Vom „Paulinum“ zur Universitätskirche St. Pauli

In ihrer Ausgabe vom 06. Juni 2014 berichtet die Leipziger Volkszeitung (LVZ) unter der Überschrift „Das Paulinum wird einfach nicht fertig“ über die weiteren Bauverzögerungen an der neuen Universitätskirche St. Pauli. In einem weiteren Artikel werden unter der verräterischen Überschrift „Von der Kirche zum Paulinum“ die wichtigsten Daten zwischen 1968 (Sprengung) und 2014 aufgeführt. Dabei bedient sich der Redakteur Andreas Tappert ausschließlich des Unwortes „Paulinum“. Im folgenden Leserbrief habe ich dazu Stellung genommen:

Ein Minister, der gouvernantenhaft protestierende Studierende durch die Rektorin gemaßregelt sehen will (vielleicht sollte man den Finanzminister daran erinnern, dass es vor 25 Jahren einen Aufbruch zur Demokratie gab!), eine Rektorin, die es bis heute nicht geschafft hat, die neue Universitätskirche als Ort des freien Wortes zu profilieren, und ein LVZ-Redakteur, der meint, sich per Überschrift von der Geschichte der Universitätskirche St. Pauli verabschieden zu können – das ist das unappetitliche Gebräu, das heute Morgen dem Leser der LVZ bereitet wurde. Dass die neue Universitätskirche auch in diesem Jahr nicht fertig gestellt wird, liegt weniger an logistischen Mängeln oder finanziellen Problemen. Es ist die Folge davon, dass die Verantwortlichen im Freistaat Sachsen und in der Universität Leipzig weiter mit Hingabe die Tatsache verleugnen, dass am Augustusplatz nichts anderes entstanden ist als die neue Universitätskirche St. Pauli – Gottesdienststätte, akademischer Raum für wesentliche Debatten, Ort der Universitätsmusik. Erst wenn man endlich die feudalistischen Züge im universitären Alltag abstreift und eine demokratisch gestaltete Kommunikation ermöglicht, wird man die neue Universitätskirche mit dem Geist erfüllen können, den Universität und Stadt so dringend brauchen. Solange dies aber nicht geschieht, bleibt es bei einem Trauerspiel, das Landesregierung und Universitätsleitung aufführen – von wegen ein großartiger Auftakt zum Stadtjubiläum.

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