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Friedliches 2026? Wir haben uns zu entscheiden!

Wer sich im vergangenen Jahr gefragt hat, warum der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, in den sog. Verhandlungen mit Russland über einen möglichen Waffenstillstand und Friedensplan für die Ukraine regelmäßig die Position des Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, aufgreift, übernimmt und kommuniziert, hat spätestens am 2. Tag des neuen Jahres die Antwort erhalten: Trump wendet in der Verfolgung seiner nationalistisch-imperialen Ziele die gleichen Methoden an wie Wladimir Putin. Letzterer hat vor knapp vier Jahren die Ukraine militärisch überfallen mit dem Ziel, die Ukraine von einer angeblich faschistischen Regierung zu befreien. Tatsächlich ging und geht es Putin darum, unbedingt zu verhindern, dass sich in der Ukraine ein freiheitlich-demokratischer Staat etabliert. Vor zwei Tagen hat Trump Venezuela militärisch angegriffen, um den dortigen Präsidenten Nicolás Maduro festzunehmen und in die USA zu entführen und dort vor Gericht zu stellen. Ein vermuteter Regimewechsel steht derzeit nicht auf Trumps Agenda – unter der einen Voraussetzung: die neuen Machthaber in Venezuela müssen bedingungslos den Geschäftsinteressen Trumps und der ihm ergebenen Öl-Milliardäre dienlich sein. Da spielt es dann nur noch eine untergeordnete Rolle, ob das diktatorisch-autokratische Maduro-System durch eine demokratisch gewählte Regierung ersetzt wird.

Das militärische Eingreifen der USA kam nicht unerwartet. Schon seit Wochen hatte die US Army vor der Küste Venezuelas eine Drohkulissen aufgebaut. Über 30 Schiffe wurden versenkt. Angeblich sollten mit ihnen Drogen in die USA geschmuggelt werden. Bei diesen Aktionen wurden weit über 100 Menschen getötet – dies alles ohne völkerrechtliche Absicherung durch die Vereinten Nationen oder parlamentarische Legitimation durch den Kongress.* Putin und Trump verfolgen damit eine Politik, die alles aushebelt, was in den vergangenen 80 Jahren an regelbasierter Ordnung in der internationalen Politik geschaffen wurde – unabhängig davon, dass schon früher durch die Weltmächte gegen die Charta der Vereinten Nationen und gegen das Völkerrecht verstoßen wurde. Faktisch sind aber jetzt diese Vereinbarungen durch die drei Weltmächte Russland, China und USA aufgekündigt worden. Im Vordergrund für die drei Weltmächte stehen deren national-imperiale Ansprüche: Russland will sich die Ukraine, Moldawien, Georgien, China Taiwan, die USA wollen sich Venezuela, Kolumbien, Grönland und möglichst auch Kanada einverleiben.  Diese Herrschaftsansprüche lassen sie sich von niemandem infrage stellen – schon gar nicht von den eigenen Parlamenten oder der UNO.

Die bittere Erkenntnis am Beginn des Jahres: Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Menschenrechte und Menschenwürde werden von den derzeitigen Regierungen in Russland, China und USA nicht (mehr) als Maßstab für ihr Regierungshandeln anerkannt. Stattdessen wird zunächst das Umfeld der drei Weltmächte durch das militärisch durchgesetzte Recht des Stärkeren so auf Linie gebracht, dass sowohl der Zugriff auf natürliche Ressourcen gewährleistet ist, wie die Gesellschaften der „Vorfeld-Nationen“ durch autokratische Herrschaft auf Linie gebracht werden. Darüber sollten wir uns in Deutschland und Europa keinerlei Illusionen machen: Die Wahrscheinlichkeit, dass es eines Tages auch zu einem militärischen Eingreifen der USA in Deutschland kommen kann, ist mindestens so groß, wie ein militärischer Schlag Russlands gegen eines der EU-Mitgliedsländer. Man muss sich nur folgendes Szenario vor Augen führen: Das Bundesverfassungsgericht verbietet die AfD. Die USA sehen darin eine Bedrohung ihrer Interessen, ihrer Freiheit und der hier stationierten US-Soldaten – und lässt Bomber und Drohnen von Ramstein aufsteigen und über Karlsruhe sowie das Bundesinnenministerium in Berlin fliegen. Das würde der kürzlich veröffentlichten Sicherheitsstrategie der Trump-Bande im Weißen Haus entsprechen. Übertrieben? Ich fürchte: Nein! Denn bis jetzt hat Trump sein diktatorisches Zerstörungsprogramm rücksichtslos umgesetzt. Wer die Pressekonferenz Trumps am 03.01.2026 in seinem goldenen Käfig von Mar-a-Lago in Palm Beach verfolgt hat, der konnte feststellen, dass dort ein anstandsloser Moralverächter, systematischer Dauerlügner und brutaler Menschenverachter und skrupelloser Politiker am Werke ist. Ihm ist alles zuzutrauen.

Auf diesem Hintergrund ist es atemberaubend wie erschütternd, in welcher Unterwürfigkeit ein Bundeskanzler Friedrich Merz auf die militärische Aggression der USA gegen Venezuela reagiert. Wie soll man solchen Politikern noch einen moralischen Kompass unterstellen bzw. abnehmen, die vor einem kriminellen Gossenpolitiker und seinen Machenschaften einen solchen Kotau hinlegen? Wer will sich da noch wirklich aufregen über zerstörerische Gewaltexzesse gegen Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte an Silvester, das Anzünden eines Kältebusses der Diakonie, die Sprengung von Stromleitungsnetzen in Berlin? Noch verheerender ist, wenn sich Journalisten wie Gabor Steingart dazu versteigen, in Trumps Machtpolitik einen „Schutz der Moral“ zu entdecken. Was für ein Zynismus!

Zu Beginn des Jahres wird deutlich: Wir haben uns weltweit zwischen zwei Strategien zu entscheiden:

  • Der Apostel Paulus fast die biblische Ethik in dem programmatischen Satz zusammen „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Die Bibel: Römer 12,21) Säkular ausgedrückt bedeutet dies: In der Verfolgung der politischen Ziele, also im konkreten Handeln, muss die Wertigkeit der Ziele, die erreicht werden sollen bzw. an denen sich die Handelnden orientieren, erkennbar bleiben. Nur so können Glaubwürdigkeit und Vertrauen entstehen – Grundbedingungen für menschliches Miteinander.
  • Der Philosoph Hans Jonas stellt einmal die Frage: „Müssen wir Unmenschen werden, um die Menschheit zu retten?“. ** Adolf Hitler hat diese Frage in aller Konsequenz bejaht. Auch heute folgt der Faschismus dieser Strategie ebenso wie autokratische Systeme. Sie setzen die Menschenwürde, das Recht, die Demokratie, die Freiheit außer Kraft, um angeblich „Rettung“ zu erreichen. Das ist auch der politische Ansatz der Trump-Bande im Weißen Haus. Dieses Versprechen beschränken die Autokraten und Diktatoren zumeist auf die eigene Nation, eine bestimmte Rasse oder Religion, und lassen andere Menschengruppen und Nationen dafür bluten, um am Ende in der selbst verbrannten Erde unterzugehen.

Es wird in diesem Jahr darauf ankommen, dass wir uns von der trügerischen Illusion befreien, als ließe sich das Böse mit Bösem überwinden. Nein, wir werden uns zu unserem eigenen Schutz von jeder Art von „Rettungsgedanken“ lösen müssen. Diese führen uns in die Sackgasse zynischer, menschenverachtender Politik. Rettung sollten wir allein Gott überlassen. Wir müssen zurückkehren zu dem, was uns menschlich bleiben lässt: Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Damit haben wir genug zu tun.

