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Die Niederlage des Krieges

Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass durch militärische Interventionen oder kriegerische Handlungen kein einziger Interessenskonflikt gelöst werden kann, dann ist er mit dem politischen, wirtschaftlichen und militärischen Desaster des Iran-Krieges erbracht. Der in jeder Hinsicht völkerrechtswidrige Angriffskrieg Israels und der USA gegen den Iran hat drei Entwicklungen offenbart:

  1. Durch diesen Krieg ist das menschenverachtende, diktatorische Mullah-Regime in Teheran stabilisiert worden. Eine Regimewechsel ist derzeit in weite Ferne gerückt. Denn keine der beiden kriegführenden Parteien hat ein Interesse an einem freiheitlichen und demokratischen Iran. Letzterer wurde 1953 schon einmal durch die USA gewaltsam beendet (Sturz des demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Mohammed Mossadegh).
  2. Durch diesen Krieg hat sich im Nahen Osten die gegenseitige Verfeindung von Volksgruppen weiter vertieft. Auch hat die aggressive Kriegspolitik der Netanjahu-Regierung bis jetzt nicht zur Entmachtung von Terrororganisationen wie der Hamas und der Hisbollah geführt.
  3. Durch diesen Krieg ist das, was durch das von den Donald Trump 2020 aufgekündigte internationale Abkommen zum iranischen Atomprogramm (Joint Comprehensive Plan of Action, JCPOA) erreicht werden sollte, nämlich die Kontrolle der atomaren Produktion im Iran, in weite Ferne gerückt.

Schon jetzt kann bilanziert werden: Die seit Jahren auf Krieg ausgerichtete Politik von Donald Trump und Benjamin Netanjahu ist auf der ganzen Linie gescheitert. Mehr noch: Diese Politik gefährdet immer mehr den Weltfrieden, zumal sie verbunden ist mit einem imperialen wirtschaftlichen Anspruch: sich die Herrschaft über möglichst alle Energiequellen im Nahen Osten anzueignen. Darum ist nicht zu erkennen, dass beide Politiker, die sie tragenden Parteien und wirtschaftlichen Interessensgruppen irgendein Interesse an einem breit angelegten Friedensprozess im Nahen Osten haben, der das Existenz- und Entwicklungsrecht der unterschiedlichen Nationen, wozu notwendig der Staat Israel zählt, und religiös geprägten Bevölkerungsgruppen ermöglicht. Vielmehr geht es ihnen um eine machtpolitische Umsetzung ihrer militärischen und wirtschaftlichen Herrschaftsansprüche – ohne auf die unterschiedlichen Interessen Rücksicht zu nehmen und die Mindeststandards des Völkerrechts zu beachten.

Auf diesem Hintergrund ist es mehr als alarmierend, dass die Europäischen Länder und ein großer Teil der NATO-Mitglieder weiter einen faschistisch agierenden Diktator, nämlich Donald Trump, und einen autokratischen Ministerpräsidenten Israels, nämlich Benjamin Netanjahu, mit seinen rechtsextremistischen Ministern, als „Verbündeten“ bezeichnen und teilweise huldigen. Was aber verbindet ein freiheitliches und demokratisches Europa und Deutschland noch mit Politikern, die kein Problem damit haben, mit der totalen Vernichtung der iranischen Bevölkerung zu drohen und ganze Regionen wie den Gaza und Südlibanon zu zerbomben? Es wird höchste Zeit, dass die Regierungen Europas und vor allem Deutschlands die ethisch-rechtsstaatlichen Maßstäbe ihrer Politik wieder anwenden, die sich aus ihren Verfassungen ergeben. Diese sind keine Floskeln für Sonntagsreden, sondern Konsequenzen aus Zeiten ethischer Verwahrlosung.

