Von Allianzen und Unvereinbarkeiten – AfD und Evangelische Kirche

Es ist schon – wie der Sachse zu sagen pflegt – putzig: Die Rechtsnationalisten von der AfD legen ein Positionspapier vor mit dem Titel: „Unheilige Allianz – Der Pakt der evangelischen Kirche mit dem Zeitgeist und den Mächtigen“. Das stellten sie am vergangenen Dienstag in Berlin vor – unter dem Banner „Pfaffen sollen beten und nicht regieren“ (Martin Luther). In dem Papier beschweren sich die AfD-Fraktionsvorsitzenden aus Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern darüber, dass die Evangelische Kirche ihren eigentlichen Aufgaben nicht nachkomme. Wortführer der Gruppe ist niemand anders als Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender der AfD in Thüringen und Tonangeber der Rechtsnationalisten. Pikanterweise und höchst aufschlussreich: Keiner der Autoren des Positionspapiers gehört der Evangelischen Kirche an. Der einzige Grund für dieses Papier liegt klar auf der Hand: Wieder zelebriert sich die AfD als Opfer – dieses Mal Opfer der Evangelischen Kirche, die – statt sich mit der AfD einzulassen – sich mit den Mächtigen und dem Zeitgeist ins Bett legt, so Björn Höcke. Hinzu kommt, dass die Autoren der Schrift ziemlich unverfroren für sich geistige und geistliche Verwandtschaft mit dem kirchlichen Widerstand gegen Hitler und gegen den kirchenfeindlichen SED-Staat reklamieren und damit doch nur belegen, wie sie die Strategie der Umwertung der Werte beherrschen.

Darauf sollte niemand hereinfallen. Denn eigentlich ist es ganz einfach: Die AfD vertritt Positionen, die mit dem christlichen Glauben und dem kirchlichen Auftrag unvereinbar sind. Wer die Menschenwürde (Art. 1 GG) „auf ihren Kerngehalt und somit auf eine möglichst restriktive Auslegung“ beschränken will (AfD Programm für die Landtagswahl 2019); wer die Nächstenliebe nur auf den vertrauten Nachbarn, aber auch nur wenn der Deutscher ist, bezieht; wer plumpe Islamophobie betreibt und die Religionsfreiheit infrage stellt; wer Fremdenfeindlichkeit und verächtliche Vorurteile gegen Schwule und Lesben bedient, kann und will mit der Kirche nichts zu tun haben. Insofern dient der Auftritt dieser Herren wenige Tage vor dem 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund nur einem Ziel: die Kritik an der Evangelische Kirche im Gewande theologischer Argumente zum Resonanzboden für ihren widerlichen Rechtsnationalismus werden zu lassen – genauso wie es die Deutschen Christen in der Nazizeit getan haben. Auch damals war von Anfang an klar: Die NSDAP hatte mit den Inhalten des christlichen Glaubens nichts zu tun. Im Gegenteil: Dass Jesus am Kreuz sich ohnmächtig dem Tod auslieferte, dass er sich nicht gegen seine Peiniger wehrte, stand im krassen Gegensatz zum heldischen Herrenmenschentum der nationalsozialistischen Ideologie. Von diesem ist fast jeder Satz getränkt, den ein Björn Höcke von sich gibt. Sein völkischer Nationalismus, seine neuheidnische Deutschtümelei haben nichts, aber auch gar nichts mit den Grundwerten der biblischen Botschaft zu tun, dass Gottes Kraft im Schwachen mächtig ist.

Der Auftritt der AfD-Riege am vergangenen Dienstag bestätigt nur, wie wichtig und notwendig es ist, dass wir in den Kirchen eine klare Trennlinie zu den Rechtsnationalisten ziehen und keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass das AfD-Programm und christlicher Glaube unvereinbar sind, und die AfD für Christen nicht wählbar ist. Anders als vor 90 Jahren sollte die Evangelische Kirche hier klar und unmissverständlich bleiben und jede Allianz unterstützen, die sich den Rechtsnationalisten in den Weg stellt. Denn eines ist auch offensichtlich: Der AfD geht es mit ihren Ausfällen gegen die Kirchen nur darum, diese als Teil des verhassten Establishments zu brandmarken und sie gefügig zu machen, damit das Treiben der AfD sich langfristig nicht dem kritischen Maßstab christlicher Grundwerte stellen muss. Dass die AfD mit den Inhalten des biblischen Glaubens nichts anzufangen weiß, ist dann wohl auch der Grund, warum das Positionspapier auf der Homepage der AfD nicht zu finden ist.* Letztlich ist der AfD die Kirche gleichgültig, ihre Kritik rein taktischer Natur. Umgekehrt gilt das aber nicht. Dazu ist der völkische Nationalismus, der Rassismus, die Demokratiefeindlichkeit der AfD viel zu gefährlich, als dass wir das als Kirche einfach abhaken können. Nein: Wir müssen und wir können uns hier klar positionieren. Dafür brauchen wir kein neues Papier entwerfen. Es reicht der unverstellte Blick in die Bibel.

* Inzwischen wurde ich darauf hingewiesen, dass das Papier hier heruntergeladen werden kann.

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