„Lügenpresse“

„Lügenpresse“ – dieser seit Jahrzehnten sattsam bekannte Schlachtruf zur Wegbereitung von Zensur und Verbot wird seit Wochen auf den sog. Pegida-Demonstrationen skandiert. „Lügenpresse“ erschallt dann aus Dutzenden Männermündern, wenn ein Journalist einem Demonstrationsteilnehmer eine Frage zu stellen versucht. Damit wird dem Gefragten unmissverständlich zu verstehen gegeben: Sage kein Wort! So funktioniert Diktatur im Kleinen: Die Meute bestimmt, was der Einzelne zu tun und zu sagen hat.

„Lügenpresse“ –das würden die Pegida-Marschierer auch einem Organ wie „Charlie Hebdo“ entgegenbrüllen, würde dieses in Dresden erscheinen. Denn an Pegida hätten die Journalisten dieser Satirezeitung kein gutes Haar gelassen – und das zu Recht. Doch nun – und das ist die grausam-makabre Ironie der Geschichte – wurden 10 Repräsentanten der „Lügenpresse“ durch einen Terrorakt derer, gegen die Pegida angeblich auf die Straße geht, ermordet. Islamisten im ungewollten Schulterschluss mit Pegida. So führt die Wirklichkeit die zusammen, die – von verschiedenen Orten aus – nicht nur die freie Presse sondern auch das friedliche Zusammenleben der Verschiedenen in einer demokratischen Gesellschaft „vereinheitlichen“ wollen. Da bin ich gespannt, ob heute den Pegida-Dahertrottern der Schlachtruf „Lügenpresse“ im Halse stecken bleibt. Aber das ist bei den Initiatoren dieser dumpf-schaurigen Aufmärsche eher nicht zu erwarten. Darum ein Vorschlag: Vielleicht nutzen die Pegida-Demonstranten den mitgeführten Trauerflor, um sich für die Dauer des Aufmarsches den Mund zu verbinden und in dieser Zeit das Gehirn einzuschalten und endlich aufzuwachen aus deutschtümelnden Alpträumen. Nachdenken ist nicht verboten … Die Gedanken sind frei!

 

Dieser Eintrag wurde gepostet in Leipzig, Politik und getagged , , . Bookmarken Sie den Permalink.

15 Responses to "„Lügenpresse“"

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*


*Sicherheitsabfrage