie noch nicht. Es gibt Hoffnung am Abgrund.

12 Kommentare

  1. Nun hat auch Bayern seine Kommunalwahl ausgezählt. Das Ergebis: Der Freistaat hat die konservativste und wohlhabenste Bevölkerung in Deutschland.

    Als ich 1990 im „Beitrittsgebiet“ aufschlug, erfuhr ich vom Reichtum der Menschen im Westen Deutschlands. Sie hatten damals 3 Billionen D-Mark auf der hohen Kante. Heute sind es 10 Billionen Euro (!). Die aktulle Bundesregierung machte Verrenkungen, um 600 Milliarden Euro für die Zukunft locker zu machen.

    Der Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft: „Binnen fünf Jahren – von 2018 bis 2023 – sind die Vermögen sowohl im Median als auch im Durchschnitt nominal merklich gestiegen. Und bei allen vier Gruppen setzt sich das Vermögen ähnlich zusammen: Den größten Anteil hat jeweils mit rund zwei Dritteln der Immobilienbesitz. Besonders viel Geldvermögen haben anteilig gesehen indes gesetzlich Rentenversicherte – hier liegt die Vermutung nahe, dass ihnen zu Rentenbeginn bereits Lebensversicherungen ausgezahlt wurden.“

    Angesichts dieses gesellschaftlichen Zustands hat die SPD kaum eine Chance, höchstens bei einer kleinen Minderheit. Aus Angst vor Veränderungen und möglichen Verlusten wählen die Bürger in diesen Ländern vorwiegend konservativ.

  2. Lieber Christian,
    „… unsere Zeichen sehen wir nicht, kein Prophet ist mehr da, und keiner ist bei uns, der wüsste, wie lange.“ Dieser Vers aus Psalm 74 fiel mir ein, als ich deinen neuesten Beitrag las.
    Die SPD soll
    „gerechte Teilhabe an Arbeit, Einkommen, Bildung, Wohnen politisch umsetzen“;
    „vor Ort dafür eintreten, dass die sozialen Verwerfungen eingeebnet werden, um ein einigermaßen friedliches und gedeihliches Zusammenleben in der Stadt zu gewährleisten“;
    „durch beherztes Handeln die Vision gerechter Teilhabe mit der Lebenswirklichkeit verbinden“.
    Dem stimme ich zu. Das erwarte ich auch. Doch dann geht mir durch den Kopf: All das tun doch die mir bekannten Frauen und Männer der SPD (und natürlich auch zahllose Aktive in den anderen demokratischen Parteien) auf den verschiedenen Ebenen unseres Staates Tag für Tag! Warum wird jemand heute noch SPD-Mitglied, warum arbeitet er aktiv in einem Ortsverein oder auf höherer Ebene mit, wenn er nicht von diesen Zielen ergriffen wäre? Und wie sähe unser Gemeinwesen aus, wenn es diese vielen aktiven SPDler (und andere demokratischen Aktive) nicht gäbe, denen ich an dieser Stelle meinen Dank ausspreche. Sie setzten sich mit hohem Einsatz ein ohne Wertschätzung erwarten zu können.
    Es ist doch tatsächlich so: Die SPD „dringt mit dem, w a s i h r d u r c h a u s gelingt“, ich ergänze: mit dem V i e l e n , was ihr durchaus gelingt, „nicht durch“.
    In einem Beitrag wird bei der SPD sinngemäß ‚mitreißendes Führungspersonal‘ vermisst, also doch wohl Leute, die Visionen strahlkräftig „verkörpern“ und formulieren können. Aber ist es denn nicht so, dass es solche Personen auch in den anderen demokratischen Parteien zur Zeit nicht gibt? Woran liegt das? Woran liegt es, dass auch in den USA einem Trump von niemandem eine strahlkräftige Vision entgegengehalten wird? Es müsste doch ein Leichtes sein, mit Vernunft und Gefühl der gesammelten Dummheit, die zur Zeit durch die Welt geistert, eine Vision entgegen zu halten, die Menschen begeistert, sie auf dem Boden der Tatsachen versammelt und wieder für den Kampf für Gerechtigkeit und Frieden motiviert. Aber nirgendwo ist davon etwas zu hören.
    Stattdessen gehört die Öffentlichkeit den Populisten. Denen, die haltlose Versprechungen machen, deren eigene Vorschläge völlig widersprüchlich und ohne Verheißung auf Besserung sind. Warum kann diesen Leuten zur Zeit offenbar niemand wirkungsvoll das Maul stopfen?
    Und dann gibt es die Konservativen in unserem Land, die nicht viel mehr zu bieten haben als ein „Rückabwicklungsprogramm“. Oder die, wenn es für sie eng wird, die Migrationskarte ziehen, notfalls an der Seite der AfD – womit in der Bevölkerung dann der Restverstand im Handumdrehen verstummt.
    Am Ende bleibt bei mir Ratlosigkeit zurück. Offenbar kann man mit verantwortlicher Politik zur Zeit keine Punkte machen. Und man fragt sich: wie lange noch?