Was jetzt vonnöten ist: eine Vision europäischer Friedenspolitik, auch als Konsequenz aus der Niederlage des Krieges. Diese sollte sowohl die Verteidigungsfähigkeit europäischer Länder im Blick haben als auch den grundsätzlichen Verzicht auf militärische Interventionen und kriegerische Aggressionen nach innen und außen. Eine solche Friedenspolitik sorgt im Innern notwendig für sozialen Ausgleich und gleichberechtigte Teilhabe; nach außen setzt sie bewusst nicht auf militärische Interventionspolitik, sondern im Blick auf den Nahen Osten auf eine Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Nahen Osten und im Blick auf die Ukraine und andere Staaten im Einflussbereich Russlands auf die Erhaltung von deren Souveränität und ihres Selbstbestimmungsrechtes. Was die europäische Politik auszeichnen sollte: Sie achtet auf ein Höchstmaß an Glaubwürdigkeit. Sie spricht nicht von „Kriegstüchtigkeit“ (die Polizei spricht ja auch nicht im Kampf gegen Kriminalität von „Verbrechenstüchtigkeit“), sondern sie trägt das Ihre zu einer eigenständigen, friedlichen Entwicklung der außereuropäischen Länder im Sinn der Charta der Vereinten Nationen bei. Letzterem hat auch die Verteidigungsfähigkeit zu dienen.

Hier ist es an der Zeit, dass sich eine Partei mit einer großen internationalistisch-europäischen und friedenspolitischen Tradition wie die SPD mit einer neuen Vision einer europäischen Sicherheits- und Friedenspolitik profiliert. Da ist sehr viel mehr gefragt, als nur an die Ostpolitik Willy Brandts zu erinnern bzw. gigantische Aufrüstungsprogramme „durchzuwinken“. Im Mittelpunkt sollte ein Europa stehen, das sich ideologisch und militärisch aus dem Zangengriff zwischen Putin-Russland und Trump-USA löst und keine ideologischen Kompromisse mit einer auf militärischer Aggression und wirtschaftlicher Ausbeutung angelegten Politik eingeht.  Aber das setzt voraus, dass wir jetzt erkennen und offen(siv) kommunizieren: die Niederlage des Krieges. Dem gilt es entgegenzusetzen die Vision einer friedlichen Koexistenz, die im Innern wie nach außen auskommt ohne gegenseitige Abschottung. Spätestens hier wird deutlich, wie sehr sich eine offene, freiheitliche, demokratische Gesellschaft und eine auf Frieden basierende europäische Politik bedingen. Daraus ergeben sich für die SPD drei Grundthemen:

  • der innergesellschaftliche Zusammenhalt durch Bildung und soziale Gerechtigkeit,
  • die europäische Einigung als demokratischer Gegenentwurf zum nationalistischen Autokratismus,
  • die Vision einer eigenständigen europäischen Friedens- und Sicherheitspolitik.

 

13 Kommentare

  1. Die von Christian Wolff speziell an die SPD, eigentlich an alle politisch Verantwortlichen gerichtete Erwartung einer europäischen Friedenspolitik hat ihren Beweggrund einmal in dem ärgerlichen Wort „Kriegstüchtigkeit“, zum andern in dem gerade eskalierten Krieg Israels (und der USA) gegen den Iran und gegen die vom Iran geförderte libanesische Hisbollah.

    „Kriegstüchtigkeit“ aus dem Mund des SPD-Ministers Pistorius sehe ich nicht als Zeichen fehlender Friedenspolitik, sondern als allerdings unkluges Eindeutschen von Si vis pacem para bellum. Bezogen auf Europa gibt es über Visionen hinaus die KSZE, seit 1994 OSZE, als im Budapester Memorandum Russland der Ukraine die Achtung von Souveränität und Grenzen zusicherte, und die USA, die Ukraine zu unterstützen, falls Russland die Vereinbarung brechen sollte. Als Friedenskonzeption für Europa hätte das ausreichen können. Aber nun heißt es, sich zu erinnern nicht nur an die Ostpolitik von Willy Brandt, sondern auch an den Wehretat zu Zeiten der Kanzlerschaft von Willy Brandt. Heutiger Deutschlandfunk-Meldung zufolge baut gerade ein anderer Budapest-Vertragspartner, Belarus, Straßen und Artillerie-Stellungen im Grenzgebiet zur Ukraine aus. Da braucht’s halt zusätzlich zu Vereinbarungen und Friedens-Zusicherungen die Divisionen, die deren Einhaltung sicherstellen.

    Demgegenüber fehlt es im Nahen Osten weder an Kriegsgerät noch an kampferprobtem Personal. Hier fehlt es in der Tat – versäumt seit Jahrzehnten – an einer KSZ-Nahost für den israelisch-palästinensischen Konflikt, wie sie 2002 Klaus Kinkel vorgeschlagen hat, und an einer KSZ-Golf für den iranisch-saudi-arabischen Konflikt (Steinmeier u.a.). Netanjahu führt nicht nur ein Land, das seit Jahrzehnten permanent angegriffen wurde, Herr Schwerdtfeger, sondern ebenso ein Land, das seit Jahrzehnten seinen Nachbarn eine eigenständige Entwicklung versagt – mit staatlich organisiertem und gefördertem Blockieren, Besetzen, Enteignen, Zerstören, Vertreiben, straflosem Töten. Es gibt ihn nicht, den „luftleeren Raum“, aus dem heraus die Verbrechen des 7. Oktober verübt wurden. Indem Sie, Herr Schwerdtfeger, und die ob ihrer Verbundenheit mit Israel allemal zu respektierende Frau Palm-Funke die Ursache für Widerstand, für Intifadas, Terrorismus und Raketen auf Israel ignorieren, repräsentieren Sie die deutsche Nahost-Politik, die gegen die Gewaltspirale allenfalls Besorgnis äußert, aber keine Strategie entwickelt. Innenpolitisch hat Deutschland sich die Ermahnung des Europarats eingefangen dafür, dass bei Kritik an der israelischen Regierung die Meinungsfreiheit unverhältnismäßig eingeschränkt werde. Mit Berufung auf die Antisemitismusdefinition der IHRA (Internationale Allianz zum Holocaustgedenken) hat der Bundestag die BDS-Kampagne als antisemitisch gebrandmarkt. Dabei wird die IHRA-Definition genutzt, Israel-Kritik als Antisemitismus zu verunglimpfen. Auf diese Weise werden jüdische Menschen, anstatt sie mit ihrer eigenen individuellen Haltung wahrzunehmen, als Kollektiv in eins gesetzt mit der israelischen Politik – die Wiederkehr alter antisemitischer Denkmuster in neuer Form (Raphael Schmeller, Berliner Zeitung).

    So erwarte ich nicht von Deutschland, lieber Christian, und nicht einmal von der SPD oder den Grünen (Omid Nouripour und Luise Amtsberg hatten sich allerdings dahin geäußert) einen nennenswerten Beitrag zu einem wirklichen Friedensprozess im Nahen Osten. Vorher müssen wir unsere eigenen Widersprüchlichkeiten klären.

  2. Lieber Christian – Deine drei SPD-Grundsatzthemen haben sich ganz aktuell mit dem Wahlausgang in Ungarn trefflich bestätigt – Gott sei Dank.
    Dieses Ergebnis hat nicht nur für Ungarn entscheidende Auswirkungen, sondern auch für die EU und sicher auch für die Weltpolitik. Das die sog. Wahlhilfe durch das narzisstisch agierende Weiße Haus das Gegenteil erreichte, was eigentlich gewollt war (von Orban), zeigt auf, wie zivilgesellschaftlich demontierend dieser Autokrat 16 Jahre lang „sein“ Land demontierte. Und auch Putin muss sich Fragen stellen, vorausgesetzt, er ist dazu in der Lage.
    Jean Asselborn hielt zum Friedenspreis Dresden 2026 gestern in der Semperoper eine grandiose Laudatio für eine polnische Aufrechte, für Klementyna Suchanow, die in einem Land lebt und engagiert ist, wo auch fatale Autokratismen in der Präsidialkanzlei höchst antidemokratisch wirken. Danke für Deinen Beitrag und ja, auch Dank an Herrn Schwerdtfeger für seine zumeist sachliche Argumentationen. Deinen Kommentierungen dazu kann ich nur zustimmen.
    Übrigens, nehmen wir allesamt die Äußerungen eines Trump zur Kenntnis, die ganz sicher psychoanalytisch eine nicht mehr zu übersehende Dekadenz und geistige Deformiertheit des noch immer amtierenden USA-„Präsidenten“ dokumentiert, dann gipfelt aktuell dessen Verbal-Katastrophen gegen Papst Leo XIV. in unfassbare Niederungen. Und immer mehr steht die Frage: Wo bleiben die Demokraten, die Weltpolitik?
    Adieu – Dein Jo

    1. Die unsäglichen Ausfälle Trumps gegenüber dem amerikanischen Papst (u. a. Leo XIV. solle sich zusammenreißen, er sei zu lasch im Umgang mit Kriminalität und schrecklich für die Außenpolitik) erinnern mich an die die hasserfüllten Reaktionen des Ostblocks als der polnische Papst Johannes Paul II die Religionsfreiheit zum politischen Sprengsatz werden ließ.

  3. Es ist ja nicht sehr originell festzustellen, dass Krieg keine Probleme löst, lieber Herr Wolff, wenngleich Sie natürlich trotzdem Recht haben. Der Grund hierfür ist, dass die Frage „löst Krieg Probleme?“ eben falsch gestellt ist. Richtig gestellt hieße die Frage: „Wie kann es gelingen, sich vor einem von außen aufgezwungenem Krieg oder dessen Gefahr zu schützen?“, womit wir wieder bei meiner Feststellung sind, dass es nicht um das Ziel – Friede – geht, sondern um den richtigen Weg dorthin.
    Ein zweiter Irrtum Ihrer Darstellung liegt in der Gleichsetzung von Trump und Netanjahu. Trump, in der Tat, hat keinerlei Vorstellung davon, wie das militärische Instrument Außenpolitik unterstützen kann und wo umgekehrt die Grenzen liegen. Er betrachtet die Streitkräfte Amerikas als sein persönliches Spielzeug und Männlichkeitssymbol und ist dabei offensichtlich nicht belehrbar. Die US-Verfassung bestimmt ihn zum Oberbefehlshaber und beide Häuser des Kongresses verzichten aufgrund der Mehrheitsverhältnisse auf ihr Mitsprache- und Entscheidungsrecht. Dies ist ein Zusammenbruch der amerikanischen Demokratie. Netanjahu dagegen führt ein Land, das seit Jahrzehnten permanent angegriffen wurde, bis hin zu dem kriegsvölkerrechtlichen Verbrechen des 7. Oktober, und das unter der Drohung der Auslöschung steht – dies insbesondere durch das verbrecherische Regime des Iran selbst und durch seine terroristischen Zellen, die andere Staaten unterwandert haben. Dies erklärt auch, warum seine augenblickliche Politik in Israel hohe Zustimmung findet.
    Und ein dritter Irrtum: Zwar ist Ihnen zuzustimmen bezüglich Ihrer Darstellung der “Ergebnisse“ des augenblicklichen Nahost-Krieges. Falsch allerdings ist die einseitige Darstellung, die Trump’sche Politik ALLEINE gefährde hier den Weltfrieden. Das Regime des Iran ist seit Jahrzehnten – in dieser Region – Auslöser der Gefährdung des Weltfriedens und eine falsche Reaktion Trumps auf diese Tatsache ändert daran eben nichts. Richtig ist allerdings, dass Trump die Lage erheblich verschärft hat – ein Beweis dafür, dass Streitkräfte bei aller Notwendigkeit, die Sie ja immerhin nicht bestreiten, wohl mit erheblich mehr Verstand und Verantwortung eingesetzt werden müssen.
    Sie bieten als Lösungen an:
    Eine „Vision europäischer Friedenspolitik“. Ihre Parameter hierfür – „grundsätzlicher Verzicht auf militärische Interventionen und kriegerische Aggressionen nach innen und außen“ – sind in der EU und in Europa bereits gegeben, denn niemand hier postuliert militärische Intervention oder Aggression.
    Eine Sicherheits-/Zusammenarbeitskonferenz für Nahost und die „Aufrechterhaltung“ der Souveränität der Ukraine gegen Russland. Das sind Schlagworte, denen bei Ihnen der Inhalt fehlt: Mit dem Iran ist seit Jahren verhandelt worden und dies hat die Mullahs nicht von weiterer Aufrüstung abgehalten – eine Gefahr konkret auch für Europa; und die Souveränität der Ukraine wird militärisch gestützt – ohne Erfolg wegen Halbherzigkeit und Rechthaberei.
    Ein Höchstmaß an Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigkeit ist eine Währung, die der fachlichen und materiellen Untermauerung bedarf, nicht der Parolen. Diese Grundlagen für Glaubwürdigkeit bieten derzeit weder die EU noch Deutschland – und Ihre allgemeinen „Visionen“ sind wenig hilfreich. Kriegstauglichkeit als Abschreckung ist ein gesellschaftliches Muss und das Polizeiäquivalent zu dieser Vokabel ist offensichtlich Sicherheitstauglichkeit – eine Gesellschaft nämlich, die Sicherheit über Datenschutz, Verbrechensbekämpfung („Bekämpfung!“) über Missbrauch von Rechten, Leitkultur (= Grundgesetz) über Unterwanderung stellt.
    „Im Mittelpunkt sollte ein Europa stehen, das sich ideologisch und militärisch aus dem Zangengriff zwischen Putin-Russland und Trump-USA löst und keine ideologischen Kompromisse mit einer auf militärischer Aggression und wirtschaftlicher Ausbeutung angelegten Politik eingeht.“ Diese Ihre Aussage unterstellt, dass Europa augenblicks eine solche Politik nicht verfolgt, was ich so nicht sehe. Vor allem aber ist es wieder einmal eine Aussage, die das Ziel des Friedens völlig außer Acht lässt. Durch Aufbau einer eigenen Verteidigung und durch Stärkung unserer Wirtschaftskraft lösen wir uns aus der Fremdbestimmung Russlands und der USA – aber das braucht leider Zeit und Überzeugung derjenigen, die wie Sie nur Vokabelpolitik betreiben. Und solange sind „ideologische Kompromisse“ leider notwendig – wie schon seit langem das Beispiel des Michael Kohlhaas zeigt: Fiat iustitia et pereat mundus, wohl kaum ein guter Weg!
    Also, lieber Herr Wolff: Die Niederlage des Krieges – ja, aber das ist nichts Neues im moralischen Sinn und leider unreal in der praktischen Politik der letzten 5000 Jahre. Die Notwendigkeit der Verteidigung als bestes Mittel zum Frieden – offensichtlich, und das ist Kriegstauglichkeit im besten Sinne. Und deren materiellen und personellen Umfang sollte man den Experten überlassen und nicht dem Gefühl einzelner – und mit Experten meine ich keinesfalls alleine Soldaten, sondern die Sicherheits-Community, zu der man Sie verständlicherweise nicht rechnen darf.
    Andreas Schwerdtfeger

    1. Zunächst, lieber Herr Schwerdtfeger, begrüße ich es sehr, dass in Ihrer Replik jede Häme fehlt. Das erfreut mich. Angesichts der schrecklichen Realitäten verbietet sich auch jede Form von Überheblichkeit. Darum ein paar Anmerkungen:
      1. Benjamin Netanjahu verfolgt seit Jahren das Ziel, gegen den Iran militärisch vorzugehen. Dass seine Kriegspolitik von einer Mehrheit der Israelis unterstützt wird, wie Sie behaupten, macht die Sache nicht besser. Netanjahu hat die Verhandlungen mit dem Iran und das Ergebnis von 2015 mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu hintertreiben versucht. Er hat maßgeblich Trump in den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg getrieben.
      2. Die Forderung einer Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Nahen Osten (KSZNO) ist schon sehr alt. Für mich stand sie spätestens mit dem Golfkrieg 1991 auf der Tagesordnung. Leider hat die EU eine Initiative zu einer KSZNO zu keinem Zeitpunkt ernsthaft ergriffen. Das Atomprogramm des Iran wäre innerhalb einer solchen KSZNO ein sog. „Korb“. Denn der Nahe Osten besteht aus sehr viel mehr als Iran.
      3. Sehr schön, dass Sie mir indirekt zustimmen: Das Äquivalent zu „Sicherheitstauglichkeit“ ist eben nicht „Kriegstauglichkeit“ sondern kann nur „Friedenstauglichkeit“ sein. Denn das, was es zu verhindern gilt, kann kaum zum politischen Ziel erhoben werden. Wer dies dennoch tut, landet in der Glaubwürdigkeitsfalle.
      4. Was die Befreiung aus dem Zangengriff angeht, haben sich seit gestern (Wahlniederlage Orbáns in Ungarn) die Bedingungen wesentlich verbessert. Dass dieser Weg Zeit benötigt, habe ich zu keinem Zeitpunkt bestritten. Allerdings erwarte ich von den Regierungen der EU-Länder und der EU selbst, dass sie die politische Zusammenarbeit mit Regierungen beendet, die die gemeinsame Basis Demokratie und Menschenrechte aufgekündigt haben. Letzteres git für die Trump-Administration. Auch hier geht es nicht darum, einem Richtigkeitswahn zu folgen, sondern um Glaubwürdigkeit zu bewahren.
      5. Den „materiellen und personellen Umfang“ von Verteidigung wird in der Demokratie Gott sei Dank nicht sog. Experten überlassen. Sie ist Angelegenheit aller Bürger:innen. Denn die wichtigste Verteidigungsleistung liegt darin, die Grundwerte unserer Verfassung zu leben und zu wahren. Das ist und bleibt Aufgabe von uns allen, auch von Ihnen und mir.
      In diesem Sinn beste Grüße, Christian Wolff

      1. Die EU soll die politische Zusammenarbeit mit der Trump-Administration beenden? Das ist unmöglich. Nehmen wir nur als Beispiel die Zollabkommen. Selbstverständlich müssen Übereinkünfte zwischen der EU und der USA auch dann geschlossen werden, wenn der EU die dortige Regierung mißfällt. Ich nenne das Zusammenarbeit, denn anders kommen Abkommen auf den verschiedensten Gebieten nicht zustande.

      2. Und zunächst auch, lieber Herr Wolff, freut mich, dass Sie Ihre Antwort inhaltlich sachlich formulieren und nicht, wie sonst, mit persönlichen Attacken.
        Ihre Antwort zeigt inhaltlich unterschiedliche Meinungen, wie sie in der Demokratie zu erwarten sind, deshalb gehe ich überwiegend nicht auf sie ein, obwohl ich sie – wie umgekehrt auch – für falsch halte. Zwei Anmerkungen aber sind notwendig:
        1 Ich halte es für schlicht albern, sich dauernd an Vokabeln zu binden: Ihr Vorschlag „Kriegs-“ und „Friedenstauglichkeit“ gegenüberzustellen, ist deshalb nicht zielführend, weil es ja eben um die Frage geht, WIE Friede herzustellen ist. Ihren Weg dazu kenne ich nicht – meiner ist, durch angemessene Bewaffnung UND Verdeutlichung des Willens eines Volkes/einer Gesellschaft zur Wehrhaftigkeit den potentiellen Gegner abzuschrecken von jeglicher Gewalttat. Und dabei liegt die (von Ihnen zu Recht geforderte) Glaubwürdigkeit in der Fähigkeit/Bereitschaft zur Verteidigung. Verteidigung – ein anderes Wort für Krieg, denn die Realität ist ja bei beiden gleich, nur die Schuldfrage ist anders – ist nicht nur legitim und notwendig, sie ist auch der einzige Weg zur Friedenserhaltung im Angesicht erfolgter Aggression. Und deshalb wiederhole ich: Es ist der Weg, nicht das Ziel, um den wir streiten. Die Vokabel ist dabei nicht wichtig, außer: Kriegstauglichkeit bezeichnet das Notwendige, Friedenstauglichkeit verschleiert den Weg zum gleichen Ziel.
        2 Ich halte Ihre Aussage, Verteidigung sei „Angelegenheit aller Bürger:innen. Denn die wichtigste Verteidigungsleistung liegt darin, die Grundwerte unserer Verfassung zu leben und zu wahren“ für unglaublich naiv und die Notwendigkeiten verschleiernd. Grundwert unserer Verfassung IST Verteidigung, denn nur dadurch kann Würde und Freiheit gegen mögliche Aggression gesichert werden. Und dass diese Aufgabe von Experten vorbereitet werden muss, ist ja offensichtlich. Auch wenn diese Frage natürlich „Angelegenheit alle Bürger“ ist, so bleibt doch klar, dass nicht jeder qualifiziert ist, solche Fragen inhaltlich zu beantworten. Unsere ganze Demokratie baut darauf – Gesundheitswesen, Sozialstaat, Wirtschaftsfragen, Klimaregeln, Haushalt, etc, dass Experten sich möglichst sachlich streiten und zu akzeptablen Kompromissen kommen. Weshalb wohl hat der Bundestag Fachausschüsse? Es bleibt Ihre Aufgabe einzusehen, wo Ihre Kompetenz nicht ausreicht und Sie deshalb den Experten glauben sollten.
        Ich grüße Sie,
        Andreas Schwerdtfeger