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* Ein guter Freund hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass dieser Satz missverständlich ist. Sein Argument: Selbst wenn es eine völkerrechtliche Absicherung durch die Vereinten Nationen oder eine parlamentarische Legitimation durch den Kongress gäbe: Es ist und bleibt Mord – intendierte Tötung aus niedrigen Motiven. Was da gemacht wird, ist völlig unverhältnismäßig zum (angeblichen) Zweck. Die Boote abzufangen und die Fracht vor der Einfuhr zu sichern, ist problemlos möglich, wenn man sie erst einmal im Visier hat. Das stimmt, aber mein Zusatz beinhaltet für mich keine mögliche Rechtfertigung der Tötung.

** siehe auch: Carl Amery, Hitler als Vorläufer. Auschwitz – der Beginn des 21. Jahrhunderts?, München 1998, ab S. 183

35 Antworten

  1. Herr Dr. Tesche, Ihr Verständnis von Judentum wie das von orthodoxem Christentum leitet sich sehr einseitig ab von den polit-religiösen Zeitgenossen in TelAviv („Judäa und Samaria“) und in Moskau (Ukraine-Invasion = „heiliger Krieg“). Das sind nicht meine Kronzeugen für universale Werte.

    Völkerrecht:
    (Militärische) Verteidigung ist natürlich n i c h t „einzige Strategie der Konfliktlösung“. Sie ist nur – berechtigtes – letztes Mittel gegen gewalttätige Drangsalierungen, wie auch die vom Sicherheitsrat eingesetzte UN-Friedenstruppe letztes (kostspieliges) Mittel ist. Es geht nicht darum, völkerrechtswidrige Luftkriege zu legitimieren. Sondern darum, dass unterschieden werden muss zwischen völkerrechtswidrigen, dennoch humanitär begründeten Interventionen, für die, wie im Fall Kosovo, kein Sicherheitsratsbeschluss in Sicht ist, und solchen völkerrechtswidrigen Aktionen, die, wie jetzt in Venezuela, keineswegs die Befreiung von einem Gewaltregime zum Ziel haben. Das hat nichts zu tun mit „der Zweck heiligt die Mittel“.

  2. Ich empfinde als tragisch, wenn eine einst scharfzüngige, aber meist fundierte, oft um Objektivität bemühte Stimme vermutlich aus Frust über ein misslungenes, sich in Selbstauflösung befindliches „spannendes Experiment“ (BSW) nun Personen mit anderer Meinung charakterisiert als „die im Laufe ihres Lebens Evidenz verachtendes Denken verinnerlicht haben“, meint, „die Resignierten hoffen auf Gottes Werk, das Autokraten und Diktatoren zu Fall bringt… Andere laufen denen hinterher, die von einer europäischen Hegemonie außerhalb des Schattens Amerikas … fantasieren, sinnlos Ressourcen für Rüstung verschwenden, die wirtschaftliche Basis des eigenen Landes unterminieren, um sich dem aussichtlosen Unterfangen hinzugeben, Russland doch noch in die Knie zu zwingen. Das sind meistens auch diejenigen, die das Geschwafel von einem drohenden Angriff Russlands auf die NATO für bare Münze nehmen. Leider haben offenbar die großen Kirchen Deutschlands sich entschlossen, die Militarisierung der Gesellschaft theologisch zu begleiten“.

    Ich denke, wir leben in einer höchst gefährlichen Zeit, in der fundamentale Werte, die zuvor (offiziell) nicht in Zweifel gezogen wurden (an die sich „die Großen“ aber auch schon früher nicht immer gehalten haben), nicht mehr gelten.
    Unser bisheriges globales Agieren ist dabei, die Erde in eine klimapolitische Katastrophe zu stürzen, die Gegensätze zwischen arm und reich, Nahrungsmittel-Überfluss und -Armut, Kapital und Arbeit zu überdehnen.
    Aber es wird  lieber über vermehrte Abschiebungen nach Syrien diskutiert, ein Land, in dem sich lt. AM Wadephul nicht menschenwürdig leben lässt…
    Da wird die Rückkehr zu billigem Gas und Öl (vorzugsweise aus Russland), zur Stärkung, bzw. längeren Nutzung fossiler Energien gefordert.
    Fortschritte auf dem Weg zu einem geeinten, selbstbewussten und effizienten Europa werden als Fantasie abgetan.
    Der Aufbau einer verbesserten Verteidigungsbereitschaft wird als nicht notwendig erachtet, weil man entweder weiter auf die USA als Schutzmacht setzen, oder Putin als Friedensfürst ansehen kann, den man nur nicht provozieren darf.
    Hinter all dem steckt mE primär der Wunsch nach einem Zurück zu Bewährtem, Altbekanntem; keine Experimente…

    Ich schätze Christian’s Blog gerade deshalb so ungemein, weil hier aktuelle Themen und Herausforderungen klar angesprochen, eingeordnet und mit christlichen Werten verknüpft werden. Und ich kann nur bewundern  (tut mir leid, Dr. Tesche, ich weiss ad nauseam) mit welcher Geduld und welchem Gleichmut er dabei auf seine Kritiker:innen immer wieder reagiert.

    1. Kein Problem. Ich ertrage es geduldig, lieber Herr Käfer. Vielleicht bewundern Sie im Stillen auch diejenigen, die auf gleicher Basis zu anderen Ergebnissen kommen und andere Wege vorschlagen und sehen. Manchmal muss man die Perspektiven wechseln.

  3. Vielleicht gäbe es ja noch einen zusätzlichen Weg, über das hinaus, was dargelegt wurde, damit wir in nicht in das Dilemma kommen, vom dem Herr Wolff voller Sorge berichtet.
    Wir sollten etwas tun , was zwar angedacht aber nie aufgegriffen wurde:

    Europa könnte doch eine Abrüstungskonferenz vorschlagen, Abrüsten sowohl seitens des Westens in Europa als auch Russlands (Eine neue KSZE) in Europa . Das zumindest ins Gespräch bringen.

    Allerdings: Ohne das Erreichen der schnellen. eigener Verteidigungsfähigkeit in Europa zu stoppen. Der Ausgang ist ungewiss und dauert lange. Es darf nicht als Schwäche unsererseits verstanden werden, sondern als Versuch einer Problemlösung zur Wiederherstellung gut nachbarschaftlicher Beziehungen, verbunden mit einer wirtschaftlichen Annäherung.

    1. Ja, das wäre die einzig richtige und angemessene politische Initiative – und das wäre die genuine Aufgabe der Sozialdemokratie, so sie denn noch über eine:n visionären Außenpolitiker:in verfügen würde.

  4. Die Warnung Wolffs davor, “das Böse mit Bösem überwinden“ zu wollen, also bei der Verfolgung vermeintlich hehrer Ziele, Unmenschlichkeit in Kauf zu nehmen, halte ich für angebracht. Die erklärte Konsequenz, „Rettung“ (vor dem Bösen) überirdischen Kräften zu überlassen, zeigt m. E. viel Resignation. Das überrascht mich aber nicht. Das unbeirrbare Klammern an einfache Weltbilder ist destruktiv für die eigene Handlungsfähigkeit.
    Die Spitze der Unmenschlichkeit wäre es, einen großen Krieg in Europa zu riskieren, um die westlichen Ziele in der Auseinandersetzung mit Russland durchzusetzen. Es ist schon schlimm genug, dass die Europäer versuchen, die Trump’schen Friedensbemühungen zu sabotieren und den Ukraine-Krieg in die Länge zu ziehen, um Russland weiter zu schwächen. Der Plan Macrons und Starmers, Militärbasen in der Ukraine nach einem Waffenstillstand zu errichten, stellt praktisch sicher, dass es nie zu einem Waffenstillstand kommen wird. Schließlich war die drohende NATO-Präsenz in der Ukraine der wesentliche Grund für die Invasion Russlands. Um das Wohl der Ukrainer geht es kaum.
    Ob mir jemand mit meinen Einschätzungen recht gibt, hängt von seiner Sichtweise ab. Wer die Welt vorrangig als Schauplatz des Kampfes von Autokraten gegen die Errungenschaften der Demokratie sieht, für den ist der Zerfall der derzeitigen Weltordnung der Autokraten schmutziges Werk und für den sind die Friedensbemühungen Trumps im Ukrainekrieg amerikanisch-russische Autokratenkumpanei. Diese Leute kommen natürlich nicht auf die Idee, dass das Eingehen Trumps auf die Sicherheitsbedürfnisse der Russen eventuell ein Eingeständnis dafür sein könnte, dass eine globale amerikanische Dominanz nicht mehr durchsetzbar ist. Das heißt aber auch zu kapieren, dass die Ordnung, deren Siechtum derzeit beklagt wird, nicht die universell anerkannte regelbasierte Weltordnung war, wie ständig proklamiert wird, sondern eine Pax Americana und, insbesondere seit dem Ende des Kalten Krieges, eine liberale Hegemonie der USA. Eine Hegemonie, die nicht unbedingt förderlich für die Stabilität und allgemeine Entwicklung des internationalen Systems war (hier sehe ich Berührungspunkte zu Tesch).
    Je nach Sichtweise ergeben sich verschiedene Verhaltensoptionen. Die Resignierten hoffen auf Gottes Werk, das Autokraten und Diktatoren zu Fall bringt. „Nur ein Wink von seinen Händen /Stürzt ohnmächtiger Menschen Macht“ zitiert Wolff am 22. Dezember. Andere laufen denen hinterher, die von einer europäischen Hegemonie außerhalb des Schattens Amerikas, als dritte Großmacht in der Welt, fantasieren, sinnlos Ressourcen für Rüstung verschwenden, die wirtschaftliche Basis des eigenen Landes unterminieren, um sich dem aussichtlosen Unterfangen hinzugeben, Russland doch noch in die Knie zu zwingen. Das sind meistens auch diejenigen, die das Geschwafel von einem drohenden Angriff Russlands auf die NATO für bare Münze nehmen. Leider haben offenbar die großen Kirchen Deutschlands sich entschlossen, die Militarisierung der Gesellschaft theologisch zu begleiten (s. EKD-Positionspapier vom November letzten Jahres). Konstruktiver wäre es, sich mit den neuen Realitäten einer multipolaren Weltordnung abzufinden und diejenigen Kräfte zu unterstützen, die zu unser aller Wohl den Interessenausgleich auch mit dem angeblich „ewigen Feind“ (Wadepuhl) suchen, jenseits aller Überlegenheitsfantasien.
    Und wer hat nun recht? Letztendlich hilft nur die sachliche Auseinandersetzung mit Fakten. Denjenigen, die im Laufe ihres Lebens Evidenz verachtendes Denken verinnerlicht haben, bereitet das natürlich Schwierigkeiten. An dieser Stelle bin ich durchaus bereit, mich mit dem Ruf „Herr, lass Hirn vom Himmel fallen“ auch mal einem Gott zuzuwenden.

    1. Lieber Herr Lerchner, was sind das für merkwürdige Einschätzungen:
      „Schließlich war die drohende NATO-Präsenz in der Ukraine der wesentliche Grund für die Invasion Russlands. Um das Wohl der Ukrainer geht es kaum.“ Also: die NATO-Präsenz ist ein legitimer Grund für einen Angriffskrieg vor allem gegen die Bürger:innen der Ukraine mit irrsinnigen Zerstörungen?
      „Es ist schon schlimm genug, dass die Europäer versuchen, die Trump’schen Friedensbemühungen zu sabotieren und den Ukraine-Krieg in die Länge zu ziehen, um Russland weiter zu schwächen.“ Trump bemüht sich um Frieden? Derzeit kommt es mir so vor wie nach einem Raubüberfall mit Geiselnahme: die Polizei (Europa) verhandelt mit den Geiseln (Ukraine), versorgt diese mit Essen und Medikamenten, während ein potentieller Geiselnehmer (Trump), der gerade die nächsten Raubüberfälle plant, mit den Geiselnehmern (Russland) verhandelt. Das sollen Friedensverhandlungen sein?
      Diese Art von Rationalität, die so ganz nebenbei alles, was uns (noch) Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, freiheitliches Zusammenleben ermöglicht, zur Disposition stellt bzw. als Ausdruck „liberaler Hegemonie der USA“ diffamiert.
      Interessant, dass Sie uns empfehlen, sich mit diesen von Ihnen als „neue Realitäten einer multipolaren Weltordnung“ abzufinden und uns deren Diktaten zu unterwerfen. Wenn der liebe Gott sie in nächster Zeit mit zusätzlicher Hirnmasse ausstatten würde (was ich Ihnen wünsche!), dann müssten Sie erkennen: In dieser Trumnpschen oder Putinschen Weltordnung haben weder das Individuum, noch Menschenwürde, noch friedliches Zusammenleben, noch Demokratie, noch Rechtsstaatlichkeit, also Schutz des Einzelnen vor dem Zugriff der Staatsgewalt, einen Platz. Denn all das wird von den Trumps und Putins zu Tode getrampelt – Tag für Tag. Damit soll ich mich abfinden? Niemals, lieber Herr Lerchner! Das walte Gott!

      1. Lieber Herr Wolff,
        1)legitim ist ein Angriffskrieg nie. Aber es ging auch nicht um einen Freiheitskampf, sondern um eine strategische Maßnahme, wenn man mal die Literatur dazu heran zieht. Dabei spielte auch die bewusst betriebene Wolfowitz-Doktin eine Rolle, nämlich Russland von Europa zu trennen, insbesondere von D. Sie widerspricht dem, was zwischen Großmächten Praxis ist: Respektieren von Einflusssphären (Kuba-Doktrin sozusagen). Im Übrigen halten sich Großmächte nicht an das Völkerrecht, wenn es sie selbst oder ihre Freund betrifft (Israel z.B.)
        2) Wenn es Ihnen schwer fällt für die Ukraine-Verhandlungen das Wort Friedensverhandlungen zu verwenden, ist das gerne akzeptiert. Sagen Sie doch einfach „ein Deal verhandelt wird,“ um die Interessen zum Ausgleich zu bringen. Auch Gangster wissen, dass man nicht mit dem Kopf durch die Wand kommt . Deshalb werden dort Claims abgesteckt….. So versuchen die das Töten zu vermeiden und sich auf das Geschäft zu konzentrieren (lese ich …).
        3) Wir müssen uns nicht den Diktaten unterworfen. Wir müssen aber verstehen, wie die ticken.
        4) Wir müssen gegen diese Methoden angehen und kämpfen, aber nicht gegen unsere eigenen Interessen. Das mögen Sie moralisch kritisieren, es entspricht aber der menschlichen Klugheit.

        1. zu 1) Abgesehen davon, dass ich nicht genau verstehe, was Sie da meinen: Die Bevölkerung der Ukraine war nach 1990 darum bemüht, in einem durchaus konfliktbeladenen Prozess sich in einem demokratischen Staat zusammenzufinden. Gegen diese Entwicklung führt Putin-Russland einen Krieg.
          zu 2) Weder fällt es mir schwer, das Wort „Friedensverhandlungen“ in den Mund zu nehmen, noch handelt es sich bei den sog. Ukraine-Verhandlungen um einen „Deal“. Ich werde mich an Rationalisierungen von Verbrechen grundsätzlich nicht beteiligen.
          zu 4) Wer in der Verfolgung seiner Interessen die Grundlagen eines menschenwürdigen Zusammenlebens verletzt (so diese Teil seiner Interessen sind), handelt gegen seine Interessen.

          1. Ich habe nicht die Ukrainer kritisiert, sondern wie die Ukrainer mit Versprechungen und Zusagen missbraucht wurden seitens des Westens für eine Europa von Russland abgrenzende Politik, alles Folgende inkaufnehmend.
            Was Ihre Wortwahl habe ich nur einen Vorschlag gemacht. Sie müssen dem nicht folgen.

    2. „um sich dem aussichtlosen Unterfangen hinzugeben, Russland doch noch in die Knie zu zwingen“
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      Es geht den Europäern nur darum, dazu beizutragen, dass die Ukraine einen halbwegs fairen Frieden erhält. Das Ziel besteht also nicht darin, Rußland „in die Knie“ zu zwingen, sondern der Autokratenkumpanei Trump/Putin in den Arm zu fallen.

  5. Lieber Christian – diese Deine Neujahrs-Bedenken berühren mich sehr und zeigen mit Deinem Klartext, in welch hochproblematischen, gefährlichen, friedlosen Realitäten wir leben und es einigen Mutes bedarf, nicht in Depressionen zu verfallen. Wie Michael Käfer kommentierend ebenfalls punktgenau darlegt, versagt Fr. Merz nicht nur als Politiker, Staatschef einer noch funktionierenden Demokratie, sondern als Jurist – das elementare Völkerrecht (wo für ist denn nun eigentlich die ebenfalls mehr und mehr versagende UN zuständig?) missachtet Merz und das gibt sehr zu denken und desavouiert vor allem das grundlegende Fundament: das Menschenrecht. Über die lahm-Entische EU wird viel gesagt, geschrieben, der EVP-Chef Manfred Weber schwelgt in Führungspositions-Fantasien, wirft alle klimapolitischen Notwendigkeiten über Bord mit sanften Blicken in die rechtsextremen Seiten, von der Leyen wirkt mehr und mehr schauspielhaft inszeniert und niemand, aber auch niemand signalisiert dem Paranoia DT: STOPP.
    Venezuela, Grönland, Kuba, Kolumbien, seine sofortige Erklärung, dass die erschossene junge Frau (Mutter von drei Kindern) in Minneapolis einen ICE-Beamten mit ihrem Honda umgefahren hätte, es sich also um Notwehr handelt (…), obwohl die Fakten ganz anders per Video-Mitschnitten dargelegt werden können, 66 Institutionen der UN die Finanzförderungen gestrichen werden, weil Wokeness und NGOs die Interessen der USA nicht vertreten, Andersdenkende werden massiv kriminalisiert, die EU banalisiert und die ewigen Deals mit Putin bringen der Ukraine Tod und Zerstörung.
    Und die bundesdeutschen Politiker, wie Söder, Merz, Dobrinth, ergehen sich in „komplexen“ Theorien und die dauerhaft dem Volke versprochenen Reformen ersticken in Selbstgefälligkeit, Realitätsferne und Weltfremdheit.
    Sich auf die GRÜNEN zu stürzen demonstriert eine fatale Grundgesetzferne und vor allem niedere Instinkte, den das Abschieben von massiven Problemen auf Andere ist nun wirklich das Letzte und offenbart deutlich eigene Unfähigkeiten.
    Trotzdem, lieber Christian, lieber M. Käfer – ein hoffnungsstarkes, an Leib und Seele stabiles und aufrechtes 2026, vor allem aber inneren und äußeren Frieden. Das wünsche ich gern auch unserem Herrn Schwerdtfeger, welcher ja mit seinem Kommentar auf Christians Widerworte signalisierte, er wolle ja nichts anderes, als der Herr Pfarrer. Na dann mal los!! Sein Dank an Dich – danke Herr Schwerdtfeger! Und Ihnen mit uns Anderen ein gutes Blog-Jahr 2026. Streiten wir mit Respekt und Anstand, selbst bei kontroversen Haltungen.

  6. Ob Christian Wolff, Dr. Tesche oder Andreas Schwerdtfeger mit ihren Kommentaren recht haben oder nicht, sei dahingestellt. Niemand kann in die Zukunft schauen und niemand von diesen befindet sich dort, wo Entscheidungen getroffen werden. Wir könnnen uns aus unserem Wissen und unseren Erfahrungen heraus nur vorstellen, was passieren könnte, wenn der aufrichtige Teil der Menschheit nicht gegensteuert. Die Beiträge von Christian Wolff sehe ich als einen Kompass in dieser ins Taumeln geratenen Welt. Seine Weltanschauunng beruht auf menschlichen Erfahrungen von tausenden Jahren.

    Historisch gesehen wurde Jesus Christus in einer Zeit geboren., die der heutigen sehr änhnlich ist. Der römische Kaiser Augustus (63 v. Chr. bis 14 n. Chr.), war der Großneffe von Gaius Julius Ceasar und faktisch Alleinherrscher des Römischen Kaiserreiches als Ergebnis eines langen Bürgerkriegs. Unter der Devise der vorgeblichen Wiederherstellung der Republik betrieb er in Wirklichkeit deren dauerhafte Umwandlung in den quasi-monarchischen Prinzipat, der rund 300 Jahre lang bestand. Jesus Christus erhob seine Stimme gegen diese Monarchie – und bezahlte sein Engagement mit dem Leben. Es hat viele aufrechte Menschen gegeben, den ein äjhnliches Schicksal widerfahren ist. Geschichte wiederholt sich nicht, sie weist aber immer wieder Ähnlichkeiten auf.

    Erleben wir heute nicht die Verwandlung einer mächtigen demokratischen Republik in ein quasi-monarchistisches Prinzipat?

    Es gibt zwei Möglichkeiten der Politik: Entweder sie übt Macht über das Volk aus oder das Volk regiert sich selbst.. Das nennen wir Demokratie. Sie beruht auf einer Verfassung (Grundgesetz) sowie den darauf basierenden Gesetzen und Verträgen. Werden diese missachtet, folgen Willkür, Rechtlosigkeit, Korruption, Unmenschlichkeit…

    Sicher befinden sich Deutschland und die Europäische Union gegenüber den alten und neuen monarchistischen Prinzipaten in einer schwachen Position, sie können aber ihre Kräfte mobilisieren, und zwar auf der Basis ihrer Werte. Worauf denn sonst?

    1. > Erleben wir heute nicht die Verwandlung einer mächtigen demokratischen Republik in ein quasi-monarchistisches Prinzipat?<
      Die USA, aus der „Vogelperspektive“ betrachtet, zeigen seit Gründung eine gesellschaftliche Wirklichkeit, die mit der Verfassung einer Demokratie kaum in Übereinstimmung steht.
      Wir haben unverkennbar die Neigung, die USA zu überhöhen. Unter Trump kommt nur – wieder einmal – an die Oberfläche, was tief in der Gesellschaft verwurzelt ist – eine gefährliche Tendenz zur Selbstermächtigung bis hin zur Selbstjustiz!
      Und behalten wir im Hinterkopf: In den den US sind 300 bis 400 Millionen (!) Schusswaffen im Privatbesitz! Machen wir uns nichts vor! Die Situation in den USA ist „hochexplosiv“ …
      … und die Trumpadministration jedenfalls steht dem mittelalterlichen Raubrittertum nicht nach und schert sich nicht um das Völkerrecht.

  7. Kuba wird an einem Gedenktag der 32 getöteten kubanischen Personenschützer Maduros gedenken. Die Ermordung so vieler Menschen sollte nicht unerwähnt bleiben. Die „Rote Armee Fraktion“ rechtfertigte die Ermordung von im Kontext der RAF-Anschläge und -Attentate mindestens sieben Personenschützern, Fahrern und Begleitpersonen damit, dass diese den verhassten Ausbeutern dienten. Analog wird wohl die amerikanische Argumentation lauten, dass die Kubaner einem Verbrecher dienten.