    1. Lieber Rolf Fersterra, vielen Dank für den nachdenklichen Kommentar. Ja, derzeit hat niemand ein Patenrezept, wie Menschen für demokratische Parteien zu begeistern sind. Darum herrscht durchaus Ratlosigkeit. Du fragst: „Warum kann diesen Leuten zur Zeit offenbar niemand wirkungsvoll das Maul stopfen?“ Meine Antwort: Weil diese Leute großes Gehör und ihre „haltlosen Versprechnungen“ Verstärkung finden, nicht zuletzt in Medien wie „BILD“, aber auch in etlichen Verbänden. Da mache ich mir keine Illusionen. Ich stimme Dir auch zu, dass sehr viele Mitglieder und Mandatsträger:innen der SPD gerade auf kommunaler Ebene höchst engagiert Politik für die Menschen vor Ort machen. Allerdings fehlt es zunehmend an analoger Vernetzung vor Ort, stattdessen werden Kräfte bei innerparteilichen Ränkespielen sinnlos vergeudet. Da muss sich etwas ändern. Ja, derzeit mangelt es in allen gesellschaftlichen Bereichen an Persönlichkeiten, die Glaubwürdigkeit ausstrahlen und die in der Lage sind, eine Vision mit politischem Pragmatismus zu verbinden. Ich kann nur hoffen, dass eine solche Persönlichkeit in der SPD bald sichtbar wird. Ein Problem scheint mir auch zu sein, dass zu viele Bürger:innen das umfassende Funktionieren ihres Lebens erwarten – und wenn es knirscht, dafür die „unfähigen“ Politiker:innen verantwortlich zu machen. Dass gerechte Teilhabe aber nur funktionieren kann, wenn sich Menschen aktiv beteiligen und in Anspruch nehmen lassen, das geht derzeit leider unter – ist aber die Voraussetzung für demokratische Prozesse.

      1. „Ja, derzeit hat niemand ein Patenrezept, wie Menschen für demokratische Parteien zu begeistern sind.“

        Lieber Christian, ich mache gerade zu diesem Thema mit jungen Menschen, darunter jede Menge Migranten bzw. mit Migrationshintergrund vor allem im Westen, ganz andere Erfahrungen. Sie lesen auch nicht die „BILD“. Sie dringen in der breiten Öffentlichkeit nicht durch, weil die Alterspyramide Kopf steht, sich viele Medien in konservativen Händen befinden und die digitalen Medien weitgehend von den Populisten bespielt werden. Die etablierten Parteien sind in dieser Beziehung um 10 Jahre ins Hintertreffen geraten, auch eben wegen des Alters ihrer Mitglieder und Stammwähler.

        Im Osten ist es anders. Die Populisten argumentieren nicht sachlich und mit Vernunft, sondern sie sprechen niedere Gefühle an. Im Westen funktioniert das Schüren der Angst vor Veränderung und Verlusten, im Osten kommt der Neid gut an, dass die Bürger im Westen mehr Besitz und Wohlstand haben als sie.

        1. Nur zur Präzisierung: Ich meinte nicht die Menschen allgemein, sondern diejenigen, die potentiell zur AfD neigen und – und das sind leider im Bürgertum nicht wenige – die Demokratie immer mehr infragestellen.

          1. Die AfD betont ununterbrochen und beständig, dass sie eine demokratische Partei ist. Die Wähler glauben das und meinen, sie wählen „nur“ eine Alternative zu den Altparteien ohne zu ahnen, dass es bei einem Durchmarsch der AfD keine Demokratie mehr geben wird. Erfolgreiche Gehirnwäsche.

      2. „Weil diese Leute großes Gehör und ihre „haltlosen Versprechnungen“ Verstärkung finden, nicht zuletzt in Medien wie „BILD““
        ‐———————————————————————————
        Wen meinen Sie mit „diesen Leuten“? Ich würde mir nie die „Bild-Zeitung“ kaufen, aber da sie in einem Online-Abo enthalten ist, überfliege ich sie täglich. Dort wird keinesfalls für die AfD geworben. Wie alle Springer-Produkte ist die „Bild“ konservativ, nur vom Niveau her unterhalb der „Welt“.