  4. Lieber Herr Wolff,
    seien Sie gewiss, der Vorstand des norwegischen Deutschlehrerverbands liest Ihre Ausführungen zum Programm der AfD anlässlich der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. Danke für Ihre Arbeit!

  5. Anfang April hatte Trump auf der Plattform Truth Social geschrieben: „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder zurückzukehren.“
    ….
    US-Präsident Donald Trump hat seine drastische Drohung gegen den Iran, „eine ganze Zivilisation“ auszulöschen, verteidigt. In einem Interview des US-Senders Fox News sagte Trump: „Ich bin einverstanden mit dieser Aussage.“ Sie habe die Führung in Teheran schließlich an den Verhandlungstisch gebracht.

    Quelle: web.de

    Ich halte diese Aussage für eine indirekte Drohung mit dem Einsatz von Kernwaffen.

  6. „Was sich in diesem Land abspielt, ist enorm bedrohlich“, schrieb mir zwei Wochen nach dem ersten Amtsantritt Donald Trumps im Februar 2017 ein Freund aus Los Angeles. „Wir blicken alle auf Deutschland und die Europäische Union, dass es euch gelingen wird, unsere Werte zu erhalten.“

    Derzeit war ich als häufiger Gastautor des SPIEGEL tätig. Neulich vermeldete dieses Medium:

    „Die nächsten Landtagswahlen in Deutschland finden am 6. September in Sachsen-Anhalt statt. Der AfD-Spitzenkandidat dort, Ulrich Siegmund, sagte schon vor zehn Jahren, seine Politik sei `gegen eingefahrenen Politikfilz, Mauscheleien, Steuerverschwender und ideologische Scheuklappen´ gerichtet. Das Donald-Trump-Playbook auf Sächsisch sozusagen. Nun hat Siegmund nicht die Wirkmacht eines Donald Trump. Aber wohin es führt, wenn Amateure einfache Antworten versprechen und deshalb demokratisch ins Amt gewählt werden, lässt sich gerade täglich auf Friedhöfen und Tankstellen begutachten.“

    Siegmund hat große Chancen. Am 20. September wählt Mecklenburg-Vorpommern. Ich bin auf die Wahlergebnisse in Ungarn gespannt.

    Allen Lesern, denen unsere Werte etwas bedeuten, wünsche ich Mut, Kraft und Tatendrang!

  7. Mir ist nicht klar, warum die Kriegstreiber immer wieder Oberwasser gewinnen! Weil sie Geld haben oder über Leichen gehen? Und letztendlich wird Trump gewählt, weil der Wähler hofft,dass er mehr Geld im Beutel hat. Welch fataler Irrglaube!!!!!

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