Zum Reformationsfest 2015: mein kleiner Katechismus

In den 22 Jahren meiner Tätigkeit als Pfarrer an der Thomaskirche habe ich wöchentlich Taufunterricht für Erwachsene erteilt. Dabei ist ein „Kleiner Katechismus“ in fünf Abschnitten entstanden – fünf Themenbereiche, die sich aus der jüdisch-christlichen Glaubenstradition ergeben und die sich in Gesprächen mit Menschen, die sich dem christlichen Glauben neu zuwenden, als kommunikationsfähig erwiesen haben:

  1. Der Glaube an den einen Gott – er relativiert alle weltlichen, politischen, ökonomischen Hierarchien, Machtstrukturen und Ideologien, beraubt sie ihrer beherrschenden Funktion und schenkt dem Menschen so Freiheit.
  2. Mit der Geburt wird jeder Mensch von Gott ins Leben gerufen und mit der Taufe zum Leben berufen. Durch diese Glaubensgewissheit erfährt jeder Mensch passiv und aktiv und unabhängig von seiner Herkunft und Beschaffenheit, seinem Glauben und seiner Leistungsfähigkeit seine Achtung und Würde.
  3. Alles Leben ist endlich. Entscheidend ist nicht die zeitliche Länge des Lebens. Entscheidend ist, dass wir die Zeit, die Gott uns schenkt, sinnvoll und verantwortlich gestalten – in der Hoffnung, dass uns die Fülle des Lebens nach dem Tod bevorsteht. Wir haben keinen Anspruch auf Leben wohl aber allen Grund zur Dankbarkeit für das Leben.
  4. Durch das Leben, Leiden und die Auferstehung Jesu erfahren wir, was Gott uns zukommen lässt und uns ermöglicht: Gerechtigkeit und Frieden, Gnade und Barmherzigkeit, die Ehrfurcht vor dem Leben.
  5. Obwohl wir Menschen trotz aller guten Vorsätze immer wieder an uns selbst scheitern und wissentlich das Falsche tun, begegnet uns Gott als der, der das Böse in Gutes umdenkt und uns durch die Zusage der Vergebung für das so erneuerte Leben wieder in den Dienst nimmt. In diesem Sinn ist Vergebung die Befreiung des Menschen aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit.
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