  8. Lieber Herr Wolff,
    1. Ihr Entsetzen überrascht mich nicht, Ihre Schlussfolgerung halte ich jedoch für verkürzt. Die Annahme, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte seien bislang Maßstab des außenpolitischen Handelns von Großmächten gewesen, entspricht nicht der historischen Realität.
    Wie ich bereits in meinem Beitrag vom 3. Dezember 2025 (16:26 Uhr) zu Ihrem Blog vom 28. November („Friedenspläne? Oder: Wie Friedenspolitik zur brutalen Comedy verkommt“) ausgeführt habe, gilt es, nüchtern festzuhalten:
    – Völkerrecht wird von Großmächten selektiv angewandt.
    – Großmächte handeln interessengeleitet, nicht rechtsgebunden.
    – Es existieren ungeschriebene Regeln zwischen ihnen (Einflusssphären, Machtlogik).
    – Strategische Rationalität dominiert moralische Kategorien.
    – Moral ist stets interessengebunden.
    Dieses Verhalten ist keine Trump’sche Besonderheit, sondern prägt die US-Außenpolitik seit Jahrzehnten. Da scheint mir persönlich im Rückblick die Politik Russlands eher als Reaktion auf dieses Verhaltens (Wolfowitz Doktrin), denn als Absicht, bei China eher als neuer Weg zur Unabhängigkeit und als Reaktion auf den Westen und was der Westen mit der Liberalisierung der Wirtschaft zu Jelzins und Putins Zeiten erlebt hat, nämlich ein Chaos.
    Trump agiert lediglich schneller und offener, skrupelloser. Wer glaubt, internationales Handeln sei bislang überwiegend rechts- und menschenwohlorientiert gewesen, hat sich Illusionen hingegeben.
    2. Welche Politik Trump letztlich verfolgt, ist noch nicht abschließend erkennbar. Vieles deutet jedoch auf den Versuch hin, zwischen den „Großen Drei“ (USA, China, Russland) neue Einflusssphären zu verabreden. Europa droht dabei zum Objekt zu werden. Ob Eurasien unter russischer oder anderer Dominanz stünde, ist offen – möglicherweise ist es Trump schlicht egal.
    Die US-Sicherheitsstrategie vom November 2025 spricht auffällig offen von Einflusssphären; Russland wird nicht mehr als strategischer Hauptgegner bezeichnet. Vor diesem Hintergrund ist auch der Ukrainekrieg zu sehen: Weder ein US-Rückzug aus Europa noch eine nachhaltige Befriedung der Ukraine sind zu erwarten, solange die globale Ordnung ungeklärt ist. Öffentliche Stellungnahmen sind daher vielfach als taktische Nebelkerzen zu verstehen – auch im Fall Venezuela.
    3. Ihre Kritik an Friedrich Merz teile ich nicht. Freuen wir uns, nicht an seiner Stelle zu sein.
    In der aktuellen Lage halte ich diplomatische Zurückhaltung für rational, um Trump keinen Anlass zu geben, sicherheitsrelevante Zusagen gegenüber Europa zurückzuziehen. Ob dies moralisch problematisch ist, mag diskutiert werden – ein tragfähigerer Alternativvorschlag ist nicht in Sicht. (Hierzu auch die Position Bonhoeffers, der ein Leben lang auch taktieren musste..)
    Wer die Verantwortung für Europas heutige Schwäche sucht, wird vielmehr bei früheren Regierungen fündig. Die Lektüre von Mascolo/Gloger (Das Versagen) sowie Hans-Werner Sinn (Trump, Putin und die Vereinigten Staaten von Europa) zeigt deutlich, wie lange Risiken bekannt waren und wie konsequent dennoch politisches, sicherheitspolitisches und institutionelles Versagen fortgesetzt wurde.
    4. Europa steht nicht vor der Wahl zwischen moralischer Selbstaufgabe (Hitler Werden) und weltfremdem Pazifismus. Entscheidend ist:
    a) die Welt anzunehmen, wie sie ist – nicht wie wir sie gerne hätten;
    b) zunächst die eigene Handlungsfähigkeit zu sichern: militärisch, wirtschaftlich und politisch;
    c) Verteidigungsfähigkeit in einem europäischen Bund williger Staaten aufzubauen, ist der konkrete Vorschlag von Sinn, den ich teile;
    d) universelle Werte zu vertreten und sich auf sie zu berufen, ist weltfremd. Wir haben nicht das Recht alle in unserem Sinne erziehen und beurteilen zu wollen. Als Christ bleibt uns aber immer der Zwang jeden Andersdenkenden als Gleichwertig anzusehen und uns zu arrangieren, ein nachbarschaftliches Miteinander zu finden.
    e) wirtschaftlich wieder produktiver zu werden und Prioritäten realistisch zu überprüfen. Dazu gehört auch die Umweltpolitik der EU unter dem Aspekt der Verteidigungssicherheit.

    Kurzum: Wir müssen nicht verzagen. Aber wir müssen uns von Illusionen verabschieden und europäische Selbstbehauptung endlich ernsthaft betreiben durch mehr Realismus. Orientieren wir uns doch einfach mal an den Großen der SPD und CDU. Sie haben nicht gemeint, sie wollten nicht vor allem die Welt retten. Sie wußten: Das kann man nur, wenn man es sich leisten kann. Gott wird es nicht richten. Aber kann uns helfen, wenn wir uns um seine Sicht bemühen.

    1. „Universelle Werte zu vertreten und sich auf sie zu berufen, ist weltfremd. – Gott wird es nicht richten. Aber kann uns helfen, wenn wir uns um seine Sicht bemühen.“

      Satz 1 bedeutet den Abschied von jeglichen Werten. Satz 2 und 3 widersprechen einander. Denn wenn Gott es nicht richten wird, kann er uns auch nicht helfen. Wobei auch, wenn für Bemühungen um seine Sicht der Satz 1 gilt.

      Umgekehrt wir ein Schuh draus: Auf Gottes Hilfe hoffen heißt, seinerseits bereit zu sein, Gott zu Hilfe zu kommen – allgemeingültige Werte vorausgesetzt.

      1. Ich denke, ich habe mich missverständlich ausgedrückt.
        Ich meine natürlich die christlichen Werte, die die Christen als universal gültig ansehen. Deswegen bindet uns das in unserem Verhalten. Wir können aber nicht erwarten, dass alle Kreise auf diesem Globus diese Werte teilen. Wir können sie dazu auffordern, das vorleben etc. , aber wohin die Missionierung geführt hat, wissen wir alle. Also müssen wir ein Arrangement mit diesen anderen Sichtweisen finden, wie mit unserem Nachbarn, der ganz andere Sichtweisen hat und vielleicht Atheist ist.
        Wenn Sie das Recht , das Völkerrecht im Speziellen meinen und die dort niedergelegten Prinzipien, dann wissen wir, dass es keine Instanz gibt, die verbindlich festlegt und das auch durchsetzen kann, was im Konkreten damit gemeint ist. Das gilt insbesondere nach den bisherigen Erfahrungen bei den Veto-Mächten.
        Vor diesem Hintergrund halte ich es für weltfremd anzunehmen, dass man richtig liegt (im praktischen Ergebnis hier auf Erden) auf Basis des Völkerrechts bis zum Letzten zu gehen und einen Verteidigungskrieg als einzige Möglichkeit anzunehmen, weil ein Rechtsverstoß unsererseits festgestellt wurde, den wir das Recht haben, in unserer Weise zu beantworten.
        Vergessen Sie im übrigen nicht, wie kreativ man mit dem Völkerrecht umgeht. Nicht nur heute. Ich empfehle den Fall Noriega (ab 1989) zu studieren, der ähnlich wie Maduro völkerrechtswidrig entführt und verurteilte wurde, von den USA und von Frankreich.

        Mit der Bemerkung „Gott wird uns nicht helfen“ meinte ich, dass er nicht auf Erden das kodifizierte Recht oder unser christliche Ethik durchsetzen wird. Er kann uns Christen aber sehr wohl helfen auf Basis der Bibel den richtigen Wert für unser eigenes Tun zu finden und er kann uns Kraft und Zuversicht geben. Aber das Umsetzen liegt bei uns.

        1. Christliche Werte sind weitgehend deckungsgleich mit universal, mit über die Religionen und nicht-religiöse Weltanschauungen hinweg anerkannten Werten. Sie werden durchaus geteilt von allen Kreisen auf diesem Globus. Von anderen Sichtweisen, etwa radikal-evangelikalen, -islamistischen, ultraorthodoxen Kreuzzüglern erwarte ich nichts. Sich mit denen arrangieren zu wollen, führt nur zur Relativierung, d.h. Aushöhlung der Werte.

          Recht, auch Völkerrecht ist verbindlich festgelegt (kodifiziert). Es ist allen durchaus klar, was jeweils gemeint ist. Wenn das Recht nicht befolgt oder durchgesetzt wird, bleibt es doch Maßstab für rechtens und unrechtens. Verteidigung „bis zum Letzten“ ist keineswegs die einzige Möglichkeit, auf einen Angriff zu antworten. Das ändert aber nichts am Recht zur Verteidigung gegen einen Angriff oder einen unmittelbar bevorstehenden Angriff, im Kleinen wie im Völkerrecht.

          Nicht nur die Panama-Invasion 1989 war völkerrechtswidrig, auch der Kosovo-Luftkrieg der Nato 1999. Infolge der Festnahme Noriegas gelangte immerhin die Opposition an die Regierung. Der Kosovo-Luftkrieg erfolgte, um Menschenrechtsverletzungen abzustellen, dies nach Srebrenica, dem Massaker 1995 im Bosnienkrieg, auf das dann ebenfalls mit Luftangriffen reagiert worden war, da im Auftrag der UNO und zum Schutz der vom Sicherheitsrat eingesetzten UN-Friedenstruppe. Kritik an „kreativem“ Umgang mit dem Völkerrecht ist berechtigt, sollte aber immer auch Motive und Auswirkungen in den Blick nehmen, anstatt das Festhalten am Völkerrecht als weltfremd zu diskreditieren.

          Ob Gott hilft, geholfen hat, ist Glaubenssache. Eigene Entscheidung ist es, ob eines Christen, ob eines Atheisten, nach (auch) christlichen Werten zu handeln, diese umzusetzen. Darin sind wir uns einig.

          1. A) Auf den 1.Blick sind in den Weltreligionen viele Übereinstimmungen zu finden, okay (Stifung Weltethos, Küng..). Auf den 2. Blick sieht es anders aus, wenn ich nur an die Stellung des Einzelnen in der Gemeinschaft bedenke (Islam, Hinduismus, Konfuzionisimus, Judentum). Das betrifft dann aber Fragen der Demokratie etc. Wie das Judentum zur Frage der Nächstenliebe steht und zum Krieg, scheint auch nicht ganz unserer Auffassung zu entsprechen (um es gelinde auszudrücken). Ganz zu schweigen von der russisch-orthodoxen Kirche, deren Position zum Ukraine Krieg bekannt ist. Sie verweigerte gar eine Diskussion unter Kirchenvertretern zum Ukraine-Konflikt. Sie gehört aber immerhin zum Ökumenischen Rat der Kirchen.
            Kurzum, es gibt nicht das weltweit einige Verstehen der Gläubigen dieser Welt-leider- die den wichtigen Weg auf Basis gemeinsamer Wert formulieren könnten. Davon müssen wir leider weiter träumen.

            B) Was Sie zum Völkerecht schreiben ist richtig. und ich bin bei Ihnen, dass sich alle daran orientieren sollten. Aber: 1)Es ist ein Papiertiger wenn es nicht gegen alle umgesetzt werden kann (nicht gegen Vetomächte und ihre Freunde). Sie sind es im übrigen, die die Weiterentwicklung des kodifizierten Rechts betreiben und deren Auslegung und Anwendung und b) ja, es gibt es Prinzip der Selbstverteidigung. Der Obersatz gilt aber, dass Konflikte durch nicht-militärische Maßnahmen gelöst werden sollen. Die Selbstverteidigung ist nur ein ursprünglich als temporäres Instrument gedacht, weil die UN die Konfliktlösung vollziehen soll. De facto fällt sie aber aus. Wir betreiben als „Beteiligte“ nur die Verteidigung als einzige Strategie der Konfliktlösung. Das ist falsch und auf Dauer problematisch.
            Jedes schlechte Beispiel, zieht andere nach sich und schwächt das Völkerrecht.
            2) Es gilt hier ein Entweder-Oder. Sie können nicht einen Rechtsbruch nachträglich legitimieren, weil er sich im Nachhinein, als heilsam herausgestellt hat (was sicher unterschiedlich auf der Welt gesehen wird). So unterlaufen Sie den Absolutheitsanspruch der Werte, die sie einfordern und kommen zu einem Konsequenzialismus oder Utilitarismus, der den Rechtsbruch mit dem Ergebnis rechtfertigt, nämlich „Das Ergebnis heiligt die Mittel“ . Ich denke, mit dieser Auffassung , ist man zumindest im Streit mit dem Christentum. Dort gilt wohl „Der Zweck heiligt die Mittel nicht“.

          2. Nur zu Information: Das Doppelgebot der Liebe (Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten, Markus 12,30.31) besteht aus zwei Zitaten aus dem hebräischen Teil unserer Bibel, ist also ein wesentlicher Teil der jüdischen Glaubenstradition (5. Mose 6,4-5 und 3. Mose 18,18).

    2. Mit Friedrich Merz haben wir – in der Koalition mit der SPD – einen Kanzler , der taktiert, großmäulig Ankündigungen macht (Schuldenbremse!) macht, die nichts wert sind, und mit denen er erfolglos blieb (AfD halbieren!). Als Kanzler kommt er mit seltsamen Vergleichen daher (z B zum Stadtbild).
      Merz ist so unbeliebt wie Alice Weidel.
      Er hat gegen Merkel, AKK und Laschet in der Union den kürzeren gezogen. Die SPD hat ihn trotzdem zum Kanzler dann doch noch gewählt, obwohl er zuvor nicht einmal Bürgermeister war und bar jeder Erfahrung eines Regierungspolitikers war.
      Trotz der Bedrohung von außen durch Trump und Putin und der schwierigen wirtschaftlichen Lage gelingt es Merz nicht, eine breite Mehrheit für seine Koalition zu gewinnen. Dem Verteidigungsminister wird erheblich mehr vertraut als dem Kanzler!
      Merz – im Duo mit Spahn – ist Symbol für den Mangel an Motivation, Misstrauen und Zorn in der Gesellschaft. Darüber kann man nur besorgt sein.

  9. Sollte sich tatsächlich irgendjemand noch Illusionen zu Donald Trump gemacht haben, ist das spätesens mit dem völkerrechtswidrigen Überfall auf Venezuela erledigt!
    Ich kann Christian’s Beschreibung seines Regierungshandelns leider nur zustimmen: Donald der Große ist ein „anstandsloser Moralverächter, systematischer Dauerlügner, brutaler Menschenverachter und skrupelloser Politiker“!
    Als bekennender Nicht-Merz-Hooligan schäme ich mich für dessen Unterwürfigkeit und Komplexitätsgeschwafel; seinem Eid, als BK Schaden vom deutschen Volk abzuwenden, würde er mE durch Rücktritt derzeit am ehesten gerecht.

    Wo BK Scholz zauderte, schwieg, sich hinter den USA (allerdings unter Biden) versteckte, tönt BK Merz gern großspurig, stellt einige durchaus gute Überlegungen an (Europa, Wehrhaftigkeit, Investitions-Booster), versagt aber bei deren Umsetzung, übernimmt keine Führung und wird wohl demnächst auch als politische Führungskraft in der Welt nicht mehr sonderlich ernst genommen.

    Trump und Putin stehen sich in ihrer Amoralität in nichts nach; ich fürchte, dass Xi in deren Schatten mit der Annexion Taiwans in absehbarer Zeit einen weiteren Krisenherd generiert.
    Auch die nächste Umwelt-Katastrophe wird nicht mehr lange auf sich warten lassen; durch unser Nicht-Agieren beim Klimaschutz bzw. Konterkarrieren von positiven Entwicklungen (exemplarisch: Verbrenner-Aus) befördern wir das sogar tendenziell.
    Wahlerfolge der unsäglichen AfD bei den diesjährigen Landtagswahlen scheinen unvermeidbar, auch wenn BK Merz sich vor wenigen Jahren noch deren Halbierung zugetraut hatte (lieber Donald S., daran ist natürlich keinesfalls Herr Merz Schuld, sondern selbstverständlich nur die unfähige Verbotspartei der Grünen).

    An dieser Stelle kommt für mich dann die biblische Botschaft ins Spiel, spendet Hoffnung und Zuversicht!
    Sich darüber immer wieder lustig zu machen ist, gerade im Blog eines engagierten, aufrichtigen, um Ausgleich bemühten Pfarrers, schlicht unanständig.

    1. „seinem Eid, als BK Schaden vom deutschen Volk abzuwenden, würde er mE durch Rücktritt derzeit am ehesten gerecht“
      _____________________________________________________________________________________
      Der Ukrainekrieg muss stets im Blick bleiben. Nur mit der Unterstützung der Amerikaner hat die Ukraine eine Chance auf einen halbwegs fairen Frieden. Im März vergangenen Jahres fror Präsident Donald J. Trump die Militärhilfen für die Ukraine ein; das betraf auch die extrem wichtigen Geheimdienstinformationen an die Ukraine. Man beachte auch Trumps erratisches Verhalten gegenüber Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin. Die Politik des Herrn Bundeskanzlers gegenüber den Vereinigten Staaten ist daher ausgewogen und dient den Interessen des deutschen Volks.

  10. Trump treibt die Unmoral imperialistischer Politik auf die Spitze. Ich hörte vor einigen Tagen von einer Analyse der US-Politik im Deutschlandfunk. Dort wurde gesagt, dass die USA in ihrer Geschichte mehr als 100mal gewaltsam, also militärisch eingegriffen haben. Die USA bestehen in diesem Jahr gerade einmal 250 Jahre. Wenn diese Analyse stimmt, dann haben die USA im Schnitt etwa alle 2 Jahre einmal die Gewaltkeule herausgeholt.
    Es gab vor fast 4 Jahren mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine keine Zeitenwende, allenfalls gab es zuvor Illusionen über das geopolitische Handeln großer Mächte.

  11. Die „Unterwürfigkeit“ des Kanzlers wird hier also kritisiert und als Fehlen eines moralischen Kompasses bezeichnet. Richtig sei dagegen eine Politik des Überwindens des Bösen mit Gutem und das Vertrauen auf die Rettung durch Gott. Beeindruckend!
    Wir haben in der letzten Zeit einen Offenen Brief erlebt, der Ideologie vor Sachlichkeit und Fakten stellte und wieder bewies, dass solche Briefe weniger dem Thema als dem Ego des Autors dienen. Wir sind gespannt auf die Antwort des Bundespräsidialamtes – wird sie wohl hier veröffentlicht?
    Wir haben dann einen Politbrief zu Weihnachten erlebt – fünf Seiten AfD, zwei Seiten Weihnachten!
    Wir haben schließlich eine Aufmunterung zum Neuen Jahr erlebt, die ich gut fand – bis zu dem an sich richtigen Satz: „Zu viele Bürger:innen … haben kein Interesse an Vielfalt, Gerechtigkeit, Freiheit, an Diskussion, Kooperation und Kompromiss“. Die Reaktionen auf diesen meinen Beitrag – Wolff allen voran – werden sicherlich erneut zeigen, wie ernst in diesem Blog eine solche Aussage genommen wird.
    Ich stimme mit Ihnen überein, Herr Wolff, dass Trump generell und speziell auch in seiner neuesten Aktion gegen die Grundätze unserer Werte und Ordnung gehandelt hat und diese auch weiterhin bedroht. Dass der liebe Gott es schon richten wird, bezweifle ich, und halte mich da lieber an andere Einsichten, zB an Kant, „Was ist Aufklärung“: „Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen …, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.“ Fremde Leitung also hilft nicht weiter.
    Wir müssen auf den Verlust – oder zumindestens die Unzuverlässigkeit unseres bisher stabilsten Verbündeten – einstellen. Solange wir dazu die Mittel nicht haben – wirtschaftlich, militärisch und insbesondere auch psychologisch –, bleiben wir alternativlos unter dem Schutz dieses Verbündeten. Die Politik der europäischen Verantwortlichen – im Gegensatz zu den leichtfertigen Schwätzern – ist also nicht „Unterwürfigkeit“, sondern Notwendigkeit angesichts des Mangels an Alternativen. Stegner (SPD) kann vor sich hin schwatzen; Merz hat geschworen, Schaden vom deutschen Volke abzuwenden.
    Regelbasierte Ordnung ist notwendig. Wo war wohl der Appell aller jetzigen Besserwisser in Sachen Maduro in den letzten vielen Jahren? Die Diktatoren dieser Welt – Maduro, Lukaschenko, die sudanesischen Generale (ganz abgesehen von den „Großen“) – halten sich nicht an diese Ordnung; die UNO ist leider zu einem zahnlosen Interessenverein degeneriert; Europa hat sich erfolgreich ins Abseits manövriert. Und die Reaktionen der Moralisten in unserem Lande sind Politikverweigerung, Geschwätzigkeit, Besserwisserei ohne Verantwortung und Ausweichen ins Mystische. Wir müssen uns in der Tat entscheiden: Machen wir endlich eine Realpolitik, die uns (Europa) Gewicht verleiht, das uns Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet (und natürlich gleichzeitig die Erkenntnis verlangt, dass wir nicht die ganze Welt bessern und heilen können) – oder wollen wir weiter der Selbstverantwortung, die Gott dem Menschen aufgebürdet hat, ausweichen und uns auf Allgemeinheiten beschränken, die schön klingen und nichts bewirken.
    In „Paradise Lost“ von John Milton lässt dieser den Erzengel Raphael zu Adam im Auftrag Gottes sagen (Buch V, Zeilen 524 – 527):
    “God made thee perfect, not immutable,
    and good he made thee, but to persevere
    he left it in thy power, ordained thy will
    by nature free, not overruled by fate.”
    Der Mensch ist “naturgegeben frei”, nicht fremdgesteuert durch Schicksal (Gott), und er agiert im Rahmen seiner Verantwortung und diese geht über Schlagworte wie „das Böse durch Gutes überwinden“ wohl hinaus.
    Ich wünsche ein frohes Neues Jahr und freue mich auf sachliche Diskussionen.
    Andreas Schwerdtfeger

    1. Lieber Herr Schwerdtfeger, vielen Dank für die guten Wünsche zum neuen Jahr. Schade nur, dass Sie sich von einer Freude an einer „sachlichen Diskussion“ offensichtlich auch im neuen Jahr nicht wirklich anstecken lassen. Aber das soll mich nicht davon abhalten, kurz auf zwei Dinge einzugehen:
      1. Das unterwürfige Verhalten von Merz und der EU gegenüber Trump steht im krassen Gegensatz zu der sonst immer vorgetragenen Aussage: Gegen Diktatoren hilft nur eigene Stärke. Genau daran mangelt es, vor allem an einem gelebten Vertrauen in die Stärke des Rechts, der Demokratie, der Freiheit.
      2. Die Empfehlung, sich in der Kritik an Trump zurückzuhalten, weil uns die Mittel fehlen, der Politik Trumps die Stirn zu bieten, kommt mir so vor wie Durchhalteparolen an eine Frau, die unter der dem Alkoholismus und der täglichen Gewalt ihres Mannes leidet.
      3. Gott ist das Gegenteil von Schicksal, lieber Herr Schwerdtfeger. Auch ist die biblisch begründete ethische Maxime „das Böse mit Gutem zu überwinden“ kein Schlagwort, sondern ein entscheidender Orientierungspunkt für verantwortliches Handeln.
      Beste Grüße, Christian Wolff

      1. Lieber Herr Wolff,
        danke für Ihren Kommentar zu meiner Intervention.
        Widersprechen Sie sich nicht in Ihrem Punkt 1? Eigene Stärke haben wir eben genau nicht, weder im Inneren noch im Äußeren, wie alle Experten eindeutig sagen, und Vertrauen in das Recht, die Freiheit und die Demokratie bedarf eben genau der Fähigkeit/Stärke zur Durchsetzung. Und wer statt eigener Stärke eben nur Abhängigkeit und keine Alternative hat, der kommt schnell in den unberechtigten Verdacht der Unterwürfigkeit.
        Und damit erledigt sich leider Ihr Punkt 2.
        Ihren Punkt 3 nehme ich ernst. Das Problem, über das wir hier streiten, ist nicht die Frage, ob oder nicht das Christentum „entscheidender Orientierungspunkt für verantwortliches Handeln ist“. Der strittige Punkt zwischen uns ist der, dass Sie es stets bei diesem Hinweis belassen und sich, so mein Eindruck, um dessen Übersetzung in konkrete Politik drücken. Ich halte die Politik der jetzigen Bundesregierung (an der ja die SPD mitwirkt) für eine richtige und gute Politik, auch wenn sie nicht immer und in allen Punkten meinen Vorstellungen entspricht; ich halte sie nicht für „unterwürfig“ im Angesicht der Spielräume, die sie nunmal hat; ich halte eine Dauerkritik an der Regierung – schlimmer noch, wenn sie nur an einem Partner sich festmacht – in unserer jetzigen Lage für destruktiv, weil diese Kritik das von Ihnen geforderte Vertrauen schwächt und der AfD, den Linken und BSWlern – also den Populisten – Zulauf bringt; und ich halte eine Realitätsverweigerung bezüglich unserer Lage und das Ausweichen in moralische oder religiöse Positionen OHNE Konkretisierung in praktische Politik hinein für schädlich.
        Deutschland und die EU sind – darin stimmen wir überein – derzeit aus zwei geographischen Richtungen in unterschiedlichem Maße bedroht: In der Ukraine und in Grönland. Die Ost-Bedrohung ist die gefährlichere, auch wenn ich Putin noch lange nicht die Nato militärisch überfallen sehe (das braucht er auch gar nicht, denn die „punktuelle Bedrohung“ ist ja viel wirksamer, siehe den aktuellen Linksterrorismus in Berlin). Grönland dagegen ist keine militärische Bedrohung (denn eine US-Übernahme würde an der Sicherheitssituation der Nato und der EU wenig ändern), dafür aber eine erhebliche Vertrauens- und Rechtskrise innerhalb unseres Bündnisses sowie ein politisches Dilemma.
        Ich finde das alles recht „sachlich“. Sachlichkeit bedeutet nicht Übereinstimmung. Meine Absicht in unserer Diskussion ist nicht, Sie oder andere von meiner Meinung zu überzeugen; eher schon, die Übereinstimmung bezüglich Ihrer und meiner Zielsetzungen – Frieden, Freiheit, Wohlstand, Demokratie – zu betonen und dann über die Wege dorthin kräftig und auch lutherisch-deftig zu streiten. Mir scheint bisher, dass Sie und andere dies eben verweigern und sich zu viel mit meiner Person beschäftigen. Insofern ist mein Dank für Ihre jetzige Antwort sehr aufrichtig.
        Andreas Schwerdtfeger

        1. „Grönland dagegen ist keine militärische Bedrohung (denn eine US-Übernahme würde an der Sicherheitssituation der Nato und der EU wenig ändern)“
          ‐‐—————————————————————
          Die Annexion Grönlands durch die USA würde das Ende der NATO bedeuten. Das hätte eine ganz andere Dimension als die bewaffneten Auseinandersetzungen der NATO-Mitglieder Griechenland und Türkei.

  12. Lieber Herr Wolff,
    in Ihrer sehr prägnanten und m.E. sehr zutreffenden Analyse der augenblicklichen weltpolitischen Situation weisen Sie mit dem Zitat von Römer 12,21 auch hin auf unsere Situation, in der wir – so sehe ich mich – eher passiv und hilflos mit dem Bösen konfrontiert werden. Aber wir sind aufgefordert, das Böse mit Gutem zu überwinden.
    Da wird mir meine Hilflosigkeit erst richtig deutlich: Ja, wie denn? Was können wir Tun? Jeder an seinem Platz in der Gesellschaft, oder mehr gemeinsam, für Recht, Menschenwürde, Demokratie eintreten. … Reicht das, wie wir es bisher praktizierten? Ich fürchte NEIN. Aber wie denn noch..?? Wenn wir uns im Vertrauen auf Gottes Hilfe mehr und vielleicht gemeinsam im Gebet an Ihn wenden … Da sind die Friedensgebete ein gutes Vorbild.

  13. Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen spricht Klartext: „Das reicht jetzt“.

    Dann machte sich Trump noch ausdrücklich über den Nato-Partner Dänemark lustig: „Wissen Sie, was Dänemark jüngst gemacht hat? Um die Sicherheit in Grönland zu verstärken, haben sie noch einen Hundeschlitten hinzugefügt. Es ist wahr. Sie dachten, das war eine großartige Verstärkung.“ Trump hatte schon öfter damit gedroht, Grönland den USA einzuverleiben.
    https://www.n-tv.de/politik/Trump-erneuert-Groenland-Anspruch-und-verspottet-Daenemark-id30202766.html

  14. Danke, Christian für deine (wie immer ) klare Position. Zm Thema ein von mir verfasster kleiner Limerick:

    Du bringst Maduoro in den Knast / weil du die Macht dazu wohl hast.
    Doch solltest du dabei bedenken / das Augenmerk drauf zu lenken
    ob du dafür Beweise hast.

    Denn aus dem Weissen Haus / kahm ja manchmal schon was raus
    was als Lüge sich erwies / das fanden viele ganz schön fies.
    Red‘ dich nicht raus!

    Herzliche Grüße und ein segensvolles, friedliches 2026 Frank

  15. Die USA, China und Russland rüsten auf und die Abrüstungspolitik- und Rüstungskontrollverträge laufen aus. Diese Staaten sind nun bereit Krieg zu führen. Bittere Realität!
    Geopolitische Konsequenz ist, dass weitere Staaten sich atomar bewaffnen und weitere Unsicherheiten unvermeidbar hinzukommen.
    Und Handelskriege werden hinzukommen und sich ausweiten; Schlüsseltechniken wie die KI und Rohstoffe werden umkämpft werden. Die Klimakrise wird sich weiter verschärfen.
    Was können wir tun?
    Wir müssen dort beginnen den Entwicklungen entgegenzuwirken, wo wir in der Gesellschaft wirken können. In Deutschland ist vorrangig dem angewachsenen Rechtsextremismus entgegen zu treten, die Wirtschaft den neuen Rahmenbedingungen sozial verträglich anzupassen und eine europäische Verteidigungsstrategie rasch zu entwickeln im Zusammenwirken mit unseren Nachbarn.
    Unsere Verfassung bietet ein ausreichendes Instrumentarium Krisen durchzustehen. Es kommt dabei auf Entschlossenheit, Motivation und Mut an. 2026 könnte ein entscheidendes Jahr werden.
    Lieber Christian! Dein Blog bietet Zuversicht! Danke!

  16. Ich zitiere Ilko-Sascha Kowalczuk: „Ich habe keine Angst. Aber ich befürchte, mein Leben in Freiheit könnte von zwei Abschnitten in Unfreiheit eingerahmt werden.“ Wer Angst hat, hat schon verloren.

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