  3. Lieber Michael Käfer – zu diesem Kommentar füge ich den Spruch hinzu: „Die Schwäche des Einen ist die Stärke des Anderen.“ Was mich ziemlich auf den Baum brachte, dass die Wohlstandsbürger Baden-Württembergs, vermutlich auch Vertreter der Jungen Generation (?), zahlreiche aus der Hagel-CDU und SPD diese unsägliche AfD wählten. Die kaum noch ertragbare A. Weidel suhlte sich geradezu lüstern in diesem Wahlerfolg – in BW verdoppelte sich diese Truppe, sitzt mit enormen Stimmenzuwachs als massige Opposition im Landtag und wird die CDU/GRÜNEN mit aller ihr eigenen Blödheit aufmischen. Sitzen da nicht gar AfD-Affine in den Autoindustrien??? Und die völlig absurde Idee eines Jens Spahn aus der Berliner Parteizentrale, weil eine Patt-Situation im Parlament real sei, die vom Bürger ja wohl eindeutig mit Özdemir die zukünftig zu besetzende Regierung amtsführend zu halbieren, um den Hagel-Verlierer am Regierungsamt zu beteiligen. Dessen Halbwertszeit ist doch klar und offensichtlich.
    Dass nun ein B. Palmer Cem Özdemir etwas sehr durchsichtig und in Angrenzung von GRÜN und Berlin zur Seite springt – Vorsicht!!
    Jetzt sollte von CDU und GRÜN alles getan werden, um die strukturellen Probleme im Ländle zu bewältigen, ohne Eitelkeiten und parteipolitischer Selbstverliebtheit genau hinhören, wo die wahren Probleme liegen, die es anzugehen gilt. Die gegenwärtigen weltpolitischen Realitäten lassen längst keine Spielchen mehr zu. Und die SPD, auch die LINKE und klar nicht minder die GRÜNEN haben jetzt zu tun, sehr viel zu tun! Und jeder, der kann und will, hat Verantwortung in seinem Umfeld – wir allesamt, denke ich, müssen sie haben und tragen! Grüße via Leipzig, der Jo.Flade (Danke, Christian – auch dieser Beitrag sagt ALLES!)

  4. Egal, wie die Wahl in RLP am übernächsten Sonntag ausgeht – ich sehe die SPD zwar (noch) nicht am Abgrund, wohl aber in einer nicht zu leugnenden schweren Krise. Sie schafft es nicht mehr, ihre Kernthemen wirksam zu adressieren, hat derzeit kein mitreissendes Führungspersonal (Christian Wolff analysiert das in seinem Beitrag eindrücklich).
    Letzteres gilt (leider) auch für B90/Grüne – trotz des großen persönlichen Erfolgs von Cem Özdemir in Baden-Württemberg.

    Dies alles vor dem Hintergrund eines, in meinen Augen, schwachen Kanzlers, der zwar in seinen Verlautbarungen und ersten Aktionen auf die europäische Karte setzte (völlig zu Recht), dann aber wenig bis nichts folgen ließ (Frankreich, Polen, Italien, Spanien, Großbritannien)….
    Der Trump nur aus sicherer Distanz kritisiert, im persönlichen Kontakt mit ihm sich aber handzahm gibt, sich die Knie tätscheln lässt…

    Alle Themen, die in unserer Zeit wichtig sind  und besetzt werden müssten, sind auch hier im Blog hinreichend dargestellt worden; die Union bietet doch mit der fortgesetzten Diskussion von Schein-Themen (faule Bürger, Sozial-Betrug, Migration, Technologie-Offenheit, Grünen- und Sozen-Bashing usw.) hinreichend Steilvorlagen für Wahlerfolge!
    Nach der Ba-Wü-Wahl braucht sich die unsägliche AfD aber eigentlich nur noch gemütlich zurückzulehnen und mit Verweis auf die Brandmauer die „bürgerliche Mitte“ als Wählerwille für eine CDU/AfD-Regierung zu propagieren, den die Union ständig ignorieren würde, um sie weiter vor sich her zu treiben.

    Wie steht es um die (europäische) Koalition der „Willigen“?
    Um das FCAS-Projekt?
    Um einheitliche Asyl-Regeln (insbesondere gerechte Verteilung)?
    Um die Überwindung der Blockade von mehrheitlich beschlossener europäischer Vorhaben durch die immer gleichen Blockierer?

    Welche demokratische Partei widmet sich endlich einmal verstärkt der Präsenz vor Ort, vor allem auch im ländlichen Raum? Die unsägliche AfD bespielt diese „Wiese“ seit langem erfolgreich!

  5. Seit 10 Jahren ist Andreas Stoch SPD-Chef in Baden-Württemberg, und dann hatte er wenige Tage vor der Landtagswahl seinen „Laschet-Moment“. Nach dem Besuch einer Tafel in Baden-Baden schickte er seinen Fahrer nach Frankreich zum Einkaufen angeblich von Entenpastete. https://www.youtube.com/watch?v=8cfEDP5hEX4&t=637s bei Minute 9:40. Was folgt: „Das ist seit einer Woche ein Shitstorm, wie Sie es sich kaum vorstellen können.“ so Stoch im SWR https://ogy.de/mw74
    „Das klingt wahrscheinlich wie eine Luxusdelikatesse“, rechtfertigt sich Andreas Stoch in einem Interview bei SWR1 Leute. „Aber das ist eine Hausmacher-Leberwurst, die 1,80 Euro pro 100 Gramm kostet.“ Im Bericht wirke die Szene „total bescheuert“.
    Warum diese Bereitwilligkeit der Bevölkerung, einen sog. Shitstorm so zu befeuern? Gerade in Baden- Württemberg mit seiner dominierenden Autoindustrie samt Zulieferern herrschen derzeit große Ängste um den Verlust des Arbeitsplatzes. Mehr als die Hälfte aller Befragten in Baden- Württemberg sagen, die SPD setze sich zuwenig für die arbeitende Mitte ein. Sie kümmere sich mehr um Bürgergeldempfänger als um Leute, die hart arbeiten und wenig Geld verdienen. Und die Partei, der Wirtschaftskompetenz zugeschrieben wird (dabei ist Graf Lambsdorff lange tot), schafft es in ihrem sog. Stammland nicht einmal mehr in den Landtag. Wo bleiben die Wehner, Brandt, Apel, Schiller, Schmidt, Glotz, Leber heute?

  6. „Er stand vor seinem schmucken Eigenheim, im Hintergrund waren zwei SUVs zu sehen. Er wurde gefragt, warum er AfD gewählt habe. Seine kurze Antwort: Weil ich Angst habe, das zu verlieren.“

    Ja, dieses Argument kenne ich, und zwar ebenfalls aus einer Region, wo die Bürger auf hohem Niveau leben und satt sind, aber auch dort, wo diesbezüglich Neid verbreitet ist. Warum sollte ein solcher Bürger, der sein Leben lang beim Daimler geschafft und es zum Eigenheim mit zwei SUV und mehreren Auslandsreisen pro Jahr gebracht hat, die SPD wählen?

    Trotzdem: Blicke ich aus dem Fenster, sehe ich ebenfalls diesen Wohlstand. Nur: Der Bürgermeisterkandidat der AfD in dieser Gemeinde hatte keine Chance. Sie wählten einen kompetenten Parteilosen. Es muss noch etwas anderes sein, dass sich viele Wähler von Populisten bzw. Nationalisten angesprochen fühlen.

    Wir leben in einer Phase, wo grundlegende Veränderungen der Lebensweise der meisten Menschen notwendig bzw. schon auf dem Wege sind. In vielen Fällen ist ein Umlernen erforderlich, auch beruflich. Damit können Konservative nicht umgehen.

    Ich vermute einen anderen Grund: die kopfstehende Alterspyramide. Im November sprach ich mit jungen Erwachsenen, die in Wiesbaden ihren zweiten Bildungsweg absolvieren, also mit den aktuellen Problemen ihres Daseins konfrontiert sind und mehr Leben vor sich haben als der oben zitierte AfD-Wähler. Eine junge Frau machte sich Luft: „Alle denken, uns geht es gut im Wohlstand unserer Vorfahren. Doch es geht uns Scheiße! Wenn wir die Nachrichten hören, geht es uns schlecht: Krieg, Klimaveränderungen, Energiewende, Wehrdienst, die Lügen von Trump und der AfD, dieser Hass in der Gesellschaft, und dann sollen wir für die Alten auch noch Blut spenden! Alles haben wir auf dem Buckel!“

    Diese Generation tendiert nach Grün und Links, völlig normal, aber die jungen Leute sind zu schwach, weil sie zu wenig sind. Obendrein werden Ihre bevorzugten demokratischen Parteien von den mächtigen Konservativen verteufelt. Diese fürchten um ihre lange etablierte Macht und haben ebenfalls Verlustängste. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: „Entweder es ist sowieso alles egal und ich lasse es mir gutgehen, bis ich den Abgrund erreicht habe, oder ich suche mir eine Zukunft außerhalb Deutschlands.“

  7. Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich mache mich auf diè Suche nach Menschen,die die sozialdemokratischen
    Grundgesetze verwirklichen können!
    Gottfried Biller.

Antworte auf den Kommentar von Michael Käfer Